Die Automobilmarke Talbot hat mehrere Phasen in ihrer Geschichte mitgemacht:
Im Jahre 1935 wurde eine neue Ära eingeleitet mit der Übernahme des Talbot-Werks in Suresnes von dem Italiener Antonio Lago. Unter Lagos Leitung und dem neuen Firmennamen Talbot Lago wurden bis 1937 zwei völlig neue Automodelle mit Sechszylindermotoren (2,7 und 3 Liter Hubraum) entwickelt. In den folgenden Jahren entstanden in Kooperationen mit den namhaftesten Karosseuren Europas einer der aufregendsten Fahrzeuge der Vorkriegsgeschichte. Einige der Karosseure waren: Figoni Falaschi (T 150 SS Coupé von 1937 und das weltberühmte Teardrop Coupé von 1939). Entwürfe von Chausson, Saoutchik, Partout und natürlich Henri Chapron folgten. Es wurde sogar ein Cabriolet von Graber und eines von Ghia gefertigt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass gerade im Januar 2006 bei Gooding & Company in US Amerika eines der spektakulären T 150 SS Coupé Figoni Falaschi Teardrop Coupés für 3.905.000 Millionen USD seinen Eigentümer wechselte.
In der Rennsaison 1939 wurden in Suresnes zwei Grand Prix Fahrzeuge für den GP 1939 entwickelt. Leider kam es nie zum Einsatz aufgrund der bekannten Ereignisse zu jener Zeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte Lago den Talbot Lago Record und den Grand Sport mit einem 4,5 l Motor und einem Wilson-Vorwählgetriebe vor und konnte damit sportliche Erfolge wie zum Beispiel der Le Mans-Sieg 1950 mit Louis Rosier am Steuer erzielen. Ebenfalls 1950 erschien ein neues Modell namens Baby (Vierzylindermotor mit 2.690 ccm Hubraum). Immerhin 400 Automobile wurden im Jahre 1950 produziert. Im darauf folgenden Jahr waren es weniger als 100 Automobile. Eine erwähnenswerte Änderung in den Jahren ab 1953 bestand darin anstelle des Wilson-Vorwählgetriebes ein konventionelles Getriebe mit 4-Gang Schaltung von Pont-a-Mousson zu verbauen. Das Fahrgestell des Talbot Lago Babys konnte auch ohne Aufbau erworben werden. Diese Fahrgestelle kamen bis zum Produktionsende in Jahre 1955 bei den Gand Sport Coupés mit einem 4.5 Liter Sechszylinder-Motor zum Einsatz.
Der letzte große Entwurf von Talbot Lago wurde 1955 vorgestellt. Es war der 2500 Sport. Antonie Lago entschied sich für einen Vierzylinder Reihenmotor, der mit 2.491 ccm genau das Rennklassement der 2.5 Liter Klasse ohne Kompressor noch erfüllte.
Insgesamt wurde 54 Exemplare des 2500 Sport gefertigt. Zwei Fahrzeuge verließen das Werk ohne Aufbau und wurden später vermutlich als offene Sportwagen vollendet. Unter diesen 52 karossierten Exemplaren wird unterscheiden zwischen den Varianten für Europa und denen, die nach Amerika geliefert wurde. Die 2500 Amerika Modelle wurden mit einem BMW 2.5 Liter V8-Aggregat, bekannt aus dem BMW 502, bestückt und besitzen massivere Chromapplikationen als die Europamodelle. 15 der 52 Exemplare wurden als Amerika Versionen gebaut. Aus den Werksproduktionslisten konnten wir erfahren, dass 1956 für das 24 Stunden Rennen in Le Mans zwei Prototypen mit einem Sechszylinder Maserati Motor gebaut wurden. Der Verbleib ist heute unbekannt.
1959 waren die Absatzchancen für die wertvollen Talbot Lagos derart gesunken, dass Antonio Lago seine Firma an Simca verkaufen musste.
Das US-Unternehmen Chrysler hatte 1970 die traditionsreiche französische Marke Simca ganz übernommen und das Unternehmen Chrysler France gegründet. Im Sommer 1979 erhielten die Chrysler-Filialen den Namen Talbot. Damit lebt unter dem Dach von PSA wieder eine französische Tradition auf. Die unter Chrysler entwickelten Pkw-Modelle werden nach der Übernahme durch PSA unter dem Namen Talbot bzw. Talbot-Simca (bis 1980) weitergebaut. Matras werden unter dem Markennamen TALBOT MATRA und Sunbeam unter TALBOT SUNBEAM weitergeführt. Unter dem Dach des Konzerns sind somit zu diesem Zeitpunkt drei französische Automarken mit großer Geschichte vereint.
