Tabakrauch ist das bei der Verbrennung von Tabak entstehende Stoffgemisch, das beim Rauchen, d.h. beim Abbrand (Verschwelen) des Zigaretten-, Zigarren- und Pfeiffentabaks entsteht. Man unterscheidet den Hauptstromrauch, den der Raucher direkt einatmet (Inhalation) sowie den Nebenstromrauch. Dieser Artikel informiert in erster Linie über die im Tabakrauch enthaltenen Stoffe. kippe.jpg Tabakrauch enthält chemisch gesehen, unzählige Verbrennungsprodukte, nicht nur unverbranntes Nikotin. Eine genauere Analyse des Tabakrauches einer Durchschnittszigarette, wie er beim Tabakrauchen anfällt, zeigt einen Gehalt aller Elemente, die für die Organische Chemie von Bedeutung sind. Zigarettenrauch enthält insgesamt bis zu 12000 verschiedene chemische Verbindungen in allen drei Aggregatzuständen. Streng genommen dürfte somit der Tabakrauch nicht als Rauch bezeichnet werden, da es sich eigentlich um ein Aerosol handelt.
Die Verbindungen lassen sich im Hinblick auf ihre physiologische Wirkung in vier Schadstoffgruppen unterteilen:
Beim Tabakrauchen laufen drei unterschiedliche, chemische Prozesse ab:
Das Rauchaerosol ist ein Stoffgemisch aus fest-flüssigen Partikeln (Phasenanteil: 5-10%, Partikel-Durchmesser: 0,1 - 1,0 Mikrometer, Partikelkonzentration: 107 - 1010 Teilchen pro mL Rauch), aus Dämpfen (kondensierbare Gasdampfphase aus verdampften Flüssigkeiten) und der Gasphase.
Das (Rauch-)Kondensat (Rauchniederschlagung, Zusammenballung der fest-flüssigen Partikel) wird umgangssprachlich „Teer“ genannt. Der durchschnittliche Kondensatgehalt der deutschen Zigaretten lag 1975 noch bei 9-25 mg und 1990 bei 12-14 mg.
Im Unterschied zu H2S und HCN ist das CO jedoch geruchlos - der Körper wird also bei der Inhalation größerer Mengen Kohlenmonoxid nicht vorgewarnt. Eine Kohlenmonoxid-Vergiftung durch bloßes Rauchen allein ist zwar nicht möglich, dennoch wird die Fähigkeit des Blutes, Luftsauerstoff aufzunehmen und im Körper weiterzutransportieren, beeinträchtigt. Folge: Dem Raucher geht eher „die Puste aus“, die „Luft bleibt ihm eher weg“ als einem Nichtraucher - zumindest, bis dass sein Körper neue rote Blutkörperchen bzw. neues Hämoglobin aufgebaut hat (was einige Tage dauert).
Gewohnheitsraucher überleben jedoch die Aufnahme tödlicher Nikotinmengen in ihre Lunge trotzdem. Denn wenn der Rauch von 12 Zigaretten z.B. 19 mg Nikotin enthält, so heißt das nicht, dass diese Gesamtmenge von der Lunge sofort ins Blut aufgenommen wird. Die Aufnahme des Nervengiftes in den Körper (Intoxikation) hängt von der Methode des Tabakgebrauches ab (Rauchen, Kauen, Schnupfen), der Inhalationstiefe und -dauer, der Stummellänge und vielen anderen Faktoren. Schon beim Verschwelen des Tabaks werden etwa 2/3 der Nikotinmenge im Tabak vernichtet - nur 1/3 geht in den Rauch über. In der Folge gelangt dann beim Aktiv- und Passivrauchen nur ein Bruchteil der mit dem Rauch eingeatmenten Nikotinmenge über die Mundschleimhäute (5%) und die Lunge (die restlichen 95%) in den Blukreislauf, verlangsamt anfänglich den Puls und sorgt nach dem nun beginnenden Blutdruckabfall schließlich - je nach Art und Menge weiterer Nikotinzufuhr - für eine Erhöhung der Pulsfrequenz, eine Steigerung der Darmbewegungen, ein Versiegen der Drüsenabscheidungen im Körper und eine - schneller erkennbare - Pupillenverengung im Auge mit Akkomodationskrampf.
Später tritt dann eine Pupillenerweiterung ein (durch Lähmung des Augenmuskels), bei höherer Dosierung (Nikotinaufnahme ins Blut) schließlich eine tendenzielle, lokale und am Ende gar lebensbedrohliche Lähmung aller Muskeln inklusive des Herzens (tödlicher Kreislaufkollaps ab ca. 50 mg). Neben Nikotin, Nornikotin und dem aromatischen Wirkstoff Nikotianin ist auch eine „Nicotinsäure“ bekannt (Pyridin-3-carbonsäure). Diese ist jedoch - im Unterschied zu jenen Nervengiften - ein Bestandteil des Vitamin-B2-Komplexes, wird als Medikament verwendet (ein farbloses, wasserlösliches Pulver) und kommt als Nicotinsäureamid in Bierhefe vor.
Die einzelnen, für den Chemiker interessanten Inhaltsstoffe des Tabakrauches werden im Folgenden nach einigen weiteren, einführenden Unterthemen in einem eigenen Artikel-Abschnitt detailliert aufgeführt.
Schon wenige Sekunden nach der ersten Inhalation erreicht das Nikotin über die Lunge das Gehirn. Die Blutgefäße verengen sich, der Blutdruck steigt und der Sauerstoffgehalt des Blutes im gesamten Körper nimmt ab (Durchblutungsstörungen, Aufnahme von Kohlenmonoxid). Luftknappheit, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Konzentrationsschwächen treten auf, ebenso Kältegefühl, sowie "Raucherhusten"(chronische Bronchitis, COPD als Abkürzung für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung ein Sammelbegriff für eine Gruppe von Krankheiten, die durch Husten, vermehrten Auswurf und Atemnot bei Belastung, also eine volkstümliche Bezeichnung ist „Raucherhusten“), Schlaflosigkeit (aufgrund von Entzugserscheinungen nach einigen Stunden Schlaf!) und schließlich Lungenemphyseme(s.u.), Gefäßverkalkung und -verschlüsse (Folge: Herzinfarkt,Schlaganfall und das Absterben von "Raucherbeinen" - je nach Ort des Gefäßverschlusses) sowie auf Dauer Krebserkrankungen an Zunge, Haut, Speise- und Luftröhre, in Mundhöhle, Bronchien und Lungen (Bronchialkarzinom), Magen (vgl. Abbildung), an der Bauchspeicheldrüse, den Nieren oder der Blase. Sogar Fälle von Parodontitis und Impotenz können auf Tabakrauch als Ursache zurückgeführt werden. Thorax CT peripheres Brronchialcarcinom li OF.jpg im CT-Schnittbild . ]] In Deutschland wurden 1995 rund 12% aller Todesfälle und 40 % aller Krebserkrankungen auf das bzw. Spätfolgen des Rauchens zurückgeführt - somit starben durch das Rauchen jährlich über 100.000 Deutsche, während z.B. durch Unfälle im Straßenverkehr „nur“ ca. 8000 Personen starben. Lungenkrebs forderte 1990 33000 Todesopfer - 88% davon waren Aktivraucher. Noch dramatischer die Situation im Jahr 2003 in Deutschland: Drogentote durch illegale Drogen 1 477, 40 000 Todesfälle als Folge von Alkoholmissbrauch und 110 000 als Folge des Tabakrauchens (Quelle: die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Drogen- und Suchtbericht 2004, siehe auch unter: Todesursache).
Die Chance,Lungenkrebs nach dessen Erkennen zu überleben, liegt bei rund 10% - nur 10 von 100 Patienten überleben die nächsten 5 Jahre. Rauchen begünstigt auch das Entstehen der anderen, obengenannten Krebsarten und ist der "Top-Risikofaktor" für Herzinfarkte und Herzgefäßerkrankungen (98% aller Infarktpatienten unter 40 Jahren sind Raucher!). Plötzlich beim Aufstehen und Losgehen auftretende Schmerzen unterhalb der Kniekehle zeigen Erkrankungen der Beinarterien an, bei deren Verschluss (Arteriosklerose) Fußzehen, später Füße und Unterschenkel absterben können. Ein "Lungenemphysem" (Lungenblähung) ermöglicht es dem Patienten nur mit Mühe auszuatmen, die Lungenbläschen entleeren die ausgeatmete Luft nur noch zum Teil, platzen schließlich und durch die Abnahme der Möglichkeit, Sauerstoff in das Blut aufzunehmen, ist es Patienten zum Schluss nur noch möglich, durch unnatürlich schnelleres Atmen bzw.mit Hilfe von Sauerstoff-Atemgeräten zu überleben.
Das in der Regel unfreiwillige Passivrauchen verursacht identische Symptome und Krankheiten. Besonders bei Kindern von Rauchern treten deutlich höhere Infektionsanfälligkeiten auf. Je früher das (Mit-)Rauchen beginnt, desto größer das Risiko eines früheren Todes - erst nach 15 Jahren Abstinenz vom Rauchen ist das Risiko eines Todes aufgrund von Herzgefäßerkrankungen wieder so gering wie bei Nichtrauchern. Insgesamt ist das Risiko einer Erkrankung bzw. eines Todesfalles infolge Rauchens abhängig von:
Nach Angaben der Fachleute (im Folgenden z.B. nach: Römpp Lexikon Chemie, Hrsg. Prof. Dr. J. Falbe + Prof. Dr. Manfred Regitz, Thieme-Verlag Stuttgart/New York, 9.Auflage, S. 4434-4438, ISBN 3-440-04516-1) enthält Tabakrauch im Einzelnen folgende Stoffgruppen:
Ferner finden sich im Tabakrauch und –dampf: Phenol (= Hydroxybenzol), als Ester Alkylmethanoate und –ethanoate, als Amine auch Aminomethan und -ethan, Dimethylamin (Aminomethan ist Methylamin: MAK = 10 mL/Kubikmeter).
Vom im Tabak enthaltenen Nikotin verbrennen übrigens 30-35% in der Glutzone, 40% in den Nebenstromrauch und 25-30% in den ungefilterten Hauptstromrauch. Von diesen verbleiben bei filterlosen Zigaretten 30% - absolut gesehen also 8-9% - im Tabakstummel, bei Filterzigaretten 40-70% (absolut: 12-20%). Insgesamt gelangen also 14-20% des Nikotins vom Tabak in die Mundhöhle des Rauchers (bei Filterzigaretten 5-12%), wovon beim Lungenzug 90% resorbiert werden, beim „Paffen“ im Mundraum jedoch nur 5%. Der Hauptstromrauch einer filterlosen Zigarette enthält dann aber immer noch 1,0-2,3 mg Nikotin (sowie z.B. 10-23 mg Kohlenmonoxid, ferner rund 1 mg Ethanal, 100 - 1000 Mikrogramm Essigsäure, 100-600 Mikrogramm Stickoxide, 400-500 Mikrogramm Blausäure (Cyanwasserstoff), 20-50 Mikrogramm Benzol, jeweils 60-100 Mikrogramm Acrolein und Phenol sowie 70-100 Mikrogramm Formaldehyd). Das heißt, dass von den durchschnittlich 0,86 mg Nikotin pro Zigarette (Wert von 1990; in 1961 enthielt jede Zigarette noch durchschnittlich 1,44 mg Nikotin) 0,043-0,103 mg in den Mundraum und - beim Inhalieren „auf Lunge“ - in den Körper gelangen (tödl. Nikotinmenge: ca. 50 mg).
Schon wenige Sekunden nach der Nikotinaufnahme (durch Inhalation und Resorption) sinkt die Körpertemperatur - mit Flüssigkristallen in den Fingern messbar - daher merklich ab. Etwa alle 2 Stunden wird die Hälfte der aufgenommenen Nikotinmenge vom Körper wieder abgebaut (zu so genannten Metaboliten). Diese zweistündige Halbwertzeit des Nikotins bestimmt den Suchtcharakter des Tabakkonsums mit.
Kohlenmonoxid; 10000-23000 /Nicotin; 1000-2300 /Ethanal; 500-1200/Cyanwasserstoff; 400-500/Hydrochinon; 110-300/Essigsäure; 100-1000/Stickoxide; 100-600/Brenzcatechin; 100-360/Propanon; 100-250/Methanol; 90-180/Ameisensäure; 80-600/Formaldehyd; 70-100/Kalium (Ionisch); um 70/Phenol; 60-140/Acrolein; 60-100/Ammoniak; 50-130/3- und 4-Kresol; 40-80/3-Methylpyridin; 20-36/Pyridin; 16-40/Nitrosamine (insg.); bis 8,5/N’-Nitrosonornicotin; bis 3,7/Natrium (Ionisch); um 1,3/Carbazol; 1,0/Aluminium (Ionisch); 0,22/ N’-Nitrosoanatabin; 0,2-4,6/2-Nitropropan; 0,2-2,2/Kupfer (Ionisch); 0,19/Zink (Ionisch); 0,12-1,21/Phenanthren; 0,08-0,62/Magnesium (-Ionen); 0,07/Antimon (Ionisch); 0,052/Pyren; 0,05-1,01/Benzo(a)fluoren; 0,04-0,18/Eisen (-Ionen); 0,042/o-Toluidin; 0,03-0,16/Anthracen; 0,02-0,23/Benzo(b)fluoren; 0,02/Fluoranthen; 0,01-0,27/ Hydrazin; 0,03-0,04/Urethan; 0,02-0,04/Blei (ionisch + organ.); 0,017-0,98/Arsen; 0,012-0,022/Dibenz(a,j)anthracen; 0,01-0,03/Cadmium; 0,007-0,35/1-Nitrosopyrrolidin; 0,006-0,11/Benzo(a)pyren; 0,005-0,078/Dibenz(a,h)anthracen; 0,004/Quecksilber + Chrom; je ca. 0,004/Benz(a)anthracen; 0,004-0,076/1-Methylchrysen; um 0,003/Benzo(ghi)perylen; 0,003-0,039/Anthanthracen; 0,002-0,022/4-Aminobiphenyl; 0,002-0,005/Chlorethen/Vinylchlorid; 0,001-0,01/N’-Nitrosodiethylamin; 0,001-0,02/Silber; 0,0012/Gold ; 0,00002...
Der Terry-Report (erschienen 1964 in Washington, US Dept. Health,Educ.,Welfare, Publ. 1103) lieferte schon den ersten toxikologischen und somit wissenschaftlich sicheren Beweis dafür, dass Zigarettenrauchen zu einem deutlich erhöhten Auftreten von Lungentumoren (-krebs) führt. Auch Kehlkopf-,Mundhöhlen-,Speiseröhren-,Blasen- und Pankreastumore können vom Tabakrauch erzeugt werden.
Als Krebserreger (Karzinogene) wirken in erster Linie die polycyclischen Aromaten (PAH) wie Anthracen, Benzo(a)fluoren, Benzo(a)pyren, Phenanthren, Pyren usw. sowie die tabaktypischen Nitrosamine (TSNA, N-Nitroso-Verbindungen) wie z.B. das N-Nitroso-dimethylamin,-methylethylamin,-nortnicotin,-diethanolamin und 1-Nitrosopyrrolidin und -piperidin.
Deren krebserzeugendes Potential wird von Kokarzinogenen, Schwermetallen, aromatischen Aminen (wie z.B. Anilin) und Radioisotopen (z.B. Polonium-210: 0,411 pCi/g Tabak im Tabakrauch) unterstützt. Zudem werden pro Zigarettenzug ca. 1014 freie Sauerstoffradikale erzeugt, die - ebenso wie Nitrosierungsvorgänge im Körperinneren („endogen“) - vermutlich zur Krebsentstehung beitragen können. Da der Nebenstromrauch ungefiltert in die Umgebungsluft z.B. am Arbeitsplatz gelangt, wurde 1985 ein Kapitel „Passivrauchen“ in Abschnitt IIIB der MAK-Liste aufgenommen (vgl. oben unter MAK-Werte). Neben der tumorbildenden Wirkung von Tabakrauch ist eine erhöhte Anfälligkeit von Aktiv- und Passivrauchern gegen Herzinfarkte, Koronarerkrankungen und Arteriosklerose („Arterienverkalkung“) sowie gegen Rachenraum-, Magen- und Darmerkrankungen (Letztere hauptsächlich bewirkt durch Nicotin und Kohlenmonoxid) und Bronchienerkrankungen („Raucherhusten“) nachweisbar.
Die Bronchitis-erzeugende Wirkung des Tabakrauches wird den Phenol- und Säure-Anteilen im Tabakrauch sowie den Carbonylverbindungen zugeschrieben (Alkanale und Alkanone), zusätzlich unterdrücken Blausäure und Acrolein die Regeneration und Selbstreinigung der Flimmerhärchen (Flimmerepithel) im Atemtrakt sowie die Bildung der weißen Blutkörperchen (Leukocyten). Im Speichel von Rauchern sind zudem vermehrt Thiocyanate nachweisbar.Im Vergleich zu Nichtrauchern weisen die Organismen von Raucher(inne)n ein geringeres Körpergewicht und einen erhöhten Grundumsatz auf, was auf eine erhöhte Enzymaktivität schließen läßt.
Zur Verringerung des Schadstoffgehaltes im Rauch wurden Filter aus Celluloseacetat entwickelt, die einen Teil des Nicotins und der Partikelphase („Teer“, Kondensat) zurückhalten. Diese halten etwa 40-70% der Partikel und bis zu 80% der Phenole des Tabakrauches zurück. Zusätzliche Aktivkohlefilter halten bis zu 85% der Gasphasenbestandteile zurück. Zudem wurde in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts intensiv mit halbsynthetischem Tabak experimentiert: Dem Tabak werden 20-25% synthetische Stoffe (z.B. teiloxidierte Polysaccharide oder Tabakersatzstoffe wie NSM,RCN und Cytrel) und künstliche Aromastoffe zugesetzt - jedoch haben diese extrem nikotinarmen Produkte bei den Konsumenten - dem „mündigen Verbraucher“ sowie den bereits suchtkranken Kettenraucher(innen) - keine Akzeptanz gefunden, so dass es bei Durchschnittswerten von 0,6- 0,8 mg Nikotin und 12-14 mg Kondensat pro Zigarette geblieben ist.
Zusätzlich gefährdet waren untersuchte Raucherinnen, die die Antibabypille nehmen: Sie erkrankten achtmal häufiger an Schlaganfall, Thrombose und Herzinfarkt. Bei schwangeren Raucherinnen wurde zusätzlich die Plazenta weniger durchblutet, sodass die Leibesfrucht weniger Nähr- und Sauerstoff enthielt. Das Risiko einer Fehl- bzw. Frühgeburt wurde bei einem Konsum von 20 Zigaretten täglich doppelt so groß wie das der Nichtraucherinnen, und das Geburtsgewicht der Säuglinge fiel um durchschnittlich 200 g. Die schulischen Leistungen elfjähriger Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben, lagen so z.B. im Durchschnitt etwa drei Monate zurück gegenüber den so nicht vorgeschädigten Kindern. 1986/87 wurden in den USA und Großbritannien weitere, umfangreiche Behördenberichte über die Schädlichkeit von Zigarettenrauch vorgelegt. Demnach ist das Risiko, durch Passivrauchen an Lungenkrebs zu erkranken, für den/die nichtrauchenden Partner(in) von rauchenden Ehepartner(innen) zwei- bis dreimal so hoch wie das durchschnittliche Risiko für Nichtraucher ! Statistisch gesehen wird von 1000 jungen Männern, die rauchen, einer ermordet. Sechs davon kommen durch Verkehrsunfälle ums Leben, aber 250 an Folgeschäden und -krankheiten des Rauchens. Die Lebenserwartung sinkt also pro Zigarette um ca.15 Minuten, d.h. bei 20 Zigaretten täglich hat man eine um 5 Jahre kürzere Lebenserwartung, bei 40 täglich etwa 8 Jahre weniger.
Das Rauchen von 20 Zigaretten täglich über 20 Jahre hinweg kostet also vielleicht nicht das Leben (das ist „nur“ bei 25% der Fall), - aber doch immerhin rund 15.000,- Euro. Auf dieses Geld aber wollen zum Leidwesen der Krankenkassen und des Sozial- und Gesundheitswesens die Tabakindustrie sowie der Staat (Tabaksteuer) natürlich ungern verzichten: der Konsum der zunehmend umstrittenen, legalen Droge Tabak wird also wohl auch weiterhin - unabhängig von der ethisch-moralischen Fragwürdigkeit - juristisch legal bleiben.
Während von einem der ersten europäischen Raucher, Sir Walter Raleigh, bekannt ist, dass er von einem verwirrten Zimmermädchen mit einem Eimer Wasser übergossen wurde (mit dem Ausruf: "Hilfe, Sir Raleigh brennt - aus dem Mund kommt schon Rauch !"), war das Rauchen bald so verbreitet, dass Zar Michael Romanow den Tabakkonsum im 16./17.Jahrhundert mit Strafen wie Verbannung, Exkommunikation und Hinrichtung zu bekämpfen versuchte - während andernorts 1625 erstmals die Tabaksteuer eingeführt wurde. 1881 wurde in den USA die 1.Zigarettenmaschine patentiert - sie schaffte 200 Zigaretten pro Minute. 1910 waren beim deutschen Patentamt schon 20000 Zigarettenmarken eingetragen - und fortan wurden die Zigaretten - gemessen am Stundenlohn - stets billiger (1930 gab es 19 Zigaretten für einen Durchschnitts-Stundenlohn, 1960 schon 32 Stück, 1990 92 Zigaretten).
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