| Sumpf-Stendelwurz | ||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| : | Spargelartige (Asparagales) |
| : | Orchideen (Orchidaceae) |
| : | Epidendroideae |
| : | Neottiae |
| : | Limodorinae |
| : | Stendelwurzen (Epipactis) |
| : | Sumpf-Stendelwurz |
Die Sumpf-Stendelwurz ist die Orchidee des Jahres 1998.
Die Sumpf-Stendelwurz erreicht eine Wuchshöhe von 20 bis 50 cm. Besonders kräftige Pflanzen können bis zu 80 cm hoch werden.
Am Grund sind 2-4 schuppenartige, grüne oder violett überlaufene Laubblätter.
Die 5 bis 8 zweizeilig angeordneten Laubblätter sind im unteren Drittel des Stängels lanzettlich bis eiförmig spitz geformt mit einer Länge von 5 bis 10 cm und einer Breite von 2 bis 4 cm. Darüber sind sie tragblattartig geformt mit einer Länge von 2 bis 4,5 cm.
Der Blütenstand ist 6 bis 15 cm lang und meist lockerblütig mit 5 bis 20 Blüten besetzt.
Die Blüten sind einseitswendig angeordnet. Die Blütenblätter des äußeren Kreis des Perigon sind lanzettlich geformt. Das obere Blütenblatt ist 8-12 mm lang und 3,5 bis 4 mm breit, die beiden seitlichen sind etwas länger. Sie sind meist grünlich gefärbt und rot-violett überlaufen. Selten sind sie vollständig grün oder kräftig violett gefärbt. Die beiden oberen Blütenblätter des inneren Kreises sind sind ellipsoid bis eiförmig, 8 bis 11 mm lang, ca. 4 mm breit und weiß bis hellrosa gefärbt mit violetten Linien entlang der Aderung. Die Lippe ist in zwei Glieder geteilt und 9 bis 13 mm lang. Der hintere Teil der Lippe (Hypochil) ist schüsselförmig, weißlich gefärbt mit rötlich-violetter Linienzeichnung. In der Mitte wird Nektar abgesondert. Der vordere Teil der Lippe (Epichil) ist rund, weiß gefärbt und am Rand gewellt. Er besitzt am Grund zwei deutliche Wülste, die von einer orangeroten Linie umgeben sind. Vorder- und Hinterlippe sind durch ein bewegliches Glied verbunden.
Die Pflanze wächst aus einem langen, stark verzweigten, waagrechten Rhizom. Es werden während der Wachstumszeit mehrere Neutriebe gebildet. So kommt es zu einer vegetativen Vermehrung.
Die Blütezeit liegt zwischen Juni und August.
Die Sumpf-Stendelwurz besiedelt bevorzugt stickstoffarme Feuchtwiesen und Flachmoore auf basischen oder kalkreichen Böden mit verschiedenen Pflanzengesellschaften. Auch zwischen Dünen an der Nordsee ist sie zu finden. Selten wächst sie auf trockeneren Böden, zum Beispiel in Begleitung des Helm-Knabenkraut.
Aufschlüsselung siehe Pflanzensoziologische Einheiten nach Oberdorfer
In Deutschland hatte die Sumpf-Stendelwurz einst eine weite Verbreitung. Die dichtesten Vorkommen liegen in Bayern in den Alpen und im Alpenvorland. In Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg gibt es ebenfalls noch in geringerem Maß mehrere aktuelle Nachweise. In den anderen Bundesländer sind die Vorkommen selten oder selten geworden und weit verstreut.
In der Schweiz liegen die meisten aktuellen Vorkommen in der Nordschweiz um den Sarner See, Vierwaldstätter See und Zürichsee bis zum Rheintal. Die Vielzahl der Funde ist auf eine intensive Kartierung bis zum Jahr 2000 zurückzuführen. Weiterhin gibt es noch mehrere Vorkommen um den Lac de la Gruyère. In der restlichen Schweiz liegen die verbliebenen noch aktuellen Vorkommen ebenfalls zerstreut.
Die größten Gefahren sind seit geraumer Zeit Stickstoffeintrag durch Düngen und Trockenlegen der Standorte. Besonders die in früherer Zeit häufigen Streuwiesen waren von diesen Maßnahmen betroffen. Durch die spätere Blütezeit besteht eine Gefährdung durch zu frühe Mahd.
Eine gedrungene, wenigblütige Form, die in Dünen und auf meist trockeneren Flächen wächst ist als Epipactis palustris f. ericetorum beschrieben worden. Als Pflanze feuchter Standorte dürfte es sich hier um eine Anpassung auf die geringere Feuchtigkeit handeln.
Naturhybride
Künstlich erzeugte Hybriden Die Sumpf-Stendelwurz hat sich als Nachzucht in Kultur nach einer Eingewöhnungsphase als relativ unempfindliche Pflanze erwiesen. Sie wurde daher gern als Kreuzungspartner für Hybriden verwendet.
Durch das geringe Interesse und die nicht sehr einfache Vermehrung werden diese Hybriden nur selten in spezialisierten Gärtnereien angeboten.
Thilo Irmisch unterteilte die Gattung 1842 mit ihren damals fünf bekannten Arten in zwei Sektionen. Die Sumpf-Stendelwurz gliederte er als einzige Art in die Sektion Arthrochilium.
Die Synonyme sind:
Standardwerke
Kruštík bahenní | Epipactis palustris | Épipactis des marais | Epipactis palustris | Pelkinis skiautalūpis | Moeraswespenorchis
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