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Ein Teenidol ist eine prominente Person, die auf Massen von Teenagern eine starke Anziehung ausübt. Ihr öffentliches Erscheinen versetzt Jugendliche in Schreikrämpfe, führt manchmal zur Ohnmacht. Die Popularität eines Teenidols hat meist eine kurze Halbwertzeit. Schon nach wenigen Jahren lässt die Anziehungskraft nach.

Massenkommunikation


Das Teenidol ist ein Phänomen der modernen Massenkommunikation. Es handelt sich stets um Prominente, die durch die Massenmedien bekannt wurden. Deshalb eignen sich besonders Popsänger, Schauspieler oder andere aus dem Boulevardjournalismus bekannte Personen. Sie sind stets jung, aber in den meisten Fällen kein Teenager mehr. Gelegentlich sind es Altersgleiche. Zu den Teenidolen zählen viele anerkannte Künstler und einige der belanglosesten.

Orientierung für Pubertierende


Es ist das Wesen des Teenidols, das Bedürfnis gerade in die Pubertät eingetretener Jugendlicher nach Sexualität anzusprechen, ohne sie jedoch tatsächlich auszuleben. Indem sie ihnen die Möglichkeit einer ersten quasi platonischen Liebesbeziehung eröffnen, erfüllen sie eine Orientierungsaufgabe für das spätere Leben. Wird der Teenager zu einer tatsächlichen Beziehung fähig, wird das Teenidol überflüssig.

Um diese Rolle zu erfüllen müssen Teenidole eine erotische Ausstrahlung haben, dürfen aber zugleich nicht mit sexuellen Eskapaden von sich reden machen. Das Teenidol David Cassidy lief zwar ständig mit weit aufgeköpftem Hemd herum, empfand seine öffentliche Rolle aber geradezu als "squeaky-clean" (dt. quietschend-sauber). Für die Identifikation der Zielgruppe gilt es als wichtig, dass das Idol keine Freundin hat. Homosexualität, wie im Falle des Take-That-Sängers Mark Owen, ist ein Tabu und muss verheimlicht werden.

Geschichte


Die früheste Erscheinungsform die dem Teenidols der heutigen Zeit entspricht, könnte Rudolph Valentino gewesen sein. Mit seiner glatten, gutaussehenden Erscheinung hatte er in Stummfilmen wie Der Scheich vor allem auf weibliches Publikum eine große Wirkung. Aber es war wohl Frank Sinatras Anziehungskraft auf die Haarklammer-Fans, die den Begriff im Show-Business fest etablierte. Der Sänger und Schauspieler Eddie Fisher hatte ebenfalls eine große Gefolgschaft schreiender und in Ohnmacht fallender Teenagerfans. Viele von ihnen wandten sich gegen ihn als er sich 1959 scheiden ließ, um Elizabeth Taylor zu heiraten. Die Rock ’n’ Roll- und Country-Sängerin Brenda Lee war das erste weibliche Teenidol, das sich breiter Popularität erfreute.

Eine wirklich fanatisierende Wirkung hatte Elvis Presley auf die Teenager der 1950er Jahre. Er startete ursprünglich als harter Rhythm-and-Blues- sowie jazziger Country-Musiker, wurde dann von seinem Management zum Teenidol nachgerüstet. Der Liedtext von Teddy Bear dokumentiert den Wandel:

''Don't wanna be your tiger, 'cause tigers play too rough,
Don't wanna be your lion, 'cause lions aren't the kind you love enough;
I just wanna be your teddy bear.''

Presleys große Erfolge brachte schlaue Künstleragenten darauf, US-amerikanische Teenidole wie Frankie Avalon oder Fabian zu erfinden. Sein Schauspieldebüt in einem Fernsehfilm über das Phänomen The Idol machte aus dem Schauspieler Tommy Sands ein Teenidol. Das Fernsehen machte auch aus dem Rockabilly-Musiker Ricky Nelson ein Teenidol.

Auch die Beatles und die Rolling Stones waren während ihrer frühen Karriere Teenidole. Die Rolling Stones waren jedoch rebellischer als die Beatles, die ihre Pilzköpfe bis 1967 beibehielten als sie Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band herausbrachten.

Die Fabrikation von Idolen wurde in den 1960er Jahre professionalisiert. Ein Beispiel dafür waren die Monkees, eine Band, die in einer TV-Serie vorgaukelte, selbst die Instrumente zu spielen, aber nur die Hände zur Musik von Studiomusikern bewegte. Anfang der 1970er Jahre drängte David Cassidy die Beatles in der Teenagergunst zur Seite. Auch er trat in einer Fernsehserie auf und sang zur Musik von Studiomusikern. Als erstes Teenidol verkaufte er sein Gesicht und seinen Namen auf Merchandising-Produkten, warb für Konsumgüter.

Der Aufstieg von MTV in den 1980er Jahren und der Erfolg von Boygroups in den 1990er Jahren sind ein Teil desselben Phänomens. Neben der offensichtlichen Kombination von einem gutem Aussehen und einer glatten Marketingkampagne ist der wesentliche Ansatz einer fabrizierten Band, "etwas für jeden" zu bieten. Jedes einzelne Bandmitglied kann separat für einen besonderen Look oder ein Charaktermerkmal vermarktet werden: Beispielsweise als der "Schüchterne", der "Intelligente" oder der "Rebell".

Jugendzeitschriften


Jugendzeitschriften wie Bravo (Deutschland) oder Tiger Beat (USA) leben von der Berichterstattung über Teenidole. Sie ist der Hauptinhalt dieser Blätter. Werden die von ihren Lesern gewünschten Teenidole ausführlich dargestellt, steigert das die Auflage.

Siehe auch: Boygroup, Girlgroup

Beispiele für weitere Teenidole


Literatur


  • Günter W. Kienitz, Bettina Grabis: Alles über deine Musik- und Filmstars. Moses, Kempen 2001, ISBN 3-89777-058-X
  • Manuela Honsig-Erlenburg (Hrsg.): Sprachliche Inszenierung von Musikidolen in kommerziellen Jugendzeitschriften: Stars aus Fleisch und Blut oder eine Jugendszene zwischen Markt, Kultur und Medien. Wissenschaftsladen Graz, Graz 1998
  • Heinz-Hermann Krüger (Hrsg.): "Die Elvis-Tolle, die hatte ich mir unauffällig wachsen lassen": Lebensgeschichte und jugendliche Alltagskultur in den fünfziger Jahren. Leske und Budrich, Opladen 1985, ISBN 3-8100-0522-3
  • Ulrich Beer: Kult mit jungen Götzen: Leitbilder der Wegwerfgesellschaft. Dürrenäsch, Kassel-Harleshausen 1975, ISBN 3-87893-008-9
  • David Cassidy, Chip Deffaa: C'mon, Get Happy: Fear and loathing on the Partridge family bus. Warner Books, New York 1994, ISBN 0-446-39531-5

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