Elfmeter.JPG Der Strafstoß (schweiz. Penalty) beim Fußball, auch Elfmeter genannt, ist eine vom Schiedsrichter verordnete Maßnahme, die eine von einer Regelwidrigkeit benachteiligte Mannschaft in eine aussichtsreiche Position zum Torerfolg bringt. Er wird dann durchgeführt, wenn ein Regelverstoß (meist Foul oder Handspiel), der einen direkten Freistoß nach sich ziehen würde, innerhalb des Strafraumes stattfindet. Da ein Elfmeter eine spielentscheidende Situation sein kann, versuchen einige Spieler, ein Foul vorzutäuschen (so genannte „Schwalbe“), indem sie sich im gegnerischen Strafraum fallen lassen.
Der Strafstoß wird von einem Punkt elf Meter (oder in der englischsprachigen Norm auch 12 yards = 10,9728 m) von der Torlinie in Richtung Mittelpunkt durchgeführt, wobei alle Spieler außer dem Schützen mindestens 9,15 m oder 10 yards (9,144 m) vom Elfmeterpunkt entfernt stehen müssen, das heißt, außerhalb des Strafraums sowie außerhalb des Teilkreises am Strafraum. Bei der Ausführung des Strafstoßes darf sich der Torwart nur auf der Torlinie bewegen. Ein Strafstoß muss vom Schiedsrichter mit einem Pfiff freigegeben werden. Wie beim Freistoß setzt der Schuss das Spiel fort, d. h. alle Spieler können also, falls der Ball nicht ins Tor oder Aus geht oder vor dem Tor liegen bleibt, in der Folge direkt ins Spiel in den Strafraum laufen und eingreifen (Nachschuss). Eine Ausnahme bildet hierbei jedoch der Elfmeterschütze: Er darf den Ball erst dann wieder spielen, wenn nach seinem Elfmeterschuss mindestens ein anderer Spieler den Ball berührt hat. Das bedeutet z. B., dass der Elfmeterschütze den Nachschuss ausführen kann, wenn der Elfmeter vom Torwart abgewehrt wurde. Springt der Ball jedoch vom Pfosten oder der Latte zu ihm zurück, kann er das nicht. Theoretisch dürfte der ausführende Spieler den Ball auch einem Mitspieler vorlegen, anstatt ihn selber aufs Tor zu schießen. In der Praxis kommt das aber fast nie vor, da der Strafstoß eine erstklassige Torchance darstellt.
Beim Hallenfußball gibt es an Stelle des Elfmeters den Neunmeter, der nach ähnlichen Regeln ausgeführt wird.
In 75 bis 80 % der Fälle trifft der Spieler. Bei der Fußball-WM liegt die Quote bei über 80 %. In die linke oder in die rechte Ecke schießen 90 % der Spieler. Die meisten Fußballstars wie Pelé, David Beckham oder Franz Beckenbauer, trafen seltener als andere Fußballer.
Bei einer Torgröße von 7,32 x 2,44 m müsste der Torhüter 18 m² abdecken. Nach Messungen ist der Ball 90-100 km/h schnell. Für die 11 m braucht er nur 0,4 Sekunden. Mathematiker der Uni Erlangen haben ausgerechnet, dass der Torhüter mit der Geschwindigkeit eines 100 m-Läufers in die Ecke fliegen müsste, um den Ball noch zu erreichen.
Obwohl ein perfekt in die Ecke geschossener Elfmeter also nicht zu halten ist, gelingt es einigen Torwarten, deutlich mehr Elfmeter zu halten als ein Durchschnittstorwart. Diese Torhüter verfügen über die Fähigkeit, zumindest bei einigen Spielern zu erkennen, in welche Ecke sie schießen, werfen sich also in die richtige Ecke und haben so die Chance, einen nicht ganz in der Ecke plazierten Ball zu halten. Diese als "Elfmeterkiller" bezeichneten Torwarte sind sehr selten. Beispiele sind der deutsche Nationalspieler Jens Lehmann und der Portugiese Ricardo. Eilt einem Torwart dieser Ruf voraus, macht dies die Schützen noch nervöser, so dass sich zu den gehaltenen Elfmetern leicht noch verschossene Elfmeter hinzuaddieren.
Im Gegensatz zu Liga- oder Gruppenspielen, die in aller Regel auch unentschieden enden können (Punkteteilung), fordern manche Fußballwettbewerbe zwingend einen Sieger. Kann dieser auch nach einer Spielverlängerung von 30 Minuten (nach kurzer Pause zwei Halbzeiten von 15 Minuten) nicht ermittelt werden, folgt in der Regel das so genannte Elfmeterschießen (offiziell Schüsse von der Strafstoßmarke zur Siegerermittlung). Dabei bestimmt jede Mannschaft fünf Spieler, die im Wechsel mit der gegnerischen Mannschaft nacheinander von der Strafstoßmarke (Elfmeterpunkt) zum Torschuss antreten. Im Gegensatz zum Strafstoß ist dabei kein Nachschuss möglich und alle Spieler – mit Ausnahme des jeweiligen Schützen und des gegnerischen Torwarts – müssen sich während des Elfmeterschießens im Mittelkreis (Feldspieler) oder außerhalb des Strafraumes (eigener Torhüter) aufhalten.
