Die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) sind eine militärische Organisation und eine politische Partei. In den von ihnen kontrollierten Gebieten auf Sri Lanka (siehe: Tamil Eelam) üben sie allein die Staatsgewalt aus.
Die LTTE kämpft im Bürgerkrieg in Sri Lanka für die Unabhängigkeit des von Tamilen dominierten Nordens und Ostens Sri Lankas vom Rest der Insel, in dem mehrheitlich Singhalesen leben.
Oberster Kommandant ist Velupillai Prabhakaran, der die von der LTTE kontrollierten Gebiete Tamil Eelams diktatorisch regiert. Um ihn hat sich ein ausgeprägter Führerkult entwickelt, Kritik an seiner Führung oder an der LTTE im Allgemeinen wird nicht geduldet.
Die LTTE führt mit ca. 250 ihr zugeschriebenen Anschlägen die Statistik der weltweit verübten Selbstmordattentate an. Sie wird von mehreren Staaten als terroristisch eingestuft, darunter Indien, die USA und die Europäische Union.
Durch die Jahrtausende siedelten die Singhalesen, vereinfacht gesagt, hauptsächlich im Süden und in der Mitte Sri Lankas, während die Tamilen den Norden und Osten bewohnten; trotzdem gab es über lange Zeiträume intensive nicht feindliche Kontakte zwischen den beiden Gruppen. Lange Zeit bestanden getrennte Königreiche, die von den Portugiesen und Niederländern in der Zeit ihrer Herrschaften auch als getrennte Einheiten behandelt wurden. Als Ceylon britische Kolonie war, wurden die Bereiche zu einem zusammengefasst, wobei die Briten die besser ausgebildeten Tamilen im Stile einer Divide et impera-Politik mit Verwaltungsposten betrauten.
Der tamilische Wunsch nach Unabhängigkeit entstand als Reaktion auf die Sinhala-only-Politik, die nach der Unabhängigkeit Sri Lankas (1948) von der singhalesisch dominierten SLFP-Regierung seit 1956 betrieben wurde. So wurden Gesetze erlassen, die den Tamilen höhere Positionen in der Regierung sowie Posten in Militär und Polizei verweigerten. Für tamilische Studenten wurde die Zulassung zu den Universitäten stark eingeschränkt. Dies führte zu blutigen Zwischenfällen zwischen Polizeitrupps und Tamilen, was wiederum zu landesweiten Pogromen gegen die Tamilen führte.
Den während der Kolonialzeit von den Engländern auf die Insel gebrachten "Indien-Tamilen" wurde das Wahlrecht entzogen, obwohl die meisten von ihnen zu der Zeit schon seit über hundert Jahren auf der Insel gelebt hatten.
1979 schloss sich Anton Balasingham der LTTE an und wurde im Folgenden der Chefideologe. Er fügte dem alleinigen Ziel der tamilischen Unabhängigkeit weitere, marxistisch beeinflusste, Ideen im Bereich der Sozialpolitik hinzu, was die Politik der Gruppe dauerhaft prägte.
Anfangs arbeitete die LTTE mit den anderen militanten Gruppierungen zusammen. Ab 1986 bekämpfte sie aber die TELO (Tamil Eelam Liberation Organization) und ermordete deren gesamte Führung und mehrere Hundert Kämpfer, bis diese Gruppierung ihren Einfluss völlig verloren hatte. Einige Monate später griff die LTTE Lager der EPRLF (Eelam People's Revolutionary Liberation Front) an und verdrängte diese von der Jaffna-Halbinsel.
Warum die LTTE die anderen Gruppen bekämpfte, ist umstritten. Ihre eigene Begründung lautete, dass diese zu stark mit Indien zusammenarbeiten würden und teilweise vom indischen Geheimdienst RAW unterwandert seien. Die anderen Gruppierungen waren nicht so radikal wie die LTTE und man befürchtete, dass sie (vor allem durch indische Einflussnahme) einer Lösung des Konflikts unter zu großen Zugeständnissen zustimmen würden. Das Ergebnis der Angriffe war die Festigung der Position der LTTE als der dominanten militärischen Gruppierung im Kampf für Tamil Eelam.
International bekannt wurden die Tamil Tigers jedoch erst durch ihre Selbstmordattentate. So wurde 1991 der ehemalige indische Premierminister Rajiv Gandhi von ihnen ermordet, 1993 der srilankische Präsident Premadasa.
