Taiichi Ohno (* 29. Februar 1912 , † 28. Mai 1990) ist der Erfinder des Toyota-Produktionssystems. Er entwickelte die heutigen logistischen Basismethoden Kanban-System und Just in Time in den Jahren von 1950 bis 1980.
Taiichi Ohno wurde 1912 in der Mandschurai in China geboren. Studiert hat er am Nagoya Institute of Technology. Zu Toyota kam er 1932. In den 50er Jahren wurde er Produktionsleiter im Stammwerk von Toyota. 1956 reiste er mit Eiji Toyoda, dem damaligen Präsidenten von Toyota nach Detroit, um die Automobilfabriken Ford Motor Company und General Motors zu besichtigen. Der Schmutz, die Materialgebirge, die kurzen Taktzeiten und die enorme Arbeitsgeschwindigkeit der Werker waren für die Japaner eher abschreckend. Sie haben sehr schnell verstanden, dass sie das System, das sie hier gesehen haben, in ihren Fabriken in Japan nicht einführen werden.
Wesentlich mehr beeindruckt waren sie von dem Supermarkt neben ihrem Hotel. Selbstbedienung gab es in Japan damals noch nicht und so waren sie sehr daran interessiert, zu sehen, wie das Ganze funktioniert. An der Kasse fragten sie die Kassiererin, was mit dem Zettel passiert, den sie von der Ware abnimmt, bevor der Kunde die Ware in seine Einkaufstasche steckt.
Die Kassiererin wusste es auch nicht und rief den Filialleiter. Dieser erklärte dann, dass die Zettel einmal pro Stunde an den Kassen eingesammelt und ins Lager gebracht werden. Die Lagermitarbeiter sehen auf dem Zettel, wo sie die Ware im Lager finden und an welche Stelle im Verkaufsregal sie diese bringen müssen.
Bei Taiichi Ohno hat es sofort geklingelt - er hatte gerade das Materialversorgungssystem für seine Fabrik gefunden. Der Warenzettel erhielt den Namen Kanban und das Kanbansystem war geboren. Das Kanbansystem ist der Schlüssel des Toyota-Produktionssystems, das über Jahrzehnte von Taiichi Ohno und seinem externen Berater Shigeo Shingo weiterentwickelt wurde. Shingo war der Spezialist für die Reduzierung der Maschinenrüstzeiten, dem zweiten wichtigen Element des Toyota-Produktionssystems.
Ohno hat das Produktionssystem von Henry Ford sehr genau analysiert und schnell erkannt, dass dieses System der Massenproduktion für kleine Stückzahlen in großer Varianz nicht geeignet ist. Für Ohno standen die Menschen in der Fabrik im Mittelpunkt. Die Fertigung musste effizient sein, aber die Werker, die die Maschinen bedienen, verdienen Respekt und haben das Recht auf eine sinnvolle Aufgabe. Ohno hat in den Werkern nicht nur diejenigen gesehen, "die die Schrauben reindrehen". Vielmehr hat er die Werker ermuntert, alles zu reklamieren, was ihnen an ihrem Arbeitsablauf nicht gefällt und Vorschläge zu machen, wie man die Abläufe verbessern kann. D.h. er hat von den Werkern verlangt, dass sie über das nachdenken, was sie bei ihrer Arbeit tun.
Dies ist ein gravierender Unterschied zu Fords Produktionsphilosophie. Bei Ford waren die Arbeitsumfänge so minimalisiert, dass der Werker nicht mehr denken musste. Hier gab es nur eine Devise und die hieß "Bewegt das Blech!" Ohno hat seinen Werkern die Möglichkeit gegeben, das Fließband anzuhalten, wenn es ein Problem gab und das Problem an Ort und Stelle nachhaltig zu lösen.
Taiichi Ohno ist der Vater des Toyota-Produktionssystems, dem er sich bis ins hohe Alter gewidmet hat. Nach seiner Pensionierung bei Toyota wurde er Chairman bei Toyoda Gosei, einem Zulieferer von Armaturentafeln, Lenkrädern und anderen Teilen für Toyota. Hier hat er noch einmal all das, was er teilweise experimentell über Jahrzehnte in den Toyotafarbiken entwickelt hat, im Zeitraffer zum Einsatz gebracht.
Ohnos Ideen hat Toyota seinen Welterfolg zu verdanken. Er hat der Welt gezeigt, wie man große und kleine Stückzahlen in hoher Varianz effizienter produziert, bei ständiger Verbesserung der Qualität trotz gleichzeitiger Senkung der Kosten.
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