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Eine Tankstelle ist eine Anlage, an der Kraftfahrzeuge mit den Kraftstoffen Benzin und Diesel, teilweise auch mit Flüssiggas, Erdgas oder Wasserstoff, versorgt werden können. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 15 000 Tankstellen.

Geschichte


Vom Anfang des Motorisierungszeitalters, bis weit ins 20. Jahrhundert, konnte man Benzin und andere Treibstoffe nur in der Apotheke kaufen. Als Standort der ersten Tankstelle der Welt wird vielfach die Stadt Wiesloch genannt, da Bertha Benz dort bei der ersten Automobil-Überlandfahrt von Mannheim nach Pforzheim in einer Apotheke den nötigen Treibstoffnachschub einkaufte.

Mit dem Aufkommen des motorisierten Verkehrs kamen auch die ersten Tankstellen, meist im Zusammenhang mit den Autowerkstätten, die sich oft aus einer Schmiede oder Schlosserei entwickelten. Merecedes_Tankstelle_1961.jpg Die Tankstellen wurden zum Zeichen der Mobilität, besonders die Ausfallstraßen aus den Städten wurden von ihnen gesäumt. Durch Zentralisierung wurden zahlreiche Tankstellen eingespart, die heute leerstehen oder z.B. als Getränkemarkt eine neue Nutzung gefunden haben. Die übrig gebliebenen entwickeln sich mehr und mehr zu modernen Drive-In-Dienstleistungszentren mit angeschlossenem Supermarkt, teilweise auch einem Bistro. Waren früher Tankwarte üblich, die den Kunden nicht nur den Tank auffüllten, sondern auch die Windschutzscheibe putzten, Öl kontrollierten, etc., so sind die Tankstellen meist reine Selbstbedienungstankstellen, wo man selbst bei den Zapfsäulen tankt und nur zum Zahlen nicht nur bar, sondern auch mit Scheckkarte oder Kreditkarte an die Kasse geht.

Das Sortiment beinhaltete zuerst nur schlichte Bürgersteigpumpen, Brennstoffe und Schmieröle, Reifen, Zündkerzen und Zubehör, teilweise gab es auch eine Werkstatt. Später kamen noch Autoradios und Musikkasetten dazu, heute stehen ganze Supermärkte neben den Säulen. Verkauft wird "Reisebedarf", wie Kraftstoff, Bier und frische Brötchen bis in die Nacht, teilweise sogar rund um die Uhr.

Auf den Autobahnen haben sich den Tankstellen oft große Restaurants und Motels angeschlossen. Diese Autobahnraststätten waren die ersten Tankstellen, die 24 Stunden geöffnet hatten.

Am 12. November 2004 hat die Deutsche BP in Berlin Deutschlands erste öffentliche Wasserstofftankstelle in Betrieb genommen. Dort kann sowohl flüssiger als auch gasförmiger Wasserstoff getankt werden (siehe auch: Wasserstoffwirtschaft).

Tankstellen als Supermärkte


In Deutschland wie auch in der Schweiz sind die Tankstellen-Shops in der Praxis vom Ladenschlussgesetz ausgenommen; daher verdienen viele Tankstellen inzwischen den größeren Teil ihres Einkommens nicht mehr mit Kraftstoff, sondern mit den Supermarkt-Artikeln. Viele Unternehmer im Einzelhandel sehen hierin eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung.

Markentankstellen


Markentankstellen sind an bestimmte Ölkonzerne wie beispielsweise Shell, Esso oder Aral gebunden. Sie können entweder Eigentum eines Einzelnen oder von der Mineralölgesellschaft gepachtet sein. Sie sind aber sehr stark gebunden, so haben sie eine Preisbindung, die von den Ölkonzernen vorgegeben werden. In Österreich gibt es derzeit Diskussionen, ob diese Tankstelleneigentümer durch ihre Weisungsgebundenheit steuer- und sozialversicherungsrechtlich wie Angestellte des Konzerns zu behandeln sind.

Markennamen von Tankstellen sind u.a. Agip, Aral, AVIA, BayWa, BP, Esso, Elf, Fina, HEM, JET, Minol, OMV, Orlen, Q8, Shell, Sprint, Total und Westfalen.

Freie Tankstellen


Freie Tankstellen, in Österreich auch Diskonttankstellen genannt, sind Tankstellen, die im Gegensatz zu den Markentankstellen der Farbengesellschaften keiner Marke angehören.

Bei den Freien Tankstellen unterscheidet man zwischen so genannten Weißen Tankstellen und wirklich Freien Tankstellen. Weiße Tankstellen beziehen den Kraftstoff von den großen Markenkonzernen. Sie verkaufen also Markenware, nur mit dem Unterschied, dass sie nicht als Markentankstelle auftreten dürfen. Echte Freie Tankstellen wiederum beziehen ihren Kraftstoff vom billigsten Anbieter, dementsprechend kann die Qualität schwanken. Das wiederum bedeutet aber nicht, dass die Kraftstoffe dort zwangsläufig qualitativ schlechter sind, da der Kraftstoff aller Marken aus nur wenigen großen Raffinerien stammt. Allerdings ist nicht immer garantiert, daß höherwertige Produkte nicht mit minderwertigen vermischt sind (z.B. kann Super 95 mit Normalbenzin "verlängert" werden).

Pflanzenöltankstellen


Hierbei handelt es sich um Tankstellen, an der reines Pflanzenöl getankt werden kann. Da Pflanzenöl der Wasserschutzklasse 0 zugeordnet ist, gibt es hier keinerlei Lagervorschriften. Jeder kann also problemlos seine private Tankstelle eröffnen und sich das Pflanzenöl bei der nächsten Ölmühle holen oder bringen lassen. Im Prinzip kann jeder Dieselmotor für den Betrieb für reines Pflanzenöl umgerüstet werden. Nach der Umrüstung ist es möglich, weiterhin auch Diesel zu tanken. Das heißt man kann Pflanzenöl und Dieselkraftstoff beliebig mischen.

Stromtankstelle


Eletric fuel station.jpg]] Eine Stromtankstelle ist im Prinzip eine öffentlich zugängliche Steckdose, sinnvollerweise mit Fehlerstromschutzschalter, an der ein Solar-/Elektromobil aufgeladen werden kann. Es gibt kostenpflichtige und sogar zahlreiche kostenlose Stromtankstellen.

Funktionsweise

Bei einer Solartankstelle ist der Betreiber zusätzlich dafür verantwortlich, dass der entnommene Strom per Solaranlage umweltfreundlich erzeugt wurde.

Da ein Elektromobil in der Regel sehr energieeffizient ist, muss an einer Stromtankstelle nur eine kleine Strommenge "getankt" werden. Durch Verzicht auf aufwendige Technik und mit einfachsten organisatorischen Maßnahmen, wie der pauschalen Verrechnung der bezogenen Energie, werden die Kosten bei den meisten Stromtankstellen niedrig gehalten.

Die Stecker und Kabel entsprechen den üblichen Normen für elektrische Geräte.

Siehe auch


Literatur


  • Joachim Kleinmanns: Super, voll! Eine kleine Kulturgeschichte der Tankstelle. Jonas-Verlag, 2002. ISBN 3-89445-297-8
  • Bernd Polster: Super oder Normal. Tankstellen – Geschichte eines modernen Mythos. DuMont Reiseverlag, Köln 1996, ISBN 3-77013-516-4

Weblinks


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