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Eine Sonderrolle innerhalb des Täufertums spielten die so genannten Münsterschen Wiedertäufer. Sie herrschten in den 1530ern in Münster (Westfalen), dem von ihnen so genannten Neuen Jerusalem.
Ursprünge
Die Münsterschen Täufer gehörten zu der radikalen niederdeutschen beziehungsweise
niederländischen Bewegung der Melchioriten. Dieser Name leitet sich ab von
Melchior Hofmann, der indirekt als theologischer Wegbereiter des münsterschen Täuferreichs gilt. Die
apokalyptisch-
chiliastische Botschaft seiner Schriften fiel bei einem Teil der Täufer auf fruchtbaren Boden. Deren „sozialökonomische Lage“ sowie „härteste Verfolgungen“ (Richard van Dülmen, aaO, S. 7), die sie von allen Seiten zu erdulden hatten, öffneten sie für endzeitliche Anschauungen.
Geschichte
Dass nun ausgerechnet die Stadt Münster zum Schauplatz des Wiedertäuferreichs wurde, hing unter anderem mit den innerstädtischen Auseinandersetzungen zwischen Handwerkern und römisch-katholischem Klerus zusammen, die in dem Aufstand von
1525 ihren ersten Höhepunkt fanden. Ab
1531 verbanden sich die Handwerkergilden mit der noch jungen evangelischen Bewegung und verdrängten die Herrschaft des münsterschen Patriziats. Um die Stellung zu halten, waren Protestanten unterschiedlicher Couleur zu diesem Zeitpunkt in Münster als Bundesgenossen willkommen. Unter ihnen strömten auch Täufer aus den Niederlanden in die Bischofsstadt und verbreiteten dort ihre Lehren.
Jan Mathys hatte sich zum Propheten erklärt. Nach einer protestantischen Mehrheit im Stadtrat, die aber Episode blieb, übernahmen die Täufer, die mit ihrer Ablehnung der gemäßigten
Reformation des
Martin Luther in der – inzwischen mehrheitlich protestantischen – Bürgerschaft ein lebhaftes Echo fanden,
1534 in revolutionärem Überschwang die Stadt Münster und gründeten dort das „Reich Zion“. Der Bischof von
Münster und
Osnabrück,
Franz von Waldeck, belagerte umgehend die Stadt. Als „König“ setzten die Wiedertäufer
Jan van Leiden ein, der innerhalb kurzer Zeit eine
Theokratie errichtete und oppositionelle Regungen brutal unterdrückte. Zwar schaffte er – im Gegensatz zu anderen – die
Folter vor der Vollstreckung eines Todesurteils ab, vollstreckte aber die Todesurteile teils persönlich. In der Stadt wurde die Gütergemeinschaft eingeführt und auf Grund des erheblichen Frauenüberschusses - unter den münsteraner Wiedertäufern gab es fast drei Mal soviele Frauen wie Männer - die
Polygamie.
Folgen
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Die Militanz der münsterschen Wiedertäufer folgte u.a. aus der militärisch ausweglosen Situation innerhalb der Stadtmauern. Die Belagerung führte bald zur Hungersnot. Die weiße
Kalkfarbe der Kirchen soll abgekratzt, in Wasser aufgelöst und als Milch verteilt worden sein. Nach anderthalb Jahren wurde Münster am
24. Juni 1535 eingenommen. Ein Blutbad beendete das Täuferreich. Als einziger der Anführer entkam Hauptprediger
Bernd Rothmann, ehemals Prediger in
St. Mauritz und Lamberti. Die übrigen obersten Täufer wurden jedoch für ihre Abtrünnigkeit grausam zu Tode gefoltert: Am
22. Januar 1536 wurden
Jan van Leiden,
Bernd Krechting und
Bernd Knipperdolling auf dem
Prinzipalmarkt mit glühenden Zangen gerissen und schließlich erdolcht. Ihre Leichen wurden in eigens angefertigten eisernen Körben an den Turm der
Lambertikirche gehängt.
Die Täuferkörbe am Lambertiturm
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Die Körbe fertigte 1535 Meister Berthold Schmied von Lüdinghausen in
Dortmund an. Ursprünglich sollten sie zum Transport von Gefangenen dienen. Beim Abbruch des baufälligen Kirchturms im Jahre 1887 wurden sie abgenommen, fotografiert und 1898 wieder am Neubau angebracht. Nach einer Restaurierung 1927 überstanden sie auch die Kriegsschäden am Turm 1944/45. Drei Nachbildungen, die 1888 angefertigt worden waren, erwarb
Hermann Landois (1835-1926, Zoologieprofessor) für seine pseudo-historische Sammlung in der Tuckesburg im alten Zoo. Sie hängen heute im
Stadtmuseum Münster. Die Originale hängen nach wie vor an der Lambertikirche.
Film
Siehe auch
Literatur
- Thomas Seifert: Die Täufer zu Münster, Münster: Agenda Verlag, 1993, ISBN 3-929440-18-0
- Richard van Dülmen: Reformation als Revolution. Soziale Bewegung und religiöser Radikalismus in der deutschen Reformation, München 1977, ISBN 3-423-04273-7
- Pierre Barret / Jean Noel Gurgand: Der König der letzten Tage. Die grauenvolle und exemplarische Geschichte der Wiedertäufer zu Münster 1534-1535, Herrsching 1987
- Horst Karasek: Die Kommune der Wiedertäufer: Bericht aus der befreiten und belagerten Stadt Münster 1534 Berlin: Verlag Klaus Wagenbach, 1977
- Robert Schneider: Kristus, Roman. Aufbau-Verlag 2004, ISBN 3-35103-013-4
Weblinks
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