- | - | Tamil Nadu - தமிழ் நாடு | - | Land: | Indien | - | Hauptstadt: | Chennai (4.353.000 Einwohner) | - | Fläche: | 130.266 km² | - | Einwohner: | 64.445.000 (2006) | - | Bevölkerungsdichte: | 495 Einwohner je km² | - | Sprachen: | Tamil (Amtssprache); Telugu, Malayalam, Kannada, Urdu, Irula, Badaga, Kurumba, Kota, Toda, Englisch | - | Religionen: | Hinduismus (88,1 %), Christentum (6,1 %), Islam (5,6 %), andere | - | Webseite: | tn.gov.in | - | Karte | - | |
|---|
Tamil Nadu (tamilisch: தமிழ் நாடு - tamiḻ nāṭu - , „Tamil-Land“) ist der südlichste Bundesstaat Indiens mit einer Fläche von 130.266 km² und 64.445.183 Einwohnern (Berechnung, Stand: 1. Januar 2006). Die Hauptstadt Tamil Nadus ist Chennai (ehemals Madras).
Tamil Nadu entstand 1956 entlang der Sprachgrenze des Tamil, das auf Grund seiner mindestens 2000 Jahre zurückreichenden Literaturgeschichte als eine der klassischen Sprachen Indiens gilt, und hieß zunächst Madras. Erst 1968 erhielt er seinen heutigen Namen, der wörtlich „Land der Tamilen“ bedeutet und damit auf die besondere Identität dieses dravidischen Volkes verweist.
Tamil Nadu ist der südlichste Bundesstaat Indiens. Er grenzt an die Bundesstaaten Kerala im Westen, Karnataka im Nordwesten und Andhra Pradesh im Norden. Das Unionsterritorium Pondicherry liegt als Enklave im Osten Tamil Nadus am Golf von Bengalen. Im Osten und Süden begrenzt der Indische Ozean den Staat, bzw. dessen Nebenmeere, der Golf von Bengalen im Osten und der Golf von Mannar im Südosten. Die Palkstraße trennt Tamil Nadu vom südöstlich gelegenen Inselstaat Sri Lanka. Die Küstenlänge beträgt 1076 Kilometer.
Nilgiri-Hills.jpg Tamil Nadu lässt sich grob in zwei Naturräume einteilen. Im Westen und Nordwesten bestimmen Berg- und Hügelländer das Landschaftsbild. Entlang der Westgrenze mit Kerala erheben sich die Kardamomberge, ein südlicher Ausläufer der Westghats. Sie fallen besonders im äußersten Süden schroff ab. Ein weiterer Ausläufer, die Palani-Berge, ragt in die östlich vorgelagerte Tiefebene hinein. Auch die durch das Palghat-Tal und das Coimbatore-Plateau abgetrennten Nilgiriberge im äußersten Nordwesten sind eine Nebenkette der Westghats. Der höchste Gipfel der zerklüfteten Nilgiriberge, der 2636 Meter hohe Doddabetta, ist zugleich die höchste Erhebung Tamil Nadus. Im Norden gehen die Nilgiriberge in die Javadi- und die höheren, bis auf 1500 Meter reichenden Shevaroy-Berge, beide Nebenketten der Ostghats, über.
Östlich des Berglandes erstreckt sich eine breite Ebene, die von mehreren Strömen durchflossen wird. Im Süden teilen die Palani-Berge das Tiefland in die Ebene von Madurai und die in West-Ost-Richtung verlaufende Kaveriebene im mittleren Teil Tamil Nadus. Die Küstenebene nördlich des Mündungsdeltas des Kaveri heißt Koromandelküste. Das Hinterland der Koromandelküste wird durch die Ebene von Arcot geprägt. Tamil Nadus südlichster Punkt, das Kap Komorin, ist zugleich der südlichste Punkt des indischen Festlandes.
Die Küstenebene Tamil Nadus wird von den Strömen Palar, Ponnaiyar, Kaveri, Valgai und Thamirabarani durchflossen, die allesamt in den niederschlagsreichen Ost- oder Westghats entspringen und daher ganzjährig Wasser führen. Daneben gibt es eine Vielzahl kleinerer, zum Teil aber nur periodischer Flüsse. Der 760 Kilometer lange Kaveri ist der größte und wichtigste Fluss. Er durchquert von Karnataka kommend und in südlicher Richtung fließend die Ostghats, um südlich von Erode nach Osten abzubiegen. Rund 200 Kilometer vor der Mündung in den Golf von Bengalen fächert er sich zu einem großen Delta mit unzähligen Nebenarmen. Insgesamt beträgt die Länge aller Flüsse in Tamil Nadu 7420 Kilometer.
Tamil Nadu ist arm an natürlichen größeren Seen. Zu Energiegewinnungs- und Bewässerungszwecken sind an wasserreichen Flüssen allerdings mehrere große Stauseen angelegt worden. Der größte von ihnen, der Stanley-Stausee am Kaveri bei Mettur im Distrikt Erode, wird außerdem als Fischgrund genutzt. Wie alle Stauseen in Tamil Nadu ist er starken jahreszeitbedingten Wasserstandsschwankungen ausgesetzt. Seine maximale Ausdehnung zur Regenzeit beträgt 153 km², im Durchschnitt umfasst er aber nur 93 km². Es gibt zehn weitere große Staussen mit einer maximalen Fläche von mehr als 10 km².
In vielen Trockengebieten bestehen sogenannte tanks, künstlich angelegte Wassersammelbecken, die als Trinkwasservorräte oder für den Bewässerungsfeldbau genutzt werden. Insgesamt gibt es knapp 39.000 solcher tanks in Tamil Nadu mit einer Gesamtoberfläche von 6.900 km² – 24 Prozent der Fläche aller tanks in ganz Indien.
Klima chennai.png Das Klima Tamil Nadus ist tropisch. Die Temperatur schwankt im Jahresverlauf nur geringfügig und liegt im Jahresdurchschnitt um 29 Grad Celsius im Tiefland, wo das Thermometer selten unter 20 Grad fällt, in den heißesten Monaten der Trockenzeit aber auf über 40 Grad klettern kann. In den Höhenlagen erreichen die Temperaturen 13 bis 24 Grad im Sommer und 3 bis 20 Grad im Winter.
Die Hauptniederschlagszeit ist von September bis Dezember mit nordöstlichen Monsunregen. Im Bergland sowie im äußersten Süden kommt es auch während des Südwestmonsuns von Juni bis September zu ergiebigen Regenfällen, während es in anderen Regionen trocken bleibt. Für die Ebenen sind jährliche Regenmengen von 900 bis 1200 mm normal. Die niedrigsten Jahresniederschlagsmengen werden mit 700 bis 850 mm in der im Regenschatten der Westghats gelegenen Tiefebene von Madurai sowie um Coimbatore verzeichnet. Allgemein ist das Klima Tamil Nadus trockener als das des westlichen Nachbarbundesstaates Kerala, da die Westghats, wo bis zu 4000 mm Jahresniederschlag fallen, als Wetterscheide wirken. Die Luftfeuchtigkeit ist jedoch ganzjährig hoch.
Rund 18 Prozent der Fläche Tamil Nadus ist bewaldet. Auf Grund der hohen Bevölkerungsdichte in den Tiefländern finden sich größere, zusammenhängende Waldgebiete jedoch fast nur noch im Bergland. In den Lagen über 1500 Meter der Nilgiri-, Palani- und Kardamomberge erstrecken sich immergrüne tropische Regenlaubwälder mit der für solche Wälder typischen Stufengliederung. Die oberste Stufe kennzeichnen hohe, schlanke Bäume, die teils mehr als 40 Meter hoch aufragen. Darunter gedeihen niedrigere Bäume, am Boden schließlich Sträucher und krautige Pflanzen. In den niedrigeren Lagen herrschen Mischlandschaften aus Grasland und – je nach Niederschlagsmenge – immergrünem oder laubabwerfendem Feuchtwald vor. Für die Übergänge in die Tiefebenen sind laubabwerfende Trockenwälder kennzeichnend.
Im Tiefland dominieren savannenartige Grasländer, die größtenteils in Acker- und Kulturland umgewandelt wurden. Reste der ursprünglichen Trockenwaldvegetation finden sich nur vereinzelt an Flussläufen und in unebenem Gelände.
Immergrüne Trockenwälder waren einst die kennzeichnende Vegetationsform für einen schmalen Streifen entlang der Koromandelküste. Heute sind sie bis auf verstreute Haine, die weniger als ein Prozent der ursprünglichen Waldfläche ausmachen, zerstört oder zumindest stark degradiert.
In den Lagunen im Mündungsdelta des Kaveri, am Golf von Mannar sowie zwischen Ennur und Palikat nördlich von Chennai gibt es noch Mangroven, die jedoch durch Eingriffe des Menschen immer weiter zurückgedrängt und in ihrer Artenvielfalt eingeschränkt werden. Die größten Bedrohungen für die Mangrovenwälder stellen Wasserverschmutzung durch industrielle Abwässer, Brennholzeinschlag sowie Trockenlegung zur Salzgewinnung dar.
Tamil girls in Tiruvanamalai.jpg]] Bei der indischen Volkszählung im Jahre 2001 ergab sich für Tamil Nadu eine Einwohnerzahl von 62.405.679, vorwiegend Tamilen. Im Großraum Chennai leben viele Zuwanderer aus Andhra Pradesh, Kerala und Karnataka. Etwa ein Prozent der Bevölkerung gehört den Adivasi an, der indigenen Stammesbevölkerung, die vor allem im Norden Tamil Nadus und in den Nilgiribergen lebt.
Im Vergleich zu anderen Landesteilen Indiens weist Tamil Nadu ein niedriges Bevölkerungswachstum auf. Von 1991 bis 2001 verzeichnete Tamil Nadu von allen Flächenstaaten einen Zuwachs von 11,2 Prozent – der zweitniedrigste Wert nach Kerala. Rund 44 Prozent der Einwohner leben in Städten (2001). Damit weist der Staat auch eine der höchsten Verstädterungsraten Indiens auf. Neben der Hauptstadt Chennai sind Madurai, Coimbatore, Tiruchchirappalli und Selam die wichtigsten Städte.
Die Amtssprache Tamil Nadus ist das von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung gesprochene Tamil, eine dravidische Sprache, die auf eine mindestens 2000-jährige Literaturgeschichte zurückblicken kann. Im Ballungsraum Chennai gibt es zuwanderungsbedingt beträchtliche Minderheiten von Telugu-, Malayalam- und Kannada-Sprechern. Telugu wird auch von einigen Bewohnern der Grenzregion zu Andhra Pradesh gesprochen, Malayalam im äußersten Süden im Distrikt Kanyakumari. Unter der muslimischen Minderheit ist teilweise Urdu verbreitet. In den Bergregionen des Nordwestens und Nordens werden verschiedene Minderheitensprachen gesprochen, vor allem Irula mit rund 350.000 Sprechern, Badaga mit 300.000 Muttersprachlern und Kurumba mit 250.000 Sprechern. Kota und Toda haben jeweils nur wenige tausend Sprecher in den Nilgiribergen, wo die größte Sprachenvielfalt herrscht. Englisch hat, wie auch in anderen Regionen Indiens, einen besonderen Status als Bildungs- und Wirtschaftssprache.
Vailankanni Basilica.JPG]] Hindus stellen mit 88,1 Prozent die deutliche Mehrheit der Bevölkerung. Der hinduistische Bevölkerungsanteil in Tamil Nadu liegt damit weit über dem Landesdurchschnitt (80,5 Prozent). Der Shivaismus ist die am weitesten verbreitete hinduistische Glaubensströmung.
Auf die verschiedenen christlichen Konfessionen entfallen 6,1 Prozent. Die meisten Christen sind entweder Katholiken oder Thomaschristen, die sich wiederum in mehrere Kirchen nach ostsyrischem oder westsyrischem Ritus aufspalten. Sie führen ihren Ursprung auf die Missionstätigkeit des Apostels Thomas in Südindien zurück. Er soll um 60 n. Chr. in Chennai gestorben sein. Nur wenige Anhänger hat die Church of South India, die Presbyterianer, Methodisten und Anglikaner in sich vereint.
Dem Islam hängen 5,6 Prozent der Einwohner an. 0,1 Prozent sind Jainas. Darüber hinaus leben einige tausend Sikhs, Buddhisten und Anhänger sonstiger Religionen in Tamil Nadu.
IIT Chennai logo.jpg Tamil Nadu weist im Vergleich zu anderen Teilen Indiens gute Bildungsindikatoren auf. Die Alphabetisierungsrate liegt mit 73,5 Prozent (Männer: 82,4 Prozent, Frauen: 64,4 Prozent) deutlich über dem gesamtindischen Durchschnitt von 64,8 Prozent (Männer: 75,3 Prozent, Frauen: 53,7 Prozent; Stand: jeweils Volkszählung 2001). Es besteht Schulpflicht ab einem Alter von 6 Jahren. Tatsächlich werden 98,3 Prozent aller Kinder Tamil Nadus eingeschult, wobei sich die Einschulungsraten von Jungen und Mädchen kaum unterscheiden. Im Gegensatz dazu besuchen nur 42,8 Prozent aller Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren eine höhere Schule. Insgesamt verfügt der Staat über knapp 50.000 Grund- und weiterführende Schulen, in denen Tamil als erste Unterrichtssprache dient. An Hochschulen wird dagegen ein großer Teil der Lehrveranstaltungen in englischer Sprache durchgeführt.
In Tamil Nadu gibt es 21 Universitäten. Darüber hinaus existieren hunderte von privaten und staatlichen Colleges für Fach-, Berufs- und Allgemeinbildung. Das Indian Institute of Technology (IIT) in der Hauptstadt Chennai ist eine von nur sieben Einrichtungen dieser Art in Indien. Es zählt zu den Elitehochschulen im Bereich Technologie und Ingenieurwesen.
Anglisierte, veraltete oder nichtoffizielle Bezeichnungen stehen in Klammern. Die Einwohnerzahlen sind auf dem Stand der Volkszählung 2001.
| Stadt | Einwohner | Stadt | Einwohner | ||
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Chennai (Madras) | 4.216.268 | 8 | Ambattur | 302.492 |
| 2 | Coimbatore | 923.085 | 9 | Avadi | 230.913 |
| 3 | Madurai | 922.913 | 10 | Tuttukkudi (Tuticorin) | 216.058 |
| 4 | Tiruchchirappalli (Trichy) | 746.062 | 11 | Tanjavur (Tanjore) | 215.725 |
| 5 | Selam (Salem) | 693.236 | 12 | Tiruvottiyur | 211.768 |
| 6 | Tirunelveli | 411.298 | 13 | Nagarkovil (Nagercoil) | 208.149 |
| 7 | Tiruppur | 346.551 | 14 | Dindukkal (Dindigul) | 196.619 |
| Quelle: www.bevoelkerungsstatistik.de | |||||
Die Gegend des heutigen Tamil Nadus wurde vermutlich vor rund 300.000 Jahren erstmals besiedelt. Die dravidischen Einwohner könnten von den ab 1500 v. Chr. nach Nordindien eindringenden Indoariern nach Süden abgedrängt worden sein, was aber nicht zweifelsfrei geklärt ist. Archäologische Funde bestätigen aber, dass schon um 1200 v. Chr. eine hoch entwickelte Gesellschaft existierte.
