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Die Tabula Peutingeriana, auch Peutingersche Tafel, ist eine Karte, die das Straßennetz (Römerstraße) im spätrömischen Weltreich von den britischen Inseln über den Mittelmeerraum und den nahen Osten bis nach Indien mit dem Ganges, der Insel Sri Lanka (Insula Trapobane) im Indischen Ozean und China wiedergibt.
Die spätrömische Straßenkarte ist nicht im Original, sondern nur in einer einzigen mittelalterliche Kopie aus dem 12. Jahrhundert erhalten geblieben. Diese im wesentlichen originalgetreu gefertigte Nachzeichnung der römischen Straßenkarte stammt wahrscheinlich aus dem Skriptorium des Klosters Reichenau. Ob die Nachzeichnung aber direkt dem spätantiken Original entsprechend oder über den Umweg eines karolingischen Zwischenglieds geschaffen wurde, ist heute nicht mehr eindeutig festzustellen. Im Kloster Reichenau - oder einer anderen süddeutschen Klosterbibliothek - könnte der Wiener Humanist Conrad Celtis (alias Konrad Bickel) (1459-1508) die Handschrift um 1507 entdeckt und anschließend in Augsburg an seinen Freund Konrad Peutinger (1465-1547) übergeben haben. Peutinger bewarb sich dann um die kaiserliche Druckerlaubnis und bereitete eine Edition vor; dazu kam es aber erst 1598 durch den Augsburger Marcus Welser, einen Verwandten der Familie Peutinger, der zusammen mit Abraham Ortelius in Antwerpen die erste Ausgabe drucken ließ. Danach blieb die Tabula wieder unbeachtet, bis sie 1720 auf Umwegen an Prinz Eugen von Savoyen und nach dessen Tod 1736 mit seiner gesamten Bibliothek in die Kaiserliche Hofbibliothek zu Wien gelangte. 1863 wurde die Tabula in der Österreichischen Nationalbibliothek aus konservatorischen Gründen in ihre Einzelsegmente zerlegt und zunächst zwischen Glasplatten aufbewahrt, die dann 1977 durch Acrylplatten ersetzt wurden.
Die Tabula Peutingeriana bestand ursprünglich aus einer Pergamentrolle, ca. 675 cm lang und ca. 34 cm breit, die heute in 11 Segmente zerlegt ist; das erste von ursprünglich 12 Segmenten war nicht mehr vorhanden. Das ursprünglich zweite Segment der Tabula zeigt die Britischen Inseln, die Niederlande, Belgien, einen Teil Frankreichs und den Westen Marokkos; die Tatsache, dass die Iberische Halbinsel auf keinem der Blätter vorhanden ist, lässt vermuten, dass es ein erstes, heute verlorenes Segment gegeben hat, auf dem die Gebiete Spaniens und Portugals sowie ein Teil Westenglands dargestellt waren.
Die Karte ist mit brauner Tinte gezeichnet; die Staßenverbindungen sind mit roten Linien, die Städtenamen und Entfernungsangaben mit dunkler Tinte eingetragen. Die Beischriften in karolingischen Minuskeln des 12. Jh. deuten auf ein süddeutsches Skriptorium hin. Das Waldgebirge des Schwarzwalds wird als Silva Marciana bezeichnet. Weil dieser Terminus im 4. Jh. nur bei Ammianus Marcellinus und der Tabula einerseits und dem Reichenauer Chronisten Herrmannus Contractus im 11. Jh. andererseits vorkommt, ist gefolgert worden, dass die Vorlage der Tabula im Kloster auf der Reichenau verwahrt worden war, wo in einem Bücherverzeichnis des 9. Jh. dementsprechend auch eine Mappa mundi in duobus rotulis bezeugt ist, was der Tabula mit den ehemals 12 Segmenten entsprechen würde.
Für den südwestdeutschen Raum hat die Tabula noch eine besondere Bedeutung: Das Gebiet des Imperium Romanum wird bis zu seiner Nordgrenze dargestellt und darüber hinaus nur noch ein schmaler Landstreifen östlich des Rheins. Am rechten Ufer des Oberrheins sind die Namen ALAMANNIA für das Siedlungsgebiet der Alemannen und Silva Marciana für den Schwarzwald eingetragen. Zeichnerisch wird der Schwarzwald dargestellt als Bergkette mit phantasievoll geformten "vorsintflutlichen Gewächsen" und "pinienförmigen Bäumen", die den Schwarzwald als unbesiedeltes und schwer zugängliches Gebiet kennzeichnen sollen. Von den am Rhein gelegenen Städten sind nur die linksrheinischen mit ihren römischen Namen vermerkt.
Die Karte ist heute von großer kulturhistorischer Bedeutung, da auf ihr zahlreiche Orte eingezeichnet sind und sie die Besiedlung und die Verkehrsachsen der damaligen Zeit wiedergibt. Sie zeigt über 200.000 Kilometer Straßen, aber auch Ortschaften, Meere, Flüsse, Waldgebiete und Gebirge. Aufgrund ihres Formats können Entfernungen und Landschaften nicht realistisch wiedergegeben werden, was auch nicht vom Autor beabsichtigt war. Die Tabula muss vielmehr als stilisierte Karte gesehen werden, ähnlich den heutigen Nahverkehrsplänen. Sie diente der Übersicht über das vorhandene Straßennetz und sollte außerdem die Entfernungen zwischen zwei Orten erkennen lassen.
Etwa 555 Städte und Dörfer sowie 3500 weitere geografische Objekte, z. B. Leuchttürme und wichtige Heiligtümer sind eingezeichnet, häufig mit kleinen Abbildungen versehen. Städte werden durch zwei Häuser gekennzeichnet, Metropolen wie Rom, Konstantinopel und Antiochia durch eine große Vignette.
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