Unter Suppletion versteht man in der Sprachwissenschaft die Bildung eines (linguistischen) Paradigmas unter Verwendung verschiedener Wurzeln im Gegensatz zu einem nicht-suppletivischen („regelmäßigen“, „regulären“) Paradigma.
Beispiele
Als Beispiel seien drei Adjektive genannt. In der ersten Spalte steht ein nicht-suppletivisches Paradigma (
„hell“), in der zweiten ein
deutsches suppletivisches (
„gut“). In der dritten Spalte steht ein
lateinisches Beispiel für ein suppletivisches
Adjektiv (
bonus, was auch „gut“ heißt), um zu demonstrieren, dass sich ein Suppletivsystem auf das ganze Paradigma ausdehnen kann.
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| Stufe
| Deutsch, nicht-suppletivisch
| Deutsch, suppletivisch
| Latein, suppletivisch
| -
| Positiv | hell | gut | bonus
| -
| Komparativ | heller | besser | melior
| -
| Superlativ | am hellsten | am besten | optimus
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Vorkommen
Ein Suppletivsystem (kurz für „suppletivisches Paradigma“) muss nicht auf die Kategorie der Adjektive beschränkt sein. Viele
indogermanische Sprachen haben Suppletivsysteme nicht nur in den Adjektiven, sondern auch in den Verben (
Englisch go -
went -
gone oder auch
Latein esse -
sum -
fui). In den indogermanischen Sprachen ist Suppletion bei
Nomina sehr selten, wenn überhaupt vorhanden. Das englische
people mag der
Plural von
person sein, aber das ist diskussionswürdig.
Unterscheidung zu anderen Wurzeländerungen
Wurzeländerung durch Umlaut
Im Deutschen, aber auch in anderen Sprachen tritt im Paradigma oft auch eine Änderung der Wurzel durch
Umlaut ein. Auch wenn sich dadurch die Wurzel ändert, ist dies keine Suppletion, denn die ursprüngliche Wurzel bleibt gleich.
Beispiel:
stark -
stärker - am
stärksten
Stammänderung durch Lautwandel
Auch der Wechsel von
genus zu
generis (Latein für „Geburt“, „Abkunft“) ist keine Suppletion, denn zwischen
Vokalen wechselte das Lateinische vor der klassischen Periode von S zu R (sogenannter Lateinischer
Rhotazismus[Quelle dieser Information: Der Kleine Stowasser - Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch, ISBN 3-209-00225-8, Auflage Jahr 1991, §29 auf Seite XVII]. Die sogenannten Heteroklitika gehören in die selbe Kategorie, jedoch hat dieser Lautwandel schon zu
indogermanischer Zeit stattgefunden.
Ursprung
Suppletivsysteme können dadurch entstehen, dass ein Wort ursprünglich ein reguläres Paradigma hat, wobei jedoch dem Wort mehr Kraft durch Hinzufügungen verliehen wird, die später die regulären Formen ersetzen. Daher kommen Suppletivsysteme vor allem bei häufig gebrauchten Wörtern vor.
Referenz
Sprachwissenschaft
Suppletion | Supletismo