Die brahmanische Kultur Nordindiens breitete sich schon in vorchristlicher Zeit auch in den Süden des Subkontinents und damit ins heutige Tamil Nadu aus. Dessen frühgeschichtliche Entwicklung konzentrierte sich vor allem auf die Küstenebene. Aufschluss über diese Epoche geben neben der Archäologie die alttamilische Sangam-Dichtung, verschiedene lokale und nordindische Inschriften, ceylonesische Chroniken sowie Berichte griechischer und römischer Gelehrter. Enge Handelsbeziehungen mit dem Römischen Reich bestanden bereits zur Zeit des Kaisers Augustus, wie zahlreiche Münzfunde sowie die Existenz einer römischen Handelsniederlassung in Arikamedu südlich von Pondicherry beweisen. Mit zunehmendem Niedergangs Roms im 3. und 4. nachchristlichen Jahrhundert nahm Südostasien dessen Bedeutung als Handelspartner ein. Von der tamilischen Koromandelküste aus wurden im Mittelalter große Teile Südostasiens kolonialisiert.
Zwei Dynastien prägten Tamil Nadu im Altertum. Während die Chola ihr Kerngebiet im Kaveri
Hauptartikel: Pallava Rathas-Mahabalipuram.jpg stammen aus der Pallava-Zeit.]] Am Ende des 6. Jahrhunderts besiegten die aus Andhra kommenden Pallava, vermutlich frühere Vasallen der Shatavahana, die Kalabhra und stiegen zur beherrschenden Macht in Tamil Nadu auf. Zu ihrer Hauptstadt machten sie Kanchipuram. Die größte Bedrohung für die Pallava stellten die Chalukya dar, die seit dem frühen 7. Jahrhundert einen erbitterten Kampf um die Vormachtstellung im Süden Indiens führten. Nachdem Mahendra Varman I. (reg. etwa 610 bis 630) die drohende Einnahme Kanchipurams durch die Chalukya abwenden konnte, gelang seinem Sohn Narasimha Varman (reg. etwa 630 bis 668) im Jahre 642 die Eroberung der feindlichen Hauptstadt Badami. Der Erfolg blieb von kurzer Dauer, denn schon nach 670 sahen sich die Pallava erneut ihren wiedererstarkten Feinden gegenüber. Eingeleitet durch die Plünderung Kanchipurams im Jahr 740 begann im 8. Jahrhundert der Niedergang der Pallava-Dynastie, die noch bis ins späte 9. Jahrhundert herrschte.
Unter den Pallava war in Tamil Nadu erstmals ein starkes Regionalreich entstanden, das auch herausragende Beiträge zur kulturellen Entwicklung leistete. Die Pallava-Hauptstadt Kanchipuram wurde zu einem der bedeutendsten kulturellen Zentren Südindiens. Obwohl die Pallava dem Hinduismus anhingen, trat es auch als wichtige buddhistische Lehrstätte in Erscheinung. Die Universität von Kanchipuram wurde zur wichtigen Wirkungsstätte großer Tamil- und Sanskritgelehrter und zahlreicher bildender Künstler. Aus der Pallava-Epoche stammen auch die Felsentempel von Mahabalipuram, Vorreiter der hinduistischen Tempelarchitektur Südindiens, aber auch Südostasiens.
Hauptartikel: Chola
Uttama coin.png
Nachfolger der Pallava wurden die Chola, die bis Mitte des 9. Jahrhunderts als Vasallen gedient hatten. Um 850 erlangten sie ihre Unabhängigkeit zurück und machten Tanjavur im Kaveri
1070 starb Rajendras Linie aus. Kulothunga, ein Chalukya-Prinz, bestieg nun den Thron des Reiches. Seine 50-jährige Regierungszeit wurde durch einen wirtschaftlichen Aufschwung geprägt, bedingt durch den Ausbau der äußerst ertragreichen Handelsbeziehungen mit Südostasien. Trotz einiger Gebietsverluste, darunter Ceylon, blieben die Chola bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts hinein die dominierende Dynastie Südindiens. Gleichwohl gab es bereits in den Jahrzehnten nach dem Tod Kulothungas I. im Jahre 1120 Anzeichen eines schleichenden Niedergangs. Vor allem die Auseinandersetzung mit den südlichen Vasallen der Pandya kostete die Chola einen Teil ihrer Autorität und verhalf den Pandya zu größerer Selbstständigkeit. Später mussten die Chola auch die Kontrolle über die Malabarküste und die nördlichen Gebiete in den heutigen Staaten Karnataka und Andhra Pradesh aufgeben.
Nach dem Tod des Chola-Königs Kulothunga III. 1218 konnten die Pandya, mit Madurai als Machtzentrum, ihre volle Unabhängigkeit allmählich wiederherstellen. Jatavarman Sundara (reg. 1251 bis 1268) war schließlich stark genug, die Chola anzugreifen. Sein Nachfolger besiegte 1279 den letzten Chola-König Rajendra IV. Die Pandya übernahmen nun die beherrschende Stellung der Chola in Tamil Nadu und konnten ihr Reich erneut bis zum Godavari und auf den Norden Ceylons erweitern. Thronfolgestreitigkeiten im frühen 14. Jahrhundert schwächten das Pandya-Reich zusehends.
1311 überfielen muslimische Truppen aus dem nordindischen Sultanat von Delhi unter dem Kommando des Generals Malik Kafur die Pandya-Hauptstadt Madurai, eroberten und plünderten sie. Erstmals stand Tamil Nadu, mit Ausnahme des äußersten Südens, unter muslimischer Herrschaft. Das Sultanat von Madurai, der südlichste muslimische Staates auf indischem Boden, war jedoch nur kurzlebig. Schon 1370 fiel der Sultan im Kampf gegen das hinduistische Vijayanagar-Reich.
Hauptartikel: Vijayanagar
Das Kernland Vijayanagars lag im Süden des heutigen Karnatakas. Nach dem Sieg über den Madurai-Sultan umfasste es fast ganz Südindien einschließlich Tamil Nadu. Vijayanagars Ausdehnung nach Osten bis an die Küste Andhras forderte Kapilendra, den König des an der Ostküste gelegenen Orissa, heraus, der 1463 entlang der Nordostküste Tamil Nadus bis ins Kaveri
Nach dem Zerfall Vijayanagars füllten die Militärstatthalter seiner Distrikte, die sogenannten Nayaks, das entstandene Machtvakuum in Tamil Nadu. Schon in der Spätzeit Vijayanagars, nach dem Tod König Krishnadevarayas im Jahre 1530, hatten einige der Nayaks im Süden des Reiches eine gewisse Selbstständigkeit erlangt. Nach 1565 wurden sie zu den unumschränkten Herrschern ihrer Reiche. Die mächtigsten von ihnen waren die Nayaks von Madurai und Tanjavur. Madurai kontrollierte das einstige Kernland der Pandya, Tanjavur das der Chola. Trotz ihrer relativen politischen und militärischen Bedeutungslosigkeit erlebten diese Reiche ein Aufblühen der spätdravidischen Kunst. Ein herausragendes Beispiel ist der Minakshi-Tempel in Madurai.
