article

Tempo ist die erste deutsche Marke für Papiertaschentücher. Der Markenname hat sich inzwischen verselbstständigt und ist somit zum Begriffsmonopol geworden. In Deutschland bezeichnet man umgangssprachlich Papiertaschentücher als Tempo, und zwar auch, wenn es sich bei dem Papiertaschentuch nicht um die Marke Tempo handelt. In den USA hat die Marke Kleenex eine ähnliche Bedeutung.

Tempotaschentuecher_neues_design.jpg | Tempo_taschentuch1.jpg

Unternehmen und Marke


Am 29. Januar 1929 ließen die Vereinigten Papierwerke Nürnberg das Warenzeichen Tempo beim Reichspatentamt in Berlin anmelden. Die Eintragung des Warenzeichens erfolgte am 18. September 1929 und die Veröffentlichung im Warenzeichenblatt am 15. Oktober 1929. Die Patentnummer lautet 407752. Die Produktidee schreibt man dem damaligen Mitinhaber der Vereinigten Papierwerke Oskar Rosenfelder zu. Die Ursprünge des Markennamens Tempo sind dagegen unbekannt. Das Stammwerk der Vereinigten Papierwerke befand sich in Heroldsberg bei Nürnberg, wo bereits vor 1929 Hygieneartikel hergestellt wurden. In den Jahren bis 1933 übernahmen erst Heimarbeiter und später Wohlfahrtswerkstätten in Nürnberg das Falten der Taschentücher. Mit dem durchgängigen Einsatz von Verarbeitungsmaschinen konnte das Produktionsvolumen auf 150 Millionen Stück im Jahr 1935 gesteigert werden. Im selben Jahr erwarb der Fürther Unternehmer Gustav Schickedanz (1895-1977) die Vereinigten Papierwerke. Zugleich sicherte er sich damit die Markenrechte an Tempo. Die steigende Nachfrage führte zum Kauf der Papierwerke in Forchheim, die ebenfalls in der Nähe Nürnbergs angesiedelt waren. Im Jahr des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges betrug das Produktionsvolumen bereits 400 Millionen Stück. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion zuerst stark eingeschränkt und später vollkommen eingestellt, weil das Tempo-Taschentuch keine Berücksichtigung in der Liste kriegswichtiger Güter erfuhr. Erst im Dezember 1947 konnte die Produktion in Heroldsberg und Forchheim wieder aufgenommen werden. Auch nach dem Krieg wuchs der Verkauf und damit das Fertigungsvolumen weiter an. 1955 verkauften die Vereinigten Papierwerke erstmals mehr als 1 Milliarde Taschentücher. Die starke Nachfrage führte zur Errichtung weiterer Produktionsstandorte in Glückstadt (1958), Neuss (1962) und Gelsenkirchen (1972). Die Erweiterung der Produktionsanlagen ließ 1977 die Produktion von mehr als zehn Milliarden Taschentüchern zu. Zwischen 1985 und 1987 wird die gesamte Produktion nach Neuss verlagert. Die Gesellschaftsform der Vereinigten Papierwerke wechselt von einer Kommanditgesellschaft zur Aktiengesellschaft im Jahr 1986. Ab April 1989 trat die Firma unter der Firmierung VP-Schickedanz AG auf, die 1994 vom US-amerikanischen Konzern Procter & Gamble aufgekauft wurde. Das Produktionsvolumen stieg nach der Übernahme auf mehr als 20 Milliarden Taschentücher im Jahr 2004 an.

Produktentwicklung


1929 bis 1949

Von 1929 bis 1939 wurden jeweils 18 Papiertaschentücher in blau, rot und grün bedruckten Pergamin-Packungen verkauft. 1939 wurde die Produktion von rot und grün bedruckten Packungen eingestellt und der Packungsinhalt auf 20 Taschentücher erhöht.

1950 bis 1959

In den 1950er Jahren kam es zu einer mehrfachen Überarbeitung der Tempo-Verpackung. 1950 wurden Tempo-Packungen mit einer abnehmbaren Schmalseite entwickelt, die gleichzeitig als Vorratsbehälter dienten. 1953 wird die sogenannte „Brechpackung“ eingeführt. Dabei handelte es sich um eine einfach teilbare Packung mit zwei mal zehn Taschentüchern.

