Die Syro-malabarische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche in Indien. Sie ist den Thomaschristen zuzurechnen und verkörpert deren Stammkirche.
Der nicht mit Rom unierte Zweig der Thomaschristen des ostsyrischen Ritus bildet die Metropolie von Malabar und Indien der Assyrischen Kirche des Ostens. Vor Ort ist sie auch unter dem Namen „Chaldean Syrian Church of the East“ bekannt. Ihre frühere Spaltung in Anhänger des Katholikos-Patriarchen Mar Shimun XXIII. und Altkalendarier unter den (Gegen-) Patriarchen Mar Thomas Darmo und Mar Addai II. wurde unter Katholikos-Patriarch Mar Dinkha IV. geheilt.
Daneben gibt die autokephale Malankara Orthodox-Syrische Kirche (auch Indisch Orthodoxe Kirche), und die Malankara Syrisch-Orthodoxe Kirche, ein Zweig der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien, beide mit westsyrischem Ritus, sowie die Mar Thoma Kirche, eine orthodoxe Kirche in Kirchengemeinschaft mit der Anglikanischen Kirche.
Seit dem achten Jahrhundert hatten die Thomaschristen Indiens ihren eigenen Metropoliten, der in der Rangfolge der syro-chaldäischen Kirche an zehnter Stelle stand. Da die Metropoliten meist die Landessprache nicht beherrschten, wurde die tatsächliche jurisdiktionelle Gewalt bis zum Eintreffen der Portugiesen durch einen einheimischen „Erzdiakon von Indien“ ausgeübt.
Etwa um die Mitte des 4. Jahrhunderts zogen 72 Familien chaldäischer Juden-Christen mit ihrem Führer, dem reichen Kaufmann Thomas von Kinayi (Kana) von ihrer Heimat Kana in Syrien südwärts nach Malabar. Durch sie und ihre Bischöfe, die dem ostsyrischen (chaldäischen) Ritus folgten, kamen die Thomaschristen in Kontakt mit der Chaldäischen Kirche.
Cheraman Perumal, der Herrscher von Malabar, nahm die Zugewanderten freundlich auf und gewährte ihnen das Recht, sich in Kodungalloor niederzulassen. Später erhielten sie fürstliche Privilegien, die auf Kupfertafeln festgehalten wurden. Aus dieser Gruppe entstanden die Knanaya-Christen oder Knananiten. Da sie sich am Südufer des Periyar-Flusses niederließen, wurden sie auch Südchristen genannt, während die einheimischen Christen, die am Nordufer lebten, als Nordchristen bezeichnet werden. Diese Unterscheidung in Nord- und Südchristen existiert heute noch. Die in ihrer eigenen exklusiven Eparchie Kottayam lebenden Knananiten bilden eine streng endogame Gruppierung innerhalb der syro-malabarischen Kirche.
Es gibt heute in Indien ca. 300.000 knananitische Christen; 200.000 gehören zur syro-malabarischen Kirche, 100.000 zur syrisch-orthodoxen Kirche. In beiden Kirchen bilden die Knananiten eine streng endogame ethnische Gruppierung mit eigenen Bischöfen und eigenem Klerus. Diese Endogamie geht so weit, dass ein syro-malabarischer Knananite eine orthodoxe Knananitin heiraten kann, aber niemals eine nicht-knananitische Angehörige der eigenen syro-malabarischen Kirche. Um ihre ethnische Gruppierung rein zu halten, missionieren und evangelisieren die Knanatiten auch nicht – obwohl das eigentlich dem christlichen Missionsauftrag widerspricht. Es ist nicht möglich, durch Konvertierung oder Beitritt Mitglied ihrer Gemeinschaft zu werden.
Am 29. August 1911 wurde das apostolische Vikariat Kottayam, in dem die Knananiten leben, von Pius X. mit dem apostolischen Schreiben In Universi Christiani als exklusives Vikariat für die Knananiten wiedererrichtet, nachdem es 1896 im Vikariat Changanassery unter einem knananitischen Bischof aufgegangen war, und am 21. Dezember 1923 durch Pius XI. zur Eparchie (Diözese) erhoben. Am 9. Mai 2005 wurde die Eparchie Kottayam zur Erzdiözese erhoben.
Legitimiert durch das Padroado-System und mit militärischer Gewalt, die auch vor Bischofsentführungen und Seeblockaden nicht Halt machte, begannen die portugiesischen Kolonisatoren die Thomaschristen unter römische, d.h. portugiesische, Hoheit zu bringen. Als der letzte vom Patriarchen der syrisch-chaldäischen Ostkirche eingesetzte Bischof, Mar Abraham, 1597 starb, verstärkte sich der portugiesische Griff nach Malabar. Der lateinische Erzbischof von Goa, Dom Menezes (Amtszeit 1595–1610), der in Stellvertretung des portugiesischen Vizekönigs auch politischer Machthaber war, wies eine Ermächtigung Papst Clemens VIII. vor, 'übernahm' die Thomaskirche, setzte einen Apostolischen Vikar ein und unterstellte sie gewaltsam der lateinischen Hierarchie (→ Synode von Diamper, 20. Juni 1599).
In den folgenden Jahrhunderten wurden nur noch von Rom oder Goa ernannte ausländische, meist jesuitische, Bischöfe eingesetzt, die sich wenig um die lokalen Traditionen scherten. Die Padroado-Missionare ließen nicht zu, dass noch einmal ein syrisch-chaldäischer Bischof indischen Boden betrat. Am 20. Dezember 1599 wurde die assyrische Metropolie Angamaly zum Suffraganbistum des lateinischen Metropoliten von Goa herabgestuft.
