Usaf.b2.spirit.750pix.jpg Tarnkappentechnik, auch Stealthtechnik genannt (Stealth engl. Heimlichkeit) bezeichnet alle Technologien oder Techniken, welche die Ortung eines Flugzeugs, Fahrzeugs oder Schiffes durch Unterdrücken der vom georteten Objekt ausgesandten oder reflektierten Emissionen erschweren. Im engeren Sinne bezeichnet Stealth Techniken, welche die Radarortung unwirksam machen sollen, ohne aber Störsignale auszusenden (Jamming) .
Der Begriff 'Stealth' wurde in den USA anlässlich von Versuchen zur Abwehr der Radarortung geprägt. Er umfasst neben Radar auch andere Signale, beispielsweise Infrarotstrahlung, die Dämpfung von Geräuschemissionen oder den Schutz gegen optische Wahrnehmung - insgesamt die Tarnung im militärischen Bereich.
Tarnkappentechniken wurden im Zweiten Weltkrieg wesentlich in Deutschland entwickelt. Die deutsche Marine unternahm seit 1942 Versuche, die Türme von aufgetauchten U-Booten gegen Radarortung zu tarnen, und im gleichen Zeitraum verwendeten die Gebrüder Horten Kohlenstaub zur Absorption von Radarwellen in der Sandwichbauweise ihrer Nurflügler. 1975 erfolgte – ebenfalls in Deutschland – der Erstflug des Experimentalflugzeugs „Leiseflieger“ von Sportavia-Pützer und VfW. Zwei Jahre später erprobte MBB (heute EADS) den Prototypen des Stealth-Jägers Lampyridae im 75%-Maßstab bemannt im Deutsch-Niederländischen Windkanal.
Hingegen wurde die Tupolew Tu-95 „Bear“, ein sowjetischer Langstreckenbomber, sehr gut von Radarstationen entdeckt, weil Propeller und Turbinenschaufeln von Jet-Triebwerken ein sehr gutes Radarecho abgeben. Die Tu-95 hatte vier gegenläufige Doppelpropeller mit je 2,4 Meter Durchmesser.
Ein anderer wichtiger Faktor ist der innere Aufbau des Flugzeugs. Im Innern von Stealth-Flugzeugen gibt es eine spezielle Struktur namens „Wiedereintrittsdreiecke“, engl. „re-entrant triangles“. Radarstrahlen, welche die Außenhaut eines Flugzeugs passieren, werden von diesen Strukturen gefangen - und fast endlos von der einen Seite des Dreiecks zur anderen reflektiert. Dies schwächt die Radarstrahlen ab. Diese Technik wurde zum ersten mal in der SR-71 „Blackbird“ verwendet.
Die beste Methode, um Radarstrahlen zum Sender zurückzureflektieren ist es, zwei oder drei Metallplatten rechtwinklig zu einer Ecke zu verbinden. Dies wird - mit Spiegeln - beim Katzenauge gemacht - oder, mit Metallplatten, bei Bojen auf der See, so damit die Schiffsradars deutliche Echos zurückerhalten. Solche „Eckreflektoren“ gibt es bei Verkehrsflugzeugen - so sind beispielsweise die vertikalen und die horizontalen Bestandteile der Heckflosse rechtwinklig zu einander. Um diese gute Reflektierbarkeit bei Stealth-Flugzeugen zu verhindern, richtet man meistens die Heckflosse so ein, dass keine rechten Winkel entstehen (so F-117) oder man lässt diese Flosse ganz weg (B-2).
Da Radarstrahlen auch von Turbinenschaufeln reflektiert werden, versenkt man die Triebwerke ins Innere des Flügels oder des Rumpfes. Die Radarstrahlen können zwar in den Triebwerksschacht hineingelangen - aber sie werden wie bei dem besagten „Dreieck“ gefangen. Die Außenstruktur des Flugzeugs wird vollständig glatt angelegt; Antennen zum Beispiel müssen im Innern des Flugzeugs angebracht sein, ebenso Waffen und Treibstofftanks. Beim Abwurf oder Abschuss von Waffen muss der Bombenschacht geöffnet werden, für diese Zeitspanne verliert das Flugzeug seine Stealth-Eigenschaften.
Zur Verbesserung der Stealth-Eigenschaft werden oft Kompromisse bei der Aerodynamik gemacht. Die F-117 besitzt daher unstabile Flugeigenschaften, die nur mit der Hilfe eines Steuercomputers abgefangen werden können. Zusätzlich litten die Flugleistungen aufgrund der Stealth-Konstruktion. Einige moderne Radargeräte nutzen dieses Phänomen, indem sie den Schweif turbulenter Luft hinter einem Flugzeug registrieren. Radars, die Windscherungen beobachten, sind für die Flugsicherheit bereits auf Flughäfen im Einsatz.
Die Form eines Flugzeugs bietet aber keinen Schutz gegenüber tieffrequenten Radars, deren Wellenlänge etwa der doppelten Größe des Flugzeugs entspricht (Halbwellen-Resonanzeffekt). Dann müssen die Radarantennen ebenfalls der halben Wellenlänge entsprechen, was sie sehr groß und schwer transportabel macht. Lange Wellenlängen (d. h. tiefe Frequenzen) sind zudem für präzise Distanz- und Geschwindigkeitsbestimmungen ungeeignet - sie sind nur auf etwa 50 m genau und damit nicht für Abfangraketen geeignet. Ein anderes Problem ist der störende „Lärm“, den Tieffrequenz-Radars nebenbei empfangen, das durch moderne computergestützte Filter wiederum umgangen wird. Die chinesischen Nantsin-Radars und viele ältere sowjetische Langstreckenradars wurden so aufgerüstet. Es gibt unter Radaraufklärern das Sprichwort „es gibt nichts Unsichtbares unterhalb 2 GHz“ (*).
