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Der Begriff Sucht bezeichnet umgangssprachlich ein breites Spektrum von Krankheiten und Verhaltensstörungen, insbesondere Abhängigkeit und Drogenmissbrauch. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) benutzte den Begriff „Sucht“ nur von 1957 bis 1964. http://www.dhs.de/daten_suchtdefinition.html Danach wurde er durch „Abhängigkeit“ und „schädlichen Gebrauch“ ersetzt.

Diese Umformulierung geschah zum einen, um die mit dem Begriff oft einhergehenden Stigmatisierungen von Abhängigen zu vermeiden, zum anderen, um eindeutig definierte Begrifflichkeiten zu schaffen, da der Begriff Sucht in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen gebraucht wird.

In wissenschaftlichen Arbeiten wird der Begriff „Sucht“ vermieden, trotzdem blieb er in Begriffen wie „Suchtmittel“ und „Suchtberatung“ erhalten. Im Zusammenhang mit Diagnostik und Therapie werden mittlerweile die ICD10 Begrifflichkeiten bevorzugt. Die Codes F10-F19 „Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen” unterscheiden etwa zwischen „akuter Intoxikation“, „schädlicher Gebrauch“, „Abhängigkeitssyndrom“, „Entzugssyndrom“, „Psychotischer Störung“, „Amnestisches Syndrom“ und Demenz. Dazu kommen noch weitere.

Wortbedeutung


Das Wort „Sucht“ (germ. suhti-, ahd. suht, suft, mhd. suht) ist nicht verwandt mit „suchen“. Es geht auf „siechen“ (ahd. siuchen, mhd. siuchan) zurück, dem Leiden an einer Krankheit, wie auch das Wort „Seuche“. Im heutigen Sprachgebrauch ist das Adjektiv „siech“ (vergleiche auch engl. sick) nur noch regional gebräuchlich.

1888 definierte Meyers Konversationslexikon „Sucht“ als ein in der Medizin veraltetes Wort, das früher ganz allgemein Krankheit bedeutete, mittlerweile nur noch in Zusammensetzung vorkommt, wie in Schwindsucht, Wassersucht, Fettsucht, Gelbsucht, Mondsucht, Trunksucht usw.

Diese historischen Krankheitsbezeichnungen beschrieben meist nur das auffälligste Symptom. Der Schwindsüchtige schwindet dahin, im Wassersüchtigen sammelt sich Wasser, der Fettsüchtige ist zu fett, der Gelbsüchtige verfärbt sich gelb, der Trunksüchtige trinkt zu viel. Nach heutigem medizinischen Wissensstand sind diese Begriffe veraltet. Sie wurden durch genauere Begriffe abgelöst.

Der moderne Suchtbegriff, im Sinne von Abhängigkeit, bildete sich erst im 20. Jahrhundert. Anfänglich bezog er sich nur auf die Trunksucht, den Alkoholismus. Später wurden auch andere Abhängigkeiten als Sucht bezeichnet, wobei sich die Krankheitsbezeichnung auf das Suchtmittel bezieht: Drogensucht, Nikotinsucht, Tablettensucht.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Abhängigkeitsbegriff auf andere zwanghafte Ersatzhandlungen erweitert. Patienten sind dabei ihrem Suchtverhalten ähnlich ausgeliefert wie Substanzabhängige. Diese Süchte werden nach dem Suchtverhalten benannt: Spielsucht, Sexsucht, Arbeitssucht, Kaufsucht, Ess-Sucht, Internetsucht. Auch die umgangssprachlichen Bezeichnungen einiger Essstörungen enthalten den Wortbestandteil „Sucht“, wie etwa Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) oder Magersucht (Anorexia nervosa).

Abhängigkeit


Hier ist eine körperliche Abhängigkeit von chemischen Stoffen gemeint, z.B. Alkoholismus, Nikotinabhängigkeit, Tablettenabhängigkeit, Heroinabhängigkeit, bei der der Abhängige unter ständigem physischen und psychischen Zwang steht und alles unternimmt, um „sein” Suchtmittel zu erhalten (en: Craving). Mit bildgebenden Verfahren können sowohl bei der stofflichen als auch bei der nicht-stofflichen Abhängigkeit entsprechende Erregungszustände im Hirn gemessen werden.

psychologische Wirkmechanismen


Obwohl der Begriff „Sucht“ nicht von „suchen“ kommt, steht psychologisch hinter der Sucht immer eine stellvertretende Suche nach Beziehung, Liebe, Glück, Kontakt, Lust, Zufriedenheit etc., die natürlich auf diesm Weg erfolglos bleibt. Im Wesentlichen handelt es sich um eine Ersatzhandlung, bei der die geistige und emotionale Energie auf die Auseinandersetzung mit dem Suchtmittel gerichtet ist. Die Notwendigkeit menschlicher Kontakte und oft auch die Anforderungen des Alltags werden missachtet. Dis gilt sowohl für die stofflichen Süchte mit körperlicher Abhängigkeit, als auch für die nicht-stofflichen Süchte. Bei den nicht-stofflichen ist das Suchtmittel die Beschäftigung mit beispielsweise Arbeit, Essen, Sex, Computer usw. Wie bei allen Süchten sind die Suchtmittel veränderlich und die vielfältigen Formen der Süchte können ineinander übergehen und sich vermischen.

Therapie


Bei körperlicher Abhängigkeit ist zuerst ein Entzug notwendig.

Die eigentliche Therapie erfolgt meist in einer suchtspezifischen Spezialklinik (Psychosomatische Klinik) und dauert zwei bis drei Monate.

Parallel dazu und danach arbeiten die Betroffenen oft viele Jahre in einer Selbsthilfegruppe, um auf Dauer suchtfrei zu bleiben.

Die Behandlung durch die Primärtherapie von Arthur Janov nimmt im Gegensatz zu anderen Therapieformen für sich in Anspruch das Partienten suchtfrei werden. (siehe *)

Quellen


Weiterführende Literatur


  • Bernhard van Treeck: Drogen- und Sucht-Lexikon. Schwarzkopf & Schwarzkopf, 4.Aufl. 2004, ISBN 3-89602-542-2

Sucht

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