Die Telenovela (span. telenovela * wörtlich Fernsehroman) ist eine spezielle Form der Fernsehserie, die in Lateinamerika konzipiert wurde und seit den 80er-Jahren auch in anderen Regionen der Welt ausgestrahlt wird, vor allem in Osteuropa, auf dem Balkan, Nordafrika, China und den USA.
Telenovelas haben ihren Ursprung im vorrevolutionären Kuba. Dort wurden – schon in den Zeiten vor dem Aufkommen des Radios – den Arbeiterinnen in den Zigarren-Manufakturen während der Arbeit Romane vorgelesen, logischerweise in Fortsetzungen, die sich aus den Unterbrechungen von Arbeitstag zu Arbeitstag ergaben. Diese Tradition hat sich dort bis heute erhalten. 1930 wurde dann in Kuba zum ersten Mal eine Radionovela übertragen. Romane wurden in Hörspiele umgearbeitet.
Im 19. Jahrhundert waren Fortsetzungsromane auch in Europa bekannt und populär. Werke der Weltliteratur von Alexandre Dumas (Die drei Musketiere) und Charles Dickens (Oliver Twist) erschienen ursprünglich in Zeitungen und Zeitschriften. Für jede neue Ausgabe wurde eine weitere Fortsetzung geschrieben. Waren die Leser von den Geschichten begeistert, dann konnte der Autor den Roman verlängern und somit auch mehr Geld verdienen.
In den 50er-Jahren hat man dann in Lateinamerika den Fortsetzungsroman für das Fernsehen entdeckt. Die erfolgreichsten Telenovela-Produktionen stammen aus Mexiko und Brasilien, wo sie zu den besten Sendezeiten laufen. Insbesondere die mexikanischen Telenovelas zeichnen sich durch stereotype Charaktere und einfache Handlungsstränge aus. Häufiges Motiv in den mexikanischen Telenovelas ist das arme, aber gut aussehende Mädchen, das sich in einen reichen Mann verliebt, während die Familie des Mannes versucht, diese Liebe zu verhindern. Die brasilianischen Telenovelas werden häufig mit deutlich höherem finanziellen Aufwand produziert und erreichen oft eine auch inhaltlich höhere Qualität. In etwas geringerem Umfang sind Telenovelas auch in Argentinien, Venezuela (z. B. die auch in Deutschland erfolgreiche Telenovela "Morena Clara") und Kolumbien populär. Im Gegensatz zu den deutschen Telenovelas wirken in den lateinamerikanischen Produktionen nur wenige Newcomer, dafür aber umsomehr erfahren und berühmte Schauspieler des jeweiligen Landes mit.
Von Südamerika aus traten die Telenovelas die Fortsetzung ihrer Export-Erfolgsgeschichte rund um die Welt an. Zunächst in Spanien, Portugal und Italien, dann in den GUS-Staaten, den Republiken des ehemaligen Jugoslawien, Nordafrika bis ins ferne China. Dort nehmen sie feste Sendeplätze ein und brechen stetig Einschaltquotenrekorde. Nicht selten laufen pro Kanal bis zu vier verschiedene Telenovelas.
In Deutschland waren bereits in den achziger Jahren vereinzelt lateinamerikanische Telenovelas zu sehen, zum Beispiel "Die Sklavin Isaura" ("Escrava Isaura"), "Sinhá Moca - Die Tochter des Sklavenhalters" ("Sinhá Moca"), "Das Recht zu lieben" ("Direito de Amar"), alle aus Brasilien, und "Die wilde Rose" ("Rosa salvaje"), "Ruf des Herzens" ("Tú a nadie"), beide aus Mexiko, konnten täglich vom Publium verfolgt werden. Oft wurden die Telenovelas deutlich gekürzt. "Die Sklavin Isaura" wurde auf 40 Folgen zusammengeschnitten, ursprünglich hatte die Telenovela jedoch 100 Folgen. Auch die mexikanische Telenovela "Salomé" wurde im Jahre 2001 mit Erfolg im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.
Das Wort Telenovela hat sich als eine Art Modewort im deutschen Sprachgebrauch etabliert und wird zunehmend häufig fälschlicherweise als Ersatz für das Wort Seifenoper benutzt.
Insbesondere die TV-Sender bedienen sich hier der Neuheit des Ausdruckes, um Neugier für das hierzulande wenig bekannte Serienformat zu schüren.
