Die zu den Niederlanden gehörende Insel Terschelling () (friesisch Schylge) ist eine der sechs Westfriesischen Inseln. Sie liegt etwa 15 km vor der niederländischen Nordseeküste.
Terschelling besitzt einen 30 km langen und bis zu 1 km breiten Strand. Eine ausgedehnte, oftmals beachtlich hohe Dünenkette trennt den Strand von einem landwirtschaftlich genutzten Poldergebiet. Die fruchtbaren Acker- und Weideflächen werden durch starke Seedeiche geschützt. Grundlage der heutigen Mischwaldgebiete war die Bepflanzung der alten Dünen am Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese Art der Befestigung sollte das Abtragen der Dünen durch den Wind verhindern.
Bezüglich Flora und Fauna ist Terschelling eine der reichsten Watteninseln. Unter den mehr als 600 wilden Pflanzenarten sind auch verschiedene seltene Orchideenarten anzutreffen. In den Dünen gibt es unzählig viele Wildkaninchen.
Infolge der Expansionspolitik der holländischen Grafen aus dem sogenannten "Hollandse Huis", die im 10. Jahrhundert ihren Anfang nahm, ging das friesische Gebiet zwischen dem Sinkfal und dem Vlie verloren. Dieser Prozess war um 1300 abgeschlossen.
Die holländischen Grafen führten in das eroberte Gebiet, das bis dahin "frij en frysk" (frei und friesisch) gewesen war, das Lehnswesen ein. 1314 bekam Jean van Beaumont von seinem Bruder Willem III. die Insel Texel zu Lehen. Graf Albrecht gab Ameland dem Arend van Egmond zu Lehen (1398) und Terschelling dem Jan van Arkel (1399). Im Jahr 1400 brach aber die holländische Herrschaft über das westerlauwersche Friesland faktisch wieder in sich zusammen, Jan van Arkel fiel in Ungnade und bereits 1401 wurde ihm der Besitz der Insel wieder entzogen, wodurch auch die Inseln zwischen dem Vlie und der Lauwers wieder weitgehend selbständig wurden. Formal blieb Terschelling aber weiterhin eine holländische Insel. So bekam 1417 Gerrit van Heemskerk sie als Lehen von der Gräfin Jacoba von Bayern. Er zahlte dafür 2000 "gouden schilden". Aber auch Gerrit van Heemskerck fiel in Ungnade, er musste nach Dänemark flüchten und ist dort auch verstorben. Seine Lehnsgüter blieben jedoch in der Familie.
Die eigentliche Macht übten in dieser Zeit jedoch die Terschellinger Häuptlinge aus der Familie Popma aus. Bereits aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind auf Terschelling Großgrundbesitzer der Familie Popma bekannt. Bereits 1322 hatte Willem III. mit Claas Elfssone einen der führenden Eilandbewohner zum Richter bestimmt. In 1398 machte Graf Albrecht von Bayern Ziwaert Popama (sprich: Sjoerd Popma) zunächst zum Grietman, später zum Schultheiß. Das "Steinhaus" ("stins") der Popmas ("grijtenij") stand bei Oosterend. Nach 1469, als nicht deutlich war, wer der rechtmäßige Herr über Terschelling war - der Erbe der Margaretha von Kralingen, die Ehefrau von Gerard van Heemskerk, oder der Propst von Brügge -, trat Rienk Popma als souveräner Fürst im Kleinformat auf. So schließt er 1482 einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit König Edward IV. von England, zwar in erster Linie zur Festigung seiner Position gegenüber den Grafen von Holland, für uns aber zugleich als Beleg für die nicht geringfügigen Belange, die die Insulaner bewegten: Zollfreiheit, ungehinderte Schifffahrt und unbehinderter Liegeplatz waren für die Insulaner zu beiden Seiten der Nordsee von großer Bedeutung.
Im Jahre 1500 wendet sich wiederum das Blatt: der holländische Graf Philipp der Schöne ernannte seinen Marschall, den brabantischen Edelmann Cornelis I. van Bergen, der mit einer Nachfahrin von Margaretha von Kralingen verheiratet war, zum Herrn über Terschelling. Jarich Popma, der Sohn und Nachfolger des Schultheißen Rienk, wurde weitgehend entmachtet; seit jener Zeit war es mit dem Einfluss des Terschellinger Häuptlingsgeschlechts endgültig vorbei. Die Vertretung des Landesherrn übernahm nunmehr ein Drost. Sein Sohn, Cornelis II. van Bergen, baute sich sogar einen eigenen Sitz auf der Insel: „des genadigen heren hof“ ist auf alten Karten im Süden der Stryper Kirche verzeichnet.
Cornelis II. van Bergen starb 1560 und ihm folgte sein Neffe, Johan de Ligne, der Graf van Aremberg, der durch Kaiser Philipp II. 1559 zum Statthalter von Friesland, Groningen, Drenthe und Overijssel ernannt wurde. 1563 wollte er sich von seinem Inselbesitz trennen und bot Terschelling der Stadt Amsterdam zum Kauf an. Die Stadt antwortete aber mit einem negativen Bescheid am 15. August. Johan de Ligne fiel 1568 auf spanischer Seite in der Schlacht in der Nähe von Groningen bei Heiligerlee, mit der der achtzigjährige Befreiungskrieg der Niederländer gegen Spanien begann. Sein minderjähriger Sohn Karl wurde unter der Vormundschaft seiner Mutter zum Herrn von Terschelling ernannt.
