bingmayong.jpg Die Terrakotta-Armee (chin. 兵馬俑; Pinyin: bīng mǎ yōng; dt. Soldaten- und Pferde-Armee), Teil des Mausoleums des Kaisers Qin (秦始皇陵; Pinyin: qín shǐ huáng líng), wurde im März 1974 in der Nähe von Xi'an, Provinz Shaanxi, China, entdeckt. Kurz darauf begannen professionelle Ausgrabungen. Bis heute ist erst etwa ein Viertel der gesamten Anlage komplett freigelegt.
Es handelt sich um die Darstellung einer vollständigen Armee der damaligen Zeit, bestehend aus mehr als 7.000 lebensgroßen Tonfiguren, die auf mehrere unterirdische Kammern verteilt sind. Aufgestellt sind Fußsoldaten, Reiter, Pferde und Kriegswagen, denen echte Waffen (Schwerter, Pfeilspitzen, Armbrüste) beigegeben sind. Die verschiedenen Ränge sind an unterschiedlichen Uniformen erkennbar. Die Armee bildet die Grabbeigabe des ersten Kaisers des Kaiserreich Chinas aus den Jahren 210 - 209 v. Chr., der mit Hilfe von Armeen wie dieser, China zu einem Reich einte. Bemerkenswert ist, dass alle diese Figuren individuell gestaltet sind, also keine zwei in Haltung, Gesichtszügen oder Ausstattungsdetails identisch sind. Offen ist die Frage, ob tatsächliche Soldaten von damals nachgebildet wurden oder ob die Erschaffer die unterschiedlichen Figuren frei gestalteten.
Seit 1987 sind die Grabanlagen auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO.
Die Bronzegespanne standen eigentlich in einem hölzernen Schrein. Da der Schrein aufgrund der Zeit instabil geworden war und die Grube daraufhin einfiel, waren die zwei Gespanne bei der Freilegung in stark in Mitleidenschaft gezogen wprden. Nach einer zeitaufwändigen Restaurierung ist das zweite Gespann seit dem 1. Oktober 1983 in seiner ursprünglichen Gestalt für die Öffentlichkeit zugänglich. Das andere Gespann konnte man erst acht Jahre später besichtigen, da es zu stark beschädigt wurde.
Die beiden Gespanne in etwa halber Lebensgröße sind äußerst aufwendig hergestellt. Sie sind mit zahllosen Silber- und Goldelementen verziert, so sind am zweiten Gespann 1.720 Schmuckstücke, die aus 3.033 g Gold und 4.342 g Silber gefertigt worden sind. Untersuchungen ergaben, dass die Herstellung Arbeitsverfahren wie Gießen, Löten, Nieten, Einlegen, Schmitzen, Stanzen, Feilen und Schleifen erforderte. An ihnen wurden Anschlusstechniken wie Druckknopfanschluss und Gelenkanschluss angewandt. Bei jedem Verfahren wurde eine sehr hohe Perfektion erreicht. Der Zaum ist zum Beispiel aus abwechselnd silbernen und goldenen Röhrchen durch Löten zusammengesetzt, am Zaum jedoch ist kaum eine Lötnaht zu erkennen. Die Zügel, bei denen die Gelenkanschlusstechnik angewandt wurde, sind noch heute beweglich. Die meisten Bauteile wurden im Gussverfahren hergestellt, das am deutlichsten den damaligen technischen Stand aufzeigt. Bei dem Schirm, der als Wagendeckel dient, sind die dünnsten Partien nur 2 mm, die dicksten Partien nur 4 mm dick. Die Zusammensetzung der Legierung ist fast dem heutigen Standard entsprechend. Durch Regulation des Gehaltes von Kupfer, Zinn und Blei wurden Bronzebauteile mit verschiedenen Härten erreicht.
Die beiden Gespanne standen ursprünglich hintereinander und sind auch auf diese Weise ausgestellt. Es sind Eindeichsel-Gespanne mit vier Pferden und einem Kutscher. Jedes Gespann wiegt über 1.200 kg und besteht aus mehr als 3.000 Einzelteilen.
Das vordere Gespann ist der so genannte Hohe Wagen, da sein Insasse aufrecht stehen muss. Anders als bei einem normalen Streitwagen dient ein kunstvoll verzierter Schirm diesem Wagen als Dach. Im Wagenkasten sind Kriegsutensielen zu sehen: ein bronzener Köcher mit 50 scharfen Pfeilen, ein bronzener Köcher mit 12 Pfeilen, eine Armbrust und ein bronzener Schild. Auf diesem Gespann ist nur eine Figur, der Wagenlenker zu sehen. Er steht aufrecht, hält die Zügel in der Hand, hat ein Schwert an der Seite und sieht nach vorne. Seinem Aussehen nach zu urteilen stellt er einen General dar.
Das Gespann hinten ist der sogenannte angenehme Wagen mit vier Pferden. Ein solches Gespann stand als Personenwagen kaiserlichen Familienangehörigen und Adeligen zur Verfügung. Die Pferde haben unterschiedliche Größen von 65 bis 75 cm. Der Wagenlenker hat eine Größe von 51 cm. Mit den Pferden hat das ganze Gespann eine Länge von 328,4 cm und eine Höhe von 104,2 cm. Dieses Gespann hat einen verzierten und bemalten Wagenkasten, der in zwei Räume unterteilt ist. Im vorderen Raum sitzt der Wagenlenker auf den Fersen, er trägt einen hohen Hut die Zügel befinden sich in seiner Hand und an seiner Seite ein Schwert. Der geschlossene Hinterraum hat einen Dachdeckel in Form eines Schildkrötenpanzers, innen kann man auf dem gut gepolsterten Boden liegen oder bequem auf der Bank sitzen. Vorne und auf beiden Seiten ist der Wagenkasten je mit einem Fenster versehen. Durch hochtechnisch gebohrte, rhombusförmige Löcher kann man von innen nach außen sehen, aber nicht von außen nach innen.
Der Streitwagen und der Personenwagen gehörten als Geleitwagen zur kaiserlichen Wagenkolonne. Der Streitwagen diente als Wachwagen auf der Reise, der Personenwagen war für Frauen oder Minister als kaiserliches Geleit. Der Wagen des Kaisers soll ganz vergoldet und mit sechs Pferden bespannt gewesen sein und sich möglicherweise auch in jener 3.025 m² großen Grube befinden, in der die beiden Bronzegespanne ausgegraben worden sind. Diese Überlegung begründet sich auf der Feststellung, dass es in jener Grube mindestens noch sechs metallene Gespanne gibt.
Historischen Aufzeichnungen zufolge hatte der Kaiser damals zwei Wagenkolonnen zur Verfügung, die eine bestand aus 18 Wagen, die andere aus 36. Es wird vermutet, dass in der Nähe des Grabes eine ganze Kolonne mit 81 Wagen unter der Erde vorhanden sein könnte. Vor der Entdeckung der beiden Gespanne fand man bereits alte Wagen mit einer Deichsel, diese waren jedoch aus Holz gefertigt und somit konnte man den Herstellungsweg kaum noch rekonstruieren. Infolgedessen waren die Wagenform und die Spannweise weitgehend unbekannt. Da die in dem Grab gefundenen Bronzegespanne nach der Konstruktion vollständig erhalten sind, liefern diese wertvolles Material zur Erforschung der alten Eindeichselwagen, der Kunstgeschichte, der Metallurgie, der Ränge von Wagenfahrern und Kleidung der Qin-Dynastie.
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