Die Salzburger Straßenbahn (1886-1953) bediente im ÖPNV das Stadtgebiet Salzburg und das Umland im Süden und im Norden der Stadt, zeitweise verkehrte sie auch grenzüberschreitend ins benachbarte Berchtesgaden (Deutschland).
Die Salzburger Straßenbahn oder Stadtbahn, wie sie auch genannt wurde, war kein typischer Straßenbahnbetrieb, sondern mehr eine Mischung aus Straßenbahn und Lokalbahn, dementsprechend kam es oft zu einem Mischbetrieb aus mehreren Systemen und zu Linienführungen weit über die Stadtgrenze hinaus, aber im Stadtgebiet doch immer mit Straßenbahncharakter.
Dampfstraßenbahn
In den Jahren
1884 und
1885 bemühten sich der Direktor der Linzer Tramwaygesellschaft
Alexander Werner und der Zivilingeneur
Franz Kreuter um eine Genehmigung zum Bau und Betrieb einer Straßenbahn von
Salzburg Hauptbahnhof (damals Staatsbahnhof) über das Stadtzentrum und
Hellbrunn in Richtung Berchtesgaden. Am 21. April 1885 erhielt Werner dann die Konzession für eine Lokaleisenbahn. Baubeginn war im Juni 1886 und bereits am 10. August 1886 wurde das erste Teilstück vom Hauptbahnhof bis zum Inneren Stein eröffnet. Die Bahn wurde normalspurig (1435 mm) errichtet und als
Dampfstraßenbahn betrieben. Noch im gleichen Jahr wurde sie nach Hellbrunn und zur vorläufigen Endstation Drachenloch (beim
Untersberg) verlängert. Die Dampftramway eroberte bald auch den nördlichen
Flachgau über
Oberndorf bis nach
Lamprechtshausen. In südlichen Stadtteil
Parsch wurde die Talstation der
Gaisbergbahn an das Straßenbahnnetz angeschlossen.
Pferdestraßenbahn
Die Pferdebahn verkehrte im Gegensatz zur Dampftramway als reine innerstädtische Straßenbahn, anfangs als innerstädtische Taktverdichtung zur Dampftramway, dann durch die Altstadt, am
Dom vorbei mit Anschluss an die
Festungsbahn und schließlich durch das
Sigmundstor bis
Riedenburg. Die Pferdestraßenbahn wurde schließlich elektrifiziert und durch die Gelbe Elektrische (die eigentliche Salzburger Straßenbahn) ersetzt.
Gelbe Elektrische
Die Gelbe Elektrische wurde so genannt wegen der markanten Farbgebung der Fahrzeuge. Die Gesamtstrecke war 3 km lang und führte vom Salzburger Hauptbahnhof ausgehend unter gemeinsamer Gleisnutzung mit der Dampftramway/Roten Elektrischen über den
Mirabellplatz und den Markartplatz zum Platzl. Dort wurde über die Staatsbrücke die
Salzach überquert, und es ging weiter durch die engen Gassen der Altstadt über den alten Markt vorbei am berühmten Café Tomaselli, wo sich eine Ausweiche befand, durch die Churfürstenstraße und das
Neutor und den
Mönchsberg bis nach Riedenburg.
Die Gesamtfahrzeit vom Hauptbahnhof bis Riedenburg betrug 15 Minuten, und die Bahn verkehrte zu ihren besten Zeiten im 4,5-Minuten-Takt!
Im Jahr 1927 wurden der Stadt von einem Kinobesitzer und einem benachbarten Gastwirt in
Maxglan die Finanzierung einer Verlängerung bis zu seinem Kino (650m) angeboten, die Stadt hätte dafür lediglich die Brücke über den
Almkanal verstärken müssen, wozu sie aber nicht in der Lage war.
Rote Elektrische
Als Rote Elektrische wurde die elektrisch geführte Bahn von Salzburg Hauptbahnhof in Richtung Süden über Mirabellplatz, Platzl, Äußerer Stein, Nonntal,
Hellbrunn,
Anif und weiter bis zur Staatsgrenze beim Hangenden Stein (
Untersberg), sowie vom Hauptbahnhof über Äußerer Stein nach Parsch zur Talstation der Gaisbergbahn und in Richtung Norden ebenfalls vom Hauptbahnhof ausgehend über
Bergheim,
Oberndorf nach
Lamprechtshausen bezeichnet.
Nach Einstellung der Gelben Elektrischen verblieb die Rote Elektrische noch bis
1953 als Straßenbahn im Salzburger Stadtbild.
Grüne Elektrische
Als Grüne Elektrische war das
bayerische Gegenstück zur Salzburger Roten Elektrischen bekannt. Die Grüne verkehrte von Berchtesgaden bis zum Grenzübergang Hangender Stein und weiter auf den Gleisen der Roten Elektrischen bis zum Salzburger Hauptbahnhof. Die Fahrzeuge der Grünen waren baugleich mit denen der Roten, nur gehörten sie nicht der SETG (Salzburger Eisenbahn und Tramway Gesellschaft), sondern den
Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen (K.Bay.Sts.B) – der Betrieb auf der Grünen Elektrischen war demnach eine Kooperation von K.Bay.Sts.B und SETG.