Unterdessen entwickelt sich die Übernahme der europäischen Chrysler-Werke in Frankreich, Spanien und Großbritannien für PSA zu einer harten wirtschaftlichen Prüfung. 1980 schreibt der Konzern einen Verlust von 1,5 Milliarden Franc, und stellt die in Großbritannien gebauten Sunbeams ganz ein. Im Herbst 1980 übernimmt Peugeot die Talbot-Organisation und beide Unternehmen beschlossen rückwirkend zum 1. Januar 1980 ihre Fusion. Es begann die Entwicklung eines Formel-1-Wagens mit dem Namen Talbot-Ligier unter Mitwirkung des Rennwagen-Konstrukteurs Guy Ligier und mit Einsatz eines V12-Motors von Matra.
Peugeot musste weitere wirtschaftliche Probleme bewältigen. Für 1982 beispielsweise wies Peugeot einen Verlust von über 2 Milliarden aus. PSA verkauft seine Anteile an Matra, die Produktion von Murena und Rancho wird eingestellt.
Um für den Konkurs von Talbot nicht haftbar gemacht zu werden, gliedert PSA 1984 die Gesellschaft Talbot wieder aus. PSA entscheidet, die Marke Talbot zugunsten der Entwicklung neuer Peugeot-Modelle endgültig einzustellen. Dies bedeutet das Aus der Marke Talbot. Aus den bereits produzierten Teilebeständen werden noch bis Ende der 80er Jahre in den Talbot-Werken Fahrzeuge produziert und verkauft. Bereits 1986 endet der Talbot-Verkauf in Frankreich und Deutschland. Außer in Großbritannien, dort wurde der bei Sevel (Gemeinschaftsunternehmen von PSA und Fiat) gebaute Talbot Express - ein leichtes Nutzfahrzeug - von 1986 bis 1992 weiterverkauft. Auf dem Festland war dieses Fahrzeug als Peugeot J5 und Citroën C25 oder Fiat Ducato bekannt. Das letzte von Talbot selbst entwickelte Fahrzeug, das als Nachfolger des Horizon entwickelt wurde, war der 1985 vorgestellte Peugeot 309, dessen Markteinführung ursprünglich unter dem Namen Talbot Arizona vorgesehen war.
Ende der 80er Jahre überlegte man bei Peugeot, ob man den mit Fiat gemeinsam entwickelten Minivan nicht als Talbot verkaufen sollte. Das Auto wurde letztendlich doch als Peugeot 806 bzw. Citroen Evasion auf den Markt gebracht.
In den neunziger Jahren wurde bei allen Peugeot-Talbot-Filialen und Vertragshändlern die Talbot-Schilder entfernt. Seit dieser Zeit hoffen TALBOT-Fans, dass PSA den Markennamen irgendwann wieder, vielleicht für einen Sportwagen oder Luxuswagen, ausgräbt.
| Talbot / Simca Zeitleiste ab 1960 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Fahrzeug- art | 1960er | 1970er | 1980er | 1990er | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | |||||||||||||
| Kleinwagen | Simca 1000 | Simca 1000 Chrysler Sunbeam | Talbot Sunbeam | Talbot Samba | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kompakt | Simca 1100 | Talbot Simca 1100 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Simca Horizon | Talbot Horizon | Talbot Arizona = Peugeot 309 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Mittelklasse | Simca 1300/1500 | Simca 1307/08/09 | Talbot 1510 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Simca 1301/1501 | Talbot Solara | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Oberklasse | Chrysler 160/180/2L + Chryler-Simca 1610/2L | Talbot-Simca 2L | Talbot Tagora | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Sportwagen/Coupé | Matra-Bonnet Djet / Matra Jet | Matra-Simca Bagheera | Talbot-Matra Bagheera | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Matra M530 | Talbot-Matra Murena | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| SUV/Freizeitfahrzeuge | Matra-Simca Rancho | Talbot-Matra Rancho | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Nutzfahrzeuge | Simca 1100 VF 1/2/3 | Talbot Citylaster | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Talbot Express | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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