Talmud-Berachoth.jpg Der Talmud (hebräisch: תלמוד, Belehrung, Studium) ist nach dem Tanach das bedeutendste Schriftwerk des Judentums. Er ist sehr viel umfangreicher als die Bibel; vollständige Ausgaben kommen auf fast 10.000 Seiten in einem Dutzend Bänden. Es gibt verschiedene Traditionen des Talmud.
Daneben steht der erheblich kürzere, in seinen Bestimmungen oft weniger strenge und weniger wichtige Talmud Jeruschalmi, der in Palästina entstand und daher der Palästinische oder Jerusalemer Talmud genannt wird. Hier gilt nach jüdischer Tradition, die auf Maimonides zurückgeht, als wichtigster Autor Rabbi Jochanan.
Wenn einfach vom Talmud gesprochen wird, ist in der Regel der Babylonische Talmud gemeint.
Mehrere Erwähnungen Jesu Christi im Talmud gelten als einer der Belege für seine historische Existenz.
Der erste Druck des Talmud stammt von Daniel Bomberg, einem aus Antwerpen gebürtigen Christen, der zwischen 1516 und 1549 in Venedig tätig war. Die von Bomberg eingeführte Folio-Zählung wird heute noch benutzt.
Kernstück des Talmud ist die Mischna (hebräisch: משנה Wiederholung). Es handelt sich hierbei um jenen Teil der Tora (תורה), den Gott nach jüdischer Tradition Moses am Berg Sinai mündlich geoffenbart hat und der in der Folgezeit auch zunächst nur mündlich weitergegeben, in den beiden ersten Jahrhunderten u.Z. schließlich aber doch kodifiziert wurde. Ihre endgültige Form gefunden hat die in Hebräisch abgefasste Mischna im 2. Jahrhundert u.Z. unter redaktioneller Federführung von Jehuda ha Nasi. Sie ist im babylonischen und im palästinischen Talmud identisch.
Die zweite Schicht des Talmud ist die Gemara (aramäisch: גמרא Lehre, Wissenschaft), die aus Kommentaren und Analysen zur Mischna in Aramäischer Sprache besteht. Sie sind die Frucht umfangreicher Diskussionen unter jüdischen Gelehrten insbesondere in den Hochschulen Palästinas und Babyloniens. Ausgehend von den meist rein juristischen Fragestellungen wurden Verbindungen zu anderen Gebieten wie Medizin, Naturwissenschaft, Geschichte oder Pädagogik hergestellt. Auch wurde der eher sachliche Stil der Mischna mit diversen Fabeln, Sagen, Gleichnissen, Rätseln etc. angereichert. Die Gemara war zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert u.Z. abgeschlossen. Anders als die einheitliche Mischna weicht die Fassung der Gemara in der babylonischen und der palästinischen Talmudausgabe voneinander ab.
Beim Babylonischen Talmud kommen schließlich als dritte Schicht die Kommentare aus späterer Zeit hinzu. Hervorzuheben sind insofern insbesondere jene von Rabbi Schlomo ben Jizchak (genannt „Raschi“), einem im 11. Jahrhundert in Frankreich und Deutschland wirkenden Talmud-Gelehrten.
Die ständige Fortentwicklung der Tradition durch Diskussionen, Kommentare und Analysen prägt den durchgängig dialektischen Stil des Talmud. Das bevorzugte Mittel der Darstellung ist der Dialog zwischen verschiedenen rabbinischen Lehrmeinungen, der am Ende zu einer Entscheidung führt und den maßgeblichen Stand der Tradition wiedergibt.
Üblicherweise sind die einzelnen Textteile so angeordnet, dass sich die Mischna in der Mitte befindet. Links und unten wird sie L-förmig von der Gemara umrahmt. Der Textstreifen am oberen Innenrand einer Seite enthält die Kommentare Raschis, der am Außenrand und ggf. am unteren Rand schließlich etwaige weitere Kommentare.
In seinem Gedicht Jehuda Ben Halewy vergleicht Heinrich Heine die Halacha mit einer „Fechterschule, wo die besten dialektischen Athleten (…) ihre Kämpferspiele trieben.“. Die Haggada sein indes „ein Garten, hochphantastisch“, in dem es „schöne alte Sagen, Engelmärchen und Legenden“ gebe, „stille Märtyrerhistorien, Festgesänge, Weisheitssprüche (…).
Die Titel der Ordnungen lauten:
Im Jüdischen Verlag erschien 1929 bis 1936 die erste und bisher einzige vollständige und unzensierte deutsche Übersetzung des Babylonischen Talmud. Die Übersetzung stammt von Lazarus Goldschmidt. Diese Ausgabe umfasst 12 Bände. Im Seitenaufbau weicht sie von den gängigen Ausgaben ab. Die Mischna ist in Kapitälchen gesetzt. Darunter folgt die Gemara im normalen Satz. Sie wird jeweils mit dem in Großbuchstaben gesetzten Wort „Gemara” eingeleitet. Zusätzliche Anmerkungen zur Mischna oder Gemara sind als Fußnoten gesetzt. In der Originalausgabe und in den Nachdrucken gibt es nur ein Inhaltsverzeichnis pro Band, kein Gesamtverzeichnis für alle Bände. Auch die Einteilung in Sektionen geben diese Verzeichnisse nicht wieder.
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