SummaTheologiae.jpg Summa theologica (auch Summa theologiae) bezeichnet eine Schrift von Thomas von Aquin aus den Jahren 1265 oder 1266 bis 1273. Korrekt lautet die Bezeichnung Summa de theologia (deutsch: „Die theologische Summe“, im übertragenen Sinne: „Die katholische Wahrheit“).
Thomas von Aquin erstellte ein System, in dem er Glauben und Wissen seiner Zeit aufeinander bezieht. Thomas zeigt, dass Gott das Sein selbst ist. Sein Wesen fällt - im Gegensatz zu allem Geschöpflichen - mit seinem Sein zusammen (vgl. auch die Natürliche Theologie). Von diesem Sein Gottes ist dementsprechend das endliche Sein aller Geschöpfe zu unterscheiden. Das endliche Sein ist auf das unendliche Sein Gottes bezogen, ja nur durch dieses überhaupt möglich. D.h.: Gott ist das unendliche Sein; die Geschöpfe das endliche Sein.
Thomas versammelte in dieser Summa auch einige umstrittene Gottesbeweise. Die Lehre vom Sein (Ontologie) übernahm Thomas von Aristoteles und entwickelte sie weiter.
Zu den anthropologischen, rechts- und staatsphilosophisch wichtigen Aussagen gehören u.a.:
Bei der Frage nach dem Ursprung des Schlechten trifft Thomas eine klassisch gewordenen Unterscheidung: Das Schlechte, das in einem Mangel der Tätigkeit besteht oder durch einen Mangel des Wirkenden verursacht wird, kann nicht auf Gott zurückgeführt werden. Das Schlechte, das in der Zerstörung mancher Dinge besteht, ist von Gott verursacht, denn die Ordnung des Weltalls erfordert, dass es Dinge gibt, die versagen können und bisweilen versagen. Zur Ordnung der Welt gehört auch die Ordnung der Gerechtigkeit, die verlangt, dass die Sünder bestraft werden. Insofern Strafe für den Bestraften etwas Schlechtes ist, ist Gott Urheber des Schlechten; er ist aber nicht Urheber des Schlechten, das Schuld bzw. Böses ist.
Nach der Engel- und Dämonenlehre wird die Erschaffung der stofflichen Seienden behandelt; die Gliederung dieses Teils schließt an den Bericht der Genesis über das Sechstagewerk an.
Mit der Quaestio 75 beginnt die Lehre von der Erschaffung des Menschen. Zuerst werden das Wesen der menschlichen Seele und ihre Kräfte untersucht. Die menschliche Geist-Seele wird im aristotelischen Sinne als Formprinzip des Leibes betrachtet.
Besonders wichtig sind die Quaestionen 84 - 88 über die geistige Erkenntnis. Die folgenden Erörterungen betreffen die Leitung der Welt, die Einwirkung der Engel und Dämonen auf die Welt, sodann die Einwirkung der Himmelskörper auf das irdische Geschehen. Da es sich hierbei um das Wirken der Zweitursachen handelt, deren Ordnung Schicksal (fatum) heißt, geht Thomas in vier Artikeln auf dieses ein. Die letzten Quaestionen des 1. Teils sind menschlicher Wirksamkeit und Fortpflanzung gewidmet.
Im 2. Teil wird die Morallehre vorgelegt. Hauptthema ist das letzte Ziel menschlichen Lebens und das, wodurch der Mensch zu diesem Ziel gelangen oder es verfehlen kann. Jedes Handeln und Geschehen erfolgt um eines Zieles willen. Vernunftbegabte Wesen wie der Mensch leiten sich gleichsam selbst zum Ziel, weil sie vermittelst ihrer Entscheidungsfreiheit die Herrschaft über ihre Handlungen haben; vernunftlose Geschöpfe haben eine natürliche Hinordnung zum Ziel. Letztes Ziel aller Menschen ist die Glückseligkeit (beatitudo), über deren Inhalt freilich oft Unklarheit herrscht. Die vollkommene Glückseligkeit besteht in der Schau der göttlichen Wesenheit und ist in diesem Leben nicht zu erlangen. Weil der Mensch dieses Ziel aufgrund von Handlungen erreicht, werden diese untersucht. Diese Untersuchung wird zuerst im allgemeinen, dann im besonderen vorgenommen, womit Thomas sich der Tugendlehre zuwendet. Tugend (virtus) ist „eine gute Beschaffenheil - im Sinne von Habitus - des Geistes, aufgrund der richtig gelebt wird, die niemand schlecht gebraucht, die Gott in uns ohne unsere Mithilfe bewirkt“. Zum letzteren wird ausgeführt, dass es sich hierbei um eine eingegossene Tugend (virtus infusa) handelt, die von Gott zwar ohne unsere Aktivität, nicht aber ohne unsere Zustimmung verursacht wird. Alle Bereiche der Tugendlehre werden von Thomas berücksichtigt: Die dianoetischen (virtutes intellectuales), die theologischen (Glaube, Hoffnung, Liebe), die moralischen Tugenden und die Sünden; Gesetz im allgemeinen und im besonderen, göttliche Gnade und Rechtfertigung.
Während die Untersuchungen in der ersten Hälfte des zweiten Teils meist allgemeiner Natur sind, haben sie in der zweiten Hälfte speziellen Charakter. Zur viel diskutierten Frage nach dem Vorrang der vita activa oder der vita contemplativa nimmt Thomas in folgender Weise Stellung: Die „vita contemplativa" ist generell besser als die „vita activa“; aufgrund besonderer Umstände ist aber nicht selten der „vita activa“ der Vorzug zu geben.
Die Summa theologica ist ein theologisches Werk und beruht in Struktur und Inhalt auf der Offenbarung Gottes, die analysiert, dargelegt und auf ihre Konsequenzen hin untersucht wird. Jedoch werden zur Erklärung und Verteidigung theologischer Lehren sehr häufig philosophische Einsichten herangezogen. Wenn man diese Abschnitte aus ihrem theologischen Kontext herauslöst, hat man komplette philosophische Kurzabhandlungen, vor allem im Bereich der Metaphysik, Anthropologie und Moralphilosophie. Insofern kommt dem Werk auch eine sehr große philosophische Bedeutung zu. Die Sprache des Werkes ist kunstlos, aber von großer Klarheit. Die Theologie wird konsequent mit der von Aristoteles überkommenen Begrifflichkeit durchdrungen. So ist Thomas beispielsweise der erste Scholastiker, der die menschliche Seele als Formprinzip (forma) des Leibes betrachtet.
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