Der Begriff Strategie bezeichnet ein längerfristig ausgerichtetes planvolles Anstreben einer vorteilhaften Lage oder eines Ziels. Er stammt aus dem Griechischen und bedeutet dort Heeresführung (stratos = Heer, agein = führen). Strategisches Handeln ist ein zielorientiertes Vorgehen nach einem langfristigen Plan.
Die Begriffe Strategie und Taktik hängen eng mit einander zusammen. Beide zielen auf den richtigen Einsatz bestimmter Mittel in Zeit und Raum, wobei sich Strategie im Allgemeinen (stark vereinfacht gesagt) auf das Ziel bezieht und die Taktik auf den Weg, das Ziel zu erreichen.
Edward Luttwak hat versucht, die dem (militärischen) strategischen Prozess innewohnende Logik herauszuarbeiten (mehr hierzu siehe unter Krieg). Er ordnet der Strategie eine temporäre und eine organisatorische Dimension zu. In der temporären/„horizontalen“ Dimension verlaufen die zeitlich aufeinanderfolgenden Ereignisse eines strategischen Prozesses (sowohl theoretisch (Plan), als auch praktisch). Die „vertikale“ Dimension ist in mehrere Ebenen unterteilt. Dies sind:
Strategem ist eine List, die bei taktischen Entscheidungen angewendet wird.
Viele Militärstrategen haben versucht, erfolgreiche Strategien auf einen Satz von Prinzipien zusammenzufassen. Als früheste Schrift hierzu gilt das von Sunzi (Sun-Tsu), einem chinesischen General und Militärstrategen verfasste Werk Die Kunst des Krieges (Pinyin: sūn zǐ bīng fǎ), welches wahrscheinlich um 500 v. Chr. entstand. Sunzi führt in seinem Buch 13 Strategien auf, während z.B. Napoléon Bonaparte 115 Strategien auflistete. Nathan Bedford Forrest hingegen, ein General in der Armee der Konföderierten Staaten von Amerika (C.S.A.) während des Amerikanischen Bürgerkrieges, nannte nur eine Strategie: "Get there first with the most men." (Sei als erster da mit den meisten Leuten). Die Feldzüge von Alexander dem Großen, Hannibal, Julius Caesar und Dschingis Khan demonstrieren großes strategisches Können.
Berühmte militärische Strategen waren: Hannibal, Belisar, Scipio Africanus Maior, Caesar, Carl von Clausewitz, Erwin Rommel, Liddell Hart, Kutusow, Antoine-Henri Jomini, Napoleon, Sunzi, Suworow, Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke
Die wissenschaftliche Untersuchung von Fragen der politischen und militärischen Strategie findet u.a. in der Disziplin der Strategische Studien statt.
siehe auch: Lissabon-Strategie
Mit dem Aufkommen von Computerspielen entwickelten sich auch dort Spiele zur Strategie, in denen nur genau geplantes Vorgehen zum Erfolg führt. In der mathematischen Spieltheorie versteht man unter einer Strategie eine vollständige Handlungsanweisung für einen einzelnen Spieler, die alle denkbaren Spielsituationen eines Spiels abdeckt.
In den meisten Sportarten spielt Strategie im Einzelwettkampf eher eine untergeordnete Rolle, dort dominieren Taktik und Intuition. Strategie kann aber von Bedeutung sein für eine längere Serie von Wettkämpfen, etwa eine ganze Saison in einer Liga. Beispielsweise ist eine langfristige Strategie notwendig beim Einkauf und Verkauf von Spielern und noch mehr beim Aufbau von Nachwuchsspielern. Sportarten, die auch im Einzelwettkampf eine durchdachte Strategie erfordern, sind beispielsweise Baseball und American Football.
Der Begriff "Strategie" hat seit ca. 1950 vor allem im angelsächsischen Raum Einzug in die Unternehmensführung (Unternehmensstrategie) und die Managementlehre (z.B. Engpasskonzentrierte Strategie) gehalten. Eine der geläufigsten Definitionen in der Betriebswirtschaftslehre stammt von Michael E. Porter: Demnach ist Strategie "eine in sich stimmige Anordnung von Aktivitäten, die ein Unternehmen von seinen Konkurrenten unterscheidet." (Porter 1999, S. 15) Der Weg zu dauerhaften Wettbewerbsvorteilen besteht im "spezifischen Aktivitätenprofil" eines Unternehmens. Dieses spezifische Aktivitätenprofil stellt insofern die Strategie dar. Porter unterscheidet grundsätzlich zwischen drei Ausrichtungen der Unternehmensstrategie: Kostenführerschaft, Differenzierung und Fokussierung (= Nischenprodukte). Der Kostenführer macht eine hohe Produktivität und die niedrigsten Kosten zu seinem Schwerpunkt. Als Beispiele hierfür nennt der bekannte Unternehmensberater und ehemalige Aldi-Manager Dieter Brandes die Unternehmen Aldi, Dell und Ikea (Brandes 2002, S. 94ff). Differenzierung hingegen dient der Unterscheidung, sozusagen der Schaffung eines spezifischen Aktivitätenprofils. Als Beispiele hierfür gelten u.a Porsche oder Ferrero. Kennzeichen des Differenzierers können ein besonderes Design oder besondere, unverwechselbare Produkte sein. Der Fokussierer besetzt hingegen eine Nische in einem Gesamtmarkt. Auch hier können Unternehmen wie Porsche oder Ferrari angeführt werden. Sie produzieren nur ganz bestimmte Autotypen im Gesamtmarkt von Automobilen. Das Beispiel Porsche macht zudem deutlich, dass es hier zu Überschneidungen zwischen Differenzierung und Fokussierung kommen kann. Ergänzend sei auf einen vierten Typus verwiesen: die Hybrid-Strategie, auch Outpacing genannt (Meffert 1992). Danach soll ein Unternehmen gleichzeitig niedrige Kosten bei hoher Produktqualität anstreben. Die Mehrheitsmeinung in der BWL kritisiert jedoch dieses Konzept, da dies nicht realisierbar sei und dadurch Produkte bzw. das Unternehmen "zwischen allen Stühlen" sitzen und damit kein spezifisches Aktivitätenprofil erreichen können. (Meffert 1992)
Der Strategie geht ein eigentümliches Rationalitätsverständnis voraus, das versucht, einen Überblick (Wissen, Objekte) und Weitsicht (Zeit) zu gewinnen. Ein für die Moderne typischer Strategiebegriff korrespondiert demnach mit einem Panoptismus, der die Möglichkeit vorsieht, Raum und Zeit kalkulierbar zu machen und die sich im Raum befindenden Objekte zu beherrschen.
In der Postmoderne wird dieses Raumverständnis als gescheitert erklärt. Es gibt nicht den einen Raum, der kalkulierbar wäre. Damit einher geht die Vorstellung einer reflexiven Strategie, die sich selbst kontingent setzt, indem Sie z. B. die Unterscheidungen, mit denen sie operiert, wechselt. Damit wird der Raum zu einem Vexierbild. Nach dem Linguistic Turn wird Strategie somit nicht mehr mit Überblick zu übersetzen sein, sondern mit Durchblick, das die Beherrschung des Raums aufgegeben hat, sondern die Welt als Labyrinth versteht, indem es nun gilt, eine adäquate Weise der Bewegung zu finden.
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