Pipa savinelli.jpg Die Tabakspfeife ist ein Rauchinstrument, in dem in einer Brennkammer Tabak verbrannt und der Rauch durch ein Mundstück in den Mund aufgenommen wird. Die Tabakspfeife ist fast so lange bekannt wie das Tabakrauchen selbst und Bestandteil vieler nord- und südamerikanischer Kulturen. Das Pfeifenrauchen war neben dem Tabakschnupfen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die verbreitetste Art, Tabak zu konsumieren. Mittlerweile sind Tabakspfeifen und Pfeifenraucher durch die Verbreitung von Zigaretten und Zigarren in den Hintergrund gerückt.
In der Zeit vor Christoph Kolumbus war das Pfeifenrauchen im gesamten nördlichen Amerika bekannt, lediglich die Inuit sollen diese Sitte erst 100 Jahre nach Kolumbus übernommen haben. Meistens wurden die damaligen Pfeifen aus Holz, Horn, Catlinitstein oder Keramik hergestellt.
Die Friedenspfeife (Lakota: Chanunpa Wakan) ist noch heute ein bekanntes und gebräuchliches Symbol für eine Streitschlichtung. Die Friedenspfeife wurde früher „heilige Pfeife“ genannt und diente mehreren indianischen Ethnien, wie zum Beispiel den Lakota-Indianern, zum Gebet. Die „heilige Pfeife“ wurde auch zu Friedensabschlüssen, zur „Besiegelung“ von Freundschaften und während des Abschlusses von Verhandlungen, Geschäften und Verträgen geraucht. Daher prägten die weißen Einsiedler, die in diesen Zusammenhängen mit dem Ritual in Berührung kamen, den Begriff Friedenspfeife.
In der Indianerkultur und deren Glaube hat jeder Teil einer Tabakspfeife eine spezielle Bedeutung. Der Pfeifenkopf, in der Regel aus Catlinitstein gehauen und geschnitzt, steht für „Mutter Erde“. Der Pfeifenstiel steht für das menschliche Ich und die Herkunft des Menschen. Das Pfeifenrohr wird aus dem Holz der Weißesche herstellt und stellt das Pflanzenreich dar.
Einwandererpfeifen.jpg Seit durch die Kulturaustausche mit den Indianern mit dem Tabak auch die Tabakspfeife aus der Neuen Welt nach Europa kam (die ältesten europäischen Pfeifenfunde stammen aus den Niederlanden und datieren in eine Zeit um 1620), haben sich bis heute keine großen Veränderungen an der Pfeifenherstellung ergeben. Jedoch verwendet man seit dem Ende des 19. Jahrhunderts auch Bruyèreholz zur Pfeifenherstellung und seit dem 20. Jahrhundert Maschinen für die Massenherstellung günstigerer Pfeifen.
Die typische Pfeifenform hat sich im Gegensatz zu den langen, dünnen Pfeifen der amerikanischen Ureinwohner stark verändert. Die Tabakspfeife wurde kürzer und kleiner, bekam einen größeren Kopf, kürzere Holme und gebogene Mundstücke. Die heute bekannte Tabakspfeifenform wird erst seit dem 18. Jahrhundert verwendet.
Die amerikanischen und europäischen Tonpfeifen blieben bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts das gebräuchlichste Rauchinstrument für Tabak und können durch die auf ihnen angebrachten Marken oder Aufschriften sehr exakt datiert werden. So können Tonpfeifen innerhalb einer archäologischen Grabung eine gute Datierungshilfe sein.
In den Niederlanden (vor allem die Stadt Gouda ist hierfür bekannt) wurden bis etwa 1900 lange, schmale Tonpfeifen geraucht. Auf den Gemälden Jan Steens, Johannes Vermeers und anderer Meister aus dem 17. Jahrhundert sind sie oft abgebildet. Die Abbildung einer Pfeife hatte oft eine moralisierende Bedeutung. Sie galt, wie der Weinbecher und die Seifenblase, als Sinnbild der Unmäßigkeit oder der Eitelkeit.
Im Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach findet sich ein Loblied Johann Sebastian Bachs auf seine „Tobackspfeife“, in der er sich selbst mit dieser identifiziert und vergleicht.
Von vielen Leuten (u.a. von J. R. R. Tolkien) wird das Pfeifenrauchen, im Gegensatz zum Zigaretten- oder Zigarrenrauchen, als eine „Kunst“ bezeichnet, da das erfolgreiche Rauchen einer Pfeife dem Raucher ein nicht zu unterschätzendes Maß an Können und vor allem Erfahrung abverlange.
Der Pfeifenholm ist oft so gearbeitet, dass zwischen Kopf und Holm ein Aktivkohlefilter eingesetzt werden kann. Dieses System ist insbesondere in Deutschland vorherrschend. Jedoch sind auch filterlose Pfeifen oder Pfeifen mit anderen Filterformaten erhältlich. In vielen ausländischen Regionen und Staaten ist nur ein einziges bestimmtes Pfeifenformat erhältlich.
Der Tabakrauch wird von der Glutstelle durch den restlichen Tabak in den Holm gesogen, wo er eventuell gefiltert und durch das Mundstück in den Mund aufgenommen wird. Mundstücke, mit denen der Raucher die Pfeife mit den Zähnen im Mund halten kann, sind am weitesten verbreitet. Diese Form nennt man Normalbiss. Seltener sind Mundstücke, die so geformt sind, dass man die Pfeife sowohl mit den Lippen, als auch mit den Zähnen im Mund halten kann. Diese Mundstücke haben die etwas missverständliche Bezeichnung Lippenbissmundstück. Der entscheidende Unterschied ist, dass die Rauchöffnung nach oben in Richtung des unempfindlicheren Gaumens gerichtet ist. Bei Normalbissmundstücken ist sie auf die geschmacks- und temperaturempfindlichere Zunge gerichtet. Durch die Abwinklung zum Gaumen lassen sich Lippenbissmundstücke schlechter reinigen. Einige Pfeifenhersteller legen diese speziellen Mundstücke einer Pfeife als Bonus bei.
Pfeifenköpfe ohne Kittstellen zur Kaschierung von natürlich gewachsenen Holzfehlern sind besonders selten und teuer. Interessante Holzmaserungen werden Straight Grain, Cross Grain oder Birds Eye genannt. Ein Straight Grain ist eine Maserung aus geraden, parallelen und engen Linien. Cross Grains sind Linien, die sich zu schneiden scheinen und der Birds Eye ist ein charakteristischer kleiner Ring an einer Seite des Pfeifenkopfes oder am Holm, der an ein Vogelauge erinnert.
Pfeifen der unteren Preiskategorien haben meistens kaum eine erkennbare Maserung und sind zudem dunkel lackiert. Außer der glatten Oberfläche sind auch bearbeitete Oberflächen (rustiziert oder sandgestrahlt) bekannt. Zur Verzierung können an der Pfeife Applikationen aus Acryl, Edelhölzern oder Metallen wie Messing, Silber oder Gold angebracht sein.
Pipe2.jpg Bei den Formen wird zwischen klassischen Pfeifenformen und den frei gestalteten Freehandpfeifen, die Pfeifenmacher ohne Zuhilfenahme von Planungen oder Vorlagen entwickeln, unterschieden. Manche Pfeifenraucher kaufen preiswerte gebrauchte Pfeifen (Estatepfeifen), um sie nach ihren Bedürfnissen anzupassen, zu restaurieren, zu sammeln oder um eine günstige Pfeife zum Rauchen zu haben.
Heute wird, ohne Einbeziehung von Freehandpfeifen, zwischen zwanzig bis fünfzig Pfeifenformen unterschieden. Die bekanntesten und meistverkauften Formen sind die Billiard und die Bent.
Die Billiard-Pfeife ist eine zehn bis fünfzehn Zentimeter lange Pfeife mit geradem Holm und geradem Mundstück. Ohne Benutzung der Hände ist sie schwer im Mund zu halten und daher eher eine Pfeifenform für Pfeifenraucher, die während des Rauchens keiner anderen Beschäftigung nachgehen.
Lesepfeife.jpg Die Bent-Pfeife ist eine gute Wander- oder Lesepfeife. Sie lässt sich einfach mit den Zähnen im Mund halten und ist für viele Raucher durch den abgeknickten Holm und das gebogene Mundstück ästhetischer.
