Die Besiedlung Svalbards erfolgte in erster Linie ab etwa 1900 wegen reicher Kohlevorkommen. In neuerer Zeit gilt Svalbard als „größtes Labor der Welt“ für Arktisforschung, zu dem auch ein Startplatz für Forschungsraketen gehört (SvalRak). Die Inselgruppe ist laut Svalbardtraktat (Spitzbergen-Vertrag) eine demilitarisierte Zone.
Die Jahreszeiten der Inselgruppe sind durch typisches Polarklima gekennzeichnet. Der Polartag beginnt in den nördlichsten Bereichen am 29. April und in den südlichsten schon am 15. April. Die Polarnacht fängt am 22. Oktober beziehungsweise 6. November an. Damit dauern der Polarwinter hier 93 bis 123 Tage, der polare Frühling 52 bis 81 Tage, der Polarsommer 109 bis 137 Tage und der polare Herbst 53 bis 52 Tage. Vor allem der unstetige Wechsel zwischen Helligkeit und Dunkelheit bestimmt das Klima von Svalbard. Weiterhin wird das Wetter der Inselgruppe vom Golfstrom beeinflusst. Von diesem gehen Zweigströme an den westlichen und Teilen der nördlichen Küsten entlang. Dadurch ist Svalbard wärmer als andere Gebiete auf dem gleichen Breitengrad.
In der kälteren Jahreszeit kommt eine geringere Bewölkung als im Sommer vor. In den warmen Monaten gibt es auch häufiger Nebel. Die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer wurde auf 945 Stunden bestimmt. Davon fallen 228 Stunden in den Mai, aber nur 133 Stunden in den Juni. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 183 mm. Niederschläge fallen hauptsächlich als Schnee und das sogar im Sommer.
Fauna
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An größeren Landsäugetieren kommen das Ren, der Eisbär und der Polarfuchs vor. Der Eisbär, dessen Population im Gebiet der Inselgruppe auf ca. 3.000 Tiere geschätzt wird, ist eigentlich ein maritimes Tier, da er sich hauptsächlich auf dem umliegenden Meereis aufhält. Die hier lebende Unterart Spitzbergen-Ren ist kleiner als seine Verwandten in anderen Gebieten der Arktis und kommt nur auf Svalbard vor.
Die Zahl der Meeressäuger war vor dem Beginn der groß angelegten Waljagd bedeutend höher. Lange Zeit waren große Fangflotten unterwegs, die erst Grönlandwale und Nordkaper und später auch verschiedene Furchenwale bejagten. Narwale gab es schon immer nur wenig im Gebiet und die Anzahl der Weißwale, die noch im 19. Jahrhundert in den Fjorden der Inselgruppe gefangen wurden, ist heute stark dezimiert. Das gleiche gilt im verstärkten Maß für Walrosse, die vollständig von den westlichen Küsten vertrieben wurden. Andere Robben, die auf Svalbard vorkommen sind die Sattelrobbe, die Ringelrobbe, die Bartrobbe und vereinzelt auch die Klappmütze.
In Süßwasseransammlungen leben unzählige kleine Krebstiere, wobei die Art Lepidurus (Apus) glacialis, die an Kaulquappen erinnert, besonders ins Auge fällt.
Flora
Die Pflanzenwelt ist typisch für die hiesige Tundrenvegetation. Die meisten der hier vorkommenden 130 Blütenpflanzen findet man auch im skandinavischen Gebirge und auf Nowaja Semlja wieder. Es gibt Steinbrecharten, Fingerkraut, Silberwurz und viele Wiesenpflanzen wie Gräser, Löwenzahn und Wollgras. Der größte Busch ist die Zwergbirke (Betula nana), die man jedoch nur selten antrifft.
Moose bilden an vielen Stellen zusammenhängende Decken, die in den Senken im Landesinneren bedeutende Ausmaße erreichen. Den reichsten Bewuchs findet man entlang der Fjorde, die oft wolkenfrei sind, so dass das Sonnenlicht lange Zeit den Boden erreicht. Das umliegende Meer ist reich an Algen, sogar im Polarwinter unter der Eisdecke. Besonders auffällig sind Braunalgen, die bis zu drei Meter lang werden können. In Süßwassertümpeln leben Kieselalgen und Armleuchteralgen (Charophyceae) und andere mikroskopische Algen färben den Schnee grün oder rot. Diese Färbungen treten vor allem im Sommer in der Nähe von Vogelkolonien auf.
An den Küsten wird eine große Menge von Treibholz angespült, das vorwiegend aus Nadelgehölzen, die von den sibirischen Strömen ins Nordpolarmeer transportiert wurden, besteht.
