Die Textilindustrie ist eine Branche des produzierenden Gewerbes. In der Textilindustrie werden textile Rohstoffe (pflanzliche wie Lein, Jute, Sisal und Baumwolle oder tierische wie Schafwolle und Seide) zu textilen Produkten (Gewebe, Filz etc.) verarbeitet und letztere zu textilen Gebrauchsgegenständen (z.B. Kleidungsstücken) veredelt.
Die Textilindustrie gehört zu den ältesten Industriezweigen, sie verbreitete sich unmittelbar mit der Industriellen Revolution. Im Mittelalter wurden Textilprodukte im häuslichen Betrieb (zum Eigenbedarf oder für einen Verleger) oder in kleinen Handwerksbetrieben hergestellt.
Die Textilindustrie war im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit vor allem in den deutschen Mittelgebirgen verbreitet, da diese Räume sowohl günstige klimatische Bedingungen für den Flachsanbau boten, als auch umfangreiche Wiesen für die Schafzucht vorhanden waren. Daraus entwickelte sich eine Leinen- und Wollverarbeitung (Spinnerei und Weberei).
Die Textilindustrie war in fast allen Mittelgebirgen vorhanden, besonders: Schwäbische Alb, Eifel, Hunsrück, Rhön, Vogelsberg, Frankenwald, Erzgebirge, Schwarzwald und Bayerischer Wald.
Bedeutende Teile der Textilindustrie der deutschen Mittelgebirge sind als Ersatzindustrien für den rückläufigen bzw. den aufgegebenen Bergbau entstanden – so die Spitzen-Klöppelei und Posamentenindustrie des Erzgebirges und die Trikotagenindustrie der Schwäbischen Alb.
Durch die von England ausgehende Mechanisierung des Spinn- und Webvorgangs Ende des 18. Jahrhunderts und die Verdrängung von Leinen und Wolle durch die Baumwolle verlor die Textilindustrie in den Mittelgebirgen zunehmend an Bedeutung, was schließlich zu großer wirtschaftlicher Not führte (Weberaufstand). Hingegen stieg die Bedeutung der baumwollverarbeitenden Textilindustrie, z. B. im deutsch-niederländischen Grenzgebiet.
Von 1955 bis 1980 gingen in der Bundesrepublik Deutschland über 400.000 Arbeitsplätze in der Textil- und Bekleidungsindustrie verloren.
Heute hat die Textilindustrie in Europa eine untergeordnete Bedeutung. Viele Stoffe kommen aus den Niedrigpreisländern, die einen großen Teil des europäischen Bedarfs decken, unter anderem der Volksrepublik China, Indien, Südkorea und Taiwan. Sie werden dort gefärbt und genäht.
Techniken der Textilindustrie sind zum Beispiel:
Traditionelle Zentren der Textilindustrie in Deutschland sind Aachen, Apolda, Augsburg, Aschaffenburg, Bielefeld, Bocholt, Chemnitz und das westsächsische Erzgebirgsvorland mit Crimmitschau, Krefeld, Mönchengladbach, Nordhorn, Oberfranken, Plauen und das Vogtland, Rheine, Schmallenberg, Wuppertal sowie Zittau, die Oberlausitz und das Wiesental im Südschwarzwald.
In Österreich sind dies Vorarlberg und das Waldviertel, wo vor allem die Banderzeugung beheimatet war und deshalb auch das Bandlkramerlandl bezeichnet wird, und das Mühlviertel.
In der Schweiz war die Textilindustrie vor allem in der Ostschweiz und im Zürcher Oberland mit Produktionsstätten stark vertreten. Heute ist Winterthur mit dem Hauptsitz der Firma Rieter und anderen ein Standort, an dem viele Textilmaschinen entwickelt werden.
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