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Sumpf-Stendelwurz
: Spargelartige (Asparagales)
: Orchideen (Orchidaceae)
: Epidendroideae
: Neottiae
: Limodorinae
: Stendelwurzen (Epipactis)
: Sumpf-Stendelwurz
Wissenschaftlicher Name Epipactis palustris (L.) Crantz 1769 Die Sumpf-Stendelwurz (Epipactis palustris), die auch als Weiße Sumpfwurz, Echte Sumpfwurz oder Sumpf-Sitter bekannt ist, ist eine aus der der Stendelwurzen (Epipactis) aus der der Orchideen (Orchidaceae). Die Namen nehmen Bezug auf die von dieser Art bevorzugten feuchten Standorte.

Die Sumpf-Stendelwurz ist die Orchidee des Jahres 1998.

Morphologie, Blütezeit


Die Sumpf-Stendelwurz erreicht eine Wuchshöhe von 20 bis 50 cm. Besonders kräftige Pflanzen können bis zu 80 cm hoch werden.

Am Grund sind 2-4 schuppenartige, grüne oder violett überlaufene Laubblätter.

Die 5 bis 8 zweizeilig angeordneten Laubblätter sind im unteren Drittel des Stängels lanzettlich bis eiförmig spitz geformt mit einer Länge von 5 bis 10 cm und einer Breite von 2 bis 4 cm. Darüber sind sie tragblattartig geformt mit einer Länge von 2 bis 4,5 cm.

Der Blütenstand ist 6 bis 15 cm lang und meist lockerblütig mit 5 bis 20 Blüten besetzt.

Die Blüten sind einseitswendig angeordnet. Die Blütenblätter des äußeren Kreis des Perigon sind lanzettlich geformt. Das obere Blütenblatt ist 8-12 mm lang und 3,5 bis 4 mm breit, die beiden seitlichen sind etwas länger. Sie sind meist grünlich gefärbt und rot-violett überlaufen. Selten sind sie vollständig grün oder kräftig violett gefärbt. Die beiden oberen Blütenblätter des inneren Kreises sind sind ellipsoid bis eiförmig, 8 bis 11 mm lang, ca. 4 mm breit und weiß bis hellrosa gefärbt mit violetten Linien entlang der Aderung. Die Lippe ist in zwei Glieder geteilt und 9 bis 13 mm lang. Der hintere Teil der Lippe (Hypochil) ist schüsselförmig, weißlich gefärbt mit rötlich-violetter Linienzeichnung. In der Mitte wird Nektar abgesondert. Der vordere Teil der Lippe (Epichil) ist rund, weiß gefärbt und am Rand gewellt. Er besitzt am Grund zwei deutliche Wülste, die von einer orangeroten Linie umgeben sind. Vorder- und Hinterlippe sind durch ein bewegliches Glied verbunden.

Die Pflanze wächst aus einem langen, stark verzweigten, waagrechten Rhizom. Es werden während der Wachstumszeit mehrere Neutriebe gebildet. So kommt es zu einer vegetativen Vermehrung.

Die Blütezeit liegt zwischen Juni und August.

Genetik, Entwicklung


Die Sumpf-Stendelwurz hat einen Karyotyp von zwei Chromosomensätzen und jeweils 20 Chromosomen (Zytologie: 2n = 40). Der Same dieser Orchidee enthält keinerlei Nährgewebe für den Keimling. Die Keimung erfolgt daher nur bei Infektion durch einen Wurzelpilz (Mykorrhiza).

Ökologie


Die Sumpf-Stendelwurz besiedelt bevorzugt stickstoffarme Feuchtwiesen und Flachmoore auf basischen oder kalkreichen Böden mit verschiedenen Pflanzengesellschaften. Auch zwischen Dünen an der Nordsee ist sie zu finden. Selten wächst sie auf trockeneren Böden, zum Beispiel in Begleitung des Helm-Knabenkraut.

  • Pflanzengesellschaften:
    • Verband Caricion davallianae (Kalk-Flachmoor, Kleinseggenried)
    • Verband Magnocaricion (Niedermoor-Großseggenried)
    • Verband Calthion (Feuchtwiese, Sumpfdotterblumenwiese)
    • Verband Molinion caeruleae (Streuwiese)

Aufschlüsselung siehe Pflanzensoziologische Einheiten nach Oberdorfer

Verbreitung


Die Verbreitung der Sumpf-Stendelwurz zieht sich durch die temperate und submeridionale Florenzone durch Europa bis Vorderasien, in Asien weiter bis Sibirien, Kaukasien und den Westen des Iran. Nach Norden dringt sie nur wenig in die boreale Zone nach Skandinavien vor, in der meridionalen Zone bis Italien, Griechenland und Anatolien.

In Deutschland hatte die Sumpf-Stendelwurz einst eine weite Verbreitung. Die dichtesten Vorkommen liegen in Bayern in den Alpen und im Alpenvorland. In Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg gibt es ebenfalls noch in geringerem Maß mehrere aktuelle Nachweise. In den anderen Bundesländer sind die Vorkommen selten oder selten geworden und weit verstreut.

In der Schweiz liegen die meisten aktuellen Vorkommen in der Nordschweiz um den Sarner See, Vierwaldstätter See und Zürichsee bis zum Rheintal. Die Vielzahl der Funde ist auf eine intensive Kartierung bis zum Jahr 2000 zurückzuführen. Weiterhin gibt es noch mehrere Vorkommen um den Lac de la Gruyère. In der restlichen Schweiz liegen die verbliebenen noch aktuellen Vorkommen ebenfalls zerstreut.

Naturschutz und Gefährdung


Wie alle in Europa vorkommenden Orchideenarten steht auch die Sumpf-Stendelwurz unter strengem Schutz europäischer und nationaler Gesetze.

Die größten Gefahren sind seit geraumer Zeit Stickstoffeintrag durch Düngen und Trockenlegen der Standorte. Besonders die in früherer Zeit häufigen Streuwiesen waren von diesen Maßnahmen betroffen. Durch die spätere Blütezeit besteht eine Gefährdung durch zu frühe Mahd.

Unterarten, Variabilität, Hybriden


Unterarten, Formen, Varietäten

Eine gedrungene, wenigblütige Form, die in Dünen und auf meist trockeneren Flächen wächst ist als Epipactis palustris f. ericetorum beschrieben worden. Als Pflanze feuchter Standorte dürfte es sich hier um eine Anpassung auf die geringere Feuchtigkeit handeln.

Naturhybride

  • Epipactis × pupplingensis Bell 1968 - (Epipactis atrorubens × palustris)
Die Hybride zwischen Braunroter Stendelwurz und Sumpf-Stendelwurz wurde nach der Pupplinger Au benannt. Sie ist in der Regel gut zu bestimmen. Die Form der Blüte, besonders die der Vorderlipppe, tendiert stark zur Sumpf-Stendelwurz, die meist dunkle Färbung vererbt die Braunrote Stendelwurz.

Künstlich erzeugte Hybriden Die Sumpf-Stendelwurz hat sich als Nachzucht in Kultur nach einer Eingewöhnungsphase als relativ unempfindliche Pflanze erwiesen. Sie wurde daher gern als Kreuzungspartner für Hybriden verwendet.

  • Epipactis Alegria (Ep. palustris × thunbergii)
  • Epipactis Colorado (Ep. atrorubens × palustris) (Die künstlich erzeugte Hybride wurde unter diesem Namen bei der Royal Horticultural Society in London registriert.)
  • Epipactis Passionata (palustris × royleana)
  • Epipactis Renate (palustris × veratrifolia)
  • Epipactis Sabine (gigantea × palustris)
  • Epipactis Ventura (palustris × mairei)

Durch das geringe Interesse und die nicht sehr einfache Vermehrung werden diese Hybriden nur selten in spezialisierten Gärtnereien angeboten.

Systematik


Carl von Linné beschrieb diese Art 1753 als Serapias helleborine var. palustris; der Name gilt heute als Basionym. Er stufte sie als Varietät von Serapias helleborine ein, der heutigen Epipactis helleborine. Crantz überführte sie 1769 in die von Johann Gottfried Zinn 1757 begründete Gattung Epipactis.

Thilo Irmisch unterteilte die Gattung 1842 mit ihren damals fünf bekannten Arten in zwei Sektionen. Die Sumpf-Stendelwurz gliederte er als einzige Art in die Sektion Arthrochilium.

Die Synonyme sind:

  • Serapias helleborine var. palustris L. 1753 (Basionym)
  • Helleborine palustris (L.) Hill 1756
  • Serapias longifolia L. 1763
  • Serapias palustris (L.) Mill. 1768
  • Epipactis longifolia (L.) All. 1785
  • Serapias longiflora Asso 1779
  • Helleborine longifolia (L.) Moench 1794
  • Cymbidium palustre (L.) Sw. 1799
  • Helleborine latifolia Moench 1802
  • Helleborine palustris (L.) Schrank 1814
  • Epipactis salina Schur 1866
  • Epipactis palustris f. ochroleuca Barla 1868
  • Arthrochilium palustre (L.) Beck 1890
  • Limodorum palustre (L.) Kuntze 1891
  • Calliphyllon palustre (L.) Bubani 1901
  • Amesia palustris (L.) A. Nelson & J.F. Macbr. 1913

Weitere Bilder


Bild:Epipactis palustris 100705.jpg|Am Standort im Virngrund, zusammen mit Sumpf-Ziest Bild:Epipactis_palustris_230705b.jpg|Blütenstand mit kräftig gefärbten Blüten in den Tannheimer Bergen

Literatur


  • AHO (Hrsg.): Die Orchideen Deutschlands. Verlag AHO Thüringen, Uhlstädt - Kirchhasel 2005, ISBN 3-00-014853-1
  • Fritz Füller: Epipactis und Cephalanthera (Orchideen Mitteleuropas, 5. Teil). 4. Auflage (unveränderter Nachdruck der 3. Auflage von 1986). Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2005 (Die Neue Brehm-Bücherei, Band 329), ISBN 3-89432-310-8
  • T. Irmisch: Bemerkungen über die Epipactisarten der deutschen Flora. In: Linnaea 16,1842. S. 417-462

Standardwerke

  • Karl-Peter Buttler: Orchideen, die wildwachsenden Arten Europas. Mosaik Verlag 1986, ISBN 3-570-04403-3
  • Robert L. Dressler: Die Orchideen - Biologie und Systematik der Orchidaceae. (1996) - gutes Werk zum Thema Systematik *
  • Hans Sundermann: Europäische und mediterrane Orchideen. Brücke-Verlag, 2. Auflage: 1975, ISBN 3-871-05010-5
  • J. G. Williams: Orchideen Europas mit Nordafrika und Kleinasien. BLV Verlag, ISBN 3-405-11901-4

Weblinks


Verbreitungskarten:

Regionales:

Siehe auch:

Orchideen

Kruštík bahenní | Epipactis palustris | Épipactis des marais | Epipactis palustris | Pelkinis skiautalūpis | Moeraswespenorchis

 

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