Bevölkerung
(Norwegische) Hauptstadt von Svalbard ist Longyearbyen auf Spitzbergen mit ca. 1.800 Einwohnern. Dort befindet sich auch die Universität UNIS. Weiters gibt es die russisch-ukrainische Siedlung Barentsburg mit ca. 900 Einwohnern. Ny-Ålesund ist ein norwegisch-internationales Forschungszentrum, in dem zwischen 40 und 100 Forscher tätig sind. In Sveagruva arbeiten bis zu 200 Grubenarbeiter, die aber als Pendler dort keinen festen Wohnsitz haben. Eine polnische Forschungsstation in Hornsund zählt acht Bewohner. Die russische Kohlegrube in Pyramiden wurde 1998 stillgelegt, die Siedlung selbst (zu Spitzenzeiten bis zu 1.000 Einwohner) wurde 2000 aufgegeben.
Geschichte
Frühe Geschichte
Der Name Svalbard tauchte 1194 zuerst in isländischen Schriften auf, wo Svalbardi fundinn („die kalte Küste gefunden“) notiert wurde. Als eigentlicher Entdecker gilt Willem Barents, der am 25. Juni1596 die Inselgruppe sichtete. Nachdem Henry Hudson 1607 die Inseln besuchte, war man an diesen als Jagdgelände interessiert. Als bekannt wurde, dass es in den umliegenden Gewässern viele Wale gibt, kamen große Fangflotten nach Svalbard.
Anfänglich gab es oft Streitigkeiten zwischen den Schiffen der verschiedenen Länder. Daraufhin entschied man sich 1619, die Häfen zwischen den Nationen aufzuteilen. Britische Fangschiffe waren hauptsächlich zum Ende des 18. Jahrhunderts und am Anfang des 19. Jahrhunderts westlich von Svalbard unterwegs. Im Jahre 1788 gab es z. B. 255 britische Fangschiffe. Zwischen 1669 und 1778 reisten 14.167 holländische Schiffe zur Inselgruppe, die zusammen 57.590 Wale fingen. Der holländische Hauptort war Smeerenberg (von holländisch smeer, Fett, und bergen, lagern), der im Nordwesten der Insel Spitzbergen lag. Die Siedlung hatte viele Häuser und glich schon einer kleineren Stadt. Im Hafen lagen zeitweise 200 bis 300 Schiffe mit zusammen über 12.000 Mann Besatzung und in den Häusern wohnten Handwerker und Händler. Heute findet man von diesen Gebäuden nur noch die Grundmauern wieder.
Auch russische Jäger gab es auf Svalbard. Diese machten vor allem in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Jagd auf Weißwale, Eisbären, Polarfüchse, Walrosse und andere Robben.
Svalbard besitzt kein eigenes Parlament, sondern wird direkt von einem Repräsentanten der norwegischen Regierung geleitet. Dieser trägt den Namen Sysselmann und ist gleichzeitig Polizeichef, Hilfsrichter und Inhaber anderer offizieller Funktionen. Er soll auch die Rechte und Pflichten sicherstellen, die Norwegen laut Spitzbergen-Vertrag obliegen.
Infrastruktur
Svalbard ist durch den internationalen Flughafen in Longyearbyen mit Norwegen und anderen Ländern verbunden. Weiterhin kommen im Sommer verschiedene Forschungs- und Touristenschiffe in die Häfen. Außerhalb der Ortschaften gibt es so gut wie keine befestigten Wege. So erfolgen die Transporte mittels Flugzeug, Schiff und Motorschlitten. Der größte Arbeitgeber der Inselgruppe, die norwegische Bergbaugesellschaft Store Norske Spitsbergen Kulkompani A/S, hat zwei eigene Flugzeuge, die für Transporte zwischen Sveagruva und Longyearbyen eingesetzt werden.
Wirtschaft
Da der Spitzbergen-Vertrag beinhaltet, dass Norwegen keine Einkünfte aus Svalbard beziehen darf, bleiben die eingezogenen Steuern auf der Inselgruppe. Dies hat wiederum zur Folge, dass das Steuerniveau im Gegensatz zu anderen norwegischen Gebieten sehr niedrig liegt. Die Einkommenssteuer liegt unter 20 % und eine Umsatzsteuer existiert überhaupt nicht.
Tourismus
Svalbard lebt auch vom Tourismus. Da auf den Inseln aber Eisbären leben, sollte man nur mit (bewaffnetem) Führer ins Umland wandern (siehe auch die Weblinks).