Der Suhrkamp Verlag ist ein 1950 gegründeter deutscher Verlag beziehungsweise eine Verlagsgruppe.
1942 wurde Peter Suhrkamp von der Gestapo verhaftet, zum Tode verurteilt und in ein Konzentrationslager eingeliefert. Suhrkamp überlebte.
Suhrkamp trennte sich von S. Fischer und gründete 1950 auf Anregung von Hermann Hesse seinen eigenen Verlag. Von den 48 Autoren des S. Fischer Verlages entschieden sich 33 für eine Zusammenarbeit mit Suhrkamp. Schon im selben Jahr konnte Peter Suhrkamp Werke von Hermann Hesse, Rudolf Alexander Schröder, Hermann Kasack, T.S. Eliot, Bernard Shaw und auch von Bertolt Brecht veröffentlichen.
1952 trat Siegfried Unseld in den Verlag ein, wurde 1957 Gesellschafter und trat nach Suhrkamps Tod 1959 dessen Nachfolge an. Der Suhrkamp Verlag folgte von nun an einer doppelten Publikationslinie: Deutschsprachige und internationale Literatur des 20. Jahrhunderts und Geisteswissenschaften, die theoretisch und ästhetisch eine conditio humana repräsentieren. Maßstäbe setzte der Verlag auch mit der gestalterischen Qualität seiner Buchreihen. Unseld lernte 1959 den Designer Willy Fleckhaus kennen. Noch im selben Jahr erschien die Bibliothek Suhrkamp mit einem von Fleckhaus gestalteten Titellayout. Auch die spektralfarbenen Einbände der edition suhrkamp, die Titelgestaltung der Insel-Bibliothek und die Typografie der Suhrkamp-Buchreihen stammten von Willy Fleckhaus. Erst 2004 entschloss sich die Verlagsleitung, die Typografie und die Gestaltung der Reihen edition suhrkamp und Suhrkamp Taschenbuch zu ändern.
Nach dem Tod Siegfried Unselds am 26. Oktober 2002 gab es an der Verlagsspitze heftige Querelen. Der Geschäftsführung sitzt nun seine Witwe vor, die Suhrkamp-Autorin Ulla Unseld-Berkéwicz, die den Machtkampf gegen Günter Berg gewann, der in der Folge Ende November 2003 den Verlag verließ. Unseld hatte ihn 2000 als Verlagsleiter eingesetzt. Ende Februar 2004 erklärte mit Martin Walser einer der prominentesten lebenden deutschsprachigen Autoren, dass er vom Suhrkamp- zum Rowohlt-Verlag wechselt.
Vor dem Hintergrund der umstrittenen Rechtschreibreform hält der Suhrkamp-Verlag, im Einvernehmen mit seinen Autoren, an der klassischen Rechtschreibung fest. Nur in der Reihe Suhrkamp-Basisbibliothek, die Schulen verwenden, hat Suhrkamp die Rechtschreibung auf die Neuregelung umgestellt.
Der Verlag hat 140 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von 46 Millionen Euro. Zusätzlich zum Verlaghaus im Frankfurter Westend ist eine Repräsentanz in Berlin-Charlottenburg – unweit des Literaturhauses neu, um Aktivitäten in der Hauptstadt und Präsenz in den Medien zu bündeln (ohne Lektorat, 200 Quadratmeter Beletage, auch für Lesungen und bis 120 Gäste, eröffnet mit Unseld-Preisträgerin Inger Christensen. (bbl. Online, 2/2006)
Außerdem veröffentlich der Suhrkamp Verlag Übersetzungen großer internationaler Literatur, zum Beispiel Samuel Beckett und Octavio Paz sowie James Joyce und Marcel Proust, deren komplette Werke in neuer deutscher Übersetzung vorgelegt wurden.
Suhrkamp führt daneben eine umfangreiche Polnische Bibliothek mit Werken von Jerzy Andrzejewski, Kazimierz Brandys, Jarosław Iwaszkiewicz, Czesław Miłosz, Bruno Schulz und Stanisław Wyspiański.
Einen weiteren Schwerpunkt bilden die etwa 150 Titel der lateinamerikanischen, spanischen und portugiesischen Literatur unter anderem von Isabel Allende, Agustina Bessa-Luís, Adolfo Bioy Casares, Guillermo Cabrera Infante, Alejo Carpentier, Clarín, Julio Cortázar, Juan Ramón Jiménez, Lídia Jorge, Osman Lins, Clarice Lispector, José Lezama Lima, Eduardo Mendoza, Pablo Neruda, Juan Carlos Onetti, Octavio Paz, Manuel Puig, José Maria Eça de Queiroz, João Ubaldo Ribeiro, Mercè Rodoreda, Jorge Semprún, Mario Vargas Llosa.
Ein zweites Standbein des Verlages bilden die Geisteswissenschaften. Bei Suhrkamp erscheinen Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Ernst Bloch, Hans Blumenberg, Norbert Elias, Paul Feyerabend, Jürgen Habermas, Hans Jonas, Niklas Luhmann, Tilmann Moser und Gershom Scholem, Siegfried Kracauer, Helmuth Plessner, Georg Simmel, Viktor von Weizsäcker und Ludwig Wittgenstein und viele andere.
Es gibt - neben dem Hauptprogramm - vier verschiedene Suhrkamp Buch- und Taschenbuch-Reihen:
Die Bibliothek Suhrkamp ist eine Bibliothek der Klassiker der Moderne, mit einer Backlist von 1300 Titeln. Seit 1951 sind hier die bedeutenden Autoren des letzten Jahrhunderts vertreten, beispielsweise Ingeborg Bachmann, T.S. Eliot, Carlo Emilio Gadda, Federico García Lorca, André Gide, Ernest Hemingway, Yasushi Inoue, James Joyce, Franz Kafka, Wladimir Majakowski, Thomas Mann, Yukio Mishima, Cesare Pavese, Ezra Pound, Marcel Proust, Rainer Maria Rilke, Jean-Paul Sartre, Georg Trakl, Giuseppe Ungaretti, Paul Valéry, Marina Zwetajewa und viele andere.
Die edition suhrkamp (Backlist: 2100 Titel) ist seit 1963 die Avantgarde Suhrkamps. Jeden Monat erscheinen hier vier Erstausgaben (Literatur und Essays).
Des Weiteren seit 1971 suhrkamp taschenbücher (Backlist: 2100), wo neben Originalausgaben die erfolgreichsten Suhrkamptitel erneut erscheinen, beispielsweise von Max Frisch "Homo Faber" und "Andorra" oder von Hermann Hesse "Der Steppenwolf" und "Siddhartha".
Schließlich suhrkamp taschenbuch wissenschaft (1400 Titel), in dem philosophische Werke, ferner Soziologie, Wissenschaftsforschung, Linguistik, Semiotik, Kulturgeschichte und Ethnologie, Psychoanalyse und Psychologie, Geschichte, Ästhetik, Ökonomie, Rechtswissenschaft, und Pädagogik verlegt werden.
Großes Lob Januar 2006: "Es sagt viel über die fortgeschrittene Kommerzialisierung der Branche, wenn sich Teile der Literaturkritik heute mehr um die Vermarktungskünste der Verlage sorgen als um deren zunehmenden Bestsellerwahn und den damit verbundenen Substanzverlust", schreibt die "FAZ" über Kommentare zur Trennung des Verlags von Geschäftsführer Georg Rieppel, "Als kritischer Beobachter der Branche kann man doch heilfroh sein, wenn man einmal nicht von greller Spitzentitelwerbung mit beigelegten CDs und Gimmicks behelligt, mit aus der Luft gegriffenen Startauflagezahlen veralbert und mit der Nase auf die Relevanz irgendeines Popkultjungstars gestoßen wird. Sondern wenn man selbst ganz genau hinschauen muß, um die Perlen im Programm zu entdecken - im vergangenen Herbst bei Suhrkamp etwa den Ukrainer Andruchowytsch oder den Ungarn Attila Bartis, im Frühjahr den genannten Kuczok oder den amerikanischen Berserker William T. Vollmann - was hätten andere Verlage da wieder hörnervtötend getrommelt von wegen neuer Pynchon/Franzen/Ellis! Noch findet Kritik nicht im Wirtschaftsteil statt; das Feuilleton ist nicht das Börsenblatt des Buchhandels."
In der "Zeit" analysiert Ulrich Greiner zum selben Thema: Die Diskussion "verstellt den Blick dafür, dass Suhrkamp mit dem Fundus seiner Autoren, die ein ganzes Jahrhundert des Geistes verkörpern, sorgsam umgeht. Das ist beispielhaft. Auch riskiert der Verlag immer wieder literarisch Neues, wenngleich er es oft nicht hinreichend sichtbar macht. Seit Unselds Tod hat er seinen Rhythmus nicht wiedergefunden. Daher kommt es, dass die Ab- und Zugänge seiner Geschäftsführer mehr debattiert werden als seine Bücher. Dass sich dies bald umkehre, ist dringend zu hoffen."
Die "Badische Zeitung" befragt Suhrkamp-Programmgeschäftsführer Rainer Weiss, ob bei Suhrkamp eine Hinwendung zu mehr Populärem geplant sei: Das kann auch der 'Ulysses' sein, wenn fantastisches Marketing gelingt. Vor 10, 15 Jahren guckte man von Programm zu Programm, welche Blume sich entfaltet. Heute müssen Sie die Titel lange vor Erscheinen genau bewerten, das Marketing spielt eine ganz andere Rolle. Und jeder Titel braucht sein ganz eigenes. Die Haltung 'Schauen wir mal, was daraus wird' gibt es nicht mehr.
1998 verkauften die Gesellschafter die zur Verlagsgruppe gehörende Nomos Verlagsgesellschaft an den Verlag C. H. Beck.
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