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Der militärisch seit Ende des 17. Jahrhunderts immer schwächer werdende Doppelstaat Polen-Litauen erweckte Expansionsgelüste von Russland, Preußen und Österreich. Ende des 18. Jahrhunderts annektierten die Nachbarstaaten in den drei Teilungen Polens große Gebiete dieses Staates, bis er schließlich nicht mehr eigenständig existierte.
In diesem Zusammenhang wird manchmal auch die im Molotow-Ribbentrop-Vertrag von 1939 beschlossene Aufteilung Polens zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion als "vierte Teilung Polens" bezeichnet.
Der Begriff "Polnische Teilungen" wird in der Geschichtswissenschaft heute nicht mehr verwendet, da er so ausgelegt werden könnte, als hätten sich die Polen selber geteilt.
Polen war spätestens seit der Herrschaft von August II. dem Starken immer mehr unter den Einfluss Russlands geraten. 1764 setzte Katharina II. die Wahl ihres ehemaligen Liebhabers Stanislaus Poniatowski als Stanislaus II. zum polnischen König durch.
Stanislaus führte zwar Reformen durch, um das Land zu stärken, doch konnte sich Polen vom übermächtigen Einfluss Russlands nicht befreien. Als die polnischen Nicht-Katholiken, die so genannten Dissidenten, die seit 1717 diskriminiert wurden, ihre volle Gleichberechtigung forderten, zwangen russische Truppen, die einmarschiert waren, den Sejm, dem nachzugeben. Dagegen erhob sich 1768 die Konföderation von Bar, die sowohl die Souveränität von Polen als auch die Beschränkung der vollen Bürgerrechte auf Katholiken bewahren wollte. Sie wurde jedoch in einem Bürgerkrieg mit Hilfe russischer Truppen niedergeschlagen.
Kaiser Joseph II. machte sich gegen den Willen seiner Mutter die polnischen Wirren zunutze und besetzte im Sommer 1769 die Zips unter dem Vorwand, sie sei 1412 von Ungarn an Polen verpfändet und seitdem nicht eingelöst worden. 1770 wurden auch noch Teile des Karpatenvorlandes mit den Städten Neumarkt und Neu-Sandez annektiert. Daraufhin machte die Zarin Katharina II. im Januar 1771 dem preußischen Prinzen Heinrich, der zu Besuch in Sankt Petersburg weilte, den Vorschlag, alle drei Nachbarländer des wehrlosen und vom Bürgerkrieg zerrissenen Polen sollten sich doch etwas nehmen, um das Gleichgewicht der Kräfte wiederherzustellen. Nach einigem Zögern stimmte Friedrich II. zu und beschloss, wie er am 20. Februar 1771 an den Grafen Solms, seinen Gesandten in Sankt Petersburg schrieb, „auch meinerseits, wie er das tut, alte Rechte geltend zu machen, die meine Archive mir im Überfluss liefern werden“. Unter dem Vorwand, Brandenburg-Preußen wäre der Rechtsnachfolger der 1637 ausgestorbenen pommerschen Herzöge besetzte Preußen Westpreußen, das Kulmerland und Pommerellen; damit war die lange ersehnte Landverbindung von Brandenburg und Pommern nach Ostpreußen hergestellt. Obendrein erhielt Preußen das Ermland und das Netzegebiet. Danzig blieb allerdings freie Stadt. Russland annektierte die Gebiete östlich von Düna und Dnjepr. Österreich unter Maria Theresia erhielt Galizien einschließlich des Gebietes von Lemberg.
In Polen wurden nach der ersten Teilung die Bemühungen um Reformen durch den König Stanisław August Poniatowski verstärkt. Nach der Französischen Revolution gab sich Polen am 3. Mai 1791 als erstes Land Europas eine Verfassung. Diese wurde von der von Russland korrumpierten Konföderation von Targowica (1792) abgelehnt. Der seiner Macht beraubte konservative Teil des polnischen Adels bat bei der Kaiserin um russische Intervention, um die alte Ordnung inklusive Liberum Veto wiederherzustellen. Russische Truppen marschierten im Mai 1792 mit der offiziellen Begründung in Polen ein, dort sei eine Jakobinerherrschaft im Entstehen. Dies führte zur zweiten Teilung 1793. An dieser war Österreich nicht beteiligt. Am 23. September 1793 musste der von russischen Truppen umstellte Sejm in einer "stummen Sitzung" der abermaligen Verkleinerung des Staates zustimmen.
Preußen griff nach der Stadt Danzig sowie Großpolen (die spätere Provinz Posen), Russland nach Polesien und Wolhynien (heute Weißrussland), sowie dem Rest der Ukraine und bekam damit erstmals eine gemeinsame Grenze zu Österreich.
Der darauf folgende Kościuszko-Aufstand (1794) unter Tadeusz Kościuszko bot den Anlass, den Staat Polen vollends zu vernichten. Diesmal war auch Österreich wieder beteiligt: Es erhielt bei der Dritten Teilung Polens das später als Westgalizien benanntes Gebiet bis kurz vor Warschau.
Preußen annektierte die polnische Hauptstadt Warschau und das Gebiet bis zur Memel, Russland erhielt Litauen, sowie die Gebiete östlich der späteren Curzon-Linie.
Der polnische König Stanislaus II. August wurde gezwungen abzudanken.
1795 hörte der polnische Staat auf zu existieren. Die Teilungen brachten Preußen, Russland und Österreich:
Vorteile
- mehr Land und mehr Bevölkerung
- wirtschaftlichen Machtgewinn (Bodenschätze)
- politischen und militärischen Machtgewinn (direkte Grenze zum Feind/ mehr Bevölkerung = mehr Soldaten)
- strategische Lage
>>> Polen als leichte Beute
und
Risiken
- Unterdrückung polnischer Oppositionsbewegungen
- polnische Bevölkerung muss sich anpassen
- nationale Gegensätze verschärfen sich
- Reaktionen anderer europäischer Mächte zur Wiederherstellung Polens
>>> Polen als ständiger Unruheherd
1807 bzw. 1809 verloren Preußen und Österreich ihre Gewinne aus der zweiten und dritten Teilung Polens an das von Napoleon gebildete Großherzogtum Warschau, welches 1815 ohne das Gebiet um die Städte Posen und Krakau als Kongresspolen an Russland ging.
1918 wurde Polen neu gegründet.
Nach dem Molotow-Ribbentrop-Vertrag (Hitler-Stalin Pakt) und dem Einmarsch deutscher und sowjetischer Truppen wurde das 1918 wieder unabhängig gewordene Polen erneut geteilt. Die weißrussischen und ukrainischen Gebiete fielen an die Sowjetunion, eine vergrößerte Provinz Posen ("Reichsgau Wartheland") sowie ein Grenzstreifen wurden an Deutschland angeschlossen, die polnische Bevölkerung teilweise vertrieben. Der Rest wurde als deutsch verwaltetes Generalgouvernement in das System des Nationalsozialismus eingebunden und Zentrum der Vernichtungspolitik gegen Juden und Slawen.
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