Als Sudetenkrise bezeichnet man die Auseinandersetzung zwischen der Tschechoslowakei und dem Deutschen Reich um das Sudetenland am Vorabend des Zweiten Weltkriegs.
Das überwiegend von Deutschen bewohnte Sudetenland und die von Tschechen besiedelten Gebiete Böhmens gehörten bis 1918 zur Donaumonarchie. Im Zuge der Niederlage Österreich-Ungarns im Ersten Weltkrieg gründeten die Tschechen einen unabhängigen Staat. Im November 1918 besetzten tschechische Truppen die von Deutschen besiedelten Gebiete. Im Vertrag von Saint-Germain wurden die Sudetengebiete dann endgültig der Tschechoslowakei zuerkannt, gegen den Willen der Bevölkerung.
Die wachsenden Autonomiebestrebungen der Sudetendeutschen wurden ab 1933 von der Sudetendeutschen Partei unter Konrad Henlein getragen. Diese vorerst internen Spannungen gerieten immer mehr in den Sog der Macht- und Expansionspolitik des nationalsozialistischen Deutschen Reichs und gefährdeten damit die Sicherheitsinteressen insbesondere der Großmächte Frankreich und Großbritannien. Nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 wurde die Sudetenfrage zum Brennpunkt der europäischen Politik.
Am 21. Mai wurde von der Tschechoslowakei eine teilweise Mobilmachung vorgenommen, da es Informationen über eine angebliche Verschiebung deutscher Truppen in Richtung Tschechoslowakei gab. Neun Tage später gab Hitler in Anbetracht der Mobilmachung detaillierte Instruktionen zur militärischen Liquidierung der Tschechoslowakei heraus.
Am 21. September akzeptierte die Tschechoslowakei einen Plan Frankreichs und Englands, nach dem Gebiete mit über 50% deutscher Bevölkerung an Deutschland zu übergeben waren. Nach der Ablehnung des Plans durch Hitler wurde am 23. September die allgemeine Mobilmachung ausgerufen.
Parallel tagte am 29./30. September in München die Konferenz der Regierungschefs von Frankreich (Daladier), Großbritannien (Chamberlain), Italien (Mussolini) und Deutschland (Hitler). Am 30. September 1938 wurde das Münchner Abkommen abgeschlossen, in dem Großbritannien und Frankreich – in Abwesenheit der Tschechoslowakei – ihre Zustimmung zum Anschluss des gesamten Sudetenlandes an das Deutsche Reich gaben.
Infolge des Münchener Abkommens konnte der Ausbruch eines europäischen Krieges noch im Jahr 1938 verhindert werden. Bereits ein Jahr später, kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde die Resttschechei besetzt und als Reichsprotektorat Böhmen und Mähren ins Großdeutsche Reich eingegliedert. Die Mobilmachungen im Mai und September 1938 zeigten die Entschlossenheit des tschechischen und slowakischen Volkes, ihre Republik zu verteidigen. Die Verflechtung im Mächtespiel Frankreichs, Großbritanniens und der Kleinen Entente hatte jedoch das Scheitern der Erwartungen auf Unterstützung und daraufhin den politischen Zusammenbruch der Tschechoslowakei zur Folge.
Eine andere Folge war eine Revision der russischen Politik. Die Sowjetunion - obwohl am System der kollektiven Sicherheit beteiligt - wurde von den Westmächten während der Sudetenkrise bewusst ignoriert. Als Folge überdachte Stalin seine Politik neu, was ein Jahr später zum Hitler-Stalin-Pakt führte.
Militärische Kreise unter Führung des Generals Ludwig Beck waren von der Aussichtslosigkeit eines Krieges gegen die Westmächte überzeugt. Sie waren entschlossen, Hitler zu verhaften, wenn er den Befehl zum Angriff geben würde. Sie hatten sogar England über ihre Ansicht informiert und händeringend darum gebeten, diesmal nicht nachzugeben. Durch die Konferenz von München wurden die Putschpläne hinfällig; Hitler hatte mal wieder recht behalten. Die Opposition hat sich von diesem Schlag nie richtig erholt.
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