Das Szenenbild (engl. Production Design) ist die bewußt gestaltete Welt eines Films, gleichsam der Hintergrund zu einer Geschichte, ihr Handlungsspielraum. Die Schöpfer des Szenenbildes werden als Szenenbildner oder Filmarchitekten (engl. Production Designer) bezeichnet.
"Immerhin wäre ein Film ohne Dekor nackt." (Helmut Weihsmann: "Gebaute Illusionen - Architektur im Film", S.11)
Das Szenenbild entstand erst mit dem Medium Film und existiert seit Beginn des 20. Jahrhunderts. War es ursprünglich eine Art Synthese aus Architektur und Bühnenbild, so hat es heute eine rasante, eigenständige Entwicklung durchgemacht, die es von beiden unabhängig werden ließ:
Der wesentliche Unterschied zwischen dem Szenenbild einerseits und Architektur und Bühnenbild anderseits, liegt im Verzicht auf ein materielles Dasein vor dem Publikum: Sie will nicht begangen werden, man kann sie weder begreifen noch ergründen.
Im deutschsprachigen Raum werden verschiedene Begriffe für ein und dieselbe Aufgabe verwendet, was oft zu Verwirrungen führt: Szenenbild, Filmarchitektur, Ausstattung, Art Director, ...
Interessant dazu ist der Artikel Sprachwirrwarr von Prof. Toni Lüdi.
Szenenbildner sind für die Gesamtgestaltung einer Filmwelt verantwortlich, und zwar in inhaltlicher, künstlerischer, technischer und auch finanzieller Hinsicht.
Ihre Arbeit beginnt mit dem Lesen des Drehbuchs und der Einarbeitung in eine Geschichte. Die in den Drehbüchern beschriebenen Orte eines Films müssen auf ihre Tauglichkeit überprüft werden, manche erzeugen im Film keine besondere Atmosphäre, manche wirken zu altmodisch oder zu klischeehaft, andere Orte würden verwirren und nicht unbedingt zur Geschichte beitragen, ...
Szenenbildner entwickeln das Aussehen eines Films, sie definieren das Milieu: hochmoderne schicke Welt, 70er Jahre Reihenhaussiedlung, Historisches mit Schlößchen im Park, abgewracktes Industrieviertel, ...
Sie entwickeln Raumkonzepte und somit die Wirkung von bestimmten Szenen: gewaltig, beengt, verwirrend, beängstigend, prunkvoll, ...
Sie erarbeiten Farbkonzepte um die Handlungsräume zu "säubern" und bestimmte Stimmungen (schwer, erdückend, leicht, beschwingt, verspielt, ...) zu erzeugen, zu verstärken oder zu bestimmten Zeitpunkten zurückzunehmen.
Szenenbildner beginnen ihre Arbeit Monate oder Jahre vor dem Rest des Stabs, sie recherchieren, sie erstellen eine Filmwelt auf dem Reißbrett, sie suchen gemeinsam mit Locationscouts oder Assistenten nach Drehorten, sie entwerfen Orte neu, sie kalkulieren die Kosten zur Umsetzung des Szenenbilds und besprechen die Finanzierbarkeit von Projekten mit der Produktion. In technisch aufwändigeren Projekten werden sie oft gemeinsam mit Stunt- und SFX-Spezialisten zur Beratung in Vorkalkulationen und Projektentwicklungen herangezogen.
Der prinzipielle Ansprechpartner in allen inhaltlichen und künstlerischen Fragen ist der Regisseur. In der unmittelbaren Drehvorbereitung werden Look, Farbkonzept und Bildausschnitte mit Kameramann und Kostümbildner abgestimmt, und das Szenenbild gemeinsam mit dem Art Department umgesetzt.
Im deutschsprachigen Raum besteht dasselbe aus dem Szenenbildner, den Assistenten, einem oder mehreren Außenrequisiteuren, einem oder mehreren Innenrequisiteuren (siehe Requisiteur), sowie dem Bauteam unter der Leitung des Bühnenbaumeisters. Die Hierarchie im US-amerikanischen Gewerkschaftssystem führt zur Arbeitsteilung bis ins kleinste Detail: Dem Szenenbildner (Production Designer) unterstehen Assistenten (Art Directors), Bühnenbaumeister (Leadman), Setdekorateure (Set Decorator) und Requisiteure (Property Master) mit jeweils eigener Budgethoheit. Den Setdekorateuren wiederum unterstehen Set Dresser und Innenrequisiteure (On-set Dresser).
Bezüglich der einzelnen Berufsbeschreibungen siehe: Filmberuf Film Crew (englisches Wiki)
Seit 1991 gibt es in Deutschland akademische Studiengänge an Hochschulen zur Ausbildung der Szenenbildner, der Deutsche Fachverband führt einige Ausbildungsstätten an.
In Österreich und der Schweiz gibt es bis heute keine einschlägigen Ausbildungsmöglichkeiten. Szenenbildner kommen nach wie vor aus verschiedenen Fachrichtungen, unter anderem der Architektur (Hans Poelzig, Ken Adam), dem Bühnenbild oder der Malerei (Alexander Trauner), learning by doing ist die Devise.
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