Im 17. Jahrhundert begannen Kriegszüge verschiedener indischer Großreiche gegen die Kleinstaaten Tamil Nadus. Zunächst drang Mohammed Adil Shah, der Sultan von Bijapur, in den Norden Tamil Nadus ein, wo er unter anderem den Nayak von Jinji (Gingee) besiegte. Sowohl Madurai als auch Tanjavur wurden Bijapur tributpflichtig. In den 1670er Jahren führte ein Streit zwischen Madurai und Tanjavur zum Eingreifen der Marathen auf Seiten Tanjavurs. Doch die Truppen des Marathenherrschers Shivaji wandten sich alsbald gegen den Nayak von Tanjavur und besetzten dessen Reich. Nachdem Großmogul Aurangzeb 1686 Bijapur unterworfen hatte, geriet der Norden Tamil Nadus bis zu seinem Tode 1707 unter mogulische Kontrolle. Tanjavur blieb jedoch eine Besitzung der Marathen; Madurai bestand noch bis zur britischen Eroberung 1781.
Fort St. George, Chennai.jpg im 18. Jahrhundert]] Madras Prov South 1909.jpg]] Als erste europäische Großmacht versuchte Portugal im frühen 16. Jahrhundert an der Koromandelküste Fuß zu fassen, allerdings ohne Erfolg. Den Portugiesen folgten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Niederländer, Engländer und Dänen sowie in den 1660er Jahren die Franzosen. Die europäischen Handelsmächte strebten zunächst nicht nach Landgewinn, sondern nach möglichst hohen Profiten aus dem Tuchhandel. Zu diesem Zwecke erwarben sie Küstenstützpunkte und errichteten Manufakturen. Um 1700 bestanden mehrere niederländische Handelsstützpunkte an der Küste Tamil Nadus, unter anderem in Pulicat, Nagapattinam und Tuticorin. Die Engländer hatten sich in Madras, die Franzosen in Pondicherry und die Dänen in Trankebar niedergelassen.
Zur bedeutsamsten europäischen Großmacht an der Koromandelküste stiegen im 18. Jahrhundert die Briten auf. Als ihr größter Konkurrent erwiesen sich die Franzosen, die 1746 sogar für drei Jahre Madras eingenommen hatten. Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) belagerten sie Madras erneut ein Jahr lang, allerdings erfolglos, und wurden schließlich 1760 in der Schlacht von Wandiwash (Vandavasi) vernichtend geschlagen. Die hoch verschuldete Niederländische Ostindien-Kompanie schied nach dem vierten niederländisch-englischen Krieg von 1780 bis 1784 als Widersacher der Briten in Indien aus.
Madras wurde neben Kalkutta und Bombay zu einem Hauptausgangspunkt der britischen Kolonialisierung Indiens. Die Stadt war Verwaltungszentrum der gleichnamigen Präsidentschaft, einer von drei Präsidentschaften der Britischen Ostindien-Kompanie, die ihren Einfluss ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf weite Teile Tamil Nadus ausdehnte. Im Dritten und Vierten Mysore-Krieg (1790 bis 1792 bzw. 1798/99) rangen die Briten dem Königreich Mysore den Großteil von dessen Besitzungen ab, darunter den Norden und Westen des heutigen Tamil Nadus. Nach der vollständigen Niederlage Mysores 1799 war die Vormachtstellung der Ostindien-Gesellschaft in ganz Südindien endgültig besiegelt. 1799 wurden die Marathen zur Übergabe Tanjavurs gezwungen. Zwei Jahre später musste der Nawab von Arcot, der das Küstenhinterland kontrollierte, sein gesamtes Territorium an die Briten übergeben. Die Eroberung Tamil Nadus war damit abgeschlossen. Lediglich der kleine Fürstenstaat Pudukkottai blieb formal bestehen, war aber durch Verträge an die Präsidentschaft Madras gebunden. 1858 wurde die Ostindien-Kompanie in Folge des Sepoy-Aufstandes in Nordindien entmachtet, und die Regierungsgewalt über all ihre Besitzungen – einschließlich der Präsidentschaft Madras – unmittelbar auf die britische Regierung übertragen. Madras wurde damit zu einer der Provinzen Britisch-Indiens.
Parallel zur im ausgehenden 19. Jahrhundert erwachten gesamtindischen Unabhängigkeitsbewegung unter Führung des Indischen Nationalkongresses entstanden in den tamilsprachigen Teilen von Madras zwei eigenständige Bewegungen, die anti-brahmanische Justice Party und die ebenfalls anti-brahmanische, dravidische Self-Respect Association. Beide schlossen sich 1938 mit dem Ziel der Abschaffung der Kastendiskriminierung und der Gründung eines Dravidenstaates zusammen. Die neu entstandene Organisation, ab 1944 als Dravidar Kazhagam (DK; Bund der Draviden) bekannt, wurde zur Keimzelle der tamilischen Sezessionsbewegung.
Nach der Entlassung Britisch-Indiens in die Unabhängigkeit wurde die Präsidentschaft Madras zum Gliedstaat der Indischen Union. Sie umfasste neben dem heutigen Tamil Nadu große Teile der heutigen Staaten Karnataka und Andhra Pradesh. Erster Chief Minister wurde P. S. Kumaraswamy Raja vom Indischen Nationalkongress (1950 bis 1952). Auf ihn folgten seine Parteikollegen Chakravarthi Rajagopalachari (1952 bis 1954), Kumaraswami Kamaraj (1954 bis 1963), der sich vor allem um die Verbesserung des Bildungssystems und die Bekämpfung des Analphabetismus verdient machte, und M. Bakthavatsalam (1963 bis 1967).
Derweil formierte sich aus dem Dravidar Kazhagam eine neue Partei namens Dravida Munnetra Kazhagam (Bund für den Fortschritt der Draviden; DMK) unter der Führung von C. N. Annadurai, die sich eher auf tamilische denn gesamtdravidische Interessen stützte. Ihre Hauptforderung war die Schaffung eines tamilischsprachigen Staates. Der indische Premierminister Jawaharlal Nehru stand einer Neuformierung der Bundesstaaten nach Sprachgrenzen zunächst skeptisch gegenüber, erkannte aber schließlich den Nutzen einer solchen Neuregelung, um den tamilischen Unabhängigkeitsbestrebungen entgegenzuwirken. 1956 wurde der Plan umgesetzt und aus dem alten Madras ein neuer Staat gleichen Namens herausgelöst, dessen Grenzen sich an den Sprachgrenzen des Tamil orientierten. Die Schaffung eines tamilischen Staates trug wesentlich zur Entradikalisierung der Tamilenbewegung bei, die ihre Forderungen nach staatlicher Selbstständigkeit aufgab und sich nunmehr auf die Ablösung der Kongressregierung in Madras konzentrierte. Die DMK stieg zur wichtigsten Oppositionspartei auf.
1967 konnte erstmals die DMK unter Annadurai die Wahlen zum Regionalparlament für sich entscheiden. Sie verfügte 1968 die Umbenennung von Madras in Tamil Nadu („Land der Tamilen“). 1971 spaltete sich die AIADMK von ihr ab. Seitdem hat stets eine der beiden Regionalparteien die Regierung Tamil Nadus gestellt. Der AIADMK gelang dies zum ersten Mal 1977, als der beliebte Filmschauspieler M. G. Ramachandran als Chief Minister vereidigt wurde. Er regierte bis zu seinem Tod 1987. Nach drei kurzen Amtszeiten verschiedener Chief Minister, von denen zwei durch die Zentralregierung in Neu-Delhi abgesetzt wurden, kam erst 1991 wieder eine stabile, AIADMK-geführte Koalition unter der ehemaligen Schauspielerin J. Jayalalithaa zustande. 1996 nach schweren Bestechungsvorwürfen abgewählt, kehrte sie 2001 für fünf Jahre, mit kurzer Unterbrechung, an die Spitze des Bundesstaates zurück. Seit 2006 stellt die DMK wieder die Regierung Tamil Nadus. Amtierender Chief Minister ist Muthuvel Karunanidhi, der damit nach 1969, 1971, 1989 und 1996 bereits zum fünften Mal dieses Amt innehat.
