Tønder (deutsch Tondern, friesisch: Tuner, südjütisch: Tynne) ist eine Kleinstadt im dänischen Südjütland (auch: Nordschleswig). Die Stadt liegt an der Vidå (deutsch: Wiedau) in unmittelbarer Nähe der deutsch-dänischen Grenze. Die Gemeinde Wenningstedt auf Sylt liegt auf gleicher Breite. Die Kommune ist 185 km² groß und hat 12.462 Einwohner (1. Januar 2005).
Durch Landgewinnungen an der Westküste verlor die Stadt ihren Zugang zum Meer und damit einen erheblichen Teil ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Im 17. Jahrhundert blühte das Spitzenklöppeln als wichtiger Wirtschaftszweig auf. 1788 wurde die Stadt Standort des ersten Lehrerseminars im Lande.
Im 19. Jahrhundert geriet die Stadt in den Sog des deutsch-dänischen Konflikts. Die Bürgerschaft war mehrheitlich deutsch gesinnt und schloss sich im deutsch-dänischen Bürgerkrieg 1848 der schleswig-holsteinischen Seite an. Nach Wiederherstellung des Gesamtstaates unter der dänischen Krone behielt Tønder seine administrativen Funktionen. Die Sprachreskripte, welche die dänische Sprache trotz offizieller Gleichberechtigung gegenüber der deutschen bevorzugten, heizten den Konflikt weiter an.
Nach dem Krieg 1864 gehörte die Stadt bis 1920 zu Preußen bzw. ab 1871 zum Deutschen Reich. Sie war Sitz eines Landkreises, geriet aber wirtschaftlich mehr und mehr ins Abseits. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Tondern Stützpunkt für Militärluftschiffe und Zeppeline. Seit 1868 war Tondern mit der Hauptbahn Hamburg-Fredericia über eine Nebenbahn nach Tingleff verbunden. 1881 wurde es Knotenpunkt an der Westbahn von Hamburg nach Esbjerg und wurde über die bald darauf errichtete Nebenbahn nach Hoyer Umsteigeort für die Reisenden nach Sylt.
Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Tondern wegen der En-Bloc-Regel für die I. Zone bei der Volksabstimmung an Dänemark, obwohl 77% der Stimmberechtigten für einen Verbleib beim Deutschen Reich stimmten. - (Details im Artikel Nordschleswig). Auch in den Folgejahren hatten die deutschen Parteien die Mehrheit im Stadtrat. Bis 1945 war die Stadt zweisprachig beschildert. Kurz nach der Etablierung der dänischen Verwaltung wurde Tondern Standort einer Garnison.
Nach Ende der deutschen Besetzung im Zweiter Weltkrieg schwand die politische Bedeutung des deutschen Bevölkerungsteils erheblich. Die Grenzlage behinderte die Entwicklung der Stadt. Dennoch siedelten sich einige Unternehmen an. Auch die Bedeutung des Tourismus nahm zu. Trotz der Verbesserung des grenzüberschreitenden Verkehrs wurde die Lage Tonderns gegen Ende des 20. Jahrhunderts zusehends schwieriger. 1989 schloss das Lehrerseminar seine Pforten, 2002 auch die Kaserne und im Folgejahr das Krankenhaus, das jedoch inzwischen als Privatklinik wieder ausgebaut wird.
1970 wurden einige Gemeinden des Umlandes, nämlich Mögeltondern, Abel, Hostrup und das Landkirchspiel Tønder eingemeindet. 2007 wird Tondern administratives Zentrum für eine Großkommune, die einen erheblichen Teil Nordschleswigs enthalten und über 40.000 Einwohner zählen wird.
Am letzten Wochenende im August findet in Tondern das größte Folk-Festival in ganz Europa statt.
Eine weitere Attraktion ist die Möglichkeit der Eheschließung, die mit weniger Formalia als in Deutschland auch mit ausländischen Partnern möglich ist, aber EU-weit anerkannt werden muss. Ende des 19. Jahrhunderts hielt die Stadt den Weltrekord der meisten Gaststätten pro Einwohner.
Tondern hat ein Gymnasium, eine Kommunalbücherei und eine deutsche Bibliothek.
Weitere Sehenswürdigkeiten in der Kommune Tondern unter den eigenständigen Artikeln für Abel, Hostrup, Mögeltondern und Uberg.
Die 1981 stillgelegte und 2001 wiedereröffnete Eisenbahnlinie nach Niebüll wird von der Nord-Ostsee-Bahn betrieben. Der Nordteil der Marschbahn in Richtung Ripen und Esbjerg wird nicht mehr von der DSB, sondern seit 2002 von der Arriva befahren. Die bereits 1868 eröffnete Querverbindung zur Ostbahn Hamburg-Fredericia nach Tingleff wurde 1974 eingestellt und dient seither fast nur noch als Museumsbahn. Auch die Verbindungsbahn nach Hoyer-Schleuse, früher Hauptverbindung vom Festland nach Sylt, besteht nicht mehr.
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