Tescao ist eine alte tibetische Kriegskunst. Sie hat einen Lebensstil geprägt, welcher die Krieger sowohl psychisch als auch physisch auf den Kampf vorbereitet hat. Jahrhunderte lange Erfahrung wie Kenntnisse der tibetischen Medizin, der menschlichen Anatomie und Physiologie haben diesen Stil geprägt. Die Schüler erlernten die Kunst des Reitens, den Kampf zu Pferd als auch zu Fuß und den Umgang mit jeglicher Art von Waffen: Schwert, Speer, Messer, Bogen, Stock und später auch Schusswaffen, Gegenstände des nomadischen Alltags, wie Lasso, Peitsche, Kleidung oder einfache Äste und Steine. Die Techniken wurden so ausgerichtet, dass sie unabhängig von äußeren Umständen wie landschaftlichen Gegebenheiten, enge Räumlichkeiten oder Dunkelheit durchgeführt werden konnten.
Obwohl Tescao keine verschiedenen Stilrichtungen beinhaltet, so ist es doch so facettenreich, dass es unterschiedliche Bedürfnisse abdeckt. Das ursprüngliche Tescao ist als Kampfkunst zu verstehen. Ziel ist es, unter härtesten Bedingungen zu überleben. Die Techniken sind so effektiv und realitätsnah, dass sie in Spezialeinheiten des russischen Militärs (z.B. ALFA) Verwendung finden. Da im Tescao weder Graduierungen und Verbände noch ein Regelwerk vorhanden sind, finden keine Wettkämpfe statt. Dennoch können ausgewählte Übungen helfen, die Leistung in anderen Sportarten zu steigern. So fördert das spezielle Training u.A. explosive Kraft, Körperbeherrschung, Gleichgewicht, Koordination, Präzision, Instinkte und Reflexe. Auch für die Gesundheit bietet Tescao ein geeignetes Bewegungssystem. Viele der Bewegungen beruhen auf der natürlichen Drehfähigkeit der Wirbelsäule und sind fähig, körpereigene Energien freizusetzen.
Tescao beinhaltet in seinem System Würfe, Schläge, Tritte, Hebel, Feger, Akrobatik, Stockkampf und den Umgang mit weiteren Waffen. Das reichhaltige Wissen spiegelt sich in über 8000 Übungen wider. Eine zentrale Rolle spielt dabei die tescao-spezifische Akrobatik. Sie dient als Bewegungsgrundlage für den Kampf, fördert gleichzeitig Kraft, Beweglichkeit, Koordination und Körperbeherrschung. Formenlauf oder Schattenkampf existieren im Tescao nicht. Die Techniken für Schläge, Tritte oder Abwehr werden hier mit Hilfe von Bällen verschiedener Größe und Farbe trainiert. Der Ball simuliert den Gegner und verlangt durch unberechenbare Bewegungen ein situationsbedingtes Reaktionsvermögen. Durch die Verwendung verschiedener Größen entwickelt sich Gefühl, während die unterschiedlichen Farben die optischen Reflexe schulen und eine ständige Anpassung des Auges fordern. Das Krafttraining im Tescao findet fast ausschließlich mit dem eigenen Körpergewicht statt. Dabei fördern die Übungen sowohl statische als auch dynamische Kraft und bergen immer auch Komponenten der Geschicklichkeit. Die Dehnübungen im Tescao führen zur Geschmeidigkeit des gesamten Körpers. Dabei steht die Stimulation der Drehfähigkeit der Wirbelsäule im Mittelpunkt. Bei der Partnerarbeit muss der Schüler das Erlernte am Gegner umsetzen. Das gibt ihm Einblick in den Stand seiner Fertigkeiten .
Die Hauptschule besteht in ihrem Grundriss aus einem Neuneck, das auf der Basis von fünf Elementen entstanden ist: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Sie stehen für das Fundament, für Feuchtigkeit, Hitze oder Wärme, Beweglichkeit und Wachstum. Das Element Erde hat zum Beispiel die Eigenschaften schwer, stumpf, stabil, glatt, mild und trocken. Wasser hat die Eigenschaften flüssig, kühl, schwer, stumpf, stabil, mild, leicht, glatt und feucht. Feuer ist heiß, scharf, sauber, rau, leicht, luftig und beweglich. Luft ist leicht, beweglich, kalt, bleich und trocken. Der Raum ist leer und durchdringend. Während die Nomaden unterwegs waren, dienten die Elemente der Natur als Trainingsgeräte. In ihrer Schule haben sie dann durch den Bau spezieller Geräte die natürlichen Bedingungen und Formen nachempfunden. In den gegenwärtigen Schulen bringen die Kenntnisse der tibetische Nomaden großen Nutzen für Menschen aller Generationen.