In den 1980er Jahren nutzten die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), die für die Unabhängigkeit der überwiegend von Tamilen bewohnten Teile Sri Lankas kämpfen, Tamil Nadu als Rückzugsort und Stützpunkt für ihre Aktivitäten in Sri Lanka. Die indische Regierung billigte dieses Vorgehen aus Rücksichtnahme auf die Sympathien der Bevölkerung Tamil Nadus und der tamilischen Regionalparteien für die unterdrückten Tamilen Sri Lankas. Mehrere von LTTE-Separatisten verübte Attentate auf indischem Boden zerstörten jedoch das Vertrauen der indischen Tamilen in die LTTE und bewogen Indien Ende der 1980er Jahre zur Änderung seiner Haltung. Am 21. Mai 1991 wurde der ehemalige indische Premierminister Rajiv Gandhi während einer Wahlkampfveranstaltung in Sriperumbudur nahe Kanchipuram von einer der LTTE zugerechneten Selbstmordattentäterin ermordet. Heute wird die LTTE von der indischen Regierung als terroristische Vereinigung eingestuft.
Höchster Gerichtshof Tamil Nadus ist der Madras High Court, in dessen Zuständigkeitsbereich auch das Unionsterritorium Pondicherry fällt. Den Vorsitz führt der Chief Justice. Seit 2004 besteht eine Zweigstelle in Madurai.
Die beiden regionalen Parteien DMK (Dravida Munnetra Kazhagam, Bund für den Fortschritt der Draviden) und AIADMK (All-India Anna Dravida Munnetra Kazhagam, Allindischer Anna-Bund für den Fortschritt der Draviden) prägen die Politik Tamil Nadus. Die DMK entstand 1949 aus dem schon in der Kolonialzeit gegründeten Dravidar Kazhagam (Bund der Draviden) im Zuge der sich gegen die Vorherrschaft des hindisprachigen Nordens richtenden Tamilenbewegung und stieg in den 1960er Jahren zur dominierenden Partei auf. Besonders das Vorhaben der Regierung in Neu-Delhi, Hindi zur alleinigen Amtssprache in ganz Indien einzuführen, trug entscheidend zu diesem Aufstieg bei. 1972 spaltete sich die AIADMK nach innerparteilichen Auseinandersetzungen von der DMK ab und etablierte sich in der Folge als dessen stärkster Konkurrent. Weiterhin sind die beiden nationalen Parteien Indischer Nationalkongress und Communist Party of India (Marxist) (CPI(M)) sowie die MDMK (Marumalarchi Dravida Munnetra Kazhagam) und die sozial orientierte PMK (Pattali Makkal Katchi), beide ebenfalls Abspaltungen vom DMK, von Bedeutung. Im Gegensatz dazu spielt die hindu-nationalistische BJP (Bharatiya Janata Party, Indische Volkspartei) in Tamil Nadu kaum eine Rolle.
Tamil Nadu ist in 30 Distrikte eingeteilt.
- | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Distrikt | Hauptstadt | Fläche | - | 1 | Chennai | Chennai | 170,98 km² | - | 2 | Coimbatore | Coimbatore | 7.470,79 km² | - | 3 | Darmapuri | Darmapuri | 4.497,77 km² | - | 4 | Dindukkal | Dindukkal (Dindigul) | 6.266,64 km² | - | 5 | Erode | Erode | 8.161,91 km² | - | 6 | Kadalur | Kadalur (Cuddalore) | 3.677,81 km² | - | 7 | Kanchipuram | Kanchipuram | 4.432,10 km² | - | 8 | Kanniyakumari | Nagarkovil (Nagercoil) | 1.672,00 km² | - | 9 | Karur | Karur | 2.895,57 km² | - | 10 | Kirushnagiri | Kirushnagiri (Krishnagiri) | 5.143,26 km² | - | 11 | Madurai | Madurai | 3.741,73 km² | - | 12 | Nagappattinam | Nagappattinam | 2.715,83 km² | - | 13 | Namakkal | Namakkal | 3.363,35 km² | - | 14 | Nilgiris | Udagamandalam (Ooty) | 2.544,85 km² | - | 15 | Perambalur | Perambalur | 3.691,37 km² | - | 16 | Pudukkottai | Pudukkottai | 4.663,29 km² | - | 17 | Ramanadapuram | Ramanadapuram | 4.089,57 km² | - | 18 | Selam | Selam (Salem) | 5.205,30 km² | - | 19 | Sivagangai | Sivagangai | 4.189,00 km² | - | 20 | Tanjavur | Tanjavur | 3.396,57 km² | - | 21 | Teni | Teni | 3.242,30 km² | - | 22 | Tiruchchirappalli | Tiruchchirappalli | 4.403,83 km² | - | 23 | Tirunelveli | Tirunelveli | 6.823,08 km² | - | 24 | Tiruvallur | Tiruvallur | 3.422,43 km² | - | 25 | Tiruvannamalai | Tiruvannamalai | 6.312,05 km² | - | 26 | Tiruvarur | Tiruvarur | 2.097,09 km² | - | 27 | Tuttukkudi | Tuttukkudi | 4.590,54 km² | - | 28 | Velur | Velur (Vellore) | 5.920,18 km² | - | 29 | Viluppuram | Viluppuram | 7.222,03 km² | - | 30 | Virudunagar | Virudunagar | 4.243,23 km² | - | Tamil Nadu | Chennai | 130.266,45 km² | - | Quelle: Government of Tamil Nadu, Department of Economics and Statistics * | |||||
Tamil Nadu ist nach Maharashtra und Uttar Pradesh die drittgrößte Volkswirtschaft innerhalb Indiens und zudem einer der fortgeschrittensten Bundesstaaten des Landes, der von den 1991 eingeleiteten wirtschaftlichen Liberalisierungsmaßnahmen überdurchschnittlich profitiert hat. Seitdem haben sich zahlreiche ausländische Großunternehmen in Tamil Nadu angesiedelt.
Women farm workers in coimbatore.jpg]] Obwohl Tamil Nadu zu den am höchsten industrialisierten Bundesstaaten Indiens zählt, ist die Landwirtschaft nach wie vor der wichtigste Arbeitgeber. Rund 45 Prozent der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt. Tamil Nadus Landwirtschaft ist eine der fortschrittlichsten Indiens. Die Ertragsraten liegen weit über dem indischen Durchschnitt. Seit der Einführung der „Grünen Revolution“, als dessen „Vater“ der aus Tamil Nadu stammende Agrarwissenschaftler M. S. Swaminathan gilt, Mitte der 1960er Jahre wurden die Bewässerungsflächen beträchtlich ausgeweitet, sodass heute etwa die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche künstlich bewässert wird. Dennoch ist der Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt auf Grund wesentlich höherer Wachstumsraten in anderen Bereichen rückläufig. 2004 betrug er nur noch 14,2 Prozent.
Als Nahrungsmittel werden vor allem Reis, Erdnüsse, Mais, Sorghum, Fingerhirse, Perlhirse, Hülsenfrüchte sowie verschiedene Obstsorten wie Bananen und Mangos angebaut. Das mit Abstand wichtigste kommerzielle Anbauprodukt ist Zuckerrohr. Dagegen hat die Bedeutung von Baumwolle seit den 1980er Jahren stark abgenommen. In geringerem Maße werden außerdem Gewürze, Kaffee, Tabak und Tee angepflanzt.