Der Großerzbischof hat über die Eparchien (Diözesen) außerhalb seines eigenen Gebietes nur eine sehr eingeschränkte Leitungsgewalt. Sie sind den benachbarten lateinischen Metropolien zugeordnet; nur die Eparchie Chicago untersteht direkt dem Heiligen Stuhl. Ihre Bischöfe sind ordentliche Mitglieder der syro-malabarischen Bischofssynode, obwohl deren Beschlüsse – außer denen zu liturgischen Themen – für sie nicht bindend sind.
In den Diözesen und Erzdiözesen des eigenen Gebietes und den Eparchien Kalyan und St. Thomas in Chicago hat der Bischof nur die Leitungsgewalt über die syro-malabarischen Christen, während die Bischöfe der übrigen Diözesen die volle Leitungsgewalt über alle Katholiken haben, gleich welchem Ritus sie zugehören.
Bei der Verleihung des Titels eines Großerzbistums an die syromalabarische Glaubensgemeinschaft im Jahr 1992 hatte der heilige Stuhl sich des Recht auf die Jurisdiktion bezüglich der Liturgie und der Ernennung der Bischöfe vorbehalten. Nachdem die Jurisdiktion im Bereich der Liturgie bereits 1998 an die syromalabarische Kirche übertragen worden war, verkündete der Präfekt der päpstlichen Kongregation für die Ostkirchen, Kardinal Ignace Moussa Daoud, dem syro-malabarischen Großerzbischof am Rande der Versammlung der indischen Bischöfe in Thrissur (Unionsstaat Kerala) im Januar 2004, dass der Synod der syro-malabarischen Bischöfe zukünftig auch autonom über die Ernennung der eigenen Bischöfe und die Errichtung und Auflösung von Eparchien (Diözesen) im eigenen Territorium entscheiden können wird.
Damit wird der Synode von nun an mit einer mehrheitlichen Abstimmung über liturgische Fragen und die Auswahl der Bischöfe nach angemessener Bewertung unter verschiedenen Kandidaten für das Bischofsamt entscheiden. Die Namen der Bischöfe werden dann dem Papst zur Billigung unterbreitet.
Was die territoriale Jurisdiktion in Indien anbelangt, hat sich die Kongregation das Recht auf die Errichtung neuer Diözesen außerhalb des Unionsstaates Kerala vorbehalten. Dies soll dem Schutz der Beziehungen zwischen den drei verschiedenen in Indien existierenden Riten (lateinischer Ritus, syromalabarischer Ritus und syromalankarischer Ritus) dienen.
(in Klammern das Jahr der Errichtung)
Großerzbistum Ernakulam-Angamaly (1993)
Im Jahre 1934 initiierte Papst Pius XI. einen Prozess, der die inzwischen weitgehend latinisierten Riten wieder zu ihren orientalischen Ursprüngen zurückführen sollte. Eine aus den ursprünglichen syrischen Quellen wiederhergestellte Liturgie wurde von Pius XII. 1957 bestätigt und 1962 eingeführt. Obwohl die Grundzüge dieser Liturgiereform von der päpstlichen Kongregation für die Ostkirchen 1985 noch einmal bestätigt wurden, gibt es bis heute große Widerstände dagegen. Der meisten syro-malabarischen Diözesen vollziehen einen Ritus, der für Außenstehende kaum vom römischen zu unterscheiden ist. 1996 nahm Papst Johannes Paul II. an der Eröffnungsveranstaltung einer Bischofssynode teil, die zu dem Zweck einberufen wurde, die jahrzehntelangen Streitigkeiten zwischen den „römischen“ und den „orientalischen“ Fraktionen der syro-malabarischen Kirche endlich zu überwinden. Seit 1998 haben die syro-malabarischen Bischöfe die volle Autorität in allen Fragen der Liturgie und der Riten.
Bis 1968 wurde in der Liturgie ausschließlich die Syrische Sprache (aramäische) verwendet, weshalb die Kirche als „syrische“ Kirche bezeichnet wird. 1968 wurde die Heilige Messe erstmals in Malayalam, der Landessprache des Unionsstaates Kerala, gefeiert.
Ein besonderes Kennzeichen dieser Kirche sind die zahlreichen Priester- und Ordensberufe: über 6.000 Diözesanpriester, 30.000 Schwestern und tausende Ordenspriester und Laienbrüder stammen aus der syro-malabarischen Kirche und sind in Diözesen und Kongregationen des lateinischen Ritus tätig, so dass rund 70% aller Priester (Welt- und Ordenspriester) und Schwestern in Indien (mit 17 Millionen Christen bei rund 1 Milliarde Einwohner) ursprünglich dieser Kirche angehören.
Die Kirche unterhält mehrere hundert Schulen und Hochschulen, über tausend Kindergärten und einige hundert Ausbildungs- und Weiterbildungszentren. Dadurch wurde in Kerala eine fast 95%ige Alphabetisierung erreicht, während die Analphabetenquote in Indien 1991 bei 45% lag.
Rom-unierte Kirche | Orthodoxie | Christlicher Orient
Syro-Malabar Catholic Church | Église catholique syro-malabare | Syro-Malabar-katholieke Kerk | Syromalabarski Kościół Katolicki
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