Die Targa Florio war ein Langstreckenrennen auf öffentlichen Bergstraßen in Sizilien. Gegründet wurde es vom Unternehmer Vincenzo Florio, der auch das Rennen um den Coppa Florio in Norditalien begründete.
Die Targa wurde von 1906 bis 1977 meistens im Mai als wichtige internationale Veranstaltung teilweise mit WM-Status (Sportwagen-Weltmeisterschaft) durchgeführt. Es ist somit noch älter als das Indy 500. Seit 1978 wird sie als Rallye fortgeführt.
Die klassische Runde der "Piccola Madonie" führte im Gegenuhrzeigersinn von Cerda über Caltavuturo und Collesano aus über 600m hoch gelegen Bergstraßen hinab auf Meereshöhe, wo die Wagen ab Campofelice di Roccella auf der langen Buonfornello-Geraden am Meer entlang jagten, die mit über 6km länger war als die längste Gerade in Le Mans. Diese Runde hatte noch 72km und wurde meist 10mal absolviert, wobei die Fahrzeuge einzeln im 20-Sekunden-Takt gestartet wurden, denn Überholmanöver sind auf der engen Strecke schwierig, und ein Start im Pulk undenkbar.
Die Schnellsten brauchten nur noch eine gute halbe Stunde für die Rundfahrt. Helmut Marko stellte 1972 im Alfa Romeo den Rundenrekord im Rennen mit 33'41 min bzw. einem Schnitt von 128,253 km/h auf. Der Allerschnellste war Leo Kinnunen schon 1970 im Training im Porsche 908/3 mit einem Schnitt von 128,571 km/h bzw. 33'36 min. Dabei ist zu beachten, daß schon vorher im Straßenverkehr geübt wurde, um sich die Abfolge der ca. 900 Kurven einprägen zu können. Dazu wurden Rennwagen mit Straßenzulassungen versehen, selbst die Porsche 908 hatten ein Stuttgarter Nummernschild am Heck, wobei vermutlich kein TÜV-Mitarbeiter diese Boliden jemals zu Gesicht bekam. Ferrari stattete selbst F1-Rennwagen mit den "Prova"-Markierungen aus. Zudem sollten sich die Zuffenhausener Werksfahrer zusätzlich Filme mit dem Streckenverlauf anschauen, was bei einigen Piloten unbeliebt war, da sie Übelkeit hervorrufen konnten.
Aufgrund der Erfolge auf dieser winkligen Strecke, die den zunächst hubraumschwachen Wagen 1956 erstmals einen sensationellen Gesamtsieg in einem wichtigen WM-Rennen bescherte, nannte Porsche eine offene Version des 911 Targa. Unter sinnreicher Verwendung des Begriffes, der Schild bedeutet, hat man das Cabriolet mit breitem Überrollbügel so genannt, analog zu den Rennversionen namens Carrera (Rennen), die nach der Carrera Panamericana benannt wurden.
Im Vorfeld einer Targa wurde dazu aufgerufen, die Wohnungen am Streckenrand zu verschließen, alle freilaufenden Haustiere und vor allem Weidetiere einzusperren und die Kinder zu beaufsichtigen. Dies war auch schon in der Woche vor dem Rennen ratsam, denn es wurden inoffizielle Übungsrunden absolviert. Eine wichtige Vorsichtsmaßnahme war dabei kräftiges Gasgeben - denn ein lautes Auspuffgeräusch warnt Passanten.
Porsche verzichtete in diesen Jahren auf den Einsatz der großen Porsche 917 und brachte die kurzen, leichten, wendigen und offenen Porsche 908/3 an den Start. Im Jahre 1973 gewann sogar ein auf dem Porsche 911 basierender Carrera RSR gegen die leichteren Sportprototypen, die den Strapazen nicht standgehalten hatten.
Aus Sicherheitsgründen wurde der Targa ab 1974 der WM-Status entzogen und nur als Italienischer Meisterschaftslauf gewertet. Sie wurde noch mit verkürzter Rundenzahl fortgeführt, das Interesse bei Zuschauern und Teilnehmern schwand, einige Piloten traten gar unter Pseudonym an. Zweitklassige Fahrer auf schnellen Sportprototypen auf einem äußerst anspruchsvollen und gefährlichen Kurs ohne jegliche Sicherheitsvorkehrungen kann nicht gut gehen - 1977 kam es auf der langen Geraden zu einem tödlichen Unfall mit Rennabbruch, und das Straßenrennen wurde eingestellt.
Die Targa Florio wurde ab 1978 als eine Rallye fortgeführt, mit kurzen Wertungsprüfungen auf den Bergstraßen. Im Jubiläumsjahr 2006 steht die 90. Auflage an.
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