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Die zu den Niederlanden gehörende Insel Terschelling () (friesisch Schylge) ist eine der sechs Westfriesischen Inseln. Sie liegt etwa 15 km vor der niederländischen Nordseeküste.

Terschelling besitzt einen 30 km langen und bis zu 1 km breiten Strand. Eine ausgedehnte, oftmals beachtlich hohe Dünenkette trennt den Strand von einem landwirtschaftlich genutzten Poldergebiet. Die fruchtbaren Acker- und Weideflächen werden durch starke Seedeiche geschützt. Grundlage der heutigen Mischwaldgebiete war die Bepflanzung der alten Dünen am Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese Art der Befestigung sollte das Abtragen der Dünen durch den Wind verhindern.

Bezüglich Flora und Fauna ist Terschelling eine der reichsten Watteninseln. Unter den mehr als 600 wilden Pflanzenarten sind auch verschiedene seltene Orchideenarten anzutreffen. In den Dünen gibt es unzählig viele Wildkaninchen.

Wappen


Das Wappen Terschellings zeigt einen roten Löwen und einen blauen Drachen. Beide umklammern den Stamm eines auf grünem Grund stehenden Baumes mit sieben goldgelben Äpfeln. Eine dreizackige goldene Krone am oberen Schildrand wird geziert von zwei weißen Perlen, so dass alle Farben der Flagge sich auch im Wappen wiederfinden. Die ältesten Abbildungen des Wappens befinden sich auf einer Sammelbüchse in Midsland (wahrscheinlich vom Beginn des 17. Jahrhunderts), auf einer zeitgenössischen Druckgrafik von 1666 und auf einem Kelch in West-Terschelling (1682 in Haarlem hergestellt).

Geschichte


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bis 1300

In der Zeit Karls des Großen war das Gebiet, in dem die westfriesischen Inseln heute liegen, ein Teil der Frisia Magna, die sich, wie die Lex Frisionum (802) ausweist, vom Sinkfal bei Brügge in Flandern bis zur Weser erstreckte. Zu dieser Zeit begann wahrscheinlich auch die Besiedlung von Terschelling. Die ersten Niederlassung entstanden „op de hogere gronden“, die von alten Dünen geformt wurden: Seerijp (Stryp), Kinnum, Kaard (Kaart), Hee und Horp. Durch Sturmfluten, die nach dem 11. Jahrhundert auftraten, veränderte sich das Landschaftsbild beträchtlich, das Wattenmeer bildete sich heraus und der Deichbau wurde notwendig. Der Sand, der beim Landabbruch freigesetzt wurde, setzte sich an der Insellinie wieder ab und formte neue Dünen: höher und in der Form verschieden zu den alten Dünen. Hierauf liegen die heutigen Dörfer Landerum, Formerum, Lies, Hoorn und Oosterend. West-Terschelling liegt auf einer besonderen Dünenformation. Die heutige „Grootduin“ ist ein Rest davon.

Infolge der Expansionspolitik der holländischen Grafen aus dem sogenannten "Hollandse Huis", die im 10. Jahrhundert ihren Anfang nahm, ging das friesische Gebiet zwischen dem Sinkfal und dem Vlie verloren. Dieser Prozess war um 1300 abgeschlossen.

14. bis 18. Jahrhundert

Im 14. Jahrhundert nahmen die holländischen Grafen ihre unterbrochene Expansionspolitik wieder auf, in deren Verlauf das westerlauwersche Friesland - das man damals Ostfriesland nannte – in den Mittelpunkt rückte. So wurde beispielsweise Terschelling im Jahre 1373 von einer holländischen Flotte unter dem Kommando von Willem van Naaldwijk überfallen. Dem Grafen Albrecht gelang es 1398, das westerlauwersche Friesland zu unterwerfen, womit die staatliche Entwicklung der Inseln zwischen dem Vlie und der Lauwers – und damit auch Terschellings - endgültig beginnt.

Die holländischen Grafen führten in das eroberte Gebiet, das bis dahin "frij en frysk" (frei und friesisch) gewesen war, das Lehnswesen ein. 1314 bekam Jean van Beaumont von seinem Bruder Willem III. die Insel Texel zu Lehen. Graf Albrecht gab Ameland dem Arend van Egmond zu Lehen (1398) und Terschelling dem Jan van Arkel (1399). Im Jahr 1400 brach aber die holländische Herrschaft über das westerlauwersche Friesland faktisch wieder in sich zusammen, Jan van Arkel fiel in Ungnade und bereits 1401 wurde ihm der Besitz der Insel wieder entzogen, wodurch auch die Inseln zwischen dem Vlie und der Lauwers wieder weitgehend selbständig wurden. Formal blieb Terschelling aber weiterhin eine holländische Insel. So bekam 1417 Gerrit van Heemskerk sie als Lehen von der Gräfin Jacoba von Bayern. Er zahlte dafür 2000 "gouden schilden". Aber auch Gerrit van Heemskerck fiel in Ungnade, er musste nach Dänemark flüchten und ist dort auch verstorben. Seine Lehnsgüter blieben jedoch in der Familie.