Im März 2004 sagte sich der Kommandeur Vinayagamurthy Muralitharan alias Oberst Karuna zusammen mit den ihm unterstehenden ca. 6.000 LTTE-Kämpfern von Prabhakaran los. Als Grund werden interne Machtkämpfe zwischen den östlichen und nördlichen Tamilen genannt, was aber angesichts Karunas Herkunft aus dem Norden umstritten ist. Heftige Kämpfe zwischen der LTTE und seinen Truppen folgten, die aber bisher zu keiner Veränderung der Lage geführt haben. Eine der derzeitigen Hauptanklagen der LTTE gegen die srilankische Regierung ist, dass sie Karuna unterstütze, um der LTTE zu schaden. Ein Angebot für einen separaten Frieden mit der Karuna-Gruppierung hat die Regierung bisher abgelehnt.
Die auf den Tsunami folgenden Hilfslieferungen führten zu einer erneuten Zuspitzung des Konflikts, da die Hilfsländer und die Spender die Hilfsgüter nur in Kooperation mit der LTTE übergeben wollten, um ihre sachgemäße Benutzung auch im Osten der Insel zu gewährleisten. Es wurde nach langen Verhandlungen ein Kompromiss erzielt, der aber die Regierung von Sri Lanka in eine schwere Krise stürzte, da singhalesisch-nationalistische Parteien sie der indirekten Anerkennung der Hoheit der LTTE über den Norden und Osten Sri Lankas bezichtigten.
Erklären lässt sich dies durch die besondere, durch den Bürgerkrieg bedingte, Situation. Männer waren oft die ersten Familienmitglieder, die im Kampf fielen, oder als politisch Verfolgte aus dem Land flüchten mussten. Frauen, und im Übrigen auch Kinder, sind also wichtig für die den srilankischen Regierungstruppen zahlenmäßig ohnehin schon unterlegenen LTTE. Weiter finden alleinstehende Frauen oder Weisen als Kämpfer bei den Tamil Tigers, für die der Freiheitskampf und ihre politische Ideologie im Vordergrund steht, oft Anerkennung, die ihnen in der tamilisch-hinduistischen Gesellschaft sonst verwehrt bleibt.
1987 wurde die Gruppe der Black Tigers (Schwarze Tiger) begründet, die eine Elite-Selbstmordeinheit der LTTE sind und als die bestorganisierte und effektivste Einheit dieser Art gelten. Sie werden speziell darauf trainiert, jederzeit auf Befehl Selbstmordattentate auszuführen. Tote Black Tigers werden als Helden verehrt, dazu wurde sogar ein eigener Gedenktag, der "Black Tigers Day", eingeführt, der jährlich am 5. Juli begangen wird.
Sea-Tigers
Als Meerestiger bezeichnet die LTTE ihre Marine. Sie bestand vor der Tsunami-Katastrophe aus einigen schnellen und wendigen Fiberglasbooten sowie aufgerüsteten Fischerbooten, mit denen nach dem Guerilla-Prinzip gekämpft wurde. Man nimmt an, dass ein Großteil der Boote durch den Tsunami zerstört wurde, offizielle Angaben der LTTE dazu fehlen jedoch. Am 12. Mai 2006 kam es aber - trotz des weiterhin gültigen Waffenstillstands - zu einer Seeschlacht, in deren Verlauf mehrere Boote versenkt und mindestens 45 Menschen getötet wurden.
Weiterhin werden der LTTE ethnische Säuberungen vorgeworfen, bei denen singhalesische und muslimische Bewohner teilweise gewaltsam aus von ihr kontrollierten Gebieten vertrieben wurden, so die gesamte muslimische Bevölkerung Jaffnas im Jahre 1990. Auch hat die LTTE Massaker unter singhalesischen Siedlern im ländlichen Nordosten des Landes begangen.
Es gibt außerdem viele Berichte darüber, dass die LTTE tamilische Flüchtlinge in aller Welt zwingt, ihr Geld zu zahlen (oder mit mit ihr verbundenen Unternehmen zusammenzuarbeiten), indem mit Maßnahmen gegen Verwandte und Besitz in den von ihr kontrollierten Gebieten gedroht wird.
Gruppen und einzelne Personen, die nicht die LTTE unterstützen, werden in von der LTTE beherrschten Gebieten diskriminiert.
Amnesty International zu Menschenrechtsverletzungen im Allgemeinen und Kindersoldaten im Besonderen
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