| ICD-10-Code Supraventrikuläre Tachykardien
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| | I45.6 | Präexzitations-Syndrom - Lown-Ganong-Levine-Syndrom - Wolff-Parkinson-White-Syndrom
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| I47.1 | Paroxysmale SV-Tachykardie - Atrioventrikuläre *Tachykardie - AV-junktionale Tachykardie - Knotentachykardie - Vorhoftachykardie
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| I47.9 | Paroxysmale Tachykardie nicht näher bezeichnet - Bouveret- (Hoffmann-) Syndrom
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Supraventrikuläre Tachykardie (Abk.
SV-Tachykardie oder
SVT) ist ein Begriff aus der
Medizin und bezeichnet eine ganze Gruppe verschiedener
Herzrhythmusstörungen. Gemeinsam ist ihnen ein unangemessen schneller
Puls von mehr als 100 Schlägen in der Minute und ein Ursprung der Rhythmusstörung oberhalb der Herzkammern (vgl.
Aufbau des Herzens).
Formen und Nomenklatur
Die Zuordnung einzelner Rhythmusstörungen zu den SVT wird uneinheitlich gehandhabt. Je nach Ursprungsort und beteiligten Strukturen des
Reizleitungssystems wird u. a. zwischen
- Sinusknoten-Reentrytachykardien,
- fokalen atrialen Tachykardien,
- atrialen Makro-Reentrytachykardien,
- junktionalen ektopen Tachykardien,
- AV-Knoten-Reentrytachykardien und
- AV-Reentrytachykardien bei akzessorischer Leitungsbahn
unterschieden. Meist werden auch die
Sinustachykardie sowie Tachykardien bei
Vorhofflattern und
Vorhofflimmern als SVT bezeichnet
[Stellbrink C: Therapie bedrohlicher Herzrhythmusstörungen. Internist (2005) 46:275-284.].
Nicht mehr üblich sind die historischen Bezeichnungen
Bouveret-Syndrom oder
paroxysmale Tachykardie vom Typ Bouveret-Hoffmann für atriale Tachykardien mit abruptem Beginn und Ende.
Als paroxysmal werden Tachykardien mit plötzlichem Beginn und ebenso plötzlichem Ende bezeichnet. Der Begriff Reentry (von engl.: Wiedereintritt) beschreibt im Zusammenhang mit Tachykardien eine unübliche „kreisende Erregung“ im Herzen.
Symptome
Die von der Tachykardie verursachte Beschleunigung des Pulses wird von den meisten Patienten sofort als „Herzjagen“ oder „
Herzrasen“ bemerkt. Bei Vorhofflimmern und Vorhofflattern ist der Puls dabei unregelmäßig, bei den übrigen Formen regelmäßig. Allerdings kann die Tachykardie auch stunden- und sogar tagelang unbemerkt bleiben. Luftnot (
Dyspnoe) oder ein Engegefühl in der Brust (
Angina Pectoris) können hinzutreten, wenn es durch die Tachykardie zu einer
Herzinsuffizienz oder Mangeldurchblutung des Herzmuskels kommt. Bei hohen Pulsfrequenzen ist ein
Schwindelgefühl bis hin zur Bewusstlosigkeit (
Synkope) häufig. Nach dem Ende der Tachykardie verspüren viele Patienten einen auffälligen
Harndrang.
Diagnose
SV Tachycardia marked.jpg-Registrierung (diskontinuierlich) mit Beginn (roter Pfeil) und Ende (blauer Pfeil) einer SV-Tachykardie mit einer Pulsfrequenz von ca. 128/min.]]
Zwar lässt sich die Tachykardie bereits bei der Pulsmessung im Rahmen der körperlichen Untersuchung
diagnostizieren, eine Unterscheidung zwischen
ventrikulärer und supraventrikulärer Tachykardie ist aber nur mit Hilfe des
Elektrokardiogramms möglich. Dort weist die SV-Tachykardie in der Regel schmale QRS-Komplexe (vgl.
EKG-Nomenklatur) auf, die denen des normalen Sinusrhythmus gleichen. Besteht allerdings gleichzeitig ein
Schenkelblock mit verbreiterten QRS-Komplexen, so ist die SV-Tachykardie zunächst nicht von der ventrikulären Tachykardie zu unterscheiden. In diesem Fall hilft oft eine genaue Formanalyse der QRS-Komplexe, wobei die folgenden Kriterien für eine ventrikuläre Tachykardie sprechen:
- QRS-Breite > 140 Millisekunden (ms) bei Rechtsschenkelblock bzw. > 160 ms bei Linksschenkelblock
- RS-Intervall > 100 ms in einer Brustwandableitung
- Negativer QRS-Komplex in allen Brustwandableitungen (negative Konkordanz)
- Ventrikuläre Fusionsschläge oder AV-Dissoziation.
Therapie
Sinustachykardien bedürfen in der Regel keiner besonderen Therapie. Allerdings wird versucht, eine evtl. zugrundeliegende Ursache zu identifizieren und ggf. zu therapieren. Die Grundzüge der Behandlung von Vorhofflimmern und Vorhofflattern sind im Artikel
Vorhofflimmern dargelegt.
Die Mehrzahl der Patienten mit den übrigen genannten SV-Tachykardien benötigt entweder keine oder lediglich im Anfall eine vorübergehende medikamentöse Therapie. Dabei werden u. a. Adenosin, Flecainid oder Propafenon eingesetzt, gelegentlich auch Betablocker oder Verapamil. Bei häufig auftretenden und störenden Anfällen kann eine medikamentöse Prophylaxe mit einem Betablocker oder einem anderen Antiarrhythmikum versucht werden, deren Erfolg allerdings nicht vorhersehbar ist.
Nur bei unbefriedigender Wirkung der Medikamente oder inakzeptablen Nebenwirkungen wird eine invasive Therapie entweder im Rahmen einer Herzkatheterbehandlung oder in Form einer Herzoperation in Betracht gezogen. Eine Minderheit der Patienten kann allerdings durch eine Katheterablation so nachhaltig und mit geringem Risiko behandelt werden, dass diese einer medikamentösen Therapie vorzuziehen ist [Lewalter T und Nickenig G: Pharmakotherapie der supraventrikulären Rhythmusstörungen. Internist (2006) 47:80-88.].
Vorbeugung
SV-Tachykardien können durch Einflüsse des
vegetativen Nervensystems ausgelöst werden. Betroffene Patienten sollten deswegen Aufregungen und Stress-Situationen möglichst aus dem Weg gehen. Auch der Konsum von
Alkohol,
Nikotin und
Koffein sollte zumindest versuchsweise eingeschränkt werden, da er die Tachykardien auslösen kann.
Quellen
Kardiologie | Supraventricular tachycardia