Die eigentliche Macht übten in dieser Zeit jedoch die Terschellinger Häuptlinge aus der Familie Popma aus. Bereits aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind auf Terschelling Großgrundbesitzer der Familie Popma bekannt. Bereits 1322 hatte Willem III. mit Claas Elfssone einen der führenden Eilandbewohner zum Richter bestimmt. In 1398 machte Graf Albrecht von Bayern Ziwaert Popama (sprich: Sjoerd Popma) zunächst zum Grietman, später zum Schultheiß. Das "Steinhaus" ("stins") der Popmas ("grijtenij") stand bei Oosterend. Nach 1469, als nicht deutlich war, wer der rechtmäßige Herr über Terschelling war - der Erbe der Margaretha von Kralingen, die Ehefrau von Gerard van Heemskerk, oder der Propst von Brügge -, trat Rienk Popma als souveräner Fürst im Kleinformat auf. So schließt er 1482 einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit König Edward IV. von England, zwar in erster Linie zur Festigung seiner Position gegenüber den Grafen von Holland, für uns aber zugleich als Beleg für die nicht geringfügigen Belange, die die Insulaner bewegten: Zollfreiheit, ungehinderte Schifffahrt und unbehinderter Liegeplatz waren für die Insulaner zu beiden Seiten der Nordsee von großer Bedeutung.

Im Jahre 1500 wendet sich wiederum das Blatt: der holländische Graf Philipp der Schöne ernannte seinen Marschall, den brabantischen Edelmann Cornelis I. van Bergen, der mit einer Nachfahrin von Margaretha von Kralingen verheiratet war, zum Herrn über Terschelling. Jarich Popma, der Sohn und Nachfolger des Schultheißen Rienk, wurde weitgehend entmachtet; seit jener Zeit war es mit dem Einfluss des Terschellinger Häuptlingsgeschlechts endgültig vorbei. Die Vertretung des Landesherrn übernahm nunmehr ein Drost. Sein Sohn, Cornelis II. van Bergen, baute sich sogar einen eigenen Sitz auf der Insel: „des genadigen heren hof“ ist auf alten Karten im Süden der Stryper Kirche verzeichnet.

Cornelis II. van Bergen starb 1560 und ihm folgte sein Neffe, Johan de Ligne, der Graf van Aremberg, der durch Kaiser Philipp II. 1559 zum Statthalter von Friesland, Groningen, Drenthe und Overijssel ernannt wurde. 1563 wollte er sich von seinem Inselbesitz trennen und bot Terschelling der Stadt Amsterdam zum Kauf an. Die Stadt antwortete aber mit einem negativen Bescheid am 15. August. Johan de Ligne fiel 1568 auf spanischer Seite in der Schlacht in der Nähe von Groningen bei Heiligerlee, mit der der achtzigjährige Befreiungskrieg der Niederländer gegen Spanien begann. Sein minderjähriger Sohn Karl wurde unter der Vormundschaft seiner Mutter zum Herrn von Terschelling ernannt.

Während der nun folgenden Jahre diente Terschelling auch den Wassergeusen als Operationsbasis. Weil auch der junge Graf Karl von Aremberg und seine Mutter auf spanischer Seite standen, wurden sie 1583 von den "Staten van Holland" enteignet. Diese Maßnahme wurde zwar 1599 widerrufen, trotzdem sah Karl van Aremberg nur noch wenig Nutzen in seinem Herrengut Terschelling: 1615 verkaufte er die Insel an die Staten van Holland.

Von 1583 bis 1599 und von 1615 bis 1795 trat ein Drost als Vertreter der Staten van Holland auf. Ihm standen sieben Schöffen ("schepen") und zwei Bürgermeister zur Seite. Terschelling behielt weiterhin sein eigenes Recht. Um 1600 hatte die Insel Terschelling insgesamt etwa 2000 Einwohner.

