article

Systemische Führung berücksichtigt i.S. des systemischen Ansatzes ganzheitlich alle Interaktionen zwischen Führungskräften, Mitarbeitern, Kollegen, Kunden, Lieferanten, Finanziers, Markt, Gesellschaft, Kultur und Umwelt. Sie ist skeptisch gegenüber gezielten Führungsinterventionen, weil in komplexen Systemen das Zulassen und Fördern von Selbstorganisation ebenfalls - oder sogar mehr - Erfolg verspricht (Autopoiesis). Die Führungskraft ist nur eine der vielen Kontextfaktoren, die auf die Geführten wirken.

Systemische Ansätze der Führung sind ein "frontaler Angriff" gegen das traditionelle Führungsverständnis. Das Bild vom Manager als der dominante Macher, der auf Grund seines hierarchischen Einflussmonopols das Unternehmen steuert, wird ersetzt durch eine Orientierung an autonomen, verstreuten, selbständigen, selbstorganisierten Subsystemen (Fraktale Fabrik). In der Führungsforschung werden zwar schon seit langem partizipative Stile, teilautonome Gruppen, lockere Kontrolle etc. empfohlen, um die negativen Folgen direktiver Übersteuerung und Überregulierung zu vermeiden. Diese Lösungsvorschläge stützen sich aber meist auf die Human-Relations-Ideologie mit den Zielen Selbstverwirklichung, besseres Betriebsklima, Vertrauen, etc. und darauf aufbauend Leistungsverbesserung. Der systemische Ansatz betrachtet Organisationen als Systeme, die nie vollständig „von oben“ durchorganisiert sein können.

Manche Experten negieren die Möglichkeit systemischen Führens. Die Umsetzung systemtheoretischer Konzepte im Management gestaltet sich oft schwierig, da Sichtweise und Denkinstrumente der Systemtheorie sich nicht mit dem Alltagsverständnis (kausales Denken) und den gelernten Wahrnehmungsmustern von Managern decken. „Einfache Erklärungen haben größeren Appeal als der Verweis auf komplexe und komplizierte, "undurchschaubare" Zusammenhänge“. Oft wird der Manager immer noch als „Lenker oder Macher“ gesehen, wie der Titel eines vor kurzen erschienenen Beitrages zur Führungsforschung in der Zeitschrift „Führung und Organisation“ lautet. Theorieverkürzend wird „systemisch“ oft zur inhaltslosen Worthülse.

systemische Management-Ansätze


  • Systemischer Führungsansatz der Akademie für Führungskräfte Bad Harzburg & Überlingen (Daniel F. Pinnow)
  • systemisches Management (Roswita Königswieser, Rudi Wimmer, Oesterreich / Fritz B. Simon, Heidelberg)
  • Wiener-Ansatz (Wirtschaftsuniversität Wien, Oesterreich)

Auswahlkriterien:
- etabliert
- systemtheoretische Wurzeln (Luhmann)
- betriebswirtschaftlich ausgerichtet
- umfassende, konsistente theoretische Grundlage

Systemischer Führungsansatz der Akademie für Führungskräfte Bad Harzburg & Überlingen

Das Augenmerk des systemischen Ansatzes liegt auf der Betrachtung der wechselseitigen Beziehungen von Systemen. Systeme werden nicht isoliert von ihrer Umwelt betrachtet, sondern in ihren Interaktionen.

systemisches Management

orientiert sich an den humanistischen Werten der Organisationsentwicklung, an systemtheoretischen Konzepten, an Überlegungen zum Konstruktivismus sowie zu der systemischen Beratung, an betriebswirtschaftlichen und organisationstheoretischen Konzepten.

Wiener Managementansatz

versucht eine vorsichtig-optimistische Perspektive hinsichtlich Steuerbarkeit von Organisationen, ausgehend von einer systemtheoretischen Führungstheorie.

Siehe auch


Literatur


  • Baecker, Dirk (Hrsg.): Schlüsselwerke der Systemtheorie, Wiesbaden 2005.
  • Bertalanffy, Ludwig von: Allgemeine Systemtheorie, Deutsche Universitätszeitung 1957, Heft 12
  • Foerster, Heinz von: Einführung in den Konstruktivismus, München 2002
  • Doppler, K. / Lauterburg, C. (1994): Change Management
  • Königswieser, R. / Hillebrand, M. (2004): Einführung in die systemische Organisationsberatung
  • Höhn, Alexander / Pinnow, Daniel F. u.a. (2003): Vorsicht Entwicklung
  • Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt 1984
  • Luhmann, Niklas: Organisation und Entscheidung, 2000
  • Maturana, Humberto R. / Varala, Francisco J.: Autopoiesis and Cognition The Realization of the Living, 1991
  • Neuberger, Oswald: Führen und führen lassen: Ansätze, Ergebnisse und Kritik der Führungsforschung, Stuttgart 2002.
  • Palazzoli, Selvini M.: Hinter den Kulissen der Organisationen
  • Pinnow, Daniel F.: Führen - Worauf es wirklich ankommt, Wiesbaden 2005
  • Simon, Fritz B.: Gemeinsam sind wir blöd!?, Heidelberg 2004
  • Selvini Palazzoli, M. u.a. (1984): Hinter den Kulissen der Organisation
  • Steinkellner, P. (2005): Systemische Intervention in der Mitarbeiterführung. Heidelberg. ISBN 3-8967-0347-1
  • Willke, Helmut: Systemtheorie, I. Grundlagen, II. Interventionstheorie, Stuttgart 1999 und 2000
  • Wimmer, Rudi: Organisation und Beratung, Heidelberg 2004

Personalwesen | Planung und Organisation | Arbeits- und Organisationspsychologie

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Systemische Führung".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld