Die Transport Protocol Experts Group ist eine 1997 gegründete Expertengruppe innerhalb der Europäischen Rundfunkunion (UER/EBU). Sie entwickelte mit Fördermitteln der Europäischen Kommission den gleichnamigen offenen internationalen Standard zum Aussenden von sprachunabhängigen und multimodalen Verkehrs- und Reiseinformationen. Auf den Erfahrungen von RDS-TMC aufbauend können TPEG-Informationen einerseits von Maschinen verarbeitet werden und andererseits so aufbereitet werden, dass sie von Personen einfach verstanden werden.
TPEG wurde so konzipiert, dass es sowohl im öffentlichen Personenverkehr als auch im Straßenverkehr verwendet werden kann. Aus diesem Grund wurde zunächst eine Grundstruktur entworfen, auf die dann zwei Profile für den Straßen- sowie für den öffentlichen Verkehr aufsetzen:
Die Unterscheidung zwischen Straßenverkehr und öffentlichen Verkehrsmitteln rührt in erster Linie daher, dass es sich beim öffentlichen Verkehr um ein Liniennetz handelt, bei dem die einzelnen Routen jeweils einen bestimmten Start- und Endpunkt haben und der Verlauf einer Route während einer Fahrt in der Regel nicht geändert wird. *
Beim Straßenverkehr andererseits kann der Fahrer die Route jederzeit ändern und so direkt auf die aktuelle Situation reagieren. Die zu übertragenden Informationen unterscheiden sich demnach je nach System. Den Nutzern von öffentlichen Verkehrsmitteln müssen Informationen wie Verspätungen, Streichung von Verbindungen oder Sonderfahrten bereitgestellt werden.
Die von Auto- und LKW-Fahrern benötigten Informationen haben hingegen Auswirkungen auf die gewählte Route des Fahrers und auch auf die Sicherheit. Verkehrsteilnehmer im Straßennetz erhalten über TPEG-RTM Nachrichten über Unfälle, Staus, Baustellen oder Wetterbedingungen wie Glatteis oder Nebel. [TPEG5 Die Zweiteilung des TPEG-Systems erlaubt es den Implementierungsaufwand für die Hersteller von Sendern als auch von Empfängern zu mindern, falls diese auf ihren Geräten nur eines der beiden Profile implementieren. Gleichzeitig führt dies zu kleineren Datenstrukturen.
Andererseits ist der grundlegende Aufbau beider Systeme gleich. So verwenden beide das gleiche Ortsreferenzierungssystem, erreichen die Sprachunabhängigkeit mit Hilfe von Übersetzungstabellen und verwenden das gleiche Übertragungssystem. Aus diesem Grund wird in diesem Artikel exemplarisch nur TPEG-RTM näher beschrieben.
TPEG ermöglicht diese Mehrsprachigkeit durch Verwendung von erweiterbaren Übersetzungstabellen. Hierzu werden Wörter ähnlicher Bedeutung, die in TPEG-Nachrichten öfter benötigt werden, in Tabellen zusammengefasst. Diese Wörter können in einer TPEG-Nachricht über eine Nummer referenziert werden. In einer TPEG Meldung werden dann an Stelle von Klartext diese Referenzen übertragen. Erst auf der Clientseite wird an Hand der Tabellen, die auf dem Client in der gewünschten Sprache vorliegen müssen, eine Ausgabe generiert. Dies kann eine Textmeldung in der Sprache des Nutzers, ein Symbol, oder auch Sprachausgabe sein.
Z.B. werden in der TPEG-RTM Tabelle (rtm01) vehicle_type verschiedene Fahrzeuge aufgeführt, wie Car, Taxi, Bus oder Tram. Um die Erweiterbarkeit der Tabellen sicher zu stellen, enthält jede Tabelle außerdem einen Standardwert. So müssen nicht alle Clients bei Erweiterung der Tabellen auf den neuesten Stand gebracht werden. Erhält ein Client, der nicht auf dem aktuellen Stand ist, eine Referenz auf einen Eintrag, der in seiner Version noch nicht enthalten ist, so wird der Standardeintrag ausgegeben. Der Nutzer ist so meist trotzdem in der Lage eine Nachricht zu verstehen, auch wenn evtl. Details verloren gehen. *
Wird beispielsweise ein geisterfahrendes Motorrad gemeldet, überträgt TPEG-RTM Referenzen auf die Einträge 19 und 7 in den Tabellen vehicle_type und vehicle_problem_type.
