Der Taiwan-Konflikt ist die Bezeichnung für den Streit zwischen der Volksrepublik China und der Republik China über den Status der Insel Taiwan, der seit Mitte des 20. Jahrhunderts immer wieder aufflammt. Des Weiteren erheben beide Staaten Anspruch auf das Recht der internationalen Allein-Vertretung Chinas. Die VR China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz, während sich die Republik China auf Taiwan als souveränen Staat sieht. In den 50er-Jahren wurde der Taiwan-Konflikt militärisch ausgetragen und verfestigt, ab den 80ern folgte ein Prozess einer sehr langsamen Annäherung, der hauptsächlich auf wirtschaftlichen Interessen basierte. Momentan gibt es wieder vermehrt Anzeichen für eine Verschärfung des Konfliktes, die auch erneut zu militärischen Aktionen führen könnte.
Taiwan-Karte.png mit den früher umkämpften Quemoy- und Matsu-Inseln]]
Unter der japanischen Herrschaft entwickelte sich die Insel dynamisch, was zu einem wirtschaftlichen Vorsprung gegenüber dem Festland führte. Die Wertschöpfung der taiwanischen Industrie stieg bis zum Ende der japanischen Herrschaft 1945 um das 1600fache und stand damit in Asien nur noch der japanischen Industrie nach. Unter anderem erreichte auch das Gesundheitswesen einen der höchsten Standards im asiatischen Raum.
Nach der japanischen Kapitulation am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Taiwan wieder unter chinesische Verwaltung gestellt. Die Taiwaner begrüßten 1945 zunächst die von der nationalchinesischen Regierung entsandten chinesischen Beamten und Soldaten, obwohl sie das japanische Wirtschafts- und Verwaltungssystem als gut und für ganz China nützlich empfanden. Nach kurzer Zeit wurde jedoch deutlich, dass zwei verschiedene Welten aufeinander prallten: Das chinesische Festland war unterentwickelt und hatte unter großen Opfern den von Japan aufgezwungenen Krieg für sich entscheiden können. Taiwan hingegen hatte am wirtschaftlichen Aufschwung Japans teilgehabt und sah sich nun als Vertreter einer fortschrittlichen, materiellen Zivilisation, die ein Vorbild für ganz China sein sollte. Die Festlandchinesen waren befremdet, weil die Taiwaner Teile der japanischen Lebensweise übernommen hatten und viele nicht auf Hochchinesisch mit ihnen kommunizieren konnten. Das waren mitunter auch Gründe dafür, dass sich die Chinesen auf Taiwan wie Besatzer in einem fremden Land verhielten und nicht wie Befreier einer zu ihnen gehörenden Insel. So wurde ursprünglich japanischer Besitz beschlagnahmt und von der Insel auf das Festland gebracht. Dieses Verhalten ließ bei den Einheimischen Ressentiments gegenüber den Festlandchinesen entstehen, die zudem durch Willkürjustiz verstärkt wurden.
So kam es am 28. Februar zu einer gewaltigen Demonstration, nachdem am 27. Februar 1947 festländische Beamte des chinesischen Monopolamtes eine taiwanische Straßenhändlerin zusammengeschlagen und dann in die sie einkreisende Menge geschossen hatten. Als vom Dach des Amtsgebäudes des Gouverneurs aus auf die Demonstranten geschossen wurde, kam es zur Eskalation: Festlandchinesen wurden von aufgebrachten Taiwanern angegriffen und manche auch getötet. Zur Lösung dieses Gewaltausbruches wurden taiwanische Vertretungskörperschaften gebildet, die sich um eine Schlichtung des Konfliktes bemühten. Sie entwarfen ein Grundsatzprogramm zur Regelung der Zwischenfälle. Es sah als Gründe der Eskalation vor allem die Entfremdung zwischen Volk und Regierung, die Korruption, die ungleiche Entlohnung von Taiwanern und Festlandchinesen und die Übertragung ehemalig japanischen Vermögens in Staatsbesitz. Um die Situation zu beruhigen und weitere Zusammenstöße zu verhindern, schlug das Programm die Entwaffnung der Regierungstruppen vor. Außerdem sollten keine weiteren Soldaten vom Festland angefordert werden, um den Zwischenfall mit Gewalt zu regeln. Chiang Kai-shek, der Präsident der Republik China, die zu diesem Zeitpunkt noch Gesamtchina vertrat, akzeptierte die Vorschläge der taiwanischen Vertretungskörperschaften jedoch nicht. Stattdessen entsandte er weiteres Militär nach Taiwan. Obwohl diesen Truppen Vergeltung verboten worden war, verübten sie Massaker aus Rache und zur Abschreckung, denen auch völlig Unbeteiligte zum Opfer fielen.