Während der nun folgenden Jahre diente Terschelling auch den Wassergeusen als Operationsbasis. Weil auch der junge Graf Karl von Aremberg und seine Mutter auf spanischer Seite standen, wurden sie 1583 von den "Staten van Holland" enteignet. Diese Maßnahme wurde zwar 1599 widerrufen, trotzdem sah Karl van Aremberg nur noch wenig Nutzen in seinem Herrengut Terschelling: 1615 verkaufte er die Insel an die Staten van Holland.
Von 1583 bis 1599 und von 1615 bis 1795 trat ein Drost als Vertreter der Staten van Holland auf. Ihm standen sieben Schöffen ("schepen") und zwei Bürgermeister zur Seite. Terschelling behielt weiterhin sein eigenes Recht. Um 1600 hatte die Insel Terschelling insgesamt etwa 2000 Einwohner.
Der zweite Seekrieg zwischen der niederländischen Republik und England (1665-1667) hatte für Terschelling katastrophale Folgen. Am 5. und 6. August 1666 erlitt die niederländische Flotte bei Dünkirchen eine schwere Niederlage in der sogenannten Tweedagse Zeeslag (Zweitägige Seeschlacht). Nach ihrem Sieg nutzten die Engländer ihre Seeherrschaft aus und überfielen Terschelling. Das Dorf West-Terschelling wurde am 20. August fast gänzlich niedergebrannt. Im Hafen gingen etwa 140 Schiffe in Flammen auf.
Im II. Weltkrieg war Terschelling von den Deutschen besetzt. Terschelling wurde Teil des Atlantikwalls, da Hitler es für wahrscheinlich hielt, dass die Alliierten eine Invasion über die niederländischen Inseln planten. In West Terschelling wurde 1941 die Radarstation „Tiger“ zur Überwachung des von England kommenden Flugverkehrs errichtet. Von ihr, wie auch von etlichen Bunkern, sind in den Terschellinger Dünen noch (versandete und überwachsene, zum Teil gesprengte) Reste zu finden.
Die übrigen Ortschaften (Wohnkerne) sind (von West nach Ost):
In den Dünen, die sich am Nordseestrand der Insel entlangziehen, liegen außerdem noch einige Feriensiedlungen:
Bereits aus den Sundzollregistern, in denen die von Dänemark erhobenen Zölle bei Durchfahrten nichtdänischer Schiffe durch den Sund zu und von den Ostseehäfen ab dem Jahr 1497 verzeichnet sind, kann man gut erkennen, dass die Zahl Terschellinger Kapitäne, die mit ihren Schiffen den Sund im Rahmen des Ostseehandels passierten, von 1500 bis 1570 noch relativ gering war (etwa 30 bis 40 registrierte Durchfahrten pro Jahr). Von 1574 bis 1600 und insbesondere von 1600 bis 1620 stieg der Anteil Terschellinger Schiffer an den registrierten Sunddurchfahrten von Niederländern aber beträchtlich an und nahm im Jahr 1618 bei 431 registrierten Durchfahrten mit 10 v.H. der gesamten niederländischen Durchfahrten die Spitzenposition ein.
In der Zeit von etwa 1710 bis 1780 hatte der Walfang in der Straat Davis beziehungsweise rund um Spitzbergen für die Terschellinger Bevölkerung einen hohen Stellenwert. Die Insel stellte zahlreiche Commandeure und einen beachtlichen Teile der Besatzung der Walfangschiffe.
In der Zeit von 1870 bis 1914 arbeiteten viele Terschellinger in der Heringsfischerei auf Loggern, die von Maassluis, Emden und Elsfleth ausfuhren.
Seit 1907 die ersten Badegäste die Insel besuchten und zehn Jahre später die ersten Badekarren bei West-Terschelling aufgestellt wurden, hat der Tourismus auf Terschelling eine rasche Entwicklung erfahren. Mit der Befestigung des Hauptverkehrsweges (Hoofdweg) von West-Terschelling bis Oosterend wurde die Grundlage für die Entwicklung geschaffen. Im Laufe der Jahre wurde die Anzahl der Unterkünfte vervielfacht; es entstanden sogar neue Ortsteile: West aan Zee, Midsland-Noord, Midsland aan Zee und Formerum aan Zee, die zum größten Teil aus Sommer- und Ferienhäusern bestehen. Viele Bauernhöfe stellten sich darauf ein, Gäste zu beherbergen ("kampeerboerderijen").
Nach dem 2. Weltkrieg wuchs der Tourismus zur bedeutendsten Einnahmequelle der Inselbevölkerung.
Auf Terschelling gibt es einige gewerbliche Anbauflächen im hinteren Teil der Insel aber auch wild wachsende Cranberries im Bereich „West aan Zee und Kroonpolders“.
Im Wrakkenmuseum in Formerum findet man eine interessante Sammlung an Tauchfunden von den vielen Schiffen, die im Laufe der Jahrhunderte rund um Terschelling gesunken sind. Ausgestellt sind Fundstücke von 1650 bis heute.
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