Würde die oben genannte Meldung an einen Client übertragen, dessen vehicle_type Tabelle den Eintrag 19 noch nicht enthält, so würde der Defaulteintrag (vehicle) verwendet. Dem Nutzer eines Navigationssystems wird also statt der Meldung „Auf der A9 in Richtung München kommt Ihnen ein Motorrad entgegen!“ eine Meldung der Art „Auf der A9 in Richtung München kommt Ihnen ein Fahrzeug entgegen!“ angezeigt.
Zur Spezifikation der Tabellen wird so genanntes CEN-English verwendet. Hierbei handelt es sich um technische Begriffe, die häufig nichts mit der englischen Umgangssprache zu tun haben und eine Definition für die einzelnen Einträge darstellen. CEN-English wird verwendet, um Verwechslungen oder Ungenauigkeiten zu vermeiden. Wegen des Unterschieds zum herkömmlichen Sprachgebrauch sollte CEN-English auch in englischsprachigen Ländern nicht direkt ausgegeben werden, sondern in die allgemein üblichen Begriffe übertragen werden. * Ihre Grenzen findet die Sprachunabhängigkeit allerdings bei den Ortsbezeichnungen, da nicht alle denkbaren Namen in den Tabellen hinterlegt werden können. Derartige Informationen werden in Form von Strings übertragen, wobei auch hier mehrere Sprachversionen möglich sind.
Das Ortsreferenzierungssystem von TPEG trägt den Namen TPEG-Loc. Es wurde so konzipiert, dass es sowohl auf Clients, die über eine Ortsdatenbank verfügen, als auch auf Clients, die nicht mit Ortsdaten ausgestattet sind, möglichst präzise Ortsreferenzen erzeugt. Außerdem wurde Wert darauf gelegt, die Ortsreferenzen sowohl für Mensch als auch Maschine verständlich zu machen. Eine Ortsdatenbank oder eine Karte, mit deren Hilfe Längen- und Breitengrade in konkrete Ortsangaben umgewandelt werden können, ist für das Verstehen der TPEG-Loc-Daten nicht zwingend erforderlich.
Um die oben genannten Ziele zu erreichen, werden neben den Ortskoordinaten im Koordinatensystem WGS84 (World Geodetic System 1984) weitere Informationen übertragen, die einen Bezug zur Umgebung herstellen sollen. Die Übertragung mit Hilfe von WGS84-Koordinanten ist deshalb sinnvoll, da dieses Referenzierungssystem unter anderem von GPS verwendet wird und einen weltweiten Defacto-Standard darstellt.
Zur Beschreibung eines Punktes, der zwischen zwei Autobahnausfahrten A und B liegt, werden beispielsweise neben den Koordinaten des Punktes auch die Namen der Ausfahrten verwendet. Die Vorteile dieser Angaben liegen auf der Hand: Ein Navigationssystem erhält die genaue Information, wo sich dieser Punkt befindet. PDAs ohne Kartenmaterial hingegen können ihren Nutzern zumindest ungefähr beschreiben, dass sich der genannte Punkt zwischen den beiden Ausfahrten A und B befindet.
Da TPEG auf verschiedenen Übertragungskanälen wie beim Digital Audio Broadcasting (DAB), Digital Video Broadcasting (DVB) oder im Internet zum Einsatz kommen soll, darf die Art der Übertragung keine Rolle spielen. In der ursprünglichen TPEG-Spezifikation wurde deshalb ein Binärformat entwickelt, welches keine bestimmte Übertragungsform wie paket- oder verbindungsorientiert voraussetzt und auch keinen Rückkanal benötigt. Um dies zu erreichen übernimmt das binäre TPEG-Protokoll im ISO/OSI-Schichtenmodell die Schichten 3 bis 7 selbst. TPEG ist also nur noch von den Schichten 1 und 2 abhängig. Das Übertragungsmedium selbst hat demnach nur noch die Aufgabe die einzelnen Bytes zu übertragen. Die höheren Funktionen wie das Segmentieren oder das Erkennen von Fehlern bei der Übertragung werden von TPEG selbst erledigt. [TPEG6 Die Segmentierung ist notwendig, da jede Meldung als einzelne Nachricht übertragen wird. Außerdem können so mehrere TPEG-Dienste ihre Nachrichten auf dem gleichen Kanal übertragen.