1960 bis 1969

Die Einführung des „Tempo-Griffs“ im Jahr 1963 sollte der praktischeren Entfaltung des Taschentuchs dienen. Ein Jahr später wurden erstmals Mehrfachverpackungen im Handel angeboten. Die erste Mehrfachverpackung war der 6er-Pack. Neben dem Verkauf von Taschentüchern wurden ab 1967 auch Tischservietten in zwei Größen und mehreren Farben und Kosmetiktücher verkauft. Ab 1969 bereicherten Küchenrollen die Tempo-Produkfamilie.

1970 bis 1979

In den 1970er Jahren kamen weitere Mehrfachverpackungen in den Handel: 1970 der 10er-Pack, 1971 10er-Pack mit Menthol und der Superpack mit 18 Taschentuchpäckchen, 1978 die Vorratspackung mit 42 Päckchen Inhalt. Ab 1973 wurden neben weißen auch gelbe, rote und orange Taschentücher angeboten. Die sogenannte Z-Faltung der Taschentücher wurde 1975 eingeführt, die eine noch leichtere Entfaltung ermöglichen sollte. Ein grundlegende Veränderung im Erscheinungsbild der Verpackungen ergab sich mit dem Wechsel zu Folienweichpackungen im Jahr 1978.

1980 bis 1989

Ab 1988 waren die Folienpackungen wiederverschließbar.

1990 bis 1999

Seit 1990 wird ausschließlich sauerstoffgebleichter Zellstoff für die Produktion der Taschentücher eingesetzt. Im Jahr 1995 werden zwei neue Tempo-Produkte eingeführt: Tempo Plus mit Aloe Vera und Tempo Menthol mit „Atemfrei Gefühl”. Ein Jahr später wird das kleinere Format Tempo Compact auf den Markt gebracht. Die Tempo-Box wird im Jahr 1999 eingeführt, die als Zupfbox 100 Taschentücher enthält (nur noch 80 Stück bei scheinbar gleicher Verpackung, Quelle: Stiftung Warentest 4/2006 S.7). Im selben Jahr wurden erstmals Tempo-Päckchen mit Cartoons verkauft. Die ersten Päckchen wurden von Uli Stein (*1946) gestaltet.

2000 bis heute

Die gegenwärtige Produktpalette umfasst:
  • Tempo Regulär
  • Tempo Plus
  • Tempo Menthol
  • Tempo Aromathera Duft
  • Tempo Kids
  • Tempo Cleans
  • Tempo Box
  • Tempo Sondereditionen

Verkauf und Werbung


Das erste Inserat für Tempo-Taschentücher erschien am 29. Dezember 1929 in der Berliner Illustrierten. Man platzierte das Papiertaschentuch, indem man in der Werbung die Hygiene durch die Einmalbenutzung - im Gegensatz zum Stofftaschentuch - und die Reißfestigkeit betonte.

  • Seidenweich! Saugfähig! Hygienisch! Kein Waschen mehr! - erster Aufdruck auf den Packungen 1929

  • Auf Schnupfen-Nächten liegt ein Fluch! Da hilft das TEMPO-Taschentuch. (1950er Jahre)

  • Die Liebe kann in Schnupfenfällen / am feuchten Taschentuch zerschellen, / er sollte drum zum Naseputzen / ein Tempo-Taschentuch benutzen.

  • Bazillen fahren Straßenbahn, / ich schaff mir Tempo-Taschentücher an.

Markenname

Literatur


  • Eugen Roth: Das kleine Buch vom Taschentuch. Nürnberg 1954
  • VP-Schickedanz AG (Hrsg.): Tempo, 50 Jahre, Dokumentation eines immer jungen Markenartikels. Nürnberg 1979.
  • VP-Schickedanz AG (Hrsg.): Tempo, 60 Jahre, Die Geschichte einer bahnbrechenden Idee. Nürnberg 1989.

Weblinks


Kleenex | Kleenex | クリネックス

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Tempo (Marke)".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld