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Unter Strahlenschutz versteht man den Schutz von Mensch und Umwelt vor den schädigenden Wirkungen ionisierender und nicht ionisierender Strahlung (aus natürlichen und künstlichen Strahlenquellen).

Der Strahlenschutz ist insbesondere wichtig für das Personal kerntechnischer Anlagen wie zum Beispiel Kernkraftwerke und im Bereich der Medizin (siehe Radiologie).

Prinzipien


Grundsatz der Notwendigkeit und Rechtfertigung
Es darf keine Strahlenanwendung ohne einen daraus resultierenden Nutzen geben. Jede Strahlenanwendung ist so gering wie möglich zu wählen (Minimierungsgebot). Der Verbraucher ist vor dem Zusatz von radioaktiven Stoffen in Produkten zu schützen.

Grundsatz der Optimierung
Alle Strahlenexpositionen müssen so niedrig wie vernüftigerweise möglich gehalten werden. (ALARA Prinzip: (engl.) As Low As Reasonably Achievable)

Gesetzliche Grundlagen


EURATOM

Dieser europäische Vertrag regelt den Umgang mit radioaktiven Stoffen und ist internationale Grundlage für alle nationalen gesetzlichen Regelungen (siehe auch: EURATOM). Auf seiner Grundlage erarbeitet die Europäische Kommission strahlenschutzspezifische Richtlinien, die nach Anhörung durch das Europäische Parlament und Festlegung durch den Ministerrat für alle Mitgliedsstaaten bindend sind und in nationales Recht umgesetzt werden müssen. In diese Richtlinien gehen vor allem die Empfehlungen und Erkenntnisse internationaler Organisationen (s.u.) ein.

Deutschland

Atomgesetz (AtG)
Das Atomgesetz bildet in Deutschland die nationale rechtliche Grundlage für den Umgang mit radioaktiven Stoffen (insbesondere Kernbrennstoffe). Auf ihm bauen die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) und die Röntgenverordnung (RöV) auf. Zweck des Gesetzes (§ 1 AtG) ist,
  • die Nutzung der Kernenergie zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität geordnet zu beenden und bis zum Zeitpunkt der Beendigung den geordneten Betrieb sicherzustellen,
  • Leben, Gesundheit und Sachgüter vor den Gefahren der Kernenergie und der schädlichen Wirkung ionisierender Strahlen zu schützen und durch Kernenergie oder ionisierende Strahlen verursachte Schäden auszugleichen,
  • zu verhindern, dass durch Anwendung oder Freiwerden der Kernenergie die innere oder äußere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gefährdet wird,
  • die Erfüllung internationaler Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der Kernenergie und des Strahlenschutzes zu gewährleisten.

Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG)
(Fundstelle: BGBl. I 1986, 2610, zuletzt geändert durch Art. 43 V. v. 25.11.2003 I 2304) Das StrVG dient dem Zweck, zum Schutz der Bevölkerung die Radioaktivität in der Umwelt zu überwachen und die Strahlenexposition der Menschen und die radioaktive Kontamination der Umwelt im Falle radioaktiver Unfälle oder Zwischenfälle so gering wie möglich zu halten (§ 1 Nr. 1 und 2 StrVG). Es unterteilt zwischen Aufgaben für den Bund und die Länder. Auf Grundlage von Art. 87 c GG üben die Länder ihre Aufgaben im Auftrag des Bundes aus (§ 10 StrVG - Bundesauftragsverwaltung im Sinne von Art. 85 GG). Es wurde nach der Katastrophe von Tschernobyl im April 1986 im Dezember desselben Jahres neu gefasst.

Röntgenverordnung (RöV)
Die Röntgenverordnung reguliert in Deutschland die Nutzung von Röntgenstrahlen. Sie regelt den Schutz vor Schäden durch Röntgenstrahlen mit Hilfe von Strahlenschutzmaßnahmen, insbesondere bei der Durchführung medizinisch radiologischer Diagnostik. Patienten "röntgen" dürfen nur Personen mit Fachkunde. Diese muss in Deutschland alle 5 Jahre aktualisiert werden.

Strahlenschutzverordnung (StrlSchV)
Die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) regelt in Deutschland die Grundsätze und Anforderungen für Vorsorge- und Schutzmaßnahmen bei der Anwendung und Nutzung radioaktiver Stoffe einerseits sowie bei Strahlenbelastung zivilisatorischen und natürlichen Ursprungs andererseits. Darunter fällt auch die medizinische Anwendung radioaktiver Stoffe (Nuklearmedizin) sowie die Strahlentherapie. Aktuelle Fassung: September 2005 (pdf-Datei). In einer Strahlenschutzanweisung sind Mitarbeiter in Institutionen, in denen mit Strahlung umgegangen wird, über die Inhalte und Auslegung der Strahlenschutzverordnung zu unterweisen. Die Unterweisung wird i.d.R. von einem sogenannten Strahlenschutzbeauftragten (SSB) vorgenommen. Dieser muss über einen geeigneten Fachkundenachweis verfügen und von einem Strahlenschutzverantwortlichen bestellt werden. Die Fachkunde muss alle 5 Jahre aktualisiert werden.

Österreich

In Österreich gilt seit dem 1. Januar 2004 ein novelliertes Strahlenschutzgesetz (StSG), mit dem das EU-Recht umgesetzt und das alte von 1969 abgelöst wird.

Die Hauptbestandteile des Gesetzes sind:

  • die Allgemeinen Bestimmungen
  • die Bewilligungserfordernisse und Meldebestimmungen
  • die Schutzbestimmungen
    • betreffend radioaktive Abfälle
    • betreffend natürliche Strahlenquellen bei Arbeiten
  • die Interventionen und die Überwachung auf Kontamination
  • Strafbestimmungen und Bestimmungen über Beschlagnahme

Darauf aufbauend gilt noch die Strahlenschutzverordnung von 1972, die aber auch noch angepasst werden muss. Zukünftig wird es in Österreich zwei getrennte Strahlenschutzverordnungen geben, eine allgemeine Strahlenschutzverordnung sowie eine für medizinische Anwendungen. Die endgültige Fassung der allgemeinen Strahlenschutzverordnung ist für Sommer 2006 geplant. Wo sich Entscheidungen auf der Verordnung begründen, die nicht im Einklang mit dem neuen Strahlenschutzgesetz stehen, wird jedoch schon auf den Entwurf der neuen Verordnung zurückgegriffen.

Keine Gültigkeit hat die Strahlenschutzverordnung, wo Vorschriften über Verkehr im ADR, RID oder IATA gelten.

Internationale Organisationen


In Europa ist die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) die wichtigste Organisation in Hinblick auf den Strahlenschutz. Die auf ihrer Grundlage erlassenen Richtlinien sind für alle Mitglieder der europäischen Gemeinschaft bindend und müssen in nationales Recht umgesetzt werden. Die EURATOM-Richtlinien gehen vor allem auf die Empfehlungen der International Commision of Radiological Protection (ICRP) zurück. Diese weltweit anerkannte Organisation stützt ihre Erkenntnisse vor allem auf Untersuchungen von Überlebenden der Atombombenexplosionen von Hiroshima und Nagasaki.

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Organisationen, deren Einfluss auf die nationale Gesetzgebung aber eher gering ist:

  • UNSCEAR: United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (Wien)
  • ILO: Internationale Arbeitsorganisation der UN (Genf)
  • IAEA: Internationale Atomenergie-Organisation (Wien)
  • WHO: Weltgesundheitsorganisation

Kernmaterialüberwachung


Der Umgang mit radioaktiven Stoffen und deren Überwachung fällt je nach Zuordnung unter atomrechtliche Vorschriften und internationale Verpflichtungen. Die Kernmaterialüberwachung setzt organisatorische und physikalische Prüfmethoden ein, die eine Überwachung des spaltbaren Materials ermöglichen und die unerlaubte Entnahme entdecken.

Aus rechtlicher Sicht regelt in Deutschland § 70 der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) die Mitteilungspflichten über Gewinnung, Erzeugung, Erwerb, Abgabe und sonstigen Verbleib sowie den Bestand an radioaktiven Stoffen einschließlich der erforderlichen Buchführung.

Während die Gewinnung, Erzeugung etc. innerhalb eines Monats der zuständigen Behörde mitzuteilen ist, erfolgt die Mitteilung des Bestands an radioaktiven Stoffen am Ende jeden Kalenderjahres. In Deutschland wird die Kernmaterialüberwachung von (EURATOM) und IAEA (Internationale Atomenergie-Organisation) durchgeführt:

  • Die Überwachung durch Euratom wird in der Euratom-Verordnung 3227/76 geregelt und in den besonderen Kontrollbestimmungen im Einzelnen festgelegt.
  • Die Internationale Atomenergiebehörde IAEO, die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Atomgemeinschaft haben ein Verifikationsabkommen abgeschlossen. In diesem Abkommen und seinen Ergänzenden Abmachungen, die die anlagenspezifischen Anhänge (Facility Attachments) enthalten, sind die Modalitäten für die Kontrolle durch die IAEO festgelegt.

Praktischer Strahlenschutz


Strahlenschutz_uebung.jpgübung mit Schutzkleidung gegen radioaktive Partikel]] Die von einer Strahlenquelle gegebener Art und Intensität empfangene Dosis hängt ab von
  • von der Dauer der Bestrahlung,
  • vom Abstand zur Strahlenquelle (außer bei sehr ausgedehnten Strahlenquellen),
  • von der abschirmenden Wirkung der zwischen Quelle und Person befindlichen Materie.

Maßnahmen, um unvermeidliche Belastungen beim Umgang mit Strahlenquellen möglichst gering zu halten, sind daher:

  • Vorausschauende Organisation und Planung des Arbeitsvorgangs, um die Bestrahlungsdauer kurz zu halten,
  • möglichst großer Bestrahlungsabstand, beispielsweise durch Benutzung langer Greifzangen,
  • Benutzung geeigneter Abschirmungen.

Ionisierende Strahlung hat im Vergleich zu anderen Arbeitsplatzrisiken (etwa luftgetragenen Giften oder Mikroorganismen) den Vorteil, dass sie mit kleinen, überall einsetzbaren Geräten (s.Dosimeter) leicht messbar ist.

Weiterführendes


Literatur

  • T. Schmidt (Hrsg.): Handbuch diagnostische Radiologie. Springer, Berlin 2003. ISBN 3-540-41419-3
    über Strahlenphysik, Strahlenbiologie, Strahlenschutz
  • Bayerisches Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (Hrsg.): (kostenlose Bestellmöglichkeit unter "Reaktorsicherheit")
    • Radioaktivität und Strahlungsmessung. StMLU, München 2003. ISBN 3-910088-01-5. 244 Seiten, Artikel-Nr: stmugv_stra_00004.
      Übersicht über die meisten Themen des Strahlenschutzes, der Messung und des Umgangs mit Radioaktivität
    • Radioaktivität und Gesundheit. StMLU, München 1996. ISBN 3-910088-82-1. 224 Seiten, Artikel-Nr: stmugv_stra_00001.
      Übersicht über Strahlenwirkung auf Menschen und biologische Materie, natürliche und zivilisatorsische Strahlenexposition, Radioökologie und Radionuklide in der Medizin
  • Koelzer, W.: Lexikon zur Kerntechnik
    Forschungszentrum Karlsruhe. 251 Seiten; kostenlose Bestellmöglichkeit oder als "pdf".
    Nach eigener Aussage "Die Bibel“ aller Nachschlagewerke zum Thema Kernenergie. Fachbegriffe der Kerntechnik werden darin leicht verständlich erklärt.

Siehe auch

Glossar Strahlenschutz

Weblinks

Kernenergie | Strahlenschutz | Katastrophenschutz

Ionising radiation protection | Protección radiológica | Säteilyturvallisuus | Radioprotection | Ochrona radiologiczna | Радиационная защита

 

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