Fast 90 Prozent der bekannten indischen Braunkohlevorkommen befinden sich in dem Gebiet um die Städte Neyveli, Mannargudi, Jayamkondacholapuram und Srimushnam im Hinterland der Koromandelküste. Im Süden und Südosten werden Mineralsande abgebaut, aus denen seltene Mineralien wie Titaneisen, Granat, Zirkon, Rutil und Monazit gewonnen werden. Im Nordosten gibt es Vorkommen von Magnesit. Zudem werden Granit, Kalkstein, Quarz und Quarzsande, Feldspat, Magneteisenstein, Bauxit und Graphit abgebaut. Vor der Küste des Distriktes Nagapattinam wird in geringen Mengen Erdöl gefördert.
Tidel Park Chennai.jpg ist das größte IT-Zentrum Tamil Nadus.]] Tamil Nadu ist einer der höchstindustrialisierten Bundesstaaten Indiens. 2004 erwirtschaftete die Industrie 29,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Der wichtigste Industriezweig ist nach wie vor die Textilindustrie, die für fast ein Drittel der gesamten indischen Baumwollgarnproduktion aufkommt. Die Lederindustrie hat sogar einen Anteil von 70 Prozent. Neben diesen traditionellen Branchen nehmen die Fahrzeugindustrie und deren Zuliefererbetriebe einen besonderen Stellenwert ein. Neben inländischen Automobilfirmen lassen auch Ford, Hyundai, BMW und Mitsubishi in Tamil Nadu produzieren. Andere wichtige Industriezweige sind die metallverarbeitende, chemische, Mineralöl-, pharmazeutische, elektrotechnische, Software-, Fahrrad-, Lebensmittel-, Zement- und pyrotechnische Industrie sowie der Maschinenbau. Avadi bei Chennai ist einer der wichtigsten Standorte der indischen Rüstungsproduktion, unter anderem auch der einzige Produktionsstandort für Panzer in ganz Indien.
Räumlich ballt sich die Industrieproduktion in drei Großräumen. Der mit Abstand wichtigste Industrieraum ist das Ballungsgebiet Chennai, wo nahezu alle bedeutsamen Industriezweige vertreten sind. Im mittleren Tamil Nadu zieht sich eine Industrieachse vom Kaveri
Der Dienstleistungsbereich, mittlerweile der Hauptantriebsmotor der wirtschaftlichen Entwicklung, hatte 2004 einen Anteil von 56,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Besonders hohe Wachstumsraten verzeichnet die Informationstechnologie. Zudem gewinnen die Telekommunikations- und die Biotechnologiebranche an Bedeutung. Viele ausländische Firmen, vor allem aus dem englischsprachigen Raum, lagern Unternehmensteile wie Callcenter oder Buchhaltung nach Tamil Nadu aus.
Der wichtigste Verkehrsweg in Tamil Nadu ist die Straße. Insgesamt umfasst das Straßennetz rund 237.000 Kilometer, wovon jedoch nur 58 Prozent asphaltiert sind (Stand: 2003/04; Quelle: *). Es gibt 25 National Highways mit einer Gesamtlänge von 3.851 Kilometern. Die tamilischen Streckenabschnitte der National Highways von Chennai nach Mumbai und Kolkata – zusammen rund 340 Kilometer – wurden im Rahmen des Projektes „Golden Quadrilateral“ („Goldenes Viereck“) zu vierspurigen Autobahnen ausgebaut. Weitere Ausbauten sind geplant, um des wachsenden Verkehrsaufkommens Herr zu werden.
Alle größeren Städte Tamil Nadus sind an das 4.016 Kilometer lange Schienennetz angeschlossen. Es untersteht der Regionalgesellschaft Southern Railway der indischen Staatsbahn. Die Hauptlinien, die etwa die Hälfte des Eisenbahnnetzes ausmachen, sind breitspurig ausgebaut, allerdings nur zum Teil elektrifiziert. Die restlichen Schienenwege sind meterspurig.
In Tamil Nadu gibt es sieben zivile Flughäfen, davon ein internationaler in Chennai (Chennai International Airport). Coimbatore, Madurai, Selam, Tuttukkudi, Tiruchchirappalli und Velur verfügen über Regionalflugplätze.
Drei der zwölf Hauptseehäfen Indiens liegen in Tamil Nadu: Chennai, Tuttukkudi und Ennur. Chennai war 2004/05 mit einer Güterumschlagmenge von knapp 44 Millionen Tonnen Indiens drittgrößter Hafen. Chennai und Tuttukkudi sind neben Navi Mumbai in Maharashtra die wichtigsten Containerhäfen des Landes. Darüber hinaus existieren 15 kleinere Häfen in Tamil Nadu, die jedoch nur für die Küstenschifffahrt von Bedeutung sind.
Als einer der wenigen indischen Bundesstaaten erzeugt Tamil Nadu einen Elektrizitätsüberschuss, den es an benachbarte Bundesstaaten weiterleitet. Strom wird vor allem aus Wärme- (Braunkohle, Erdgas), Wasser-, Kern- und Windkraft gewonnen. Bei letzterer nimmt Tamil Nadu eine Führungsposition innerhalb Indiens ein, da es für mehr als die Hälfte der indischen Windenergieerzeugung aufkommt.
Im Vergleich zu anderen Regionen Indiens ist Tamil Nadu verhältnismäßig wohlhabend. Krasse Armut ist daher nicht ganz so häufig anzutreffen wie etwa in Nordindien. Das Pro-Kopf-Einkommen lag 2004/05 bei 25.965 Rupien (Quelle: *) und damit etwas über dem Landesdurchschnitt von 23.241 Rupien. 2001 wurde für Tamil Nadu ein Human Development Index von 0,657 gegenüber einem Wert von 0,571 für ganz Indien ermittelt. Auch Gesundheitsindikatoren wie die Lebenserwartung von 64,6 Jahren (Männer: 63,7 Jahre, Frauen: 65,7 Jahre) gegenüber 61,7 Jahren im Landesdurchschnitt (Männer: 60,8 Jahre, Frauen: 62,5 Jahre; Stand jeweils 1999) und die Säuglingssterblichkeit von 41 auf 1000 Lebendgeburten gegenüber 60 im Landesdurchschnitt (Stand jeweils 2003) weisen auf Tamil Nadus relative Bessergestelltheit innerhalb Indiens hin.
Dennoch bestehen auch in Tamil Nadu weiterhin gravierende soziale Probleme und Ungleichheiten. So sind die außerhalb des Kastensystems stehenden Dalit, die in Tamil Nadu einen überproportional hohen Bevölkerungsanteil von etwa einem Fünftel haben, nach wie vor gesellschaftlicher Ausgrenzung und wirtschaftlicher Benachteiligung ausgesetzt. Viele von ihnen müssen sich ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner in der Landwirtschaft verdienen. Kinderarbeit ist noch immer ein weitverbreitetes Problem; auffällig ist dabei der hohe Anteil von Mädchen – ein Indiz für das geringere Ansehen von Mädchen und Frauen in der Gesellschaft. Fast die Hälfte aller Kinder ist unterernährt. Hohe Arbeitslosigkeit stellt vor allem in den Städten eine große Herausforderung dar.
Die Stadt Madras (Chennai) führte 1925 als erste in Indien die kostenlose Schulspeisung an öffentlichen Schulen ein. Chief Minister Kamaraj dehnte das Programm in den 1950er Jahren deutlich aus. 1982 verfügte die damalige AIADMK-Regierung, dass allen Kindern an sämtlichen öffentlichen Schulen Tamil Nadus an Unterrichtstagen eine warme Mahlzeit zur Verfügung gestellt werden müsse. Das Schulspeisungsprogramm wurde zum Vorbild für ähnliche Projekte in anderen indischen Bundesstaaten. 2001 verfügte der oberste Gerichtshof Indiens sogar die Einführung kostenloser warmer Schulmahlzeiten an allen Schulen des Landes.
