Als Straßentheater werden Formen des Theaters bezeichnet, die im öffentlichen und urbanen Raum stattfinden. Anders als das herkömmliche Theater, ist es keine Veranstaltung für Eliten, sondern richtet sich direkt an alle Menschen. Deswegen wird es vornehmlich, wie sein Name impliziert, auf Straßen gespielt, aber auch auf Plätzen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Parks oder an Häuserfassaden oder auf Bäumen, in großen Städten wie in Dörfern oder in psychiatrischen Anstalten mit den Patienten. Das Straßentheater kommt teilweise ohne ein herkömmliches, begrenztes Repertoire aus und verlässt sich auf die kreativen Kräfte, die durch Improvisation hervorgerufen werden. Dadurch, dass sich die auftretenden Künstler unter freiem Himmel erst einmal Aufmerksamkeit verschaffen müssen, sind viele Straßentheaterstücke sehr spektakulär angelegt, z. B. durch Stelzenläufer, Fackeln oder Musik. Allerdings gibt es sich manchmal auch nicht als Theateraufführung zu erkennen!
Zu dieser Zeit, also Mitte der Sechziger, waren es vor allem Theatergruppen wie das Living Theatre, das aus den USA nach Europa, später nach Brasilien gezogen war, der Jord Circus (Earth Circus) aus Schweden (gegründet von Chris Torch, einem früheren Mitglied des Living Theatre), das Odin Teatret aus Dänemark (gegründet in Oslo von Eugenio Barba, einem Schüler Grotowskis), die San Francisco Mime Troupe (die sich als „Guerillatheater“ verstanden), The New York Street Theatre Caravan oder das von dem Deutschen Peter Schumann gegründete New Yorker Bread and Puppet Theatre aus den USA, die auch in Deutschland auftraten und das Straßentheater als Form des (politischen) Kampfes besonders in der so genannten „Sponti-Szene“ populär machten. Diese Gruppen traten allerdings nur zum Teil auf den Straßen auf; viele von ihnen erprobten schon lange vorher neue Raum- und Theaterkonzepte, die stark von Erwin Piscator und dem „Epischen Theater“ beeinflusst waren.
Zu dieser Zeit wurde auch der polnische Regisseur und Theatertheoretiker Jerzy Grotowski und sein „armes Theater“ (wieder)entdeckt. Gleichzeitig erinnerten sich Gruppen und Künstler an die italienische Commedia dell'arte und es fanden Jonglieren und andere Zirkuskünste immer mehr Zuspruch und eroberten die Fußgängerzonen. Der „Narr“ und Clown wurde wieder populär, hier vor allem durch Jango Edwards, solo oder mit der Friends Roadshow. Andere beschäftigten sich mit dem „Theater der Unterdrückten“ nach Augusto Boal und praktizierten das von ihm entwickelte „unsichtbare Theater“ oder das „Forumtheater“ und ein Anachronistischer Zug bewegte sich durch Deutschland.
Einige Gruppen, wie z. B. der Theaterhof Priessenthal (zu dem auch der vorher durch Theater-, Film- und Fernsehrollen bekannt gewordene Schauspieler Martin Lüttge gehört, der aus dem „offiziellen“ Kulturbetrieb ausgestiegen war), legten sich (Zirkus-)Zelte zu und gingen damit auf Tourneen. Sowieso schon bildeten viele Gruppen durch gemeinsames Wohnen eine Einheit zwischen Wohnen und Arbeiten. Oft wurden Straßentheatergruppen auch von den Kommunen eingeladen um offiziell aufzutreten, so z. B. während der früheren „Summertime“-Reihe der Stadt Frankfurt am Main. Allerdings verlegten viele Gruppen ihre Spielstätte aber zumindest teilweise immer mehr in die Häuser hinein, weil die Inhalte ihrer Produktionen immer komplexer wurden und sich nicht mehr für Aufführungen unter freiem Himmel eigneten; andere fanden leer stehende Räumlichkeiten und ließen sich dort nieder. Aus ihnen gingen dann die Gruppen des „Freien Theaters“ hervor, die (zunächst) unabhängig von finanzieller Förderung ein mitunter qualitativ hochwertiges Programm auf die Bühnen stellten und auch noch stellen, z. B. die Gruppen Die Rote Rübe, Rote Grütze, das theater K und die Grüne Soße. Ein gerne gespielter Autor war in dieser Zeit Dario Fo (siehe dort besonders: „Verstecktes Theatrer“!), der in Italien teilweise selbst an Straßentheateraktionen beteiligt war.
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