Türmer war im Mittelalter ein nicht sonderlich angesehener Beruf.
Je nach Gegebenheit wurden dafür Kirchtürme oder Türme der Stadtbefestigung genutzt, innerhalb von Schlössern oder Burgen war es meist der Bergfried. Zur Warnung der Stadtbewohner nutzten die Türmer entweder ein Wächterhorn, Glocken, Signalflaggen oder bei Dunkelheit auch Lampen. Es war durchaus üblich, dass Türmer gleichzeitig im Turm wohnten. Einer der letzten seiner Zunft, der Munotwächter von Schaffhausen (Schweiz) tut dies immer noch. Eine weitere Aufgabe des Türmers konnte zudem das stündliche Schlagen einer Glocke zur Zeitangabe sein.
Zu den Gefahren gehörten herannahende Truppen und Banden, aber auch Brände, die wegen der Enge der Städte, der Holzbauweise und des als Hausbrand lange verwandten Torfs (dessen Asche relativ lange nachglüht) sehr gefährlich waren.
Türmer wurden bis Anfang des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Heute werden sie in wenigen Städten im Rahmen des Tourismus angestellt.
Das erste deutsche Türmermuseum befindet sich in Vilseck, einer Stadt des Regierungsbezirks Oberpfalz in Bayern.
Tragisch endete 1661 das Schicksal des Türmers von St. Reinoldi in Dortmund, als dessen Kirchturm nach Erdbebenschäden einstürzte. Zwar, so berichten die Stadtchroniken, schaffte er es noch die Passanten unterhalb des Turmes zu warnen, der Wächter selbst fand jedoch den Tod.
Jedem Schweizer bekannt ist das "Lied vom Munotglöckchen", welches den Liebeskummer des Munotwächters beschreibt.
Ein literarisch berühmtes Türmerlied ist das des Lynkeus in Goethes Faust II: Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt, dem Turme geschworen, gefällt mir die Welt.
"Der Türmer" war auch der Name einer nationalkonservativen, protestantischen Kulturzeitschrift, die von 1898 bis 1943 in Berlin erschien und lange Zeit von dem Schriftsteller Jeannot Emil Freiherr von Grotthuß herausgegeben wurde.
Druck und Verlag von Greiner und Pfeifer - STUTTGART
Siehe auch: Kreidfeuer