Syrisch gehört als moderner Vertreter des Aramäischen zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachen. Syrisch ist auch die Liturgiesprache verschiedener östlicher Kirchen: Syrisch-Othodoxe Kirche, Syrisch-Katholische Kirche, Syrisch-Maronitische Kirche, Chaldäische Kirche, Assyrische Kirche des Ostens und Die alte apostolische Kirche des Ostens. Die melekitischen Kirchen wurden weitgehend sprachlich arabisiert.
Bezeichnung
Die Bezeichnung „Syrisch“ deutet auf die aramäische Sprache. Folglich machen die meisten Sprecher in der Selbstbezeichnung keinen Unterschied.
Sprachwissenschaftlich werden beiden Begriffe dagegen nicht immer identisch benutzt, sondern mit „Syrisch“ nur ein Teil der aramäischen Sprache bezeichnet, das moderne Ostaramäische.
Sprachgeschichte
„Aramäisch“
Das heutige Syrisch ist die Weiterentwicklung des
Altaramäischen und Reichsaramäischen, das seit der
Christianisierung Syrisch genannt wird.
Altsyrisch
Altsyrisch ist die von
Edessa ausgehende Kirchensprache, die eine Form des Mittelaramäischen ist. Altsyrisch ist in mehreren Formen überliefert. Die verschiedenen Formen spiegeln die religiöse und konfessionelle Teilung in dieser Zeit wieder. Mit der Ausbreitung des
Islams wurde das Altsyrische seit dem
8. Jahrhundert immer weiter zurückgedrängt. Etwa mit dem
Mongolensturm um 1250 spricht man nicht mehr von Altsyrisch, sondern von Neusyrisch oder schlicht Syrisch.
Christlich-Palästinisch war ein von den
Melkiten zwischen dem 6. und 13. Jahrhundert verwendeter aramäischer Dialekt, der in Estrangelo, der ältesten Form der syrischen Schrift, geschrieben wurde. Er zeichnet sich durch starke Verwendung der Konsonanten Alaph, Waw und Judh als Vokale und starken Gebrauch griechischer Fremdworte aus. Aufgrund der Verwendung der syrischen Schrift hat man diesen Dialekt lange Zeit der Syrischen Sprache zugeordnet, er wurde auch als Palästinisch-Syrisch bezeichnet. Die neuere Forschung hat aber erwiesen, dass dieser Dialekt zur westaramäischen Gruppe gehört, während das Syrische ein ostaramäischer Dialekt ist.
Neusyrisch
Auch das Neusyrische wurde im Lauf der Geschichte immer weiter zurückgedrängt, so dass heute nur noch einzelne, relativ kleine
Sprachinseln im ursprünglichen Verbreitungsgebiet übrig geblieben sind. Die Verfolgungen und der
Völkermord, vor allem während des
1. Weltkrieges hat bei den überlebenden Sprechern zu einer
Auswanderungswelle geführt, die bis heute anhält, wodurch das Sprachgebiet weiter schrumpft.
Dialekte
Es gibt zwei verschiedene Formen des Syrischen. Unterteilt werden die Dialekte in klassisches West- und Ostsyrisch und in gesprochenes
Turoyo (aus der westsyrischen Tradition entstanden) und in Madenhoyo (aus der ostsyrischen Tradition entstanden). Das Westsyrische wird hauptsächlich von der
syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien, der
Syrisch-Katholischen und der
maronitischen Kirche als
Liturgiesprache gepflegt. Das Ostsyrische ist die Liturgiesprache der
Assyrischen Kirche des Ostens, der
Alten Apostolischen Kirche des Ostens und der
chaldäischen Kirche.
Verbreitung
Es wird von höchstens 1000,000 Menschen in
Syrien, dem
Iran, dem
Irak, Libanon, der
Türkei und auch von Immigranten aus diesen Ländern in den
USA,
Lateinamerika,
Australien und
Europa gesprochen, hauptsächlich wegen der zum größten Teil durch die
genozidale Verfolgung der Christen im
19. und
20. Jahrhundert erzwungene
Auswanderung.
Schrift
Im Gegensatz zum jüdischen Aramäisch, dessen Schrift dem heutigen
Hebräischen sehr ähnelt, weist das Syrische eine eigene
Schrift und eine eigene umfassende Literatur auf.
Das syrische Alphabet besteht aus 22 Buchstaben. Wie in den meisten anderen semitischen Schriften, gibt es auch in der syrischen Schrift keine eigenen Buchstaben für die Vokale. Diese werden aber z.T. durch die Zeichen für die Halbvokale waw und jod oder, wenn gewünscht, durch Zusatzzeichen über oder unter dem Wort dargestellt. Das Alphabet wies je nach Konfession gewisse Unterschiede auf (Estrangelo, Serto bzw. jakobitische Schrift, nestorianische Schrift).
Literatur
Das Syrische weist eine umfassende eigene
Literatur auf. Berühmte Verfasser syrischer Werke sind u. a.
Bardaisan,
Ephräm der Syrer und
Gregorius Bar-Hebraeus.
Im Neusyrischen (Surayt/Turoyo) gibt es neuerdings auch ein Buch zu lesen:
Malkuno Zcuro (Die Übersetzung des "Le petit prince"/"Der kleine Prinz"),
übersetzt vom Kreis Aramäischer Studierender Heidelberg Bestellbar hier
Lehrbücher des Altsyrischen
- Artur Ungnad: Syrische Grammatik. Mit Übungsbuch. - 2. verbesserte Auflage - München 1932
- Carl Brockelmann: Syrische Grammatik.
Lehrbuch des Neusyrischen
- Jastrow, Otto (1985). Laut- und Formenlehre des neuaramäischen Dialekts von Mīdin im Ṭur cAbdīn. Otto Harrassowitz Verlag: Wiesbaden.
- Jastrow, Otto (1992). Lehrbuch der Ṭuroyo-Sprache. Otto Harrassowitz Verlag: Wiesbaden. ISBN 3-447-03213-8.
- Macuch, Rudolf/Panoussi, Estiphan: Neusyrische Chrestomathie. Wiesbaden 1974. ISBN 3-447-01531-4
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