Eine klassische Telenovela wird aus der Perspektive der meist weiblichen Hauptfigur erzählt. Seit vielen Jahren werden verstärkt auch Telenovelas mit männlichen und jugendlichen Hauptfiguren und Themen die Männer und Jugendliche ansprechen produziert, um so das gesamte Publikum zu erreichen.
Bei Telenovelas wird normalerweise – ähnlich den US-amerikanischen Seifenopern – täglich ein Kapitel ausgestrahlt. Auch das Konzept des Cliffhangers wird stets verwendet: eine Folge endet mit einem dramatischen Ereignis, dessen Ausgang zunächst offen bleibt. Die Zuschauer sollen so motiviert werden, am folgenden Tag wieder einzuschalten. Im Unterschied zu Seifenopern haben Telenovelas jedoch einen klar definierten Anfang und ein vorher festgelegtes Ende, normalerweise dauern sie mindestens vier Monate bis maximal ein Jahr (80 - 250 Kapitel). Dies ist jedoch vom Plot abhängig, dadurch gibt es auch Telenovelas die weniger bzw. mehr Kapitel haben.
Ein weiteres Merkmal von Telenovelas ist, dass sie auf einem großen Handlungsbogen angelegt sind. Die Nebenfiguren sind auf die ein oder andere Art stets mit einer der Hauptfiguren verknüpft und somit auch die Nebenhandlung mit der Haupthandlung. Dies ermöglicht den sogenannten Multiplot, d.h. mehrere Handlungsstränge können parallel erzählt werden. Die Hauptakteure bleiben hierbei leicht im Vordergrund und da die einzelnen Figuren so manches "Geheimnis" nicht kennen gibt es genügend Raum für Spannung, Dramatik, Tränen und glückliche Momente.
In einer Seifenoper werden hingegen viele voneinender völlig unabhängige Handlungen auf unbegrenzte Zeit gleichberechtigt verfolgt. Des Weiteren spinnen sich Seifenopern endlos von einem Handlungsbogen zum nächsten. Das Einzige, was die Handlung einer Seifenoper beenden kann, sind sinkende Zuschauerzahlen. Selbst dann sind die Produzenten nicht bemüht, die Seifenoper abzurunden und beenden die Handlung mitten im Geschehen, sodass alles offen bleibt und der Zuschauer nie erfährt, wie es weiter gegangen wäre (z.B.: "Das Imperium - Die Colbys", "Models Inc.", "Central Park West", "Karussell der Puppen"...). Bei einer ganz gewöhnlichen Fernsehserie wiederum, stellt jede Episode eine neue Handlung dar, es gibt keinen Cliffhanger und die einzelnen Episoden sind in sich abgeschlossen. (z.B.: "Unsere kleine Farm").
Zwei Arten der Produktion von Telenovelas werden praktiziert. Die erste wurde von dem Mexikaner Valentin Pimstein eingeführt. Er arbeitet mit offenen Drehbüchern. Es werden vorerst 30 - 50 Folgen gedreht und während sie ausgestrahlt werden, lässt man Zuschauerumfragen durchführen. So kann auf die Wünsche der Zuschauer Rücksicht genommen werden. Neue Figuren und zusätzliche Verwicklungen können durch die Autoren und Autorinnen herbeigerufen werden. Die zweite Art wurde ebenfalls von einem Mexikaner eingeführt, von Ernesto Alonso. Die Telenovela wird vollständig abgeschlossen. Bei großer Publikumsresonanz kann sie nachträglich verlängert werden, indem im Mittelteil Kapitel ergänzt werden. So wurde die Telenovela "Salomé" von den ursprünglichen 150 Kapiteln, auf 180 aufgestockt. Produktionen mit wenig Erfolg können wiederum gekürzt werden, um attraktive Sendeplätze nicht zu blockieren.
Charakteristisch für alle Telenovelas ist der stark hervorgehobene "Melos im Drama". Dramatische Situationen werden, neben dem Gesprochenen, durch entsprechende Mimik (stumme Begleitmusik) untermalt. Tiefe Emotionen die durch Mimik nicht ausgedrückt werden können werden durch musikalische Untermalung ausgedrückt. Dies erzeugt eine besonders dramatische Atmosphäre und ist bei den Telenovelafans sehr beliebt.
Eine zusätzliche Besonderheit der Telenovela ist, dass die Gedanken der Figuren (durch "Voice-Over") gesprochen werden. Eben wie in einem richtigen (Fernseh-) Roman.
Die Telenovela greift gerne zu Märchenmotiven. Besonders beliebt sind Schneewittchen (die böse Stief- oder Schwiegermutter macht dem guten Mädchen das Leben schwer) und Aschenputtel (das arme Mädchen sucht sein Glück). Gleichermaßen werden jedoch auch Telenovelas gedreht die aktuelle Thematiken behandeln und die emanzipierte Karrierefrau zeigen. Gerne genutzt wird auch die Darstellung der Diskrepanz zwischen Arbeiterklasse und der gehoben Gesellschaft oder auch die von Rassenkonflikten, wie zum Beispiel in der Telenovela "Gitanas" in der es um Zigeunerinnen geht. Die extrem erfolgreiche Telenovela "O clone" handelt von der Liebe zwischen der Muslimin Jade und dem Christen Lucas. In den Telenovelas "Lacos de familia" und "De cuerpo y alma", stehen jeweils eine leukämiekranke und eine herzkranke junge Frau im Mittelpunkt. Wärend die Heldin in "Abrázame muy fuerte" blind ist, befasst sich "Cristal" mit Brustkrebs. In "Yo soy Betty, la fea" schaltet sogar eine vollkommen unattraktive aber kluge Frau ihre verführerische Konkurenz aus. In "Los hijos de nadie" stehen Straßenkinder im Mittelpunkt. In der Telenovela "Nada personal" wurde auch unverblümt die hohe Kriminalität in Mexiko thematisiert. Die Telenovela "Machos - la brutal pasión de siete hermanos" aus Chile, in welcher die Hauptrollen von Männern gegeben werden, konnte großen Erfolg verzeichnen. Gleiches gilt für die argentinische Telenovela "Rebelde Way", in welcher Jugendliche als Hauptakteure agieren. Es gab sogar ein mexikanisches Remake unter dem Namen "Rebelde".
Im Regelfall gibt es immer ein Happy-End, nur in Ausnahmen endet die Geschichte negativ.
Im Unterschied zu deutschen Telenovelaproduktionen (und Seifenopernproduktionen), wenden die lateinamerikanischen Telenovela-Produktionsfirmen nicht selten hohe Summen für Kulissen, Kostüme, Make-up und Styling auf. Ebenso werden auch öfter Außenaufnahmen getätigt in welchen auf schöne Landschaftsaufnahmen geachtet wird. Ein Grund dafür ist, dass es sich um kurzweilige Investitionen handelt, welche schnell wieder eingespielt werden. Bei Seifenopern wäre eine solche Produktion auf Dauer zu teuer.
Da bei Telenovelas ein rasches Tempo eingehalten werden muss, wird mit anderen Produktionsmethoden als bei gewöhnlichen Serien gearbeitet. Studios mit besonders hoher Produktion arbeiten mit Souffleuren. Die Schauspielerinnen und Schauspieler haben ein kleines Hörgerät im Ohr, durch welches ihnen der Souffleur den Text und die dazugehörige Mimik und Gestik durchsagt. Dadurch wird den Akteuren das Lernen von Text und häufiges wiederholen misslungener Szenen erspart. Im anderen Ohr befindet sich das Mikrophon. Damit wird zeitaufwendigen Synchronisationen bei Problemen mit der Tonaufnahme vorgebeugt. Im Durchschnitt muss bei einer lateinamerikanischen Telenovela 43-50 Minuten sendefähiges Material pro Drehtag produziert werden. Bei einer deutschen Seifenoper wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" sind es vergleichsweise 25 Minuten, welche pro Drehtag erreicht werden müssen. Für übliche Fernsehserien die einmal wöchentlich ausgestrahlt werden, wie zum Beispiel "In aller Freundschaft", rechnet man wiederum im Durchschnitt mit einer Woche Drehzeit pro Episode (10-12 Minuten pro Drehtag).
Es wird meistens mit Autorenteams oder mit vielen einzelnen Drehbuchschreibern gearbeitet. In der Regel gibt ein Autor die grundliegende Handlungslinie vor, während die anderen Schreiber die verschiedenen Vorgaben von Kapitel zu Kapitel einarbeiten. Kleinere Studios arbeiten auch mit der konventionellen Methode und lassen sich das Drehbuch von einem einzelnen Autor anfertigen.
Mehrere Regisseure kommen ebenfalls zum Einsatz. So kann parallel an mehreren Sets gedreht werden, was zusätzlich Zeit einspart.