Tabakspfeife.jpg Die Pfeifenform hat kaum Einfluss auf den Geschmack des Tabaks. Wenn der Tabakrauch jedoch durch einen langen Holm und ein langes Mundstück gezogen wird, zum Beispiel bei Lesepfeifen, die ein langes Mundstück von ungefähr zwanzig Zentimetern haben, ist der Rauch kühler und wird als angenehmer empfunden.
Seltener hergestellt und daher sehr teuer sind Pfeifen aus den speziell gezüchteten afrikanischen Calabash-Kürbissen mit Meerschaumeinsatz. Glaspfeifen sind eher Kunstobjekte, wobei sie meistens zum Rauchen von Cannabis benutzt werden.
Pfeifentabak-front.jpg Traditionell sind „amerikanische“ oder „dänische“ Tabake leicht aromatisiert, während „englische“ Tabake auf einer Mischung von natürlichen Virginia-Tabaken und orientalischen, würzigen und stark bis sehr starken Tabaken basieren. Diese Länderbezeichnungen sind lediglich auf die Art des Tabaks und auf die Aromatisierung bezogen, nicht auf die Herkunft oder das Herstellungsland. Ein Großteil der Pfeifentabake des europäischen Marktes wird heute in Dänemark oder Außenstellen dänischer Firmen wie Orlik, Stanwell und MacBaren unter verschiedenen Markennamen produziert und exportiert. In Deutschland sind bekannte Hersteller Planta Berlin, Pöschl und Kohlhase & Kopp. Der auch vielen Nichtrauchern bekannte typische „Pfeifentabakgeruch“ stammt von den aromatisierten „dänischen“ Sorten. „Englische“ Pfeifentabake kommen von ihrem Rauchgeruch starken Zigarren gleich. Neben diesen zwei Formaten ist in den 1990er Jahren ein Trend in Richtung sehr stark aromatisierter Tabake entstanden, die meistens mit künstlichen Fruchtaromen versetzt werden.
Pfeifentabak ist in verschiedenen Press- und Schnittarten auf dem Markt. Fast jeder Tabak wird individuell gemischt und anschließend in großen Platten erhitzt, gepresst, aromatisiert und gereift. Anschließend wird er meistens in eine der folgenden Schnittarten verarbeitet:
Heute sehr verbreitet ist Pfeifentabak, bei dem die Blätter zunächst stark gepresst und anschließend aufgelockert verpackt werden. (ready rubbed mixture) So lässt sich der Tabak ohne große Vorbereitung rauchen und er brennt leichter. Es gibt auch Tabake, die, ohne vorher gepresst zu werden, in dünne oder breitere Streifen geschnitten werden. Diese sind allerdings, abhängig von der Blattbreite, etwas schwerer zu rauchen und eher etwas für fortgeschrittene Raucher. Die Mischungen werden in Weichpackungen (Pouches), meistens zu 50 Gramm, vereinzelt auch in 40-Gramm-Portionen, oder in luftdichten Dosen von 50 bis 500 Gramm angeboten.
Pfeifentabake kosten in Deutschland vier bis elf Euro je 50 Gramm. Hochwertige Tabake und Sondereditionen (Weihnachts- und Jubiläumstabake) können auf 50 Gramm umgerechnet zwischen acht und 20 Euro kosten.
Burley_tabacco_field.jpg Eine heute nur noch selten verarbeitete Tabakschnittart ist der Curly Cut. Als Curly Cut wird ein Tabak bezeichnet, dessen Mischung zu einem dünnen Strang gedreht und in kleine runde Scheiben geschnitten wird. Diese Scheiben können entweder in der Handfläche zerrieben werden, bevor sie geraucht werden oder ganz in die Pfeife gestopft werden.
Der ältere Flake Cut ist ein stark zusammengepresster Tabak, der in der Handfläche in die gewünschte Feinheit zerrieben und zerdrückt wird. Er kann auch lediglich passend geknickt in den Pfeifenkopf gegeben werden und auf diese Weise ganz geraucht werden. In der Herstellung wird der Tabakkuchen vor dem Pressen ohne weitere Aufbereitung in zwei Schneidevorgängen erst in Riegel, dann in rechteckige dünne Scheiben geschnitten und schließlich in einer luftdichten, rechteckigen Metalldose verpackt. Die Entstehung dieser Tabakpresskunst ist auf die Rationierung der Seemannsverpflegung in der Schifffahrt zurückzuführen. Da für jede Person auf dem Schiff nur beschränkt Lagerungsraum zur Verfügung stand, begann man den Tabak auf ein möglichst kleines Volumen zu komprimieren. So tragen heute noch viele Flake-Sorten einen Namen, der mit der Schifffahrt in Verbindung steht, beispielsweise Royal Navy Flake. Flakes halten die Feuchtigkeit länger als fertiggeschnittene Mixtures und haben einen intensiveren Geschmack.
Von einigen Tabakmanufakturen wird der ungeschnittene Tabakkuchen als Plug verkauft, von diesem muss sich dann der Pfeifenraucher jeweils seine Portion abschneiden.
Der Cube Cut ist eine selten verkaufte Schnittform, bei der verschiedene Tabakblattsorten aufeinander gelegt werden. Diese werden wie beim Flake gepresst und in kleine Würfelchen (cubes) von jeweils nur wenigen Kubikmillimetern geschnitten. Diese Schnittsorte ist ebenfalls schwer zu rauchen, da die kleinen Tabakwürfel nur schwer verbrennen.
Nach dem Rauchen sollte die Pfeife zum Abkühlen weggelegt werden. Nach etwa einer Viertelstunde sollte die Asche ausgeschüttet und die Pfeife sowie Mundstück mit Pfeifenreinigern gründlich gereinigt und der benutzte Filter weggeworfen werden.
Während Pfeifenrauch je nach Sorte und Zusätzen weniger kanzerogene Stoffe enthalten kann als Zigaretten, besteht dennoch eine nicht zu unterschätzende Gesundheitsgefahr. Bestandteile des Pfeifenrauches werden unter anderem mit dem Speichel verschluckt und mit der Mundschleimhaut aufgenommen. Das kann zu Tumoren im Verdauungssystem oder in der Blase führen.
Pfeifenreiniger.jpg Pfeifenraucher werden seltener abhängig als es bei Zigarettenrauchern der Fall ist. Das liegt daran, dass über die Mundschleimhaut nur wenig Nikotin aufgenommen wird. Allerdings kann man eine psychische Abhängigkeit (Gewohnheitssucht) unter Pfeifenrauchern beobachten.
Pfeifenrauchern wird eine ruhige Umgangsart zugeschrieben, die durch den rituellen, entspannten Charakter des Pfeifenrauchens unterstützt wird. Es existieren jedoch kaum seriöse Studien, die speziell die Gefährlichkeit des Pfeifenrauchens untersuchen, da eine größere Zahl der Bevölkerung Zigaretten und Zigarren raucht. Auch die Menge des Konsums bleibt unberücksichtigt, es werden pauschal Nichtraucher und Raucher unterschieden, obwohl es gerade bei Pfeifenrauchern eklatante Unterschiede bei der Häufigkeit und Intensität des Konsums und der Stärke des gerauchten Tabaks gibt.
2004 veröffentlichte die American Cancer Society eine Studie, die auf Daten von 15.000 männlichen Pfeifenrauchern in den USA beruhte. Die festgestellten Gesundheitsrisiken waren geringer als die des Zigarettenrauchens und ungefähr so groß wie beim Zigarrenrauchen.
Das bekannteste Gemälde einer Tabakspfeife ist das surrealistische Bild von René Magritte (1898 - 1967) mit der Unterschrift »Ceci n'est pas une pipe« („Das ist keine Pfeife.“), von dem es verschiedene Versionen gibt. René Magritte äußerte sich zu dem Bild: "Ein Bild ist nicht zu verwechseln mit einer Sache, die man berühren kann. Können sie meine Pfeife stopfen? Natürlich nicht! Sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich auf mein Bild geschrieben, dieses ist eine Pfeife, so hätte ich gelogen. Das Abbild einer Marmeladenschnitte ist ganz gewiss nichts Essbares."
Siehe auch: Tabak, Tabakskollegium, Wasserpfeife, Zigarette, Zigarre, Schnupftabak
Bing Crosby.jpg mit Pfeife]]
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