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| Kilo- meter | Höhe m | Haltestelle | Bemerkung
|
| 0,0 | 426 | Salzburg Hauptbahnhof |
|
| 0,6 | | Fünfhaus |
|
| 1,1 | | Kurhaus |
|
| 1,5 | | Bazar |
|
| 2,0 | | Mozartsteg |
|
| 2,3 | | Äußerer Stein |
|
| 3,0 | | Nonntal |
|
| 3,8 | | Äußeres Nonntal |
|
| 4,0 | | Kleingmein |
|
| 6,0 | | Morzg |
|
| 7,1 | | Hellbrunn |
|
| 8,4 | | Anif |
|
| 10,8 | | Grödig |
|
| 12,3 | | Sankt Leonhard-Gartenau |
|
| 12,8 | | Drachenloch |
|
| 13,6=12,6 | | Hangender Stein |
|
| | | | Hangender Stein-Tunnel (35 m)
|
| | | Staatsgrenze Österreich- Deutschland |
|
| 9,8 | 477 | Marktschellenberg |
|
| 6,3 | 501 | Almbachklamm |
|
| 4,8 | 512 | Au bei Berchtesgaden |
|
| 2,1 | | Bergwerk |
|
| 1,3 | | Berchtesgaden Ostbahnhof |
|
| 0,0 | | Berchtesgaden Hauptbahnhof |
|
Inbetriebnahme von Strecken der Salzburger Straßenbahn:
Betriebseinstellungen
Die Pferdestraßenbahn wurde von der Gelben Elektrischen abgelöst, welche wiederum im Herbst 1940 Stück für Stück durch den
O-Bus ersetzt wurde.
Die Dampftramway wurde elektrifiziert und zur Roten/Grünen Elektrischen. 1953 verschwand die Schiene jedoch endgültig aus der Salzburg Innenstadt. Wie so viele Bahnen fielen auch die Südlinien der Roten Elektrischen dem Autowahn der 1950er Jahre zum Opfer.
Einstellung von Strecken der Salzburger Straßenbahn:
Salzburger Lokalbahn
Einzig die Nordlinie der Roten Elektrischen wurde nicht eingestellt. In den
1970er Jahren kursierten zwar auch über diese verbliebene Linie Einstellungsgerüchte, doch die Politik entschied anders und wagte einen Investitionsschub. Seitdem geht es mit der Nordlokalbahn stetig bergauf.
1981 wurden moderne Triebwagen bestellt und ein Taktfahrplan eingeführt. In den
1990er Jahren wurde die Station am Hauptbahnhof in Form einer vollwertigen U-Bahnstation in zweifacher Tieflage unter den Bahnhofsvorplatz verlegt und soll somit die Voraussetzung für eine zukünftige unterirdische Verlängerung als Stadtbahn sein. Heute verkehrt die Bahn, welche von der
Salzburger Lokalbahn betrieben wird, als Linie S1 der
Salzburger S-Bahn zwischen der unterirdischen Station am Hauptbahnhof und Lamprechtshausen.
Zukunft
Seit den 80er Jahren erstickt Salzburg immer mehr im Verkehr. Zwar wurde das
O-Bus-Netz kontinuierlich ausgebaut und jetzt auch ein
S-Bahnsystem eingerichtet, trotzdem steht der Obus im
Stau, während die
S-Bahn die Innenstadt nicht erreicht. Als Folge tauchen immer wieder verschiedenste Lösungsvorschläge auf, darunter auch eine Wiedererrichtung der Straßenbahn, die Wahrscheinlichkeit dafür dürfte aber nicht sehr groß sein. Näher an der Realisierung ist die schon seit Jahren geplante und in dutzenden
Studien bearbeitete unterirdische Verlängerung der Lokalbahnstrecke vom Hauptbahnhof über Mirabellplatz, Staatsbrücke (Station direkt unter der Salzach geplant),
Residenzplatz und ab Nonntal wieder oberirdisch auf der
Alpenstraße in Richtung Süden. Ob die Salzburger Straßenbahn auf diese Weise als
Stadtbahn noch einen zweiten Frühling erfährt, ist aber noch ungewiss.
Literatur
- Salzburger Lokalbahnen (Harrer, Holcomb) Verlag Slezak, Wien 1980, ISBN 3-900134-14-6
- Salzburgs Nahverkehr (Alois Fuchs) Verlag A. Winter, Salzburg 1986, ISBN 3-85380-053-X
- Die elektrische Lokalbahn in Salzburg (Gunter Mackinger) Verlag Pospischil, Wien 1992
- Die modernen Triebwagen der Salzburger Lokalbahn (Mackinger, Mauracher) Verlag Slezak, Wien 1992, ISBN 3-85416-157-3
- Die Salzburger Lokalbahn Gestern Heute Morgen (Mackinger) Salzburger Stadtwerke, Salzburg 1996
Siehe auch
Salzburg (Stadt) | Bahnstrecke in Salzburg | Straßenbahnbetrieb | Bahnstrecke in Bayern