Tamil Nadu ist eine der ältesten Kulturregionen Indiens, die im Gegensatz zu weiten Teilen Nord- und Zentralindiens nie dauerhaft muslimischen Einflüssen ausgesetzt war, sodass die dravidische hinduistische Kultur in relativ ursprünglicher Form erhalten blieb.
Das vielleicht wichtigste Bindeglied der tamilischen Kultur ist die tamilische Sprache, die auf eine rund 2000-jährige Literaturgeschichte zurückblicken kann und daher als einzige dravidische Sprache zu den klassischen Literatursprachen Indiens zählt. Der Legende nach pflegten im Altertum die Sangams (Dichterakademien) auf dem sagenhaften Kontinent Kumarikkandam die tamilische Literatur, weshalb die früheste Entwicklungsstufe der tamilischen Literatur (etwa 200 v. Chr. bis 300 n. Chr.) als Sangam-Literatur bezeichnet wird. Aus jener Epoche stammen zahlreiche Werke unterschiedlicher Gattungen (Gedichte, Epen), die zum Teil auf ältere mündliche Überlieferungen zurückgehen. Das Tolkappiyam, eine Grammatik des Tamil, beschreibt die Ästhetik der klassischen Dichtung. Sie wird nach subjektiven Inhalten (akam), wie Liebe und Sexualität, sowie objektiven Themen (puram), wie Krieg und Staatswesen, unterschieden, die jeweils bildhaft dargestellt werden. Im Gegensatz zur nordindischen Sanskritliteratur sind Bezüge auf höhere Wesen äußerst selten. Zu den Hauptwerken der Sangam-Zeit zählen die Sammlungen Ettuttokai („Acht Anthologien“) und Pattuppattu („Zehn Lieder“) sowie die „Fünf Großen Epen“, darunter das Cilappatikaram.
Gegen Ende der Sangam-Periode machten sich verstärkt nordindische Einflüsse bemerkbar, die unter anderem in umfangreichen buddhistischen und jainistischen Schriften, oft in Sanskrit verfasst, zum Ausdruck kamen. Neue Themen wie Moral und Ethik traten in den Vordergrund, etwa in Tiruvalluvars belehrender Verssammlung Tirukkural.
Mit dem Entstehen der hinduistischen Bhakti-Bewegung im 7. Jahrhundert erlebte die fromme Hindulyrik in Form von Preisliedern auf Shiva und Vishnu eine Blüte. In der Chola-Zeit wurde das Epos zum beliebtesten Genre. Hervorzuheben sind hier besonders Kampan mit seinem Hauptwerk Kamparamayanan, einer Version des Ramayana, und die Dichterin Auvaiyar.
Ab dem 14. Jahrhundert entstanden neben Kommentaren zu älteren Werken zahlreiche philosophische und religiöse Schriften. Die hinduistischen Herrscher der Kleinstaaten, die auf den Zusammenbruch des Vijayanagar-Reiches im 16. Jahrhundert folgten, förderten erneut die fromme Hindulyrik. Das 17. Jahrhundert sah zum ersten Mal bedeutende islamische und christliche Beiträge.
Umwälzende Veränderungen erlebte die tamilische Literatur in Folge westlicher Einflüsse während der europäischen Kolonialherrschaft. Neue Genres, wie Roman, Essay und Kurzgeschichte, setzten sich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert durch und prägen die moderne tamilische Literatur bis heute. Kalki Krishnamurthy (1899–1954) verarbeitete in seinen Romanen und Kurzgeschichten vor allem historische Stoffe. Pudhumaipithan (1906–1948) erlangte durch seine sozialkritischen Werke große Anerkennung. Subramanya Bharati (1882–1921) gilt als einer der herausragendsten Dichter der tamilischen Moderne.
Shore temple.jpg]] Temple Tangore 1.jpg mit charakteristischem Gopuram]] Tamil Nadu ist berühmt für seine großen Tempelanlagen. Diese bedeutenden historischen Meisterwerke der dravidischen Tempelbaukunst sind vielbesuchte Pilgerstätten und besitzen in der Tradition des Hinduismus einen besonderen Stellenwert. Jeder Ort ist eng mit einem bestimmten Aspekt der hinduistischen Mythologie verbunden, und jedes Heiligtum gewährt einen Einblick in eine andere Facette des Hinduismus.
In Tamil Nadu finden sich einige der herausragendsten Beispiele frühmittelalterlicher hinduistischer Tempelbaukunst. Die monolithischen Felsentempel aus der Pallava-Zeit (7. und 8. Jahrhundert) in der ehemaligen Hafenstadt Mahabalipuram sind Frühformen des südindischen Dravida-Tempelbaustils, der durch einen pyramidenförmig gestuften Tempelturm namens Vimana über dem Allerheiligsten gekennzeichnet ist. Dem Vimana ist üblicherweise eine Säulenhalle vorgelagert. In der Architektur der Pallava spiegeln sich Einflüsse älterer Tempelbauten der Chalukya in Badami, Aihole und Pattadakal wider. Die Pallava nutzten vor allem den in Tamil Nadu reichlich vorhandenen Granit als Baumaterial, im Gegensatz zum Sandstein Nordindiens. Im 8. Jahrhundert setzte sich der in Mahabalipuram begonnene Tempelbaustil in der alten Pallava-Hauptstadt Kanchipuram fort.
Die Chola entwickelten die Vimanas der Pallava-Zeit zu gewaltigen Stockwerkpyramiden weiter, deren Geschosse mit aufgesetzten Scheinzellen verziert wurden. Als Höhepunkt dieser Entwicklung gilt der Brihadisvara-Tempel in Tanjavur aus dem frühen 11. Jahrhundert. Unter den späten Chola und insbesondere unter den sie ablösenden Pandya vollzog sich eine bauliche Akzentverlagerung vom Vimana auf den Torturm (Gopuram) des den eigentlichen Sakralbau umgebenden Tempelbereiches. Während der Vimana kleiner und unauffälliger ist, nimmt der Gopuram nun dessen Größe und künstlerische Ausgestaltung an. In der Zeit der Nayaks der tamilischen Kleinstaaten (16. bis 18. Jahrhundert) wuchsen viele Tempelbezirke durch die Ergänzung zusätzlicher Säulenhallen sowie mit Gopurams geschmückter Mauerzüge zu Tempelstädten heran. Beispiele sind Srirangam, Chidambaram, Rameswaram, Tiruvannamalai und Madurai. Mit dem Untergang der Nayaks im 18. Jahrhundert kam auch die klassische dravidische Tempelbaukunst Tamil Nadus zu ihrem Ende.
Unter europäischer Herrschaft erlebte die zuvor weitgehend unbeachtete Profanarchitektur einen Aufschwung. Die Kolonialarchitektur in Tamil Nadu ähnelt weitgehend der des gesamten Subkontinents. Ihre Frühformen unterschieden sich kaum von der zeitgenössischen Baukunst in Europa. Später traten neben europäische auch einheimische indische, vor allem islamische, Einflüsse, die sich im ausgehenden 19. Jahrhundert im indo-sarazenischen Stil vermischten. Besonders in Chennai entstanden monumentale Verwaltungs- und Repräsentationsgebäude wie der High Court sowie zahlreiche Museumsbauten.
Bharatanatyam Medha Hari.jpg- Tänzerin]] Der klassische Musikstil Tamil Nadus ist die karnatische Musik, die im Gegensatz zur hindustanischen Musik Nordindiens kaum von persisch-arabischen Traditionen beeinflusst wurde. Dennoch weist auch sie die Grundmerkmale klassischer indischer Musik auf: Raga, ein Tonleitersystem, das mit bestimmten rhythmischen Zyklen (Tala) zusammengestellt wird. Die am häufigsten verwendeten Melodieinstrumente sind Saiteninstrumente wie Vina, Geige und Sarangi. Als Rhythmusgeber dienen vor allem Mridangam, Kanjira oder Ghatam. Bekannte Vokalinterpreten dieser Musik sind D. K. Pattamal, M. S. Subbulakshmi und M. L. Vasanthakumari. Bestandteile klassischer karnatischer Musik finden sich auch in der modernen tamilischen Popmusik wieder, häufig Filmmusiken beliebter Kinostreifen. Der erfolgreichste Komponist moderner Musik aus Tamil Nadu ist A. R. Rahman. In den ländlichen Gegenden hält sich noch die ursprüngliche Volksmusik, besonders unter den Stämmen des Berglandes. In der Hauptstadt Chennai findet jedes Jahr im Dezember ein großes Musikfestival statt (Chennai Music Season), bei dem einige der anerkanntesten Virtuosen der karnatischen Musik und Darsteller südindischer Tanzformen auftreten.
Tänze dienen seit jeher als Ausdrucksformen religiöser Verehrung oder zur Darstellung mythologischer Themen. Schon im Altertum wurden sie von Tempeldienerinnen (Devadasis) dargeboten. Der Bharatanatyam, heute einer der sieben führenden klassischen Tanzstile Indiens, hat seinen Ursprung in Tamil Nadu. Er wurde in den 1930er Jahren von Rukmini Devi Arundale wiederbelebt und weiter entwickelt, und wird heute unter anderem an der von ihr gegründeten Kalakshetra-Akademie in Chennai gelehrt. Er umfasst rein tänzerische sowie dramatische Elemente. Als Einzeltanz kann er sowohl von Frauen als auch von Männern dargeboten werden. Darüber hinaus bestehen zahlreiche Volkstanz- und Tanzdramatraditionen.
Das tamilische Kino trägt in Anspielung auf Bollywood, die Filmindustrie in Mumbai, den Namen Kollywood, dessen erster Buchstabe auf Kodambakkam hinweist, den Stadtteil Chennais, auf den die tamilische Filmproduktion konzentriert ist. Tatsächlich ist Kollywood mit rund 100 Produktionen jährlich Indiens zweitgrößte Filmindustrie und findet auch im Ausland immer größere Anerkennung, besonders in Sri Lanka, Singapur, Malaysia, Südafrika und Großbritannien. Schon 1916 entstand in Kodambakkam der erste Stummfilm. Der erste Tonfilm folgte 1931.
In Konzeption und Thematik ähneln die meisten Kollywood-Produktionen denen aus Bollywood, grenzen sich aber durch die Verwendung der tamilischen Sprache ab. Wie in Bollywood kommt Musik- und Tanzeinlagen eine hohe Bedeutung zu, allerdings finden sich mehr komische und Kampfkunst
Eine Besonderheit ist die außergewöhnliche hohe, zuweilen abgöttische Verehrung, die Schauspielern und Schauspielerinnen entgegengebracht wird. In keinem anderen Bundesstaat Indiens waren ehemalige Filmschaffende politisch so erfolgreich wie in Tamil Nadu. So gelang es dem Schauspieler M. G. Ramachandran 1977 Chief Minister zu werden und bis zu seinem Tode im Jahr 1987 drei Mal wiedergewählt zu werden. Auch die Schauspielerin Jayalalithaa Jayaram hatte drei Mal das Amt der Regierungschefin Tamil Nadus inne.
Wie in ganz Indien ist die mit Abstand beliebteste Sportart in Tamil Nadu Cricket, gefolgt von Hockey. Zwei der international bekanntesten indischen Sportler kommen aus Tamil Nadu: Viswanathan Anand, einer der weltbesten Schachspieler, und Narain Karthikeyan, Indiens erster Formel 1-Rennfahrer.
Idly sambar vada.JPG Die als besonders pikant geltende tamilische Küche zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt an vegetarischen Gerichten aus. Fleischspeisen sind aus religiösen Gründen von untergeordneter Bedeutung, allerdings werden gelegentlich Fisch oder Meeresfrüchte verwendet. Als Grundnahrungsmittel dient Reis, der in der Regel als Curry mit Hülsenfrüchten, vor allem Linsen, oder anderen Gemüsesorten und einer Soße gereicht wird. „Curry“ bezeichnet dabei nicht, wie in der westlichen Welt oft angenommen, eine Gewürzmischung, sondern ein vegetarisches oder fleisch- bzw. fischhaltiges Gericht in einer oft stark gewürzten Soße. Das Wort leitet sich vom tamilischen kari („Soße“) ab. Bei der Zubereitung der Soßen kommt eine Vielzahl an Gewürzen zum Einsatz, darunter Tamarinden, Curryblätter, Koriander, Ingwer, Chili, Knoblauch, Pfeffer, Kardamom, Kreuzkümmel, Zimt, Muskatnuss und Gewürznelken. Auch Milchprodukte finden in der tamilischen Küche Verwendung.
Typische Speisen sind Dosa, eine Art Pfannkuchen aus Reis- und Urdbohnenmehl, Idli, kleine Küchlein, die ebenfalls aus Reis- und Urdbohnenmehl gefertigt werden, und Vada, gebackene Erbsenküchlein. Dazu verzehrt man beispielsweise Sambar, üblicherweise ein Linsengericht mit würziger Tamarindensoße, von dem aber zahlreiche Varianten mit anderen Gemüsesorten oder Fisch existieren, oder ein Chutney aus Kokosfleisch oder Tomaten. Die Speisen werden für gewöhnlich auf einem Bananenblatt serviert. Gegessen wird traditionell mit der Hand.
Beliebte Getränke sind Kaffee und Tee.
Aus Tamil Nadu kommen mehr Träger der höchsten zivilen Auszeichnung Indiens, des Bharat Ratna, als aus jedem anderen Bundesstaat. Zu den acht tamilischen Trägern des zuletzt 2001 verliehenen Ordens gehören der Politiker Chakravarthi Rajagopalachari (1878–1972), Indiens zweiter Präsident Sarvepalli Radhakrishnan (1888–1975), der Physiker und Nobelpreisträger C. V. Raman (1888–1970), der Politiker und ehemalige Chief Minister K. Kamaraj (1903–1975), der Schauspieler und langjährige Chief Minister M. G. Ramachandran (1917–1987), der Raketeningenieur und amtierende indische Präsident Abdul Kalam (geb. 1931), die Sängerin M. S. Subbulakshmi (1916–2004) sowie der maßgeblich an der Durchführung der „Grünen Revolution“ beteiligte Politiker Chidambaram Subramaniam (1910–2000). Als eigentlicher Vater der „Grünen Revolution“ gilt der Agrarwissenschaftler M. S. Swaminathan (geb. 1925). Auch der Mathematiker S. A. Ramanujan (1887–1920) und der Physiker Subrahmanyan Chandrasekhar (1910–1995) waren tamilischer Abstammung.
তামিল নাড়ু | Tamil Nadu | Tamil Nadu | ޓެމިލް ނާޑޫ | Tamil Nadu | Tamil Nadu | Tamil Nadu | Tamil Nadu | Tamil Nadu | તમિલનાડૂ | טמיל נאדו | तमिल नाडु | Tamilnádu | Tamil Nadu | Tamil Nadu | タミル・ナードゥ州 | ტამილნადუ | ತಮಿಳುನಾಡು | तमिलनाडु | Tamilnadas | तामीळनाडू | Tamil Nadu | Tamil Nadu | Tamil Nadu | Tamil Nadu | Tamil Nadu | Тамилнад | तमिलनाडु | Tamil Nadu | Tamil Nadu | தமிழ்நாடு | తమిళనాడు | 泰米尔纳德邦
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Tamil Nadu".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world