ARDtext.jpg Unter Teletext (auch: Videotext) versteht man eine Kommunikationsform zur Verbreitung von Nachrichten, Texten und bildhaften Darstellungen, die während der Austastlücke des Fernsehsignals eines Fernsehsenders ausgestrahlt werden, und aus denen der Benutzer gewünschte Angaben zur Darstellung auf dem Bildschirm eines Fernsehgerätes auswählen kann.
Ältere Fernseher bauen jede Seite einzeln aus dem Datenstrom auf, was zu langen Wartezeiten führen kann. Da nicht alle Seiten gleichzeitig in der Austastlücke kodiert werden, müssen diese Geräte warten, bis die angeforderte Seite ausgestrahlt wird. Die heute üblichen Seitenspeicher in Fernsehgeräten waren trotz des geringen Umfangs der Daten in der Anfangszeit des Videotextsystems aus Herstellersicht unbezahlbar. Da jedoch heutzutage die Preise für Speicherbausteine stark gefallen sind, verfügen aktuelle Geräte meist über einen Speicher mit einem Umfang von 10 bis mehr als 2000 Seiten (vermarktet unter Begriffen wie "MegaText" oder "TOP-Text"), aus dem die Seite abgerufen werden kann. Obwohl Videotext nur Seitennummern von 100-899 (Kodierung s.u.) haben kann, ist ein Speicher von mehr als 800 Seiten sinnvoll: diese Speicher können auch noch die Unterseiten einzelner Tafeln speichern. Obwohl der Teletext immer im aktuellen Fernsehbild mitübertragen wird, ist eine Aufzeichnung des Textes mit dem Programm mit handelsüblichen analogen Videorecordern (VHS) normalerweise aufgrund der zu geringen Bandbreite kaum möglich, dazu sind S-VHS- oder besser professionelle Systeme (z.B. Betacam SP) erforderlich.
Die Seiten werden nacheinander in einer Endlosschleife übertragen; da in jede einzelne Abtastlücke nur wenige Daten passen, dauert es daher nach der Wahl einer Seite eine Zeit lang, bis diese wieder "vorbeikommt". Das Ergebnis wird im Empfänger gespeichert, damit es in Ruhe betrachtet werden kann. Bessere Fernsehgeräte haben heute oft Speicher, in denen viele (typ. 100-200) oder alle Seiten oder teilweise sogar Unterseiten gleichzeitig gespeichert werden können. Somit stehen diese dann bei Anwahl sofort zur Verfügung. Nur nach einem Senderwechsel dauert es immer noch einige Zeit (1 bis 2 Minuten), bis die Seiten des neuen Senders gespeichert sind. Um die Wartezeiten zu vermeiden, die insbesondere bei selten übertragenen oder gar nicht vorhandenen Seiten auftreten, können viele Teletext-Angebote auch über das Internet abgerufen werden (siehe unten). Hierbei werden die Verweise auf andere Seiten (manchmal auch einfach alle Kombinationen aus drei Ziffern) in Hyperlinks auf die entsprechende Seite umgewandelt.
Bei den deutschen, österreichischen und Schweizer Vollprogrammen (ARD, ZDF, RTL, SAT.1, PRO7, ORF 1, ORF 2, SF1 und SF zwei) ergibt sich folgende Aufteilung der Inhalte:
Seiten können aus mehreren Unterseiten bestehen, die nacheinander übertragen und angezeigt werden. Solche Seiten erkennt man an Markierungen wie 1/2 (erste von zwei Unterseiten).
Seite 195 enthält meistens ein Testbild mit dem verfügbaren Zeichensatz und Darstellung von Buchstaben in doppelter Höhe, blinkendem Text und versteckter Information (Rätseltaste), 199 oder 899 den Clockcracker, eine Testseite, die fehlerfrei dargestellt wird, wenn die Taktfrequenz des Decoders zum Fernsehbild synchron ist. Wenn der Clockcracker nicht richtig dargestellt wird, läuft der Decoder zu schnell oder zu langsam und muss nachgeregelt werden.
Einige Sender senden zu bestimmten Sendungen auch Untertitel für Hörgeschädigte über den Videotext. Diese enthalten dann die Dialoge der Personen und beschreiben wichtige Geräusche. Sie können meist auf Tafel 150 aufgerufen werden, bei manchen Sendern auch auf Tafel 149 oder 777.