Allerdings ist hier zu beachten, dass TPEG-Clients auf Grund der Spezifikation keine Möglichkeit haben, fehlerhaft übertragene Informationen erneut anzufordern. Diese Einschränkung ist nötig, damit TPEG auch mit Übertragungsmedien ohne Rückkanal (z.B. DAB) zurecht kommt. Der Übertragungskanal sollte deshalb möglichst robust gegenüber Übertragungsfehlern sein, und Fehlerkompensationsfunktionen besitzen. Außerdem sollten die einzelnen Nachrichten nach Möglichkeit wiederholt übertragen werden.
Wegen seiner hohen Entropie eignet sich das Binärformat besonders für die Übertragung zwischen Sendestelle und Client, da dann auch Verbindungen mit niedrigen Datenraten verwendet werden können. Das Binärformat ist auch für Nutzer von Vorteil, die beispielsweise über GPRS (General Packet Radio Service) oder UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) an einen TPEG-Provider angebunden sind, da hier häufig das Übertragungsvolumen in Rechnung gestellt wird. Außerdem ist das Format auf ressourcenschwachen Clients leichter zu dekodieren, als das später entwickelte XML-Format tpegML (tpegML steht für TPEG in XML), für dessen Verarbeitung komplexe XML-Parser nötig sind. Andererseits ist die Verwendung eines leicht handhabbaren XML-Formats vor allem auf der Seite des Contentproviders sinnvoll. Mittlerweile sind XML-Parser und Validatoren für jede verbreitete Programmiersprache verfügbar. tpegML macht sich diese Eigenschaften zu Nutze und bildet die TPEG-Datenstrukturen auf dieses leicht handhabbare Format ab. TPEG-Nachrichten können so schon während ihrer Erstellung in einem normierten Format zwischen einzelnen Systemen ausgetauscht werden. Auch kann ein Contentprovider mehrere Datenquellen abfragen und deren Informationen ohne großen Aufwand verarbeiten, wenn sich die Quellen an diese Norm halten. Trotz der Gegensätzlichkeit zwischen einem Binärstream und einer XML-Datei lassen sich die enthaltenen TPEG-Informationen beider Formate 1 zu 1 aufeinander abbilden. Die Unabhängigkeit bei der Datenübertragung im TPEG-Standard ist demnach auf zwei Arten zu interpretieren. Einerseits wurde ein Binärformat entwickelt, welches im ISO / OSI Modell schon auf der dritten Schicht einsetzt und nur die simple Übertragung von Bits voraussetzt. Andererseits gibt es mit tpegML ein XML-basiertes Datenformat, das sich einfach übertragen und vor allem verarbeiten lässt. Auch ist die Konvertierung dieses Formats dank zahlreicher Transformationsmöglichkeiten einfach durchführbar.
Grundsätzlich werden TPEG-Daten paketweise bzw. als einzelne Nachrichten übertragen. Da TPEG bereits auf Schicht 3 des ISO / OSI Models einsetzt, wird auch die Segmentierung von TPEG übernommen. Eine Nachricht besteht mindestens aus dem Message Management Container, welcher Steuerinformationen für eine Applikation (RTM oder PTI) enthält. Sollen neben den Steuerinformationen auch Nutzdaten übertragen werden, müssen der RTM bzw. PTI Event Container und der TPEG Location Container angehängt werden. Um eine andere Nachricht für ungültig zu erklären, wird eine Nachricht verwendet, die lediglich aus einem Message Management Container besteht. * Es ist zu beachten, dass sich der Message Management Container von Applikation zu Applikation unterscheiden kann.
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