Neuere Militärschiffe benutzen ähnliche Techniken, z.B. die britische Typ 23-Fregatte, welche keine rechten Winkel auf ihrer Außenstruktur besitzt, ebenso die französischen Fregatten der La Fayette-Klasse. Kaum eine Schiffskonstruktion für die militärische Verwendung wird heute nicht wenigstens zum Teil unter dem Aspekt der Radarsignaturreduzierung entwickelt ( z.B. DD(X) oder CVN-21-Programm).
In einer ähnlichen Weise kann das Glas der Cockpitscheiben mit einer dünnen Goldschicht überzogen werden. Normalerweise dringen Radarstrahlen ins Cockpit ein und werden vom Cockpit-Innern ständig hin- und herreflektiert - und können durchaus zum Radargerät zurückkehren. Die Goldschicht sorgt dafür, dass eintreffende Radarstrahlen direkt an der Scheibe himmelwärts reflektiert werden. Sie ist dünn genug, um die Sicht des Piloten nicht einzuschränken.
Alle Stealthflugzeuge - außer die relativ neue F-22 - fliegen nur im Unterschallbereich, damit sie nicht von ihrem Überschallknall verraten werden. Frühere Beobachtungsflugzeuge hatten langsamdrehende Propeller, um die Lärmemissionen möglichst gering zu halten. Zur Verringerung der Sichtbarkeit verfügen Stealthflugzeuge über eine matte, oft dunkle Lackierung, und werden vorzugsweise nachts eingesetzt.
Um die Wärme- oder Infrarotstrahlung zu minimieren, haben Stealth-Flugzeuge keine kreisrunden, sondern schlitzförmige Turbinenausgänge. So vermischt sich die heiße Triebwerksluft schneller mit der kühleren Umgebungsluft. Um diesen Prozess zu verstärken, kann zusätzlich kühle Umgebungsluft in den Triebwerksausgang geleitet werden. Eine weitere Maßnahme besteht darin, die Triebwerksausgänge oberhalb des Rumpfes oder der Flügel anzubringen, so dass die heißesten Partien des Flugzeugs vom Boden aus nicht gesehen werden können (z. B. Boeing YC-14). Damit werden hitzesuchende Boden-Luft-Raketen wie die Stinger behindert.
Bei der optischen Ortung wird im Unterschied zum klassischen Tarnanstrich vor allem versucht, die Oberfläche eines Objekts aktiv wechselnden Hintergründen anzupassen. So wurde im ersten Weltkrieg erfolglos versucht, durch Verwendung einer transparenten Bespannung Flugzeuge gegen Sicht zu tarnen. Im zweiten Weltkrieg wurden in den USA Versuche unternommen, die Silhouette von Torpedobombern während des Anflugs auf ihr Ziel durch Scheinwerfer in den Tragflächenvorderkanten soweit aufzuhellen, dass sie vom Ziel aus gesehen mit der Hintergrundhelligkeit übereinstimmt. Auch diese Versuche führten nicht zum Erfolg.
EADS versucht heute aber, mittels Leuchtdioden eine Oberfläche herzustellen, welche sich an die Umgebung anpasst. Prinzipiell könnte die Unterseite eines Flugzeugs wie ein Flachbildschirm aufgebaut sein - welcher mittels einer Kamera die Farb- und Helligkeitswerte des Himmels darüber übernimmt.
Eine weitere Möglichkeit zur Tarnung eines Objektes ist es, die elektromagnetische Strahlung darum herum zu leiten. An dem dafür erforderlichen Metamaterial wird derzeit am Imperial College London geforscht. Das Material trägt kleine Muster, die kleiner sind als die Wellenlänge der elektromagnetischen Strahlen.
Eine weitere Technik ist das so genannte „Stealth-Routing“, bei dem der Weg eines Fahrzeugs oder Flugzeugs so gewählt wird, dass es sich im Radarschatten oder vor einem schützenden thermischen Hintergrund bewegt. Es handelt sich aber nicht um eine am zu ortenden Objekt angewandte Technologie, also keine Stealth-Technik im anfangs genannten Sinne.
Bekannt ist die Taktik des Tiefflugs, um das gegnerische Radar zu unterfliegen. Die Flughöhen betragen dann 20 bis 200 Meter.
Viele Radargeräte registrieren Objekte, die sich nicht auf das Gerät zu- oder wegbewegen, gar nicht. So müssen sie nicht speziell angepasst werden, damit sie z. B. Berge nicht als Objekt betrachten. Ein Pilot kann also seine Flugroute wählen, dass er in der Nähe von Radarstationen stets rechtwinklig zu diesen fliegt. Dies gelingt bei Radars, welche nur den Dopplereffekt nutzen.
Weitere Möglichkeiten sind:
Siehe auch: Tarnkappenbomber, Stealth-Schiff, Optische Camouflage
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