Die Synästhesie (griechisch συναίσθηση, sinästhissi - die Mitempfindung, auch zeitliches Zusammen-Fühlen) hat mehrere Bedeutungen:
Stark ausgeprägte Synästhesie tritt familiär gehäuft auf, was die Vermutung einer Vererbbarkeit nahelegt.
Synästhesie kann auch als vorübergehender Effekt nach der Einnahme von Halluzinogenen auftreten.
Synästhetiker haben also häufig zu einem Sinnesreiz zwei oder mehrere Wahrnehmungen. Sie können beispielsweise Geräusche nicht nur hören, sondern auch Formen und Farben dazu sehen. Das Geräusch bekommt zusätzlich zu den üblichen Eigenschaften diese weiteren Eigenschaften. Das Bild, das dabei entsteht, überlagert sich jedoch nur bei den wenigsten Synästhetikern mit dem Wahrgenommenen, sondern wird vor einem "inneren Auge" sichtbar.
Synästhesien müssen nicht notwendigerweise mit den fünf Hauptsinnen zu tun haben. Bei Gefühlssynästhetikern erzeugen beispielsweise Sinnesreize Gefühle, oder umgekehrt. Auch abstrakte Begriffe wie eine Jahreszahl oder der Charakter einer Person können bei einem Synästhetiker als Form, Farbe oder sonstige Sinnesqualität wahrgenommen werden.
Diese Synästhesien sind
Alkohol, Lysergsäurediethylamid (LSD) und Tetrahydrocannabinol (THC) verstärken die Synästhesie, Amphetamine verringern sie.
Über die Häufigkeit synästhetischer Wahrnehmung gibt es widersprüchliche Angaben. In der Fachliteratur wird teilweise eine Häufigkeit zwischen 1:2000 und 1:500 bei Erwachsenen genannt, manche gehen aber wieder von einer viel größeren Anzahl von Synästhetikern aus. Neuere Untersuchungen zeigen, dass eine Veranlagung zur Synästhesie bei nahezu allen Menschen vorhanden ist, nur unterschiedlich stark ausgeprägt. Auch über die Verteilung der Häufigkeit zwischen Frauen und Männern liegen voneinander abweichende Angaben vor, diese reichen von 2:1 bis 7:1.
Viele Synästhetiker sind sich der Besonderheit ihrer Wahrnehmung selbst nicht bewusst und erkennen ihre Synästhesie erst, wenn man sie darauf aufmerksam macht. Daher gibt es eine hohe Dunkelziffer.
Synästhesie ist international derzeit ein populärer Forschungsgegenstand, da man sich Erkenntnisse über die Funktionsweise der menschlichen Wahrnehmung erhofft. Auch die Medienaufmerksamkeit hat in den letzten Jahren stark zugenommen.
Für manche Betroffene gehört zur Synästhesie ein soziales Zusammengehörigkeitsgefühl. Früher wagten Synästhetiker selten, anderen von ihrer besonderen Wahrnehmung mitzuteilen, da Wahrnehmungsstörungen durch die Medien mit negativen Assoziationen besetzt waren.
Dies hat sich in jüngster Zeit stark verändert. Es ist inzwischen zweifelsfrei nachgewiesen worden, dass Synästhesie keine Wahrnehmungsstörung ist, sondern im Gegenteil eine bestimmte Wahrnehmungsform darstellt, die von den meisten Synästhetikern als sehr angenehm erlebt wird. Zur Zeit erscheinen in den Medien relativ viele Beiträge über Synästhesie, so dass die breite Masse inzwischen deutlich besser informiert ist als noch vor wenigen Jahren.
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