Tanz und tanzen (vom Romanischen danza, ursprünglich altdeutscher Begriff laikan, „tanzen“) sind Sammelbegriffe für jede Art rhythmischer Körperbewegung, meist begleitet durch Musik.
In der Musik bezeichnet das Wort Tanz in der Regel reine Vortragsstücke, die auf Tänze basieren wie z. B. die barocke Suite. Tanzmusiken sind reine Musikstücke, die explizit so komponiert sind, dass nach ihnen getanzt werden kann.
Tanzen wird als angenehm empfunden. Physiologen beobachteten, dass beim Tanzen Endorphine ausgeschüttet werden, körpereigene Hormone, die Glücksgefühle verursachen. Das beim Tanzen erlebte Hochgefühl kann soweit gehen, dass der Tänzer in Trance oder Ekstase gerät. Einige Drogen versprechen, diese Zustände gezielt herbei zu führen.
Als körperliche Betätigung ist Tanzen gleichzeitig Training für Muskulatur, Motorik und Koordination. Tanzpädagogen versuchen, durch Kindertanzen die Entwicklung von Kindern zu fördern.
Tanzen kann ein spontaner Ausdruck von Gefühlen der Freude oder Zuneigung sein: Bereits Kinder machen tanzartige Bewegungen, wenn sie sich sehr freuen, Liebespaare zeigen durch engumschlungenes Tanzen ihre Zuneigung füreinander. Musik kann Gefühle auslösen, die zum Tanzen animieren. Einige Musikarten werden als besonders „treibend“ empfunden; sie erzeugen im Zuhörer das Bedürfnis, sich zur Musik zu bewegen.
Auch bei der Partnerwerbung spielt Tanzen eine Rolle. Der Werber kann dem Umworbenen seine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit vorführen und gleichzeitig durch gegenseitige Nähe sexuelles Verlangen auslösen.
Tanzen kann als Sport betrieben werden. Hier spielen Konkurrenzkampf und das Angeben mit seinem Können eine zentrale Rolle.
Einige Formen des Tanzens sind ritualisiert und von religiöser oder gesellschaftlicher Bedeutung. Solche Tänze können die Verbundenheit einer Gruppe betonen oder die Aufnahme neuer Mitglieder in eine Gemeinschaft begleiten. Religiöse Tänze können zusätzlich dazu dienen, Göttern zu huldigen oder höhere Mächte um Gefälligkeiten zu bitten.
Schließlich ist Tanz auch eine Kunstform und dient der künstlerischen Darstellung von Gefühlen oder Handlungen.
Es gibt sehr viele verschiedene Erscheinungsformen des Tanzens, im folgenden soll erläutert werden, wie diese klassifiziert werden können und die wichtigsten Formen sollen kurz dargestellt werden:
Neben der Klassifizierung nach Anzahl der Tanzenden in Einzel-, Paar- und Gruppentanz kann auch der Anlass oder Rahmen des Tanzens zur Unterscheidung von Volkstanz, Gesellschaftstanz und Tanzsport verwendet werden. Die folgende Tabelle stellt das zweidimensionale Kategorienschema beispielhaft dar, sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit:
| Volkstanz | Gesellschaftstanz | Tanzsport | |
|---|---|---|---|
| Einzeltanz | Samba | Steptanz | Orientalischer Tanz |
| Paartanz | Polka | Wiener Walzer | Cha Cha Cha |
| Gruppentanz | Sirtaki | Square Dance | Salsa Rueda |
Zur genaueren Untergliederung kann die Kategorie Gruppentanz zusätzlich nach Anordnung der Tanzenden in Kreis-, Ketten-, Reihen- und Formationstanz untergliedert werden, während der Bereich Gesellschaftstanz in zahlreiche Unterbereiche wie Mode- und Partytänze, historische Gesellschaftstänze oder die Tänze des Welttanzprogramms zerfällt.
Einige Tänze lassen sich mehreren Kategorien zuordnen, während andere Sonderformen darstellen, die sich nicht vollständig in dieses System einfügen lassen, z. B. Ballett und Ausdruckstanz als rein künstlerische Formen, meditatives Tanzen als Selbsterfahrung, Striptease als erotische Selbstdarstellung oder Bandaloop als Fusion aus Tanz und der Sportart Klettern. Gelegentlich werden Tänze aufgrund spezieller Merkmale nicht als Teil des Systems empfunden obwohl sie gut einordenbar sind, so z. B. der Stepptanz, der durch den perkussiven Einsatz der Fußtechnik das Tanzen mit dem Spielen eines Rhythmusinstrumentes verbindet.
Trotz des Namens nicht zu den Tänzen zu rechnen ist das als Seiltanz bezeichnete Balancieren auf einem gespannten Seil, da dieses im Allgemeinen nicht im Rhythmus begleitender Musik erfolgt; Seiltanz wird stattdessen als Disziplin der Akrobatik gewertet.
Dendrono_-_Der_tanzende_Student.jpg, 1725: Es kan ein Musen-Sohn nicht immerfort studiren, / er muß beflißen seyn galant sich aufzuführen, ...]]
Historische Tänze sind oft nur noch dem Namen nach oder von Gemälden, Zeichnungen, aus Buchillustrationen oder dekorativen Reliefs bekannt. Während des Mittelalters wurden Tänze vorwiegend durch praktische Weitergabe von Tänzer zu Tänzer überliefert, eine Tanznotation war noch unbekannt. Im ausgehenden Mittelalter und der Frührenaissance wurden Tänze dann zunehmend von Tanzmeistern, wie etwa Fabritio Caroso, oder Guglielmo Ebreo in selbst entwickelten Notationen festgehalten. Es handelte sich aber noch nicht um eine einheitliche Tanznotation und häufig auch nicht um feststehende Schritte, so dass man sich heute für eine Rekonstruktion der Tänze zunächst die jeweilige Tanznotation erschließen muss. Durch den französischen Domherren Jehan Tabourot (Pseudonym: Thoinot Arbeau) wurde 1587 in seinem Buch Orchésographie eine Weiterentwicklung der Tanzbeschreibung vorgenommen, indem er neben die Noten den jeweiligen Tanzschritt setzte. Eine allgemeingültigere Notation wurde erst zur Zeit Ludwigs des XIV. an der Academie Royale du Danse entwickelt. Grundzüge der dort festgelegten Schritte finden sich heute noch im Repertoire des klassischen Balletts.
Der moderne Gesellschaftstanz wird hauptsächlich über die verschiedenen Arten von Tanzschulen und Tanzsportvereinen verbreitet. Den Einstieg in den Turniertanz bilden die Breitensportwettbewerbe.
Außerdem gehört zum Turniersport das Formationstanzen. Dies wird in den Standard- und in den Lateinamerikanischentänzen ausgetragen. Hierbei werden die fünf Tänze jeder Art abwechselnd getanzt. Dabei bilden sechs bis acht Paare ein Team, die eine Choreographie tanzen und dabei verschiedene Bilder stellen. Die Musik geht über sechs Minuten, wobei der Wertungsteil über viereinhalb Minuten geht. Einzug und Auszug werden nicht gewertet.
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