Das Elfmeterschießen gewinnt diejenige Mannschaft, die von ihren fünf Elfmetern mehr verwandelt als die andere Mannschaft (z. B. 5:4, wenn die andere Mannschaft einen ihrer Elfmeter „verschießt“). Vergibt ein Spieler einen Elfmeter und gerät seine Mannschaft dadurch in Rückstand, so hat sie noch nicht verloren, sofern noch genügend Elfmeter verbleiben, um den Rückstand wieder aufzuholen (z. B. bei einem Stand von 2:3 nach je drei Elfmetern). Erst nach fünf geschossenen Elfmetern pro Mannschaft wird „abgerechnet“ und der Sieger ermittelt. Ausnahmen:
Das längste Elfmeterschießen gewann der argentinische Verein Argentinos Juniors gegen Racing Club Avellaneda mit 20:19.
Das Elfmeterschießen mit den wenigsten Treffern trugen Steaua Bukarest und der FC Barcelona im Endspiel des Europapokal der Landesmeister 1985/1986 aus. Nach einem 0:0 n. V. verschossen die vier ersten Schützen jeweils ihren Elfmeter. Danach trafen die nächsten beiden Bukarester Spieler, während die beiden Elfmeter für Barcelona auch verschossen wurden. Nach jeweils vier Schützen gewann somit Steaua Bukarest mit 2:0 i. E.
Weil er das Werfen einer Münze als Letztentscheid über ein Fußballspiel, besonders wenn es um den Sieg eines großen Turniers ging, als extrem unbefriedigend empfand, entwickelte der Schiedsrichter Karl Wald aus Frankfurt am Main die Idee des Elfmeterschießens. Er fand 1970 auf dem bayerischen Verbandtstag in München für die von ihm akribisch ausgearbeitete, heute international geltende Regel eine Mehrheit bei den Delegierten gegen den Widerstand der englischen Verbandsführung. Wenig später übernahm der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Regel aus Bayern, kurz darauf folgten die Europäische Fußball-Union (UEFA) und der Weltverband FIFA. Das erste große Turnier, das durch ein Elfmeterschießen entschieden wurde, war die Fußball-Europameisterschaft 1976, als im Finale Deutschland und die Tschechoslowakei aufeinandertrafen. Uli Hoeneß schoss den Ball statt ins Tor in den nächtlichen Himmel von Belgrad, während Antonin Panenka seinen Strafstoß verwandelte und die CSSR zum Europameister machte. Erstmals bei Weltmeisterschaften wurde das Halbfinale Deutschland gegen Frankreich bei der WM 1982 in Spanien mit einem Elfmeterschießen entschieden, wobei Deutschland sich durchsetzte.
Das Elfmeterschießen kann allerdings auch zur Förderung unattraktiven Sicherheitsfußballs beitragen. Dies kann dann passieren, wenn beide Mannschaften aufs Elfmeterschießen hoffen und gegen Ende der regulären Spielzeit bzw. in der Verlängerung nicht mehr in erster Linie eigene Tore schießen, sondern nur noch Tore des Gegners verhindern wollen. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 wurden drei der vier Viertelfinalspiele erst durch Elfmeterschießen entschieden. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 schaffte im Finale Brasilien-Italien keine der beteiligten Mannschaften innerhalb von 90 Minuten regulärer Spielzeit und 30 Minuten Verlängerung einen Treffer, so dass der WM-Titel nach einem 0:0 mit folgendem Elfmeterschießen vergeben werden musste. Brasilien siegte 3:2, Roberto Baggio war der tragische Verlierer. Ähnlich kanpp war das Finale der WM 2006 zwischen Italien und Frankreich (1:1, 5:3 i.E.).
Um das Spiel attraktiver zu gestalten, führte die FIFA in den 1990er-Jahren zeitweise die Golden-Goal-Regelung ein, durch die es seltener zum Elfmeterschießen kommt. Dabei siegt die Mannschaft sofort, die in der Verlängerung als erste ein Tor erzielt. Das Spiel wird zu diesem Zeitpunkt beendet. Da diese Regelung aufgrund der fehlenden Möglichkeit zum Ausgleich vielfach als ungerecht empfunden wurde, wurde sie inzwischen wieder abgeschafft. Auch die Silver-Goal-Regel konnte sich nicht durchsetzen.
Nicht immer ist allerdings auch auf das Elfmeterschießen Verlass. Bei einem Pokalspiel im Jahr 2001 zwischen den englischen Amateurklubs Storthes Hall und Littletown war selbst nach 34 Elfmetern keine Entscheidung gefallen. Wegen inzwischen eingebrochener Dunkelheit musste der Schiedsrichter die Begegnung ohne Sieger abpfeifen.
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