Manche Telenovelas werden sogar bandlos auf Wechselfestplatte gedreht. Dadurch wird die hohe Produktionsgeschwindigkeit unterstützt und die üblichen Wartezeiten durch Eindigitalisieren oder Einspielen in der Produktion entfallen somit. Der gelegentlich erwünschte "Romantiklook" wird im selben Arbeitsschritt durch Avid-Plug-In über das gefilmte Material gelegt. In Deutschland wurden diese Techniken bei der Telenovela "Sturm der Liebe" eingesetzt.
Kritiker bemängeln, dass Telenovelas eine "virtuelle Realität" schaffen würden. Sie seien zu sehr vom Alltag entfernt, mit ihren glamurösen Kulissen.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die Charaktere, welche einem Holzschnitt gleichen würden. Gut und Böse, Gutmütigkeit und Missgunst. Die Charaktere seinen zu einfältig und müssten vielseitiger dargeboten werden.
Unter Kritikern wird ebenfalls die These vertreten, die Telenovela würde vom Zuschauer als "Flucht" aus der Realität genutzt. Führend in der Produktion sind Brasilien und Mexiko. Dort solle laut der Kritiker die Glanzwelt der Telenovela, den Zuschauer in den Slums und Favelas, über sozialen Misstand, Unterdrückung, Opposition, Ungerechtigkeit und Demonstrationen hinwegtrösten. Desto mehr Unglücklichen und vom Schicksal Gestraften in der Telenovela Gerechtigkeit wiederfährt, desto höher ist die Einschaltquote.
Auch die sich hier und da wiederholenden, gelegentlich durchschaubaren Handlungsstränge sorgen für Kritik.
Auch Deutschland wird seit einer Zeit von einer Telenovelawelle überschwemmt. Ob in Deutschland der Wohlstand schwindet oder die Zuschauer aufgrund der romantischen Geschichten einschalten, sei dahingestellt.
(*) = deutsche Erstausstrahlung
Das Serienformat Telenovela tritt seit November 2004, als die deutsche Produktionsfirma Grundy UFA mit "Bianca – Wege zum Glück" die erste Telenovela in Deutschland auf den Markt brachte, immer häufiger im deutschsprachigen Fernsehen auf. Ihr Erfolg führte zu einer weiteren Nachfolgetelenovela "Julia – Wege zum Glück". Wenig später nach "Bianca" startete mit "Verliebt in Berlin" die bisher erfolgreichste deutsche Telenovela, welche ebenfalls von Grundy UFA produziert wird. Die Beliebtheit der Geschichte um "Lisa Plenske" führte zu einer Verlängerung der Produktion um ein halbes Jahr, auf insgesamt 380 Kapitel statt der ursprünglich geplanten 225.
Neben diesen sehr erfolgreichen Produktionen kamen bis zum 27. März 2006 weitere vier Telenovelas ins deutsche Fernsehen.
Einige deutsche Telenovelas sind auch auf DVD erhältlich.
Liste aller deutschen Telenovelas
| 1 | Bianca – Wege zum Glück | Grundy UFA, teamWorx | 224 | ZDF | 01.11.2004 – 05.10.2005 |
| 2 | Verliebt in Berlin | Grundy UFA, Phoenix Film | 380+ | Sat.1 | seit 28.02.2005 |
| 3 | Sturm der Liebe | Bavaria Film | 300+ | Das Erste | seit 26.09.2005 |
| 4 | Julia – Wege zum Glück | Grundy UFA | 500 | ZDF | seit 06.10.2005 |
| 5 | Sophie – Braut wider Willen | Grundy UFA | 65 | Das Erste | 08.11.2005 – 09.03.2006 |
| 6 | Tessa – Leben für die Liebe | Grundy UFA | 125 | ZDF | seit 16.01.2006 |
| 7 | Lotta in Love | Rat Pack Filmproduktion | 200 | ProSieben | seit 27.03.2006 |
| 8 | Das Geheimnis meines Vaters | Studio Hamburg Produktion | 50 | Das Erste | ab 15.08.2006 |
| 9 | Schmetterlinge im Bauch | Producers at Work | 280 | Sat.1 | ab 21.08.2006 |
| 10 | Rote Rosen | Multimedia Niedersachsen Film- und Fernsehproduktion | 100 | Das Erste | ab 06.11.2006 |
Die argentinische Telenovela:
| 1 | Rebelde Way – Leb dein Leben | Cris Moreno Group S.A., Yair Dori Communiactions | 318 | Nickelodeon | ab 06.02.2006 |
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