Der zweite Seekrieg zwischen der niederländischen Republik und England (1665-1667) hatte für Terschelling katastrophale Folgen. Am 5. und 6. August 1666 erlitt die niederländische Flotte bei Dünkirchen eine schwere Niederlage in der sogenannten Tweedagse Zeeslag (Zweitägige Seeschlacht). Nach ihrem Sieg nutzten die Engländer ihre Seeherrschaft aus und überfielen Terschelling. Das Dorf West-Terschelling wurde am 20. August fast gänzlich niedergebrannt. Im Hafen gingen etwa 140 Schiffe in Flammen auf.

19. und 20. Jahrhundert

1814 wurde Terschelling verwaltungsrechtlich der niederländischen Provinz Noord-Holland, im Jahr 1942 schließlich der Provinz Friesland mit dem Verwaltungssitz Leeuwarden zugeordnet.

Im II. Weltkrieg war Terschelling von den Deutschen besetzt. Terschelling wurde Teil des Atlantikwalls, da Hitler es für wahrscheinlich hielt, dass die Alliierten eine Invasion über die niederländischen Inseln planten. In West Terschelling wurde 1941 die Radarstation „Tiger“ zur Überwachung des von England kommenden Flugverkehrs errichtet. Von ihr, wie auch von etlichen Bunkern, sind in den Terschellinger Dünen noch (versandete und überwachsene, zum Teil gesprengte) Reste zu finden.

Ortschaften


Terschelling verfügt über drei größere Orte (mit mindestens einer Kirche):
  • West-Terschelling (der größte Ort der Insel). Hier befindet sich auch der Fährhafen.
  • Midsland
  • Hoorn.

Die übrigen Ortschaften (Wohnkerne) sind (von West nach Ost):

  • Hee
  • Kaart
  • Baaiduinen
  • Kinnum
  • Stryp
  • Landerum
  • Formerum
  • Lies
  • Oosterend.

In den Dünen, die sich am Nordseestrand der Insel entlangziehen, liegen außerdem noch einige Feriensiedlungen:

  • West aan Zee
  • Midsland aan Zee
  • Formerum aan Zee

Sprache


Auf Terschelling existieren drei unterschiedliche Dialekte: Im Westen (West-Terschelling) und Osten (Seerijp, Landerum, Formerum, Lies, Hoorn und Oosterend) werden die friesischen Dialekte "Westers" und "Aasters gesprochen, während man in Midsland (und den umliegenden Orten Hee, Horp, Kaart, Kinnum en Baaiduinen) einen holländischen Dialekt spricht, das "Midslands" oder "Meslonzers", vergleichbar mit dem Stadtfriesisch. Durch den zunehmenden Einfluss von außen (unter anderem durch den Tourismus) werden die Dialekte immer stärker vom Niederländischen verdrängt.

Wirtschaft


Während Ost-Terschelling weitgehend agrarisch orientiert ist, bestimmten im Dorf West-Terschelling seit 1600 zunehmend maritime Elemente das Leben der Menschen. Die Menschen arbeiteten in der Schifffahrt, als Lotsen, Fischer und Fährleute.

Bereits aus den Sundzollregistern, in denen die von Dänemark erhobenen Zölle bei Durchfahrten nichtdänischer Schiffe durch den Sund zu und von den Ostseehäfen ab dem Jahr 1497 verzeichnet sind, kann man gut erkennen, dass die Zahl Terschellinger Kapitäne, die mit ihren Schiffen den Sund im Rahmen des Ostseehandels passierten, von 1500 bis 1570 noch relativ gering war (etwa 30 bis 40 registrierte Durchfahrten pro Jahr). Von 1574 bis 1600 und insbesondere von 1600 bis 1620 stieg der Anteil Terschellinger Schiffer an den registrierten Sunddurchfahrten von Niederländern aber beträchtlich an und nahm im Jahr 1618 bei 431 registrierten Durchfahrten mit 10 v.H. der gesamten niederländischen Durchfahrten die Spitzenposition ein.

In der Zeit von etwa 1710 bis 1780 hatte der Walfang in der Straat Davis beziehungsweise rund um Spitzbergen für die Terschellinger Bevölkerung einen hohen Stellenwert. Die Insel stellte zahlreiche Commandeure und einen beachtlichen Teile der Besatzung der Walfangschiffe.

In der Zeit von 1870 bis 1914 arbeiteten viele Terschellinger in der Heringsfischerei auf Loggern, die von Maassluis, Emden und Elsfleth ausfuhren.

