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Sturmgewehr ist eine deutsche Begriffsfindung für Selbstladegewehre, die sich im wesentlichen durch folgende Besonderheiten von konventionellen Repetiergewehren unterscheiden:

- umschaltbarer halbautomatischer und vollautomatischer Feuermodus (in etlichen Ausführungen zusätzlich bzw. anstelle des vollautomatischen einen Feuerstoß-Modus mit der gesteuerten Abgabe einer festen Schussanzahl - zumeist drei Schuss) - Wechselmagazin (mit beliebiger Munitionskapazität, typischerweise aber mindestens 20 und selten mehr als 30 Schuss) - Pistolengriff (und daraus folgend bei etlichen Modellen einklappbare Schulterstütze) - sog. "Zwischenmunition" welche schwächer als konventionelle Gewehrmunition aber deutlich stärker als Maschinenpistolenmunition ist.

Es ist offensichtlich, dass es durch o.g. Kriterien zu funktionellen Überschneidungen bzw. gleichartigen Bedeutungen mit ähnlichen Handwaffen kommt, wie z.B. den Selbstladegewehren, Schnellfeuergewehren, Maschinenkarabinern, leichten Maschinengewehren u.ä. Die Bezeichnung an sich eignet sich nicht, um Handwaffensysteme klar voneinander abzugrenzen. Die Handwaffe der deutschen Bundeswehr, das G3 wird auch im fachmännischem Sprachgebrauch mal als Sturmgewehr, mal als Maschinenkarabiner bezeichnet (in den Dienstvorschriften der Bundeswehr schlicht "Gewehr"). Was im deutschen Sprachgebrauch scheinbar verbindlich als Sturmgewehr tituliert wird, bekommt in anderen Sprachen andere Beurteilungen (z.B. Maschinenpistole für das AK47 oder "Battle Rifle" für das FN-FAL). Nach taktischen Gesichtspunkten beurteilt ist ein Sturmgewehr eine Handwaffe, die die taktischen Einsatzbereiche eines Gewehrs und einer Maschinenpistole gleichermaßen abdecken soll.

Der Suggestivname Sturmgewehr stammt vermutlich von Adolf Hitler und löste die vormalige Bezeichnung Maschinenkarabiner für das Sturmgewehr 44 ab. Dieser Suggestivname legte irreführenderweise die spezielle Eignung als überlegene Angriffswaffe nahe.

Sturmgewehre sind heute bei den meisten Streitkräften als Standardbewaffnung des Infanteristen eingeführt. Der Pistolengriff dient dem sicheren Halt der Waffe insbesondere im Dauerfeuermodus. Dies ermöglicht auch das Feuern aus der Hüfte, wodurch die Schulterstütze nicht mehr zwingend notwendig ist. Daher lassen sich diese bei vielen Varianten durch Einschieben oder Anklappen noch weiter verkürzen. Ihre Handhabung soll auch für ungeübte Schützen einfach und schnell erlernbar sein, alle Bedienelemente sind bei modernen Sturmgewehren für Rechts- und Linkshänder gleich gut erreichbar.

Hinsichtlich ihres Funktionsprinzips lassen sich Sturmgewehre grob, wie alle Selbstladewaffen, in so genannte Rückstoßlader und Gasdrucklader unterscheiden, wobei die Zahl der gebräuchlichen Gasdrucklader überwiegt. Im Gegensatz zu den militärisch verbreiteten Maschinenpistolen wie z.B. UZI oder Sten und den meisten Maschinengewehren haben Sturmgewehre üblicherweise aufschießende Systeme für eine höhere Zielsicherheit beim ersten oder beim Einzelschuss.

Das erste Sturmgewehr im technischen Sinne wurde im Jahre 1913 vom Waffenkonstrukteur Wladimir Fedorow in Russland entwickelt. Er orientierte sich damals an der japanischen 6,5 mm Gewehrpatrone des Arisaka-Karabiners. In diesem Sinne war seine Konstruktion ein automatisches Gewehr, das Langpatronen verschoss. Die Kapazitäten der zaristischen Waffenindustrie reichten im Ersten Weltkrieg bei weitem nicht aus, um diese Waffe und dazugehörige Munition in nennenswerter Stückzahl herstellen zu können. Fehlende Einsicht seitens der Strategen in die Notwendigkeit einer solchen Waffe sowie mangelndes Vertrauen in den einfachen Soldaten, verantwortungsvoll mit dieser "munitionsfressenden" Waffe umzugehen, beschieden den ersten Selbstladegewehren ebenfalls schnell ein vorzeitiges Ende. Auch in den 30er Jahren und zu Beginn des Zweiten Weltkrieges produzierte die Sowjetunion voll- und halbautomatische Maschinenkarabiner (AVS-36, SVT-38 und SVT-40), deren Produktion aber zugunsten der taktisch höher bewerteten Maschinenpistolenproduktion in der zweiten Hälfte des Krieges eingeschränkt und schließlich ganz eingestellt wurde. Als neuer Typ des Infanteriegewehrs wurden Sturmgewehre in der Endphase des Zweiten Weltkrieges in Deutschland konzipiert (Firma Walther und Firma Haenel, Zella Mehlis und Suhl in Thüringen).