Der Kriegsminister der nationalchinesischen Regierung Bai Chongxi empfahl Anfang April 1947 die Bildung einer Provinzverwaltung auf Taiwan, die nach dem Vorbild anderer Provinzen mit Einheimischen besetzt werden sollte. Anstatt eines militärischen Befehlshabers wurde nun ein Zivilist Gouverneur. Taiwaner bekamen die Chance, Beamte zu werden und der Staat zog sich weiter aus der Wirtschaft Taiwans zurück. Außerdem wurde eine neue Kulturpolitik eingeführt, die darauf ausgerichtet war, den Taiwanern die chinesische Kultur näher zu bringen und ihnen zu zeigen, dass sie ein Teil dieser Kultur sind.
Die Küsteninseln hatten zudem eine große psychologische Bedeutung. Sie waren der letzte Teil Festlandchinas, der von den Nationalchinesen kontrolliert wurde, und nährten die Hoffnung auf eine Rückkehr. Für die Kommunisten waren diese Inseln das demütigende Symbol dafür, dass sie die Kuomintang auf dem Festland nicht vollständig besiegen konnten, und bedeuteten zudem strategische Hindernisse für die Schifffahrt und eine Gefährdung der Sicherheit der Küstenregion. Eine zusätzliche Demütigung für die Volksrepublik China war auch, dass 70% der sich in der Gewalt von US- und UN-Truppen befindlichen, chinesischen Kriegsgefangenen im Koreakrieg die Rückkehr ablehnten und nach Taiwan übersiedelten.
Peking verfolgte mit dem Angriff drei voneinander unabhängige Ziele:
Die Kampfhandlungen nahmen mit der Eroberung der nördlichsten Yijang-Shan-Insel durch die Volksbefreiungsarmee am 20. Januar 1955 eine Wendung zugunsten der Volksrepublik. Mit Hilfe der USA konnte die Republik China diese Insel evakuieren.
Beide Seiten konnten in diesem Konflikt Erfolge verbuchen. So gelang es der Volksrepublik China die Kuomintang von den nördlichen Küsteninseln zu vertreiben, diese konnten jedoch die beiden strategisch wichtigsten Inselgruppen, die Quemoy- und die Matsu-Inseln, verteidigen.
Die USA entschlossen sich nach längeren Überlegungen dazu, den taiwanischen Versorgungskonvois Begleitschutz durch Kriegsschiffe und die Luftwaffe zu geben. Mit dem Schutz der Konvois verhinderten die USA einen Gegenangriff der Republik China. Chiang Kai-shek drohte nämlich mit einem solchen für den Fall, dass die Vorräte auf den Inseln aufgebraucht gewesen wären. Außerdem gewährten die Vereinigten Staaten Taiwan Militärhilfen in Form von Kampfflugzeugen und anderem militärischem Material. Die Volksrepublik China erhielt ihrerseits Unterstützung in Form von Waffenlieferungen aus der Sowjetunion. Der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow billigte zwar Chinas Maßnahmen zur Befreiung der Küsteninseln, da die USA den Konflikt provoziert hätten und die Vertretung Chinas in der UN durch die Volksrepublik behindern würden. Trotzdem vermied er eine direkte Beteiligung der UdSSR an dieser Auseinandersetzung, was auch dazu beitrug, dass die Volksrepublik China trotz des großen Militäraufwandes nicht die Kontrolle über die Inseln erlangte. Denn um dieses Ziel zu erreichen hätte die Volksrepublik China mit den USA Krieg führen müssen, wozu sie aber noch nicht in der Lage gewesen wäre.
Somit schaffte es Nationalchina mit amerikanischer Unterstützung die umkämpften Küsteninseln diesmal ohne weitere Gebietsverluste zu halten. Bei Verhandlungen mit Chiang Kai-shek wiesen die USA jedoch darauf hin, dass die Republik China alles daran setzen sollte einen Waffenstillstand mit der Volksrepublik China zu vereinbaren. Ansonsten würde sie aufgrund der Gefahr des chinesischen Bürgerkrieges für den Weltfrieden international isoliert sein. Die Vereinigten Staaten von Amerika verwiesen auf das Beispiel der Bundesrepublik Deutschland, die zwar auch die Wiedervereinigung anstrebte, dies jedoch nur mit friedlichen Mitteln tat.
Der Plan bestand darin, zwei Städte auf dem Festland durch Luftlandekräfte einzunehmen und so eine Erhebung des Volkes gegen die Kommunisten auszulösen.
Taiwan war in einem Verteidigungsabkommen mit den USA allerdings dazu verpflichtet alle offensiven Schritte gegen die Volksrepublik China mit den Vereinigten Staaten abzustimmen. Da die USA aber keinen Angriff auf das chinesische Festland unterstützten und deshalb unter anderem Kerosin-Lieferungen an die nationalchinesische Luftwaffe stoppten, scheiterte der Plan schon vor seiner Ausführung.
Im Gegensatz dazu unterhielt die Volksrepublik China 1999 diplomatische Beziehungen zu 161 Staaten, darunter die Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA. Die Republik China versucht mit der so genannten "Dollar-Diplomatie" ihre außenpolitische Position zu stärken, indem sie armen Ländern Entwicklungshilfe gewährt und diese Taiwan dafür diplomatisch anerkennen. Dieses Verhalten führte schon mehrmals zu Auseinandersetzungen mit der Volksrepublik China und die dadurch gewonnenen Partner haben nicht die Macht, sich für Taiwans Interessen international einzusetzen.
Welchen Kampf sich die Volksrepublik China und die Republik China um die diplomatischen Beziehungen liefern, kann man am Beispiel Nauru gut erkennen. Am 21. Juli 2002 brach Nauru die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan ab und nahm offizielle Beziehungen mit der Volksrepublik China auf. Diese zahlte Nauru wohl einen zweistelligen Millionenbetrag, um sich dessen Unterstützung sicher zu sein. 2003 erklärte sich China außerdem bereit, die Schulden Naurus bei der Export-Import Bank of the United States in Höhe von 2,7 Millionen Dollar wegen des Kaufes einer Boeing 737 zu übernehmen. Im März 2005 unterstützte daraufhin der Präsident Naurus Ludwig Scotty die Bemühungen der Volksrepublik China im Bezug auf die Wiedervereinigung mit Taiwan. Am 14. Mai 2005 nahm Nauru wieder diplomatische Beziehungen zu Taiwan auf, da die Volksrepublik China nicht wie zugesagt die Schulden Naurus beglichen hatte. Zudem sicherte Taiwan Entwicklungshilfe zu. Im Gegenzug versprach Nauru die Unterstützung Taiwans bei Beitrittgesuchen an Internationale Organisationen.
Taiwan bemüht sich darum, die diplomatische Isolation zu überwinden. Die Republik China ist de facto ein souveräner Staat, scheiterte aber vor kurzem auch mit einem erneuten Versuch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Beobachter beizutreten am Widerstand der Volksrepublik. Um politischen Diskussionen vom Anfang an den Boden zu entziehen, hatte sich Taiwan unter dem Namen Health Entity beworben.
Ein weiteres Beispiel für die internationale Isolation der Republik China ist ihr Problem, U-Boote zu beschaffen. Von den zur Zeit vier U-Booten der Republik China stammen zwei noch aus dem Zweiten Weltkrieg. Die anderen beiden sind Boote der Hai-Lung-Klasse, die in den 1980er-Jahren in den Niederlanden hergestellt wurden. Die Republik China hatte zwar Interesse am Kauf weiterer U-Boote dieses Typs, aber aufgrund von Druck, den die Volksrepublik China auf die Niederlande ausübte, wollten diese keinen weiteren Lieferungen mehr zustimmen. In der Folge versuchte die Republik China deutsche U-Boote der Klasse 209 zu erwerben. Der Bundessicherheitsrat, der sich auch schon gegen die Lieferung von Fregatten und Korvetten an Taiwan ausgesprochen hatte, lehnte das im Januar 1992 jedoch ab. Nach diesen beiden Absagen fragte die Republik China auch bei anderen Ländern wie Frankreich, das schon Fregatten der Kang-Ding-Klasse lieferte, an, stieß jedoch nur auf weitere Ablehnung. Im Juni 2001 kam es zu Verhandlungen über die lizenzierte Produktion von U-Booten der Kilo-Klasse direkt auf Taiwan mit russischen Geschäftsleuten. Das Geschäft kam jedoch nicht zum Abschluss.
Aufgrund dieser Lage gab es die Idee, gebrauchte U-Boote zum Beispiel von Südafrika zu erwerben oder den Kauf neuer U-Boote über Mittelsmänner abzuwickeln. Diese Ideen wurden jedoch nicht umgesetzt.
Die Volksrepublik China hoffte, dass der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Taiwan durch die USA und Japan Anfang der 1970er-Jahre die Kuomintang entmutigten sowie kompromiss- und kapitulationsbereit machen würde, woraufhin sie Vorschläge zur Wiedervereinigung machte, die auf der Annahme, die Volksrepublik sei der Rechtsnachfolger der Republik China und der "Ein Land - Zwei Systeme"-Theorie basierten.
"Ein Land - Zwei Systeme" bedeutete aber nicht, dass beide Systeme auf derselben Ebene in einem geeinten China koexistieren würden, sondern dass das kommunistische System der Volksrepublik dem taiwanischen System übergeordnet sein sollte. Peking lehnte die Selbstbestimmung Taiwans ab. Zudem bekämpfte die Volksrepublik China jeden Versuch Taiwans, der UN oder einer anderen internationalen Organisation beizutreten. Da die Vorschläge die komplette politische Selbstaufgabe der Republik China und somit der Kuomintang beinhalteten, verfolgten sie die Politik des dreifachen Neins, was bedeutete: keine offiziellen Kontakte, Gespräche oder Kompromisse.
Im Zuge der Demokratisierung fällte der Rat der Obersten Richter ein Urteil, welches das 1947 noch gesamtchinesisch bestimmte Lange Parlament auflöste. Das Parlament, dessen Mitglieder im Durchschnitt zu diesem Zeitpunkt 82 Jahre alt waren, amtierte fast 40 Jahre ohne Neuwahlen, um den gesamtchinesischen Vertretungsanspruch nicht zu verlieren. Somit bedeutete die Auflösung die Schaffung einer rein taiwanischen Legitimationsbasis der Republik China. In diesem Zusammenhang begann diese nun eine aktivere Festlandpolitik, welche die Beziehungen weiter normalisieren sollte. Im Februar 1991 verabschiedete die taiwanische Regierung die Richtlinien für die nationale Wiedervereinigung, die besagen, dass das Ziel der taiwanischen Festlandpolitik der gemeinsame Aufbau einer demokratischen, gesamtchinesischen Staats-, Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung sei. Im Gegensatz zur weiterhin durch die Volksrepublik vertretenen Ein-China-Politik entwickelte sich in Taiwan die Zwei-Staaten-Theorie, die vorsieht, dass Festlandchina und Nationalchina normale bilaterale Beziehungen unter souveränen Staaten aufnehmen. Als Vorbild für diese Theorie diente unter anderem die Beziehung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, zwei souveräner Staaten, die zusammen das eine Deutschland bildeten. Die Volksrepublik China reagierte auf diese Idee mit der Androhung eines Militärschlages und der Bekanntmachung, dass sie eine Neutronenbombe besitze.
Der Umstand, dass die Republik China ihre eigene Flagge, Hymne, Währung, Pässe und auch Schulbücher besitzt, zeigt die eigene Identität, die sich grundlegend von der Identität der Volksrepublik China unterscheidet.
Hauptartikel: Ein-China-Politik
Es blieb nicht nur bei Protesten seitens Pekings, sondern es gab auch Drohmanöver der chinesischen Marine und Luftwaffe. In den Jahren 1995 und 1996 wurden Sperrzonen vor den taiwanischen Haupthäfen errichtet. Während der ersten freien Präsidentschaftswahl auf Taiwan im März 1996 verletzte die Volksrepublik China absichtlich die taiwanischen Hoheitsgewässer, was auch fremde Mächte von einer Intervention abschrecken sollte. Trotzdem entsandten die USA von Kampfverbänden begleitete Flugzeugträger in die Nähe der Insel Taiwan und bewegten damit China zur Beendigung der Krise.
Im Frühjahr 2005 gab es für drei Wochen zum Frühlingsfest nach 56 Jahren erstmals wieder Direktflüge vom chinesischen Festland nach Taiwan. Anstatt der sonstigen Landungen in Hongkong oder Macau konnten die Maschinen nun einfach über diese Orte fliegen, die praktisch eine Schleuse für den Flugverkehr bilden. Vorher waren diese direkten Flüge nicht möglich, weil die nationalchinesische Regierung Bombenangriffe befürchtete. So hätten chinesische Bomber als Passagiermaschinen getarnt werden oder so hinter solchen fliegen können, dass sie nicht auf dem Radarschirm aufgetaucht wären. Um die Taiwaner nicht zu verärgern, hatte die staatliche Fluglinie der Volksrepublik China sogar die Hoheitszeichen übermalt. Man kann diesen Vorgang aber nicht als Zeichen von Entspannung werten, weil nicht Diplomaten sondern die Airlines selbst über die Nonstop-Flüge verhandelt haben. Auch 2006 gab es die Direktflüge drei Wochen lang zum Frühlingsfest.
Auf Druck von Wirtschaftskreisen betreibt die aktuelle nationalchinesische Regierung eine aktivere Politik der Öffnung gegenüber der Volksrepublik China als die Kuomintang vorher. Dadurch ist aber auch der innenpolitische Konflikt, ob diese Öffnung nicht schon viel zu weit ginge, bedingt. Teilweise wird der Regierung vorgeworfen, sie würde Taiwan der Volksrepublik China ausliefern.
Mit den freien und demokratischen Parlamentswahlen 1995 und 1998 entwickelte sich eine Drei-Parteien-Demokratie aus Demokratischer Fortschrittspartei, der Neuen Partei und Kuomintang. Diese Parlamentswahlen gewannen die Kuomintang jeweils mit einer einfachen Mehrheit. Auch die ersten freien Präsidentschaftswahlen auf Taiwan gewann mit Lee Teng-hui ein Politiker der Kuomintang. Sie behielten ihre Ausrichtung auf eine Wiedervereinigung mit China bei. Die sich in der Opposition befindende Demokratische Fortschrittspartei forderte dem entgegen die vollständige Aufgabe der Ein-China-Politik, eine auf Taiwan zugeschnittene Verfassung und die Aufnahme Taiwans als unabhängigen Mitgliedsstaat in die Vereinten Nationen.
Im März 2000, bei den zweiten freien Präsidentschaftswahlen, wurde mit Chen Shui-bian erstmals ein Politiker Präsident der Republik China, der nicht den Kuomintang angehörte und sich für die Unabhängigkeit Taiwans einsetzte. Im Jahr 2000 war auch ein weiterer deutlicher Stimmungsumschwung zu erkennen: Nur noch 12% der Taiwaner definierten sich als Chinesen, während es sechs Jahre früher noch 48% taten.
Die schrittweise Verlagerung von gesamtchinesischen zu taiwanischen Interessen bereitete den Kuomintang Probleme, weil sie somit ihr politisches Hauptziel, dass sie seit ihrer Gründung verfolgt hatten - die (Wieder-)Vereinigung Gesamt-Chinas - praktisch aufgeben mussten.
Der Prozess der Demokratisierung auf Taiwan, aber auch die starke Entspannung zwischen den beiden Chinas, sorgten dafür, dass die Republik China ihre Rüstungsausgaben von 1/3 des Staatshaushaltes auf 15% senkte.
Gegen den Willen der Volksrepublik China löste der taiwanische Präsident Chen Shui-bian am 27. Februar 2006 den Nationalen Wiedervereinigungsrat auf. Der Rat wurde 1990 als Zugeständnis an die Volksrepublik gegründet, um den Willen Taiwans zur Wiedervereinigung zu beweisen. Die Auflösung wird als Schritt zur Unabhängigkeit angesehen und deswegen von China und auch den USA verurteilt.http://www.roc-taiwan.de/policy/20060313/2006031301.html
In den letzten zwei Jahren verlagerte sich die Zielsetzung der Volksrepublik China von der Wiedervereinigung hin zur Verhinderung der Unabhängigkeit Taiwans. http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/China/taiwan.html Mit dieser Verlagerung wird auch die Einstufung Taiwans als abtrünnige Provinz abgemildert, da die Volksrepublik bereit ist, den jetzigen Status noch längere Zeit aufrecht zu erhalten. Sie setzt vor allem auf einen Sieg der Kuomintang bei den taiwanischen Parlamentswahlen 2008, da diese Verhandlungen mit der Volksrepublik anstreben und sich für stärkere direkte Wirtschaftsbeziehungen einsetzen.