Seit 1907 die ersten Badegäste die Insel besuchten und zehn Jahre später die ersten Badekarren bei West-Terschelling aufgestellt wurden, hat der Tourismus auf Terschelling eine rasche Entwicklung erfahren. Mit der Befestigung des Hauptverkehrsweges (Hoofdweg) von West-Terschelling bis Oosterend wurde die Grundlage für die Entwicklung geschaffen. Im Laufe der Jahre wurde die Anzahl der Unterkünfte vervielfacht; es entstanden sogar neue Ortsteile: West aan Zee, Midsland-Noord, Midsland aan Zee und Formerum aan Zee, die zum größten Teil aus Sommer- und Ferienhäusern bestehen. Viele Bauernhöfe stellten sich darauf ein, Gäste zu beherbergen ("kampeerboerderijen").

Nach dem 2. Weltkrieg wuchs der Tourismus zur bedeutendsten Einnahmequelle der Inselbevölkerung.

Cranberry - das Gold der Insel Terschelling

Während der langen Walfangreisen zur Zeit der großen Windjammer führten die amerikanischen Schiffe Cranberries in Fässern mit kaltem Wasser mit, um die Mannschaft vor dem gefürchteten Skorbut zu schützen. Cranberries enthalten sehr viel Vitamin C und durch die natürliche Wachsschicht waren sie lange haltbar. So manche Seeräuberschlacht mag wohl zum Untergang von Segelschiffen geführt haben, deren Cranberry-Vorrat samt Fässern an fremde Küsten gespült wurden. Auf der holländischen Insel Terschelling soll ein solches Fass, das am Ufer zerschellte, Ursprung für wild wachsende Cranberries sein. Die Cranberry oder großfruchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon) gehört zur Familie der Heidekrautgewächse und zur Gattung der Heidelbeere. Die große, dunkelrote Beere hat ein helles, knackig festes Fruchtfleisch und einen fruchtig-herben Geschmack. Cranberries wurden bereits vor Jahrhunderten von nordamerikanischen Indianerstämmen als Heil- und Nahrungsmittel entdeckt. Sie wurde zur Wundbehandlung und zum Haltbarmachen von Nahrung eingesetzt und diente auch zur Körperbemalung und als Färbemittel. Bilder und einige leckere Cranberry Rezepte Viel später erst, als 1620 die ersten Siedler vor New England landeten, erhielt die rubinrote Beere ihren heutigen Namen. Die Blüte der Pflanze erinnerte die Siedler an den Kopf eines Kranichs, und so gaben sie ihr den Namen Cranberry (deutsch; Kranichbeere). Riesige Anbauflächen von Cranberry findet man in den nördlichen Staaten der U.S.A., aber auch in den angrenzenden kanadischen Provinzen. Im Jahre 2000 ernteten die Cranberryfarmer weit über 150 Millionen kg Cranberry, eine gigantische Anzahl und doch bei weitem nicht genug, um die Nachfrage zu decken. Kaum vorstellbar, dass es in Zeiten der weltweiten Überproduktion noch so etwas gibt. Cranberry-Produkte sind in den Staaten allgegenwärtig, in den privaten Haushalten ebenso wie in allen Restaurants.

Auf Terschelling gibt es einige gewerbliche Anbauflächen im hinteren Teil der Insel aber auch wild wachsende Cranberries im Bereich „West aan Zee und Kroonpolders“.

Persönlichkeiten mit Bezug zu Terschelling


Im Folgenden werden Menschen alphabetisch aufgelistet, die entweder auf Terschelling geboren sind oder dort ansässig waren (beziehungsweise: sind) und in der Geschichte, Religion, Kultur, Wissenschaft oder dem Sport eine Rolle spielten oder spielen:

Tourismus


Museen

Das Heimatmuseum 't Behouden Huys im Hafenort West Terschelling bietet unter anderem einen Einblick in die Geschichte der Insel, die Rolle der Seefahrt für die Inselbewohner und natürlich in das Leben des berühmtesten Sohnes Willem Barents.

Im Wrakkenmuseum in Formerum findet man eine interessante Sammlung an Tauchfunden von den vielen Schiffen, die im Laufe der Jahrhunderte rund um Terschelling gesunken sind. Ausgestellt sind Fundstücke von 1650 bis heute.

Kultur

Oerol
Seit 1982 findet jedes Jahr im Sommer das Oerol Festival statt. Über mehrere Tage finden über die ganze Insel verteilt Theateraufführungen und Konzerte statt und bildende Künstler stellen Werke zum jährlich wechselnden Motto des Festivals aus. Strand, Wald, Dünen und Polder werden zu Bühne und Austellungsraum, auch Scheunen und Schuppen fnden Vorführungen statt.

Weblinks


Insel (Niederlande)

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