Als Teichwirtschaft bezeichnet man die Fischzucht von Binnenfischen mit herkömmlichen Methoden. Hierzu verwendet man hauptsächlich künstlich angelegte Teiche (Name), die planvoll bewirtschaftet werden. Damit ist die Teichwirtschaft ein Teil der Landwirtschaft, insbesondere der Tierzucht. Ferner ist sie als der "klassische" Zweig der Aquakultur zu sehen.
Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Grundformen der Teichwirtschaft:
Die Teichwirtschaft bedient sich für einzelne Zwecke auch anderer Methoden als der reinen Teichhaltung. Die Erbrütung und Brutaufzucht erfolgt in der Regel in Kunststoffbecken in Bruthäusern, deren Wasserversorgung meist durch Brunnen- oder Quellwasser erfolgt. Manche Betriebe sind auf die Erzeugung von Jungfischen spezialisiert und halten sie bis zum Verkauf an Aufzuchtbetriebe in Rundbecken.
Die beiden Formen der Teichwirtschaft unterscheiden sich grundsätzlich durch die Verwendung von "Naturnahrung" bei der KTW und künstlichem Pelletfutter in der FTW. Damit nehmen sie unterschiedliche Plätze im Produktionsgefüge der Biosphäre ein.
Die Karpfenteichwirtschaft nutzt mit ihrer Naturnahrung die Primärproduktion am Standort. Die im Teich durch pflanzliche Organismen (Algen und Makrophyten) erzeugte Biomasse wird unmittelbar über die Nahrungskette des Teich-Ökosystems bis zu den Endgliedern der Produktion, den Fischen, weitergegeben. Auf dem Weg dorthin sind Zooplankton sowie Würmer und Schnecken im Benthos beteiligt. Bei der Produktion von Hecht und Zander dienen ferner die Karpfen und andere Kleinfische (z.B. Rotaugen und Moderlieschen) als weitere Zwischenglieder. Die Basis des Teichökosystems bilden die mineralischen Nährstoffe wie Wasser und Kohlenstoffdioxid für die primäre Photosynthese, Stickstoffverbindungen wie Ammonium und Nitrat, Phosphat und als Schwefelquelle Sulfat für den weiteren Aufbau der Biomasse. Diese Nährstoffe nehmen auch an den Stoffkreisläufen des Ökosystems teil und werden z.T. im Schlamm abgelagert und in späteren Produktionsperioden wieder in Umlauf gebracht und genutzt.
In der Regel stehen die Nährstoffe bereits durch das zulaufende Wasser zur Verfügung, werden aber auch zur Intensivierung der Produktion in Form von Mineraldünger oder organischem Dung (Schafmist, Kuhdung, Grasschnitt) zugesetzt. Zwar führt die Düngung eines Gewässers zu dessen Eutrophierung. Diese ist in Karpfenteichen jedoch erwünscht. Ihre in Seen negativen Folgen sind durch die Bauform als Flachgewässer von ca. 1-2 m Tiefe weitgehend ausgeschaltet.
Neben der Düngung wird in der klassischen KTW im Herbst mit Getreide oder Soja zugefüttert, um die Fische für die Überwinterung zu konditionieren.
Die Forellenteichwirtschaft nutzt das Wasser ausschließlich als Transportmedium von Sauerstoff in den Teich und zur Entsorgung der Exkremente und Exkrete der Fische (Kohlenstoffdioxid und Ammonium). Die Nahrung der Fische besteht heute fast ausschließlich aus industriell hergestellten Pelletfutter mit einer vom Hersteller garantierten prozentuellen Zusammensetzung aus Protein, Fett, Kohlehydrat und Rohfaser sowie eingestellten Gehalten am Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen.
Bedeutsam aus ökologischer Sicht ist die Herkunft des Grundstoffes dieser Pellets. Sie bestehen zum größten Teil aus Fischmehl und Fischöl. Diese werden gewonnen aus Meeresfischen, die nicht direkt für den menschlichen Verzehr vermarktet werden. So wird vor Dänemark der Bodenfisch Sandaal (nicht mit dem Aal verwandt) mit Dredschen massenhaft eingesammelt und in Fabriken zu Mehl und Öl verarbeitet, die dann als Rohstoff an die eigentlichen Futtermittelhersteller geliefert werden.
Damit ist die Forellenteichwirtschft nicht eigentlich eine Produktion von Binnenfischen, sondern eine Form der "Veredelung" von mariner Biomasse. Dabei liegt der Verwertungsgrad ähnlich wie bei dieser Stufe der Nahrungspyramiden immer in der Größenordnung von 1:10 (Faustregel). Zwar setzt die Futtermittelindustrie einiges daran, der Futterquotienten zu verbessern, kann dabei aber bestimmte natürliche Grenzen nicht überschreiten. Man darf sich nicht täuschen lassen durch den offiziellen Futterquotienten von ca. 1, d.h. für 1 Kilogramm Zuwachs der Forellen werden ca. 1 kg Trockenfutter benötigt. Das Trockenfutter selbst ist aber von 80-90% Wasseranteil der Seefische befreit, sodass am Ende die 1:10-Regel doch annähernd erfüllt ist.
Somit steht die ökologische Bewertung der Forellenteichwirtschaft in Zusammenhang mit der Überfischung der Meere und der Zerstörung von Lebensgemeinschaften am Meeresboden.
Lehrbuch der Teichwirtschaft, W. Schäperclaus/M. v. Lukowicz, Parey-Verlag, 4. Aufl. 1998
Grundriß der Teichwirtschaft, W. Schäperclaus, Parey-Verlag, 1949
Zucht und Produktion von Süsswasserfischen, M. Bohl / P. Bach / K. Bartmann, Verlags Union Agrar
Binnenfischerei / Produktionsverfahren, W. Steffens (1986), VEB Deut. Landwirtsch. Verlag Berlin
Moderne Fischwirtschaft / Grundl. u. Praxis, W. Steffens (1979), Verlag J. Neumann-Neudamm
Industriemäßige Fischproduktion, W. Steffens (1981), VEB Deut. Landwirtsch. Verlag Berlin
Fisch und Fischerei, Dietmar Riedel, Ulmer Verlag, 1974
Nutzfische halten, G. Haider, Ulmer-Verlag
Lachse in Teichen, Seen und Flüssen, Henn Pohlhausen, Paul Parey, 1978
Forellenzucht, K. Igler, Leopold Stocker Verlag
Fischzucht, W. Koch/O. Bank/G. Jens, Parey-Verlag
Forellenzucht, W. Lindhorst-Emme, Parey-Verlag
Die Praxis der Forellenzucht, Earl Leitritz, Parey Verlag
Die Bewirtschaftung von Karpfenteichen, 3. Aufl., Kurt Kunze, Paul Parey, 1982
Der Teichwirt, J. Hofmann / F. Geldhauser / P. Gerstner, Parey-Verlag
Fortschritte in der Teichwirtschaft, Istvan Tölg (Hrsg.), Parey Verlag, 1981
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