Die Online-Suchmaschinen Google und Yahoo! haben sich der Politik der Volksrepublik China angepasst. So werden Ergebnisse zu Stichwörtern wie Unabhängigkeit, Opposition, Tibet, Dalai Lama und auch Taiwan blockiert. http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5427356_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html
Die Einstellung der USA gegenüber Taiwan änderte sich erst mit dem Beginn des Koreakrieges (1950-1953). Der amerikanische Präsident Truman äußerte die Annahme, der Krieg in Korea würde von Peking und Moskau ausgehen und entsandte die siebte Flotte zum Schutz von Taiwan, weil eine Besetzung Taiwans durch die Kommunisten unter diesen Umständen eine direkte Bedrohung der amerikanischen Interessen und Streitkräfte im pazifischen Raum bedeutet hätte. Die USA befahlen der Republik China die Kampfhandlungen gegen die 1949 gegründete Volksrepublik China einzustellen und versprachen eine Regelung des Statuses von Taiwan, wenn die Sicherheit wiederhergestellt sein würde. Demnach hing der politische Status von Taiwan dann davon ab, ob es zu einem Friedensvertrag mit Japan oder einer Stellungnahme der Vereinten Nationen käme. Das Verhalten der USA rief sowohl in der Volksrepublik China als auch auf Taiwan Kritik hervor, obwohl die Intervention Amerikas im Koreakrieg der nationalchinesischen Regierung auf Taiwan das Überleben ermöglichte, da sie es vor einer Invasion der Volksrepublik schützte.
Die USA unterstützten die Republik China mit militärischer Ausrüstung, insbesondere für die Marine. So erhielt die Marine der Republik China in den 1950er-Jahren amerikanische Landungsboote, Fregatten und Zerstörer, die vor dem Hintergrund des Kampfes um die Küsteninseln und den Plan zur Rückeroberung des Festlandes eine besondere Bedeutung hatten. http://globaldefence.net/defence/artikel___analysen/artikel___analysen/die_marine_der_republic_of_china___eckpfeiler_der_taiwanesischen_sicherheitspolitik_17_34.html
Richard Nixon schätzte 1967 die Lage so ein, dass die USA nicht die Rolle eines "Weltpolizisten" erfüllen könne. Deswegen wollte Amerika eine neue Taktik in den Beziehungen zur Volksrepublik China anwenden, die auf die Beendigung der Isolation der Volksrepublik und Schaffung eines Chinas, das ein verantwortliches Mitglied der Staatengemeinschaft würde, hinauslief.
Höhepunkte dieser Politik waren die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und den USA am 1. Januar 1979, sowie die Aufnahme der Volksrepublik China als Vertreter Chinas in die Vereinten Nationen.
Weil der US-Präsident Richard Nixon auf seinem China-Besuch von einem Tischtennisteam begleitet wurde, wird die amerikanische China-Politik dieser Zeit Ping-Pong-Diplomatie genannt.
Trotz der Anerkennung der Volksrepublik China stationierten die USA während des Vietnamkrieges weiterhin Truppen auf Taiwan.
Zur Kampfgruppe um die Independence gehörten:
Die Nimitz wurde eskortiert von:
Unter US-Präsident Bill Clinton wurde festgelegt, dass der Taiwan Relations Act die Beziehungen der USA zu Taiwan regelte. Damit hatte er einen größeren Stellenwert im Bezug auf die Chinapolitik als die Communiques mit der Volksrepublik China.
Im Zuge der Umstrukturierung der US-amerikanischen Streitkräfte, die im Ausland stationiert sind, sollen sechs Angriffs-U-Boote auf Guam und zwei Flugzeugträger auf japanischen Stützpunkten stationiert werden. Wenn es zu einem neuen militärischen Konflikt in der Taiwanstraße kommen sollte, könnten dann die US-Streitkräfte schneller vor Ort eingreifen.
Englisch:
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"Taiwan-Konflikt".
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