Tempelberg_zu_Zeiten_Herodes_-_Rekonstruktion.JPG Der Tempelberg — (hebr. Har haBeit, ) — ist ein Hügel im Südostteil der Jerusalemer Altstadt, oberhalb des Kidrontales. An seinem Gipfel befindet sich ein künstliches Plateau. Ursprünglich standen hier der salomonische Tempel und der nachfolgende herodianische Tempel. Heute befindet sich dort der Felsendom und die al-Aqsa-Moschee. Der Tempelberg ist einer der umstrittensten heiligen Orte der Welt.
Im jüdischen Glauben ist der Tempelberg der Nabel der Welt, von dem aus sie geschaffen wurde. Es soll auch der Ort sein, an dem der Patriarch (Erzvater) Abraham des israelitischen Volkes gemäss den Anweisungen Gottes (JHWH) seinen Sohn Isaak opfern sollte. Als Gott seinen Gehorsam sah, ließ er ihn durch einen Engel stoppen.
Nach der Zerstörung des zweiten Tempels entstand auf dem Tempelberg zunächst ein römischer Jupiter-Tempel, später eine christliche Kirche. Nach der muslimischen Eroberung Jerusalems im Jahre 638 kam der Tempelberg in muslimischen Besitz. Die Bezeichnung al-haram asch-scharif ist jedoch sekundär und weder bei den Lokalhistorikern von Jerusalem noch in den christlichen Quellen nachweisbar; sie ist erst aus der post-mamelukischen Periode schriftlich überliefert. Für den Islam gilt der Tempelberg als eine der drei heiligsten Stätten. Gemäß der islamischen Überlieferung soll der Prophet Mohammed eine nächtliche Traumreise (Koran Sure 17, Vers 1) zu der „entferntesten Kultstätte“ unternommen haben. Mit Rückfgriff auf diesen Koranvers ist dann die „al-Aqsa“-Moschee („die Entfernteste“) nach der islamischen Eroberung unter den Umayyaden errichtet worden. Der Tempelberg ist die heiligste Stätte der Juden, die drittheiligste des Islam und auch für das Christentum von großer Bedeutung.
Nach der islamischen Eroberung von Palästina wurden an dieser Stelle der Felsendom (691), später die Al-Aqsa-Moschee errichtet. Während der Kreuzzüge war der Tempelberg von 1099 - 1187 im Besitz der Kreuzfahrer, in der Al-Aqsa-Moschee befand sich der Hauptsitz des Templerordens. Die gegenwärtige Gestalt rührt aus den Umbauten Saladins und seiner Nachfolger nach der Rückeroberung 1187.
Im Sechs-Tage-Krieg (1967) gelangten israelische Soldaten an die Klagemauer (Westmauer des Herodes), die seit dieser Zeit für Juden wieder zugänglich ist. Der Tempelberg wird durch den Waqf verwaltet, dem nahezu vollständige Autonomie bewilligt wurde.
In den letzten Jahren hat die muslimische Waqf begonnen, illegal eine große unterirdische Moschee in den sogenannten Ställen Salomos zu bauen. Dabei wird mit großem Baugerät gearbeitet. Von jüdischer Seite wird der Waqf vorgeworfen, dadurch bedeutende archäologische Zeugnisse der jüdischen Vergangenheit des Heiligen Ortes zu zerstören. Überprüfungen dieses Bereichs durch jüdische Archäologen wurden vom Waqf verboten.
Viele Archäologen fürchten auch, dass diese Arbeiten zur Destabilisierung des Tempelbergs und der Klagemauer führen. Im Herbst 2002 wurde eine Beule von ungefähr 70 cm im südlichen Mauerteil des Komplexes festgestellt. Man fürchtete Schäden oder einen Einsturz des Mauerteils. Da der Waqf keine eingehende israelische Kontrolle erlaubte, kam es zu einer Vereinbarung mit Israel, dass eine Gruppe jordanischer Ingenieure die Mauer im Oktober untersuchen konnte. Nach ihrem Gutachten erfolgten Mitte 2003 die entsprechenden Reparaturen.
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