Talg, auch Unschlitt, Inselt (lat. Sebum, frz. Suif, engl. Tallow) ist aus Wiederkäuern gewonnenes, festes Körperfett. lat.: adeps bovis für Rindertalg
Talg ist eine feste, gelblich-weiße Masse. Es enthält hauptsächlich gesättigte Fettsäuren mit gerader Anzahl von Kohlenstoff-Atomen. Es kommen jedoch auch Fettsäuren mit ungerader C-Zahl vor. Beispiele hierfür sind die Pentadecan- (C15) und die Margarinsäure (C17).
Talg wird durch das Schmelzen von Rind- oder Hammelschlachtteilen gewonnen. Das durch das Schmelzen von Schweine- und Gänsefleisch gewonnene Fett hat einen niedrigeren Schmelzpunkt und wird Schmalz genannt.
Talg wird aufgrund des hohen Schmelzpunktes und neuerdings auch aufgrund seines Cholesteringehalts eher selten zu Speisezwecken eingesetzt. Der aus dem Fettgewebe um die Nieren von Rindern und Schafen gewonnene Nierentalg (englisch suet) ist jedoch für das Kochen und Backen geeignet und wird insbesondere in der traditionellen britischen und US-amerikanischen Küche verwendet. Feintalg wird aus frischen Rohmaterialien vorsichtig geschmolzen und gereinigt und ist auch unter der Bezeichnung Premier Jus im Handel erhältlich. Die ursprünglich hauptsächlich aus Talg gewonnene Margarine wird inzwischen meist aus pflanzlichen Ölen hergestellt. Auch als Vogelfutter (etwa in Meisenknödeln) wird Talg verwendet.
Unter Verwendung von Talg werden Seifen, Lippenstifte, Haarwaschmittel, Rasiercremes und andere Kosmetika hergestellt. Wachspapiere, Pastellstifte und Radiergummis werden durch Talg geschmeidig gehalten. Talg kann auch als Grundstoff für die Herstellung von Biodiesel dienen.
Für die Kerzenproduktion werden neben dem traditionellen Bienenwachs auch pflanzliche Fette und Talg verwendet (Stearin), heute werden Kerzen jedoch meist aus dem günstigeren, erdölbasierten Paraffin hergestellt.
Sogar als Material der bildenden Kunst wurde Talg im 20. Jahrhundert verwendet; am prominentesten im Werk von Joseph Beuys, dessen Fettecke zu einer Ikone der modernen Kunst wurde.
Schon in frühen Kulturen wurde Talg zur Herstellung von Seifen und Salben benutzt. In der Seefahrt war Talg für das Geschmeidighalten der Takelage unverzichtbar; die Takler führten ihn stets in einem Splißhorn mit sich. Auch für Schuhwichse und als Schmierstoff (bei Kutschen und anderen Geräten) wurde jahrhundertelang Talg verwendet.
Talg wurde seit dem Mittelalter von den Bergleuten als Brennstoff für ihre Grubenlampen benutzt. Auch das in den Weltkriegen in Schützengräben und in Bombennächten eingesetzte Hindenburglicht war eine Talglampe.
Im 19. Jahrhundert wurde die Talgverarbeitung durch zunehmende Bedeutung von Hygieneprodukten und die Ausweitung der Produktion von Stearinkerzen zu einem industriellen Gewerbe, in dessen Rahmen weltweit mit Talg gehandelt wurde.
Bis zum 19. Jahrhundert, teilweise bis in das 20. Jahrhundert, wurde Talg handwerklich in Kleinbetrieben aus Schlachtabfällen hergestellt. Zum Ausschmelzen des Talges erhitzte man die zerkleinerte Rohmasse mit Wasser, bisweilen unter Zusatz von etwas Schwefelsäure auf freiem Feuer oder unter Einleiten von Dampf.
Industriell wurden seit dem 19. Jahrhundert zunächst ausschließlich doppelwandige, oben geschlossene Kessel benutzt, aus denen die übelriechenden Dämpfe in einen hohen Schornstein oder in die Feuerung eingeleitet wurden. Das ausgeschmolzene und von den Grieben abgeseihte Fett bildete für sich bereits eine Handelsware (roher Talg), die aber für die Herstellung von Kerzen und Seifen nicht rein genug war, sondern einem nochmaligen Läuterungsverfahren unterzogen wurde (geläuterter Talg).
Nach der Farbe ließ sich weißer Hammeltalg von gelbem Rindertalg unterscheiden. Hammeltalg ist etwas härter und spröder, wird aber leichter gelb und ranzig als der weiche und schlüpfrige Rindertalg.
Wichtiger war die Unterscheidung nach der Verwendung in Lichtertalg und Seifentalg:
Der Wert des Talges wurden nach dem Erstarrungspunkt der Fettsäuren (dem so genannten Talgtiter) bemessen.
Außer zur Herstellung von Kerzen und Seifen fand Talg bei der Lederbearbeitung und als Schmiermittel ausgedehnte Anwendung. Der von Apothekern zu Pflastern und Salben benutzte Talg wurde jedoch nicht dem Handel entnommen, sondern aus frischem Rohstoff ausgeschmolzen.