Die meisten Teletextdienste bieten eine Programmvorschau für die nächsten Tage, manche auch für mehrere Sender. Viele Sender bieten eine Tafel, auf der zu sehen ist, was gerade und als nächstes gesendet wird. Es wird ein kleines Textfeld ins Bild eingeblendet, sodass man weiter dem laufenden Fernsehprogramm folgen kann. Bei deutschen Sendern wird dafür üblicherweise Tafel 333 verwendet.
Um die Bedienung zu erleichtern, wurde in Deutschland das TOP-Text ("Table Of Pages") System eingeführt. Über Daten auf speziellen Steuerseiten werden die einzelnen Tafeln in Rubriken eingeteilt, sog. Blöcke für eine höhere Hierarchieebene (z.B. Nachrichten, Sport, Programm) und Gruppen darunter (z.B. Inland/Ausland, Fußball/Tennis). Den Seiten können Kurzbezeichnungen zugeordnet werden, die in einer 25. Zeile farbig angezeigt und mit vier farbigen Tasten auf der Fernbedienung angewählt werden können. Außerdem werden Informationen übermittelt, welche Seiten existieren und welche über Unterseiten verfügen, mit deren Hilfe der Decoder die Zeile 25 generiert oder z. B. auch anzeigen kann, dass eine angewählte Seite nicht existiert.
Beim FLOF System ("Full Level One Facilities"), auch FasText genannt, kann mit jeder Seite die 25. Zeile mit Bezeichnungen, Darstellung und Nummern der Sprungziele separat übertragen werden. Damit hat die Redaktion die Möglichkeit, diese Verweise auf bis zu vier Seiten selbst zu gestalten und den Leser auf z. B. inhaltlich verwandte Themen (oder auch Werbeseiten, etc.) zu leiten. Eine Information, welche Seiten existieren oder Unterseiten haben, gibt es bei FLOF nicht. Auch wird, anders als bei TOP, die zur jeweiligen Seite gehörende Information in der 25. Zeile erst beim Auffinden der angewählten Seite angezeigt, und nicht schon bei der Eingabe der Seitennummer wie bei TOP.
Mittlerweile unterstützen die meisten Decoder beide und nutzen fast alle Teletext-Dienste eines der Systeme - in Deutschland die meisten TOP, in anderen Ländern häufiger FLOF.
Eine weitere abwärtskompatible Erweiterung des Teletext-Standards mit der Bezeichnung Level 2.5 oder HiText erlaubt u.a. die freie Definition von Farben, erweiterte Sonderzeichen und die freie Definition eigener Zeichen, wodurch kleine, hochauflösende Grafiken möglich werden. Diese wird allerdings bislang von relativ wenigen Decodern unterstützt und dadurch auch von wenigen Teletext-Diensten (in Deutschland z.B. ZDF, Bayerischer Rundfunk, 3sat, Phoenix) angeboten.
Die Texttext-Norm ETSI EN 300 706 definiert noch einen darüber hinausgehenden Level 3.5 (mit farbigen hochauflösenden Grafiken, Proportionalschrift etc.), der allerdings kaum von Decodern oder Diensten unterstützt wird.
Der Regelbetrieb startete 1990. Die redaktionelle Arbeit beim Videotext von ARD und ZDF wurde federführend vom Sender Freies Berlin (SFB) betreut. Zum 1. Januar 2000 trennten sich die Partner ARD und ZDF, um zwei unabhängige Angebote zu starten. Seitdem war der SFB für den ARD-Text zuständig. Nach der Fusion der Sender SFB und Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg (ORB) werden die meisten Inhalte vom Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) aus Potsdam bearbeitet. Die aktuellen politischen Inhalte des ARD-Textes werden von der Redaktion Tagesschau.de beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) Hamburg bearbeitet.
Als erster Sender außerhalb Großbritanniens begann der ORF am 21. Januar 1980 mit Teletext-Versuchssendungen.
In Frankreich wurde ein grafisch aufwändiger Standard mit der Bezeichnung Antiope entwickelt, der aber nie weit verbreitet war und später durch Teletext abgelöst wurde.
Teletext | Teletexto | Teksti-TV | Télétexte | Teletext | 文字多重放送 | 문자 다중 방송 | Teletekst | Teletekst | Video teksti | Телетекст | Text-TV
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Teletext".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world