Die Tabakindustrie umfasst Unternehmen, die Zigaretten, Zigarren, Rauchtabak, Schnupftabak oder Snus herstellen. Dieser Wirtschaftszweig wird stark dominiert durch weltweit tätige Konzerne oder Betriebe mit einem staatlichen Monopol.
Weltweit waren 1999 ungefähr zwei Millionen Personen in der Zigarettenindustrie und den Zulieferfirmen beschäftigt. Über zwei Drittel aller Arbeitsplätze befanden sich in China, Indien und Indonesien. Die drei größten multinationalen Tabakkonzerne hatten 2003 etwas mehr als 100.000 Arbeitnehmer.
Die US-Regierung machte 1999 gegen die Tabakindustrie eine Zivilklage anhängig. Die Klage stützt sich auf ein Gesetz von 1970, das damals zur Bekämpfung der Mafia erlassen wurde. Sie wirft der Tabakindustrie vor, die Öffentlichkeit über die Abhängigkeit des Nikotins und die Gesundheitsgefahren des Rauchens absichtlich getäuscht zu haben. Die Dokumente der Tabakindustrie http://www.library.ucsf.edu/tobacco/litigation/ sollen beweisen, dass die angeklagten Firmen seit Anfang der 1950er Jahre eine Art kriminelles Kartell gebildet haben, um Zigarettenkonsumierende zu täuschen. Alle Gewinne und Zinsen, insgesamt 280 Milliarden US-Dollar, welche die Tabakindustrie seitdem gemacht hat, verlangt die US-Regierung zurück.
Dieser Zivilprozess der US-Regierung gegen die Tabakindustrie wurde am 21. September 2004 eröffnet. Die Zulässigkeit der Gewinnabschöpfung wurde am 4. Februar 2005 vom United States Court of Appeals for the District of Colombia Circuit in einem Zwischenentscheid verneint. Gegen dieses Urteil hat die US-Regierung beim Supreme Court of the United States am 18. Juli 2005 eine Revision verlangt. Dieses Begehren wurde am 17. Oktober 2005 vom Supreme Court abgewiesen. Der aktuelle Prozessstand wird täglichhttp://www.tobacco-on-trial.com/ und als Zusammenfassung http://www.econ.uni-hamburg.de/IRdW/zivil/Materialien/Prozessbeobachtung_Rauchen/body_prozessbeobachtung_rauchen.html dokumentiert.
Die Europäische Gemeinschaft und 10 EG-Mitgliedstaaten hatten verschiedene Klagen gegen Philip Morris International (PMI) wegen Zigarettenschmuggel geführt. Auf der anderen Seite strengte PMI gegen die Europäische Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof ebenfalls ein Verfahren an. Alle bestehenden Rechtsstreitigkeiten wurden am 9. Juli 2004 mit dem Abschluss einer mehrjährigen Vereinbarung über ein wirksames System zur Bekämpfung von Zigarettenschmuggel und Zigarettenfälschungen beendet.http://europa.eu.int/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/04/882&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en Die Vereinbarung sieht Zahlungen von PMI vor. Ihre Höhe hängt von verschiedenen Faktoren ab und könnte über 1250 Millionen US-Dollar in einem Zeitraum von 12 Jahren betragen.
ETI (heute BAT Italia) wurde im März 2005 durch die Zivilkammer des Römer Appelationshofes zu Schadenersatzleitung verurteilt. Das Gericht verurteilte den Zigarettenhersteller zur Zahlung von 200.000 Euro an die Angehörigen eines 1991 verstorbenen Rauchers. Sie hatten geklagt, weil ETI vor Einführung der Warnhinweispflicht nicht ausreichend über die Risiken des Rauchens informiert habe.
Das Römer Arbeitsgericht sprach im Mai 2005 den Angehörigen einer verstorbenen Passivraucherin 400.000 Euro zu. Sie hatte während 7 Jahren beim Bildungsministerium im gleichen Büro wie drei starke Raucher gearbeitet. Ihre Gesuche, sie auf einen rauchfreien Arbeitsplatz zu versetzen, wurden mehrmals abgelehnt. Das Gericht anerkannte, das Passivrauchen genau so wie Rauchen Krebs verursachen kann und hieß deswegen ihre Klage gut.
Bisher musste die Tabakindustrie über 40 Millionen Seiten Dokumente öffentlich zugänglich machen. Sie sind so umfangreich, dass sie noch nicht alle ausgewertet werden konnten. Es lässt sich trotzdem aufzeigen, dass die wichtigsten Ziele der Tabakindustrie die Einflussnahme auf die Steuergesetzgebung, die Verhinderung eines Werbe- und Sponsoringverbotes für Tabakprodukte und das Verharmlosen der Gesundheitsgefährdung durch Passivrauchen waren.
Das Vorgehen der Tabakindustrie war in allen Staaten ähnlich: Politiker, Wissenschaftler und Journalisten wurden durch Aufträge, Beraterverträge, Einladungen zu Konferenzen und Sponsoring von Anlässen dafür belohnt, dass sie sich für die Anliegen der Tabakindustrie instrumentalisieren ließen.
Der Einfluss der Tabakindustrie auf die schweizerischehttp://repositories.cdlib.org/ctcre/tcpmi/Swiss2001/ und deutsche Politik in den 1980er- und 1990er-Jahren konnte aufgrund dieser Dokumente analysiert und belegt werden.
Die Bezahlung von Wissenschaftlern wurde in der sog. "Affäre Rylander offengelget. http://www.prevention.ch/rylanderpm.htm. Von einer Ermittlungskommission der Universität Genf, Schweiz, wurde 2004 festgestellt, dass ihr emirierter Wissenschafter, R. Rylander, nicht als ein von der Tabakindustrie unabhängiger Forscher betrachtet werden kann, da er in seiner Rolle als Consultant dauerhafte und weitestgehend geheim gehaltene Verbindungen mit ihr unterhielt.http://www.fumercafaitdumal.ch/topic4812.html Ein kantonales Strafurteil gegen zwei Wissenschafter, welche der Ehrverletzung von Rylander bezichtigt wurden, hatte das Schweizerische Bundesgericht bereits 2003 aufgehoben.http://www.prevention.ch/ryjutf170403.htm
Die Rangliste: Apotheken 65 %, Fluggesellschaften 34 %, Autoindustrie 29 %, Krankenversicherungen 26 %, Banken und Finanzinstitute 26 %, Pharmaindustrie 25 %, Supermärkte 25 %, Medien/Presse 21 %, Ferienreisen-Veranstalter 20 %, Nahrungsmittelindustrie 18 %, Lebensversicherungen 18 %, Telefongesellschaften 18 %, Ölkonzerne 8 %, Alkoholindustrie 7 %, Tabakkonzerne 6 %.
Die deutsche Tabakindustrie hat sich in einer freiwilligen Selbstbeschränkungsvereinbarung gegenüber dem Bundesministerium für Gesundheit (BMGS) verpflichtet, in der Nähe von Schulen und Jugendeinrichtungen keine Tabakwerbung zu präsentieren, und keine Tabakwarenautomaten aufzustellen. Sämtliche diese Vereinbarung verletzenden Tabakwarenautomaten sollten bis Ende 1997 von den Automatenaufstellern abgebaut werden. Dennoch verstoßen auch im Jahr 2004 im gesamten Bundesgebiet noch Tausende Zigarettenautomaten gegen diese Vereinbarung.
Regional tätige Konzerne sind:
Zulieferbetriebe:
Industrie | Tabak | Zigaretten
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