Angesichts der immer deutlicher werdenden zahlenmäßigen Unterlegenheit der deutschen Wehrmacht, dem rapiden Rückgang der in Friedenszeiten sorgfältig ausgebildeten Soldaten und unter dem Eindruck der Feuerüberlegenheit der amerikanischen und sowjetischen Selbstladegewehre, ersah man die kampftechnische Aufwertung des einzelnen Soldaten durch eine Selbstladewaffe als zwingend notwendig (Entwicklung des G43, forcierte Produktion der MP40).

In Feuergefechten zeigte sich, daß zielgenaues Einzelfeuer bei Kampfentfernungen über 400m selten effektiv war. Die bis dahin verwendete Gewehrpatrone 8x57IS („Infanterie Spitz“) war im dafür vorgesehenen Karabiner 98k mit einer Visierung bis zu 1800m somit völlig überdimensioniert. Die geringe Feuerrate wurde außerdem den Anforderungen für den Graben- und Häuserkampf nicht gerecht. In vollautomatischen Handwaffen (wie z.B. den in nur geringen Stückzahlen hergestellten Fallschirmjägergewehr FG42) eingesetzt, erwies sich der harte Rückstoß der Gewehrpatrone insbesondere für ungeübte Schützen als fatal für die Zielgenaugikeit. Die Maschinenpistole (z.B. MP40) dagegen zeigte sich in Kampfentfernungen oberhalb von 100m ineffektiv.

Zuguterletzt litt die Ausrüstung der deutschen Wehrmacht unter der Rohstoffknappheit des Deutschen Reiches und benötigte zudem für eine schnelle Umbewaffnung des Heeres einen hohen monatlichen Waffenausstoß.

Die Summe aus o.g. Erkenntnissen, Erfahrungen und Anforderungen führten zum einen zur Entwicklung des überwiegend in günstiger Blechprägetechnik hergestellt Sturmgewehr 44; und zum anderem zur Entwicklung der Mittelpatrone (7,92 x 33 mm). Sie war deutlich wirksamer als Pistolenmunition, die aus den Maschinenpistolen MP38/MP40 ( 9x19 mm Para) verschossen wurde, aber wesentlich rückstoßärmer als die vom Karabiner 98 verschossene Infanteriepatrone (7,92x57 mm / 8x57IS).

Spätere Konstruktionen, zum Beispiel das bekannte AK-47 (Automat Kalaschnikov) (Kaliber 7,62x39 mm), übernahmen bei eigener Technik das taktische Konzept welches dem StG 44 zugrundeliegt (siehe hierzu auch den Wiki-Beitrag zum StG44 und die dazugehörige Diskussion).

Mitte der 1950er Jahre wurde in der Bundeswehr der Bundesrepublik Deutschland das Gewehr G3 von Heckler & Koch eingeführt. Entsprechend dem allgemeinen Trend der Nachkriegszeit war diese Waffe ein Rückstoßlader und verschoss keine Mittelpatrone, sondern wieder eine relativ starke Gewehrpatrone (7,62×51 mm NATO alias .308 Winchester). Wie das G1 von FN oder das amerikanische M14 und einige andere Gewehre dieses Kalibers wird es im englischsprachigen Raum als Battle Rifle im Gegensatz zu Assault Rifle bezeichnet.

In den 1960er Jahren wurde mit dem von Eugene Stoner entwickelten AR 15 (militärische Bezeichnung M16) in den USA und auch als Nato- Standardkaliber die kleinkalibrige Patrone 5,56x45mm eingeführt. Dieses Kaliber besaß gegenüber dem alten Kaliber (7,62x51mm) den Vorteil, dass es einerseits rückstoßärmer, die Waffe damit leichter zu beherrschen war und andererseits durch geringere Größe und Gewicht mehr Munition mitgeführt werden konnte. Der Nachteil dieser Munition ist die geringere Wirksamkeit, bedingt durch eine stärker abnehmende Geschoßgeschwindigkeit als z.B. bei der 7,62mm-Munition. Auch der Trend zu Waffenverkleinerungen durch Laufkürzung wirkt sich negativ auf die ballistischen Eigenschaften des neuen Geschosses aus. Deshalb sind inzwischen neue Kaliber in einer Zwischengröße (~6,8mm) in der Diskussion. Auch der Warschauer Pakt zog in den 1970er Jahren mit der AK 74 (Kaliber 5,45x 39 mm) nach.

Ab 1996 löste das Sturmgewehr HK50 (militärische Bezeichnung G36, wieder von Heckler & Koch, das G3 bei der Bundeswehr ab. Damit hat nun auch die Bundeswehr einen modernen Gasdrucklader, der das NATO-Standardkaliber (Kaliber 5,56×45 mm alias .223 Remington), denselben Munitionstyp wie das französische FAMAS und das amerikanische M16, verwendet.

Weitere bekannte (moderne) Sturmgewehre:

Sturmgewehr

Assault rifle | Rynnäkkökivääri | Fusil d'assaut | アサルトライフル | Automatas | Automatgevær | Karabin automatyczny | Штурмовая винтовка | Jurišna puška | Automatkarbin | 突击步枪

 

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