Die Terahertzstrahlung liegt im elektromagnetischen Spektrum zwischen der Infrarotstrahlung und den Mikrowellen im Frequenzbereich um 1012 Hz, mit einer Wellenlänge um 0,1 mm.
Eigenschaften
Da die Terahertzstrahlung, die manchmal auch dem
fernen Infrarot zugerechnet wird, lange nicht oder nur sehr eingeschränkt nutzbar war, sprach man auch von der
Terahertz-Lücke im elektromagnetischen Spektrum. Diese Bandlücke befindet sich zwischen dem Frequenzbereich, der klassisch von der
Mikrowellentechnik erschlossen wurde und dem
Infrarot-Frequenzbereich. Hauptprobleme im Terahertz Frequenzbereich sind die Herstellung von Sendern und Empfängern. Kompakte und kostengünstige Sender mit ausreichender Ausgangsleistung stehen heute noch nicht so zur Verfügung, wie sie für niedrigere Frequenzen im
Mikrowellenbereich oder höhere Frequenzen im
Infrarotbereich vorhanden sind. Auch die Empfängertechnologie bedarf weiterer Entwicklung, um mit empfindlicheren Empfängern noch schwächere Signale detektieren zu können.
Terahertzstrahlung durchdringt viele Materialien und auch biologisches Gewebe, wirkt jedoch aufgrund der geringen Energie ihrer Photonen (diese bewegt sich im Bereich von wenigen Millielektronenvolt) nicht ionisierend. Sie erwärmt jedoch, ähnlich wie Mikrowellen, bestimmte Stoffe und wird unter anderem von Wasser und verschiedenen Metallen absorbiert, weshalb einigen Anwendungen Grenzen gesetzt sind (beispielsweise durch die Luftfeuchtigkeit).
Technologie
Kontinuierliche Terahertzstrahlung
Jeder Körper emittiert
Wärmestrahlung, unter anderem auch im Terahertz-Bereich. Da diese Strahlung
inkohärent ist, muss ein solcher Sender als
Rauschquelle betrachtet werden. Um die sehr geringen Rauschleistungen, die Körper gemäß dem
Planckschen Strahlungsgesetz emittieren, detektieren zu können, werden hochempfindliche
radiometrische Messgeräte eingesetzt. Radiometer können dabei sowohl ungekühlt, als auch gekühlt (meist auf 4K) aufgebaut werden. Bei gekühlten Radiometern wird meist auf supraleitende Mischerelemente wie
Bolometer oder SIS-Mischer zurückgegriffen. Bei ungekühlten Radiometern können auch
GaAs-
Schottky-Dioden zum Einsatz kommen.
Bei der Erzeugung von kohärenten Terahertz-Strahlung kommen unterschiedlichste Sender zum Einsatz. Neben der Erzeugung von Terahertz-Leistung durch Vervielfachung von Mikrowellenquellen (z.B. mit Hilfe von GaAs-Schottky-Dioden) oder Differenzfrequenzbildung von zwei Lasersignalen an nichtlinearen Bauelementen, existieren Quantenkaskadenlaser, Molekülgaslaser, Freie-Elektronen-Laser, optisch-parametrische Oszillatoren und Rückwärtswellenoszillatoren.
Gepulste Terahertzstrahlung
Ultrakurze
Laserpulse mit einer Dauer von einigen
Femtosekunden (1 fs = 10
-15 s) können in Halbleitern oder
nichtlinear optischen Materialien Terahertz-Pulse der gleichen Dauer erzeugen. Diese Pulse bestehen aus nur ein bis zwei Zyklen der elektromagnetischen Schwingung. Durch
elektrooptische Methoden können sie auch
kohärent, das heißt zeitaufgelöst, gemessen werden.
Anwendungen
Spektroskopie
Terahertz-
Spektroskopie wird häufig verwendet zur Untersuchung von
Phononen in
kristallinen Festkörpern. Aber auch Gase, Flüssigkeiten und
amorphe Festkörper werden mit Terahertzstrahlung spektroskopisch untersucht.
Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung
Da viele alltägliche Materialien wie
Papier,
Kunststoffe oder
Keramiken für Terahertzstrahlung durchlässig sind, andere wie
Metalle oder
Wasser aber nicht, sind Terahertz-Abbildungen komplementär zu anderen Methoden wie optischen oder
Röntgen-Bildern. Zudem ist es möglich, auch spektroskopische Information räumlich aufgelöst zu erhalten. Dadurch ist es möglich z.B. Defekte im inneren eines Körpers sichtbar zu machen und zu vermessen, ohne diesen zerstören zu müssen.
Sicherheitstechnik
Materialien wie Drogen oder Sprengstoff durch verschlossene Briefumschläge oder versiegelte Plastikbeutel hindurch zu identifizieren.
Seit 2005 werden auf ausgewählten Flughäfen Terahertz Messgeräte zur Untersuchung von Personen getestet (Kleider werden transparent) – Terahertzfotografie steht hier im Gegensatz zur
Röntgenstreuung, die gestreute „weiche“
Röntgenstrahlung zur Abbildung verwendet. Der große Unterschied bei der Anwendbarkeit besteht in der Risikoabschätzung gegenüber dem Einsatz von
ionisierender Strahlung im Falle der Röntgentechnik.
Biologie und Medizin
In Biologie und Medizin wird ausgenutzt, dass Terahertz-Strahlung den Wassergehalt einer Probe abbildet, zum Beispiel zur Unterscheidung zwischen
Tumoren und gesundem Gewebe (unterschiedlicher Wassergehalt).
Durch die kohärente Messung von Terahertz-Pulsen kann auch die Dicke einer Probe bestimmt werden, indem die Zeitverzögerung gemessen wird, die der Puls beim Durchlaufen der Probe erfahren hat.
Diese hier erwähnten Abbildungsmethoden sind zum größten Teil erst Laboranwendungen. Erste kommerzielle Geräte sind zwar erhältlich, haben sich in der Praxis aber noch nicht durchgesetzt.
Astronomie
Auch in der
Astronomie eröffnet die Terahertzstrahlung neue Möglichkeiten. So misst beispielsweise die
ESA bereits auf diese Weise die Oberflächentemperatur der
Erde.
Zeitaufgelöste Messungen
Terahertz-Pulse haben oft eine Dauer von weniger als einer
Picosekunde (1 ps = 10
-12 s) und eignen sich daher zur Messung von physikalischen oder chemischen Prozessen auf dieser Zeitskala. Dazu wird das zu untersuchende Material durch einen ebenso kurzen
Laserpuls angeregt. Die Änderung der Transmission des Terahertz-Pulses wird gemessen in Abhängigkeit der Zeit, die seit der Anregung verstrichen ist.
Ein wichtiges Beispiel für diese sogenannten Pump-Probe-Messungen ist die Untersuchung der Dynamik von Ladungsträgern in Halbleitern.
Datenübertragung
Die Frequenzen von mobilen Funksystemen (etwa
Bluetooth mit 2,45
GHz) werden immer weiter gesteigert und bald dürften schon Systeme mit 200 - 300 GHz machbar sein. Ein Vorstoß bis in den Terahertz-Bereich könnte extrem hohe
Datenübertragungsraten ermöglichen.
Weblinks
- http://www-ece.rice.edu/~daniel/groups.html
- http://frhewww.physik.uni-freiburg.de/terahertz/
- http://www.startiger.org/thz.htm
- http://www.rpi.edu/~zhangxc/
- http://www.ph1.uni-koeln.de/
- http://www.mpifr-bonn.mpg.de/div/mm/
- http://www.dlr.de/pf/institut/abteilungen/fir_technologie
- http://www.tu-braunschweig.de/ihf/ag/terahertz
- http://www.marcus-haas.de/Wissenschaft/technologie/terahertzwellen.